Gedichtanalyse Deutsch
Bei der Gedichtanalyse musst du strukturiert vorgehen und auf Details achten. | Foto: finwall/Getty Images
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19. Nov 2018

Carolin Streckmann

Abitur lernen

Gedichtanalyse

Alles zu Aufbau und Vorbereitung

Die Bedeutung hinter den Worten

Egal ob Gedichte, Romane oder Sachtexte – in der Oberstufe wird im Fach Deutsch ständig etwas analysiert und interpretiert. Gerade vor der Gedichtanalyse haben viele aber Angst. Erst muss man die meist untypische Sprache verstehen, den Inhalt erfassen und dann auch noch anhand von Sprache und Form erkennen, was zwischen den Zeilen steht. In der Oberstufe muss man das Gedicht oft in seine kleinsten Bestandteile zerlegen, um die Aufgabenstellung zu erfüllen. Kein Wunder, dass es vielen dann schon vor der Abiturprüfung graust. Aber keine Sorge, wenn du strukturiert vorgehst, ist auch die Gedichtanalyse schaffbar.

Gedichtanalyse: Was genau ist das eigentlich?

Bevor du anfangen kannst, ein Gedicht auseinanderzunehmen, solltest du dir zunächst einmal darüber klar werden, was die anstehende Analyse eigentlich bedeutet. "Analyse" ist eine Ableitung von dem griechischen Wort "análysis", das man mit "Auflösung" übersetzen kann. Das Ziel einer Analyse ist also, einen Gegenstand – in diesem Fall ein Gedicht – in seine Bestandteile aufzulösen, um zu schauen, was dahinter steht, also die Bedeutung herauszuarbeiten. Wichtig ist dabei, dass du erst alles heraus arbeiten musst, was bedeutsam sein könnte, bevor du all diese Aspekte in einer anschließenden Interpretation bewertest und auf die Bedeutung des Gedichts schließen kannst.

So baust du eine Gedichtanalyse auf

Ebenso wie das Gedicht selbst ist auch für deine Analyse die Form ein entscheidendes Kriterium. Sie sollte einem bestimmten Aufbau folgen und eine Einleitung mit einer kurzen Beschreibung des Gedichts, einen Hauptteil mit der detaillierten Analyse und einen Schluss enthalten, in dem du deine Ergebnisse abschließend zusammenfasst und bewertest.

Die Einleitung: Informationen zu Autor, Gedicht und Inhalt

In der Regel beginnst du die Einleitung mit einem Einleitungssatz, der Autor, Titel, Informationen zur Veröffentlichung – beispielsweise das Erscheinungsjahr –, die Gedichtart und das Thema des Gedichts enthält. Nachdem du diesen Mammutsatz formuliert hast, kannst du das Gedicht zeitlich in eine der Literaturepochen einordnen. Dann folgt eine knappe Inhaltsangabe und eine Deutungshypothese, in der du deinen persönlichen ersten Leseeindruck schilderst und eine These zur Bedeutung des Gedichts aufstellst.

Der Hauptteil: Alles wird untersucht

Hier liegt die eigentliche Analysearbeit. Du musst sehr spitzfindig vorgehen und auch auf kleine Details achten. Dabei solltest du dich nacheinander dem Inhalt, der Form und der Sprache des Gedichts zuwenden. Im Anschluss folgt die Interpretation.

Was sagt der Inhalt aus?

Die Inhaltsanalyse sollte nicht mit der Inhaltsangabe verwechselt werden. Die hast du ja bereits in der Einleitung geschrieben. Hier geht es vielmehr darum, den inhaltlichen Aufbau nachzuvollziehen. Lässt sich das Gedicht in Sinnabschnitte einteilen? Gibt es Steigerungen oder eine Zäsur? In diesem Abschnitt kannst du auch den Titel des Gedichts in Zusammenhang zu dem beschriebenen Geschehen oder der beschriebenen Situation setzen. Zuletzt solltest du dir ansehen, wer das lyrische Ich ist und woran man es erkennt. Nicht vergessen: Das lyrische Ich ist in der Regel nicht der Autor.

Was lässt sich in der Form des Gedichts erkennen?

Zur Untersuchung der Form des Gedichts kannst du einfach beginnen: Wie viele Verse und Strophen gibt es? Auch das Reimschema ist häufig leicht zu erkennen. Handelt es sich vielleicht um einen Kreuz- oder Paarreim? Im Anschluss kannst du beschreiben, welches Versmaß vorherrscht, also welche Silben in einem Vers betont werden. Dabei solltest du auch darauf achten, ob die Endsilben eines Verses betont, also eine männliche Kadenz, oder unbetont, also eine weibliche Kadenz, sind.

