Expressionismus Literatur
Das Gefühl von Isolation ist ein Merkmal, das hinter der Entstehung des Expressionismus steckt. | Foto: Kinga Cichewicz/Unsplash
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27. Feb 2019

Hannah Essing

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Expressionismus in der Literatur: Die wichtigsten Merkmale!

Was ist Expressionismus?

Der Begriff Expressionismus wird abgeleitet aus den lateinischen Wörtern "ex" und "premere", was übersetzt "ausdrücken" bedeutet. Das ist ein erster Hinweis darauf, dass die Werke im Expressionismus vor allem etwas ausdrücken wollen, nämlich Gefühle und Erlebnisse, die wiederum durch historische Umstände entstehen und beeinflusst werden. Geprägt wurde der Begriff von dem deutschen Schriftsteller Kurt Hiller.

Generell lässt sich der Expressionismus in der Literatur in zwei Phasen aufteilen: den Frühexpressionismus von circa 1905 bis 1914 und den Expressionismus von circa 1914 bis 1925. Auch später lassen sich noch einige Werke finden, die in den Expressionismus passen – denn wie mit jeder Epoche lassen sich keine strengen, künstlichen Übergänge feststellen, sondern eher fließende, natürliche Veränderungen.

Der Expressionismus löste den Naturalismus ab, anders als dieser hatte der Expressionismus nicht zum Ziel, zu beschreiben, was in der Realität vorhanden ist, sondern Gefühlen und dem eigenen Innenleben Ausdruck zu verleihen.

Entstehung des Expressionismus: Historische Hintergründe

Die Jahre zwischen 1905 und 1925 waren eine Zeit voller Umbrüche in Europa, nicht zuletzt wegen der starken politischen Spannungen, die 1914 zum Ausbruch des ersten Weltkriegs führten. Danach entstand die Weimarer Republik, die sich letztendlich als äußerst instabiles politisches System bewies.

Der erste Weltkrieg, der unzählige Opfer gefordert hatte, war ein historisch prägendes Ereignis, das auch großen Einfluss auf den Expressionismus und seine Autoren und Künstler hatte. Nicht nur der Krieg an sich, sondern auch seine Folgen lassen sich in vielen Werken aus dieser Epoche finden.

Genauso prägend sind auch die beginnende Urbanisierung und Industrialisierung. Durch die starke Industrialisierung beginnt die sogenannte Landflucht: das heißt, die Menschen ziehen vom Land in die immer weiter wachsenden Großstädte. Dadurch verändern sich die Strukturen in der Gesellschaft und auch das Selbstbild vieler Künstler und Autoren.

Der Frühexpressionismus (ca. 1905 – ca. 1914)

Viele der Dichter und Denker des Expressionismus in der Literatur waren Teil der bürgerlich-gebildeten Schichten, lehnten jedoch den häufig damit einhergehenden konservativen, einengenden Lebensstil kategorisch ab. Ihr Ziel war es deshalb, mit den gängigen künstlerischen Darstellungsformen zu brechen, um auszudrücken, wie sich die Wahrnehmung des Menschen verändert und wie orientierungslos die Menschheit ist. Das Ziel war dabei auch, mithilfe von Kunst und Literatur Kritik an der Gesellschaft zu üben und Strukturen dadurch positiv zu verändern.

Der Frühexpressionismus beginnt mit Anfang des 20. Jahrhunderts und endet mit dem ersten Weltkrieg. Ein wichtiges Merkmal ist, dass die Autoren sich gegen jede Art von Autorität auflehnten, vor allem gegen die der Elterngeneration. Die verband man nämlich stark mit dem Bürgertum, das man durch Kunst kritisieren wollte.

Expressionismus (ca. 1914 – ca. 1925)

Der Ausbruch des ersten Weltkriegs bedeutete einen starken Einschnitt in die Epoche. Krieg war das vorherrschende Thema in den Werken dieser Zeit und viele Autoren riefen zum Pazifismus auf. Das Motiv des Krieges wird aber auch benutzt, um den Aufbruch zu etwas Neuem zu beschreiben. Nach dem Krieg beschreiben viele Gedichte das Erlebte an der Front.

