Romantik Epoche Blaue Blume
Die Blaue Blume ist das zentrale Symbol der Romatik Epoche. | Foto: Irina Iriser/Unsplash
Autor

02. Okt 2019

Elena Weber

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Romantik: Epoche der großen Gefühle

Weltflucht, Mystik und die Blaue Blume

Die Epoche der Romantik

Die Romantik ist eine Epoche, die einerseits das beeinflusst hat, was wir heute noch unter dem Begriff "romantisch" verstehen: Betont werden große Gefühle. Außerdem steht die Epoche für Sehnsucht und das Schweifen in die Ferne. Trotz diesem Einfluss auf unser heutiges Verständnis von Romantik ging es in der Epoche selbst jedoch nicht direkt um romantische Liebesgefühle, sondern vielmehr um das Mystische, das Geheimnisvolle sowie die Hinwendung zu Natur. Auch ein starker Ich-Bezug ist ein Merkmal dieser Zeit.

Der Begriff "Romantik" leitet sich von "lingua romana" ("romanische Sprache") ab. Dieser bezog sich auf Schriften, die in der Sprache der romanischen Länder und nicht wie üblich auf Latein verfasst wurden. Durch die damit einhergehende Hinwendung zur eigenen Kultur gewannen auch die Sagen und Mythen des Mittelalters wieder an Bedeutung.


"Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder." (Novalis, Lyriker der Romantik)


Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Zeitgeschichtliche Einordnung
  3. Gegenbewegung zur Klassik
  4. Merkmale
  5. Motive und Symbole
  6. Literatur
  7. Überblick

Romantik Epoche: Definition

Flackernder Kerzenschein, ein goldener Sonnenuntergang am rauschenden Meer oder eine laue Mondnacht – das sind die typischen Vorstellungen, die wir heute von Romantik haben. Der Begriff bezeichnet aber nicht nur ein sentimentales Gefühl, sondern auch eine Literaturepoche. Diese reichte vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein. An der Romantik Epoche kannst du sehen, dass Literaturepochen auch zeitgleich zueinander verlaufen können und sich gegenseitig beeinflussen. Denn die Romantik ist eine Reaktion und Gegenbewegung zu zwei anderen Epochen dieser Zeit: Aufklärung und Weimarer Klassik.

Als Reaktion auf die vernunftbetonte Philosophie der Aufklärung stellte die Romantik Themen wie Gefühl, Leidenschaft, Individualität sowie mittelalterliche Helden in den Mittelpunkt. Damit lehnte sie auch den von der Weimarer Klassik betriebenen Klassizismus ab, der sich an antiken Vorbildern orientierte.

Zeitgeschichtliche Einordnung

Die Literaturepoche der Romantik wird auf die Jahre 1795 bis 1848 datiert. Sie kann in drei Phasen unterteilt werden:

  1. Frühromantik (bis 1804)
  2. Hochromantik (bis 1815)
  3. Spätromantik (bis 1848)

Insgesamt war die Epoche geprägt von gesellschaftlichen Umbrüchen und technischen sowie wissenschaftlichen Neuerungen: Die Industrialisierung führte zu Verstädterung und Landflucht, die Französische Revolution wälzte das gesamte europäische Gesellschaftssystem vollkommen um. An die Stelle einer feudalen Gesellschaft trat eine selbstbewusst bürgerliche. Der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 führte dazu, dass in Preußen zahlreiche Reformen verabschiedet wurden, beispielsweise eine Bildungsreform, die Bauernbefreiung, die Städteordnung oder die Gewerbefreiheit.

All diese Ideen wurden zerstört, als Napoleon in Folge der Befreiungskriege (1813 bis 1815) in Waterloo geschlagen wurde und der Wiener Kongress beschloss, in Europa wieder die alte Ordnung herzustellen

Romantik: Eine Gegenbewegung zur Klassik

Ursprünglich ist die Romantik als Gegenbewegung zu Klassik und Aufklärung zu verstehen. In einer immer wissenschaftlicher und technisch werdenden Welt wollten die Romantiker Mythen und Rätsel bewahren, die durch Wissenschaft und Naturwissenschaft immer mehr gelöst werden konnten. Sie sehnten sich nach dem Geheimnisvollen, Träumerischen und Unerklärbaren. Ihre Umwelt empfanden sie als feindselig; sie verachteten die lauten und schmutzigen Städte und versuchten, den politischen Turbulenzen und gesellschaftlichen Umbrüchen regelrecht zu entfliehen. Angelehnt an den Ich-Kult des Sturm und Drang rückten sie zudem das Innenleben des Individuums in den Vordergrund.


Romantik Epoche Verklärung Mittelalter


Merkmale der Romantik

Die Denkweise dieser Epoche spiegelt sich in bestimmten Themen und Merkmalen wider. Diese finden sich in sämtlichen Bereichen der Kunst und somit auch in der Literatur. Wenn du also eine Gedichtanalyse schreiben musst, kannst du an diesen inhaltlichen Elementen ganz leicht erkennen, dass es sich um ein Gedicht aus der Romantik handelt.

Weltflucht

Die Romantiker lehnten die gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit bewusst ab. Sie hatten Angst vor dem Verlust von Geborgenheit und flüchteten sich in Melancholie und fantastische Welten, um sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen.

Hinwendung zur Natur

Die Natur spielt in der Romantik eine große Rolle. Sie war nicht nur der Gegenpol zu den als lebensfeindlich wahrgenommenen, durch die Industrialisierung immer voller werdenden Städten. Vielmehr war sie auch der Ort, an dem die Romantiker ihre Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen und Schönen ausschöpfen konnten. Deswegen ist die Idealisierung der Natur typisch für die Romantik.

Verklärung des Mittelalters

Nicht nur die Idealisierung der Natur ist ein charakteristisches Epochenmerkmal. Die romantische Weltflucht zeigte sich auch in einer starken Verklärung des Mittelalters. Bis dahin hatte das Mittelalter ein schlechtes Image. Die Umwälzungen im 19. Jahrhundert führten dazu, dass man die damalige Kunst und Architektur plötzlich schätzte und sich der mittelalterlichen Sagenwelt zuwandte. Auch entstanden in der Romantik erstmals Sammlungen sogenannter Volkspoesie – zu ihnen gehören beispielsweise Grimms Märchen. Auch Ritterbünde wurden gegründet. Die Missstände des Mittelalters wurden bei dieser ganzen Verherrlichung natürlich außer Acht gelassen.

Rückzug in Fantasie- und Traumwelten

In ihrem Ausmaß einzigartig in der Literaturgeschichte ist der in der Romantik betriebene Rückzug in Fantasie- und Traumwelten. Statt wie die Wissenschaft alles mit dem Verstand zu erklären, sollte die Fantasie herrschen und Grenzen sprengen: die Grenzen des Verstandes, die Grenzen zwischen Wissenschaft und Poesie und die Grenzen zwischen den verschiedenen Literaturformen.

Betonung des Individuums

Das Innenleben des Einzelnen steht im Vordergrund romantischer Werke, subjektive Gefühle stehen über dem Verstand.

Romantische Ironie

Die romantische Ironie besagt, dass der Autor über seinem Werk steht. Dies gibt ihm die "Macht", die von ihm geschaffenen Bilder und Geschichten zu zerstören. Dieses Merkmal taucht nicht in jedem romantischen Werk auf, wird am Beispiel von Ludwig Tiecks Komödie "Der gestiefelte Kater" aber deutlich. Dort sprechen zwei Figuren über die Qualität eben dieser Komödie. Das Werk erkennt sich also selbst als Werk.

Motive und Symbole der Romantik

Die Themen der Romantik zeigen sich in verschiedenen Motiven und Symbolen. Zu ihnen gehören die Blaue Blume, das Spiegel- und das Nachtmotiv.

Die Blaue Blume

Die Blaue Blume ist das zentrale Motiv der Romantik. Sie symbolisiert Sehnsucht und Liebe und verbindet Natur, Mensch und Geist. Außerdem steht sie für das Streben nach der Erkenntnis der Natur und damit des Selbst. Zuerst wurde dieses Symbol von dem Dichter Novalis verwendet.

