Symbolismus (1890–1920): Darum geht es in dieser Epoche!

Elena Weber - 17.04.2020

Symbolismus Literaturepoche

In Werken des Symbolismus musst du die Bedeutung hinter den Wörtern suchen. | Foto: Farknot_Architect /Getty Images

Symbolismus: einer von vielen

Pünktlich zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam es, angetrieben von bedeutenden wissenschaftlichen Entdeckungen und der fortschreitenden Industrialisierung, zu tief greifenden Veränderungen im Leben und Denken der Menschen. Die Epoche der Moderne begann. Mit ihr vollzog sich ein kompletter Bruch mit allem, was es bisher gegeben hatte. 

Ein großer Unterschied der Moderne zu anderen Literaturepochen ist ihre Vielfältigkeit, der sogenannte Stilpluralismus. Er brachte zahlreiche weitere Epochen und literarischen Strömungen hervor. Eine davon war der Symbolismus. Wir erklären dir alles, was du für Deutsch im Abitur über den Symbolismus wissen musst.

"Das Schlimmste auf der Suche nach der Wahrheit ist, dass man sie am Ende findet." (Rémy de Gourmont, französischer Schriftsteller und Theoretiker des Symbolismus)

Auf einen Blick: Symbolismus

  • Zeitraum: 1890–1920
  • Einordnung: fällt in die Zeit der Moderne
  • bedeutende Ereignisse: der Erste Weltkrieg, Urbanisierung und Industrialisierung
  • Merkmale: das Symbol
  • Literatur: bevorzugt Lyrik
  • Vertreter /-innen: Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal

Definition: Die Literaturepoche des Symbolismus

Neben Impressionismus, Expressionismus, Dadaismus, Fin de Siècle, Ästhetizismus oder Jugendstil gehörte auch der Symbolismus zu den zahlreichen Strömungen, die sich in der Moderne entwickelten. Du kannst dir die Moderne also als eine Art "Überepoche" vorstellen, in der viele weitere Epochen entstanden.

Die Epoche des Symbolismus ist somit eine der vielen Ausprägungen der Moderne und Teil einer sehr experimentellen und kreativen Zeit. Der Symbolismus umfasst den Zeitraum von 1890 bis 1920. Der Begriff geht auf das "Symbolische Manifest" des französischen Dichters Jean Moréas zurück und hat somit seinen Ursprung in Frankreich. In seinem Manifest legt Moréas die Abneigung der Symbolisten gegenüber einem klaren Sinn und Sachlichkeit dar. Denn den Vertretern und Vertreterinnen des Symbolismus ging es um etwas ganz anderes: Sie wollten eine Welt der Schönheit erschaffen.

Zeitgeschichtliche Einordnung

Wie bei allen Epochen der Moderne, so liegen auch die Wurzeln des Symbolismus in den zahlreichen Umwälzungen und Veränderungen um die Jahrhundertwende. Dazu gehörten technische und wissenschaftliche Fortschritte wie die Entdeckung der Röntgenstrahlen, der Radioaktivität oder der Relativitätstheorie sowie die Industrialisierung. Sie beeinflussten auch das Denken der Menschen: Es kam zur Säkularisierung, das heißt, die Menschen lösten sich von der Religion. Auf philosophischer Ebene entwickelten sich die Theorien von Materialismus und Positivismus. Und mittendrin waren die Menschen, denen sich einerseits neue Perspektiven boten. Andererseits löste der radikale Umbruch nicht nur Aufbruchstimmung aus. Vielmehr vermittelte er den Menschen das Gefühl, Teil einer sterbenden Welt zu sein. Entsprechend pessimistisch und von Untergangsstimmung geprägt  war das Weltbild dieser Zeit.

Merkmale des Symbolismus

Der Name verrät dir schon, welches Merkmal im Symbolismus besonders typisch war: das Symbol. Ein Symbol ist ein bildhaftes Zeichen, das eine allgemeingültige Aussagekraft besitzt. Das heißt, es ist ein Sinnbild oder ein Bedeutungsträger, der stellvertretend den tieferen Sinn eines Gegenstandes, Motivs oder Vorgangs transportiert. So ist beispielsweise das Kreuz ein Symbol für das Christentum, die Taube ein Symbol für den Frieden oder der Ring ein Symbol für die Treue.

Da der Symbolismus wie alle Strömungen der Moderne eine Gegenbewegung zu Realismus (1848–1890) und Naturalismus (1880–1900) war, lehnten die Vertreterinnen und Vertreter dieser Strömung die realistische, sachliche Darstellungsweise dieser beiden Epochen ab. Sie wollten vielmehr eine symbolische Vision einer schönen Welt erschaffen. Das Symbol war dafür das zentrale Stilmittel, das sie verwendeten. Sie begriffen es als Bruchstück der Wirklichkeit, das sie einsetzten, um eine neue Wirklichkeit zu erschaffen. 

Weitere Literaturepochen

Literatur des Symbolismus

Die Literaten und Literatinnen des Symbolismus folgten einem klaren Motto: "L’art pour l’art", was "Kunst um der Kunst willen" bedeutet. Darin zeigt sich, wie sehr sich die Vertreter und Vertreterinnen dieser Epoche von den möglichst realitätsnahen Darstellungen des Hässlichen, die im Realismus und vor allem im Naturalismus typisch waren, abgrenzten. Sie wollten in ihren Werken kein objektives, schonungsloses Bild der Wirklichkeit wiedergeben. Ihnen ging es darum, ihre eigene, mystische Kunstwelt zu kreieren.

Die bevorzugte literarische Gattung der Symbolisten und Symbolistinnen war die Lyrik. Diese wollten sie erneuern: Aus der "poésie engagée" ("engagierte Poesie"), die, etwa im Naturalismus, politische und soziale Ziele verfolgte, sollte die "poésie pure" ("reine Poesie") werden. Sie zeichnete sich durch eine formvollendete, schöne Sprache aus. Dazu experimentierten die Autorinnen und Autoren des Symbolismus mit der Musikalität der Sprache, die durch den Einsatz von Rhythmus und Metrum entsteht. Weitere typische rhetorische Mittel dieser Stilrichtung sind Wortneuschöpfungen, Lautmalereien und Synästhesien. Außerdem findest du in symbolischen Gedichten viele Assoziationen und Bilder in Form von Metaphern, Vergleichen oder Allegorien. Das führt zum einen dazu, dass die Gedichte dieser Epoche oft sehr überladen und schwülstig wirken, also ähnlich dem Stil, den du bereits aus dem Barock kennst. Zum anderen wurden den Wörtern so tiefere Assoziationen verliehen, was sie tiefgründig und geheimnisvoll machte.

Die Funktion des Symbols

Die Symbolhaftigkeit der Sprache wirkte sich natürlich auf die Lyrik aus. Zum einen verlieh sie ihr eine Mehrdeutigkeit, das heißt, sie vermittelte nicht die eine Wahrheit, sondern ließ Raum für Interpretationen. Dadurch kam auch dem Leser oder der Leserin eine aktive Rolle zu: Er oder sie musste eigene Gedanken, Ideen und Gefühle in das Gedicht legen, um es zu verstehen. 

Was für die symbolistische Literatur gilt, gilt auch für die symbolistische Kunst: Hinter dem Sichtbaren liegt immer etwas Unsichtbares, hinter dem Symbol immer eine Bedeutung, die erschlossen werden muss. Die Symbolik zu verstehen ist somit ausschlaggebend dafür, das Werk in seiner Gesamtheit zu begreifen. Das war jedoch nicht immer der Fall. Manchmal verstanden auch nur eingeweihte Dichterinnen und Dichter die so geschaffene Kunstwelt.

Symbolismus in Deutschland

In seinem Ursprungsland Frankreich hatte der Symbolismus einen deutlich höheren Stellenwert in Kunst und Literatur als in Deutschland. Entsprechend waren es auch französische Dichter, die die Entwicklung des Symbolismus vorantrieben.

Bedeutende Vertreter des deutschsprachigen Symbolismus waren Stefan George, Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke. Rilkes Symbolismus zeigt sich vor allem in seinen Dinggedichten wie "Der Panther" oder "Der Schwan". Sie stellen Objekte oder Situationen distanziert dar. Das so beschriebene Äußere soll dabei symbolisch für das Innenleben des "Dings" stehen.

Wichtige Autoren und Werke

  • Rainer Maria Rilke (1875–1926), z.B. "Der Panther"
  • Hugo von Hofmannsthal (1874–1929), z.B. "Reitergeschichten"
  • Stefan George (1868–1933), z.B. "Algbal"

Der Symbolismus im Überblick:

  • Der Symbolismus ist eine Epoche zur Zeit der Moderne.
  • Er hat ein zentrales Merkmal: das Symbol.
  • Die Autoren und Autorinnen wollten eine eigene geheimnisvolle Kunstwelt schaffen.
  • Die Kunst sollte nur sich selbst verpflichtet sein ("L’art pour L’art").
  • Typisch ist eine schöne, bildhafte und sinnliche Sprache.

Tipp

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