Mit dem Ende des Krieges waren Dramen im Expressionismus vorherrschend. Dazu gehörte vor allem das Stationendrama, bei dem die Szenen eher lose miteinander verbunden waren und nur durch den Protagonisten zusammengehalten wurden. Auch das war eine Abweichung traditioneller Formen des Dramas. Vertreter davon sind unter anderem Ernst Toller oder Ernst Barlach.


Experssionismus Literatur Merkmale


Merkmale des Expressionismus

Insgesamt lässt sich sagen, dass Angst und Isolation leitende Motive des Expressionismus sind. Das liegt vor allem an den historischen Begebenheiten, die die Epoche besonders geprägt haben. Auch der Tod ist ein großes Thema im Expressionismus, vor allem aufgrund des ersten Weltkriegs und dessen Folgen.

Für viele Autoren ist die Enthumanisierung der Menschen durch die Industrialisierung ein zentrales Thema: Die Furcht davor, dass die Gesellschaft all ihre Moralvorstellungen und Werte vergisst, die sie menschlich machen. Denn durch die voranschreitende Industrialisierung wachsen Städte immer weiter an und die Vertrautheit unter Nachbarn geht verloren. Die Anonymität der Großstadt wird immer deutlicher spürbar. Auch kommen mehr Maschinen zum Einsatz, die Unternehmen werden größer und anonymisierter – wodurch sich der Mensch selbst zur Maschine gemacht fühlt. Damit einher geht die Angst vor Identitätsverlust – die Angst davor, das eigene "Ich" zu verlieren.

Diese Themen drücken sich auf ganz besondere Art und Weise aus. Viele Werke des Expressionismus in der Literatur zeichnen sich dadurch aus, dass sie keiner linearen Erzählung folgen, sondern gelegentlich wirr zusammengefügt wirken. Es hilft, sich das vorzustellen wie bei einem Film: viele kurze Szenen werden mit harten Schnitten aneinandergefügt. Genau so kann es sich manchmal anfühlen, wenn man etwas aus der Epoche des Expressionismus liest. Oft gibt es auch keinen gleich erkennbaren Zusammenhang zwischen den einzelnen Bildern, Szenen und Sätzen: das stellt die Isolation und Verlorenheit der Autoren dar.

Expressionismus in der Literatur: Lyrik

Besonders gerne drückten Autoren ihre Gefühle durch Lyrik aus, deswegen finden sich im Expressionismus besonders viele lyrische Texte und Gedichte. Auch dabei wehrten sich die Lyriker allerdings gegen die traditionellen Vorstellungen von Dichtkunst und brachen alte Strukturen auf. Die für den Expressionismus typische Aneinanderreihung von verschiedenen sprachlichen Bildern, genannt Reihungsstil, findet auch in der Lyrik ihren Platz, dazu kommen Neologismen, also Wortneuschöpfungen, und oft auch starke Übertreibung.

Expressionismus Literatur: Berühmte Autoren

Zu den berühmtesten Autoren gehört Elke Lasker-Schüler, sie gilt als Vorreiterin des Expressionismus. Die deutsch-jüdische Autorin und Künstlerin schrieb zahlreiche Gedichte, aber auch Prosa und Dramen. Zu ihren einflussreichsten Werken gehören das Drama Die Wupper (1908) sowie die Gedichtbänder Styx (1902) und Der siebente Tag (1905).

Georg Heym gilt als einer der wichtigsten Lyriker des frühen Expressionismus, zu seinen Werken gehören Der Krieg (1911), Die Stadt (1911), Die Athener Ausfahrt (1907) und Der Dieb (1913). In seiner Arbeit wurde Heym stark beeinflusst von der schwierigen Beziehung mit seinem autoritären Vater, der sich für seinen Sohn eine Karriere als Jurist wünschte.

Ein weiterer wichtiger Autor des Expressionismus ist Gottfried Benn. Er war vor allem geprägt von seiner Tätigkeit als Arzt und schrieb seine Erfahrungen und Eindrücke aus seinem Berufsalltag in Gedichten und Essays nieder. Sein Werk Morgue und andere Gedichte (1912) beschrieb so beispielsweise verschiedene Stationen im Krankenhaus und folgte damit nicht den vorherrschenden Traditionen der Lyrik.


Weitere Literaturepochen:


Einen Überblick über die wichtigsten Merkmale des Expressionismus in der Literatur gibt's in unserer Inforgrafik!

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