Spiegelmotiv

Im Spiegelmotiv zeigt sich die Hinwendung der Romantik zum Unheimlichen – denk an das Märchen Schneewittchen und die Rolle, die der Spiegel darin spielt. Gleichzeitig ist der Spiegel die Schnittstelle zwischen Realität und Irrealität und stellt das eigene Ich in den Vordergrund. Auch das lässt sich sehr gut am Schneewittchen-Märchen nachvollziehen.

Nachtmotiv

Die Nacht hat ebenfalls eine besondere Bedeutung in der Romantik. Sie ist der Schauplatz für zahlreiche weitere Motive dieser Epoche: Tod, Vergänglichkeit und nicht alltägliche, obskure Phänomene.


Romantik Epoche das Unheimliche


Typische Schauplätze der Romantik:

  • Friedhöfe
  • Ruinen
  • alte Burgen
  • dunkle Wälder
  • Moore
  • Höhlen
  • andere Naturlandschaften

Die Literatur der Romantik

Anders als in anderen Epochen, wie beispielsweise dem Barock, folgen die literarischen Werke der Romantik keinem festgelegtem Schema. Abgesehen davon, dass sie epochentypischen Symbole und Themen behandeln, sind sie weder in Inhalt noch in Form an Vorgaben gebunden. Da es in der Romantik um subjektive Gefühlswelten ging, bevorzugten die Literaten dieser Epoche vor allem die Lyrik. Doch auch andere literarischen Gattungen und Textformen waren beliebt und sehr innovativ – der amerikanische Schriftsteller Edgar Allen Poe schuf mit "Metzengerstein" (1832) sogar eine neue Textform: die Kurzgeschichte.

Friedrich Schlegel prägte den Begriff der "progressiven Universalpoesie". Sie sollte die vorherrschenden Schemata, die für ein bestimmtes literarisches Werk galten, sprengen und den Künstler als freischaffendes Genie in seiner fantasievollen Schaffenskraft nicht einschränken. Grenzen zwischen den literarischen Gattungen Epik, Dramatik und Lyrik sollten verschwinden, literarische Texte stattdessen eine Verbindung zu Kunst und Wissenschaft schaffen. Progressiv war diese Universalpoesie, weil sie fortschrittlich, erweiterbar und niemals abgeschlossen sein sollte. Aus diesem Grund ist die Poesie der Romantik häufig unvollendet und das Fragment eine wichtige Textart dieser Literaturepoche.

Schwarze Romantik

Die Schwarze Romantik ist eine Unterströmung der Romantik, die sich dem Unheimlichen zuwendet. Typisch für sie ist der Schauerroman. Er zeichnet sich durch seine Faszination für das Böse und Gruselige aus. Aus ihm entwickelte sich die moderne Horrorliteratur des 19. Jahrhunderts.

Wichtige Literaten und Werke

  • Joseph von Eichendorff (1788 bis 1857), "Mondnacht"
  • E.T.A. Hoffmann (1776 bis 1822), "Der Sandmann"
  • Bettina von Armin (1785 bis 1859), "Die Günderode"
  • Jakob (1785 bis 1863) und Wilhelm Grimm (1786 bis 1859), Kinder- und Hausmärchen

Die Romantik Epoche im Überblick:

  • Zeitraum: 1795 bis 1848
  • Wichtige Ereignisse: die Französische Revolution, Industrialisierung, Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Sieg über Napoleon und Wiener Kongress.
  • Merkmale: Verklärung des Mittelalters, Weltflucht, Hinwendung zur Natur, Betonung subjektiver Gefühle und des Individuums, Rückzug in Fantasie- und Traumwelten, Faszination des Unheimlichen.
  • Symbole: Die Blaue Blume, Spiegel- und Nachtmotiv
  • Universalpoesie: Literatur sollte nicht an Vorgaben gebunden sein -> Vermischung der literarischen Gattungen

Weitere Literaturepochen:


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