Gedichtvergleich schreiben
Einen Gedichtvergleich zu schreiben, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. | Foto: arto_canon / Getty Images
Autor

27. Jun 2022

Elena Weber

Lernen

So schreibst du einen Gedichtvergleich

Gedichtvergleich: der ultimative Endgegner?

Ob Kurzgeschichte, Charakterisierung oder Gedichtanalyse – eine Interpretation schreiben gehört spätestens ab der Oberstufe zu den Hauptaufgaben im Deutschunterricht. Da du aber selbst bei Deutsch im Abitur nicht so viel Zeit hast, eine Novelle, einen Dramenauszug oder ein Gedicht in ganzer Tiefe zu analysieren, lautet die Aufgabenstellung selten "Analysieren und interpretieren Sie den vorliegenden Text". Stattdessen wird meist ein bestimmter Aspekt herausgestellt, auf den du deine Interpretation ausrichten sollst. Das kann zum Beispiel sein, dass du anhand eines Textauszuges die Merkmale einer Novelle erläutern oder die Unterschiede zwischen den Dramentheorien von Brechts epischem Theater und Aristoteles’ Theorie darlegen sollst.

Eine andere Möglichkeit ist der Gedichtvergleich. Er ist sozusagen der Endgegner unter den Interpretationen, denn ein Gedicht zu analysieren, ist ja eigentlich schon Herausforderung genug. Wie dir der Gedichtvergleich gelingt und was du dabei beachten solltest, haben wir dir hier zusammengestellt.


Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Zweck
  3. Gedichtanalyse
  4. Methoden
  5. Inhalt
  6. Aufgabenstellungen
  7. Beispiel
  8. Tipps
  9. Häufige Fragen
  10. Überblick

Definition: Darum geht es in einem Gedichtvergleich

Bei einem Gedichtvergleich geht es darum, zwei oder sogar mehrere lyrische Texte, sprich Gedichte, miteinander zu vergleichen, indem du ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeitest. Grundlage des Gedichtvergleichs ist dabei immer die Analyse aller zu vergleichenden Gedichte, die du auf Form, Inhalt und Sprache untersuchst. Aber keine Sorge: Bei einem Gedichtvergleich musst du in der Regel nicht alle Aspekte miteinander vergleichen. Das würdest du zeitlich gar nicht schaffen. Vielmehr konzentrierst du dich auf bestimmte Merkmale, etwa die Gedichtform, das Motiv oder den Einfluss bestimmter Literaturepochen.


Gedichtvergleich drei Schüler


Gedichtvergleich – was soll das?

Mit einem Gedichtvergleich erweiterst du deine Gedichtanalyse um eine zusätzliche Ebene. Du zeigst damit, dass du das Gedicht und seine Aussage nicht nur verstanden hast und es in den eigenen zeitgeschichtlichen Kontext einordnen kannst, sondern auch über das Know-how verfügst, es mit anderen Gedichten zu vergleichen und es in einen viel größeren Zusammenhang zu setzen. Damit das möglich ist, werden für den Gedichtvergleich Gedichte herangezogen, die durch bestimmte Gemeinsamkeiten sinnvoll miteinander vergleichbar sind.

Merke dir zum Thema Gedichtvergleich:

  • Ein Gedichtvergleich vergleicht lyrische Texte miteinander.
  • Ein Gedichtvergleich ist aspektorientiert.
  • Du untersuchst und vergleichst also einzelne Merkmale.
  • Basis für diese Arbeit ist die Gedichtanalyse.

Deine Basis: die Gedichtanalyse

Grundsätzlich machst du in einem Gedichtvergleich erst einmal das, was du in jeder Gedichtinterpretation machst: Du analysierst Gedichte. Die Gedichtanalyse ist die Grundlage deines Gedichtvergleiches oder anders gesagt: Nur wenn du weißt, wie du ein Gedicht analysieren kannst, ist es möglich, zwei oder mehrere Werke miteinander zu vergleichen. Grund dafür ist, dass eine Interpretation das Ziel hat, bestimmte Erkenntnisse über einen Text zu gewinnen. Diese Erkenntnisse brauchst du für deinen Gedichtvergleich. Du gehst somit also einen Schritt über die "normale" Analyse hinaus, indem du die Ergebnisse deiner Interpretation in einem Gedichtvergleich weiter verarbeitest.

Aufbau einer Gedichtanalyse

Der Vorteil einer Gedichtanalyse ist, dass sie immer gleich aufgebaut ist. Du kannst dir den Aufbau einer Gedichtinterpretation somit als eine Schablone vorstellen, die du auf jedes Gedicht auflegen und entsprechend ausfüllen kannst. Lediglich der Inhalt muss angepasst werden.

Zur Erinnerung hier noch einmal der Aufbau einer Gedichtanalyse in Kurzfassung:

  • Einleitung oder TATTE: Textsorte, Autor, Titel, Thema und Erscheinungsjahr gehören in jede Einleitung.
  • Hauptteil: das Herzstück deiner Analyse. Beginne mit einer Inhaltsangabe der einzelnen Strophen und zerlege den Text dann in seine formalen und inhaltlichen Bestandteile. Achte dabei vor allem auf Metrum, Reimschema und rhetorische Mittel.
  • Schluss: Fasse deine Ergebnisse kurz zusammen und ordne das Werk ein.

Methoden für einen Gedichtvergleich

Es gibt drei Methoden, mit denen du Gedichte miteinander vergleichen kannst. Wenn es in der Aufgabenstellung nicht explizit vorgeschrieben ist, kannst du dir in der Regel aussuchen, für welche Methode du dich entscheidest. Wähle dann die, mit der du am besten zurechtkommst.

Mit diesen drei Methoden kannst du deinen Gedichtvergleich schreiben:

  1. Zwei Analysen: Analyse von Gedicht A, dann von Gedicht B, dann der Gedichtvergleich
  2. Diachrone Methode: Analyse von Gedicht A, Gedicht B vergleichend dazu
  3. Synchrone Methode: Vergleichende Gedichtanalyse beider Gedichte

Methode 1

Bei dieser Methode gehst du wie folgt vor: Du schreibst zuerst die Analyse zu den jeweiligen Gedichten (im Deutschunterricht sind das nicht mehr als zwei) und schließt daran dann den Vergleich an. Diese Methode hat den Vorteil, dass du die Gedichte zunächst unabhängig und nacheinander bearbeitest und deine Erkenntnisse erst im letzten Schritt zusammenführst. Der Nachteil ist allerdings, dass diese Herangehensweise sehr zeitaufwendig ist, weil du erst einmal zwei komplette Analysen erarbeiten musst.


Loading...

Loading...


Wie ausführlich der Vergleich ausfällt, hängt dabei von der Aufgabenstellung ab. In der Regel ist hier ein Aspekt vorgegeben, auf den du deinen Fokus legen sollst. 

Vorteile: 

  • Du arbeitest alles nacheinander ab.
  • Du verlierst nicht den Überblick.

Nachteile:

  • sehr zeitaufwendig

Diachrone Methode

Beim diachronen Verfahren schreibst du nicht zwei komplette Analysen. Stattdessen analysierst du nur das erste Gedicht ausführlich und fügst das zweite als Ergänzungstext vergleichend hinzu. Auf diese Weise erweiterst du die Deutung des ersten Gedichts um bestimmte Erkenntnisse. Auch hierbei konzentrierst du dich in der Regel auf bestimmte Vergleichsaspekte, die dir die Aufgabenstellung vorgibt.


Loading...

Loading...


Vorteile:