Welche sprachlichen Aspekte vermitteln weitere Informationen?

Alles, was mit der Sprache des Gedichts zu tun hat, ist in diesem Teil deiner Analyse richtig. Dafür kannst du zunächst gucken, ob dir Auffälligkeiten in der Sprache begegnen. Kommen bestimmte Wortgruppen, wie z.B. Adjektive besonders häufig vor? Werden manche Wörter wiederholt? Oder gibt es bestimmte Schlüsselwörter oder Wortfelder, die dir bedeutsam scheinen? Du kannst auch schauen, ob durch bestimmte Worte eine Stimmung erzeugt wird. Besonders wichtig sind in diesem Abschnitt die sprachlichen Mittel, wie beispielsweise Metaphern, Anaphern oder Euphemismen. Solche Stilmittel musst du im Text ausfindig machen und benennen. Auch im Satzbau können solche Stilmittel, z.B. Parallelismen oder Parataxen, untersucht werden. Zuletzt sollte in diesem Abschnitt auch die Zeitform beachtet werden, in der das Gedicht steht. Denn die Bedeutung des Gedichts kann davon abhängig sein, ob es z.B. im Präteritum oder Futur geschrieben ist.

Welche Bedeutung steckt hinter alldem?

Nachdem du in den vorherigen Schritten wichtige Auffälligkeiten heraus gearbeitet hast, geht es jetzt darum, deren Bedeutung zu bestimmen. Warum beispielsweise gibt es eine inhaltliche Zäsur? Wieso wurde gerade dieses Versmaß vom Autor gewählt? Welchen Hintergrund hat der Vergleich im dritten Vers? Hierbei wird die zeitliche Einordnung aus der Einleitung wichtig. Denn die Literatur-Epochen geben dir in der Regel wichtige Anhaltspunkte für die Interpretation. Manche Stilmittel sind in bestimmten Epochen besonders häufig vertreten und zu einigen Zeiten haben sich Autoren mit manchen Themen besonders beschäftigt. Auch durch den Hintergrund des Autors kann ein Deutungsansatz gefunden werden. Daneben ist hier auch wichtig, einen Zusammenhang zwischen Inhalt und Form herzustellen. Auch dabei ist die Frage wichtig, was dieser Zusammenhang bedeutet.

Der Schlussteil: Die Ergebnisse werden bewertet

Zum Abschluss deiner Gedichtanalyse fasst du zusammen, was die Intention des Werks ist und überprüfst dabei, ob du mit deiner Deutungshypothese zu Beginn richtig lagst. Falls du jetzt merken solltest, dass du am Anfang noch anders über das Gedicht gedacht hast, kannst du die These jetzt korrigieren. Abschließend ist noch eine persönliche Wertung des Gedichts deinerseits möglich.


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Gedichtanalyse TippsTipps zur Herangehensweise

  • Bevor du mit der Analyse beginnst, solltest du immer die Aufgabenstellung genau lesen. Darin können Hinweise darauf enthalten sein, welche Gesichtspunkte du besonders beachten solltest. In der Abi-Klausur kann es passieren, dass du zwei Gedichte bekommst, von denen du eins analysieren und dann das zweite damit vergleichen sollst.
  • Außerdem kann es hilfreich sein, das Gedicht so oft zu lesen, bis du es verstehst und erst danach Auffälligkeiten zu markieren. Dabei solltest du ausführlich und am besten mit verschiedenen Farben arbeiten.
  • Achte beim Schreiben darauf, Absätze einzubauen, damit deine Analyse übersichtlich bleibt und man beim Lesen die Struktur nachvollziehen kann.
  • Vor allem im Hauptteil ist die Objektivität sehr wichtig. Deswegen musst du immer alles am Gedicht belegen, d.h. die Verse benennen, auf die du dich beziehst.
  • Wenn du darauf achtest, kann deine Interpretation des Gedichts auch von den gewünschten Lösungen, die dem Lehrer vorliegen, abweichen. Du musst aber alles logisch begründen können und deine Analyse sollte ein stimmiges Gesamtbild ergeben

Diese Abiturtrainer könnten dir weiterhelfen:

  • Speziell zur Gedichtanalyse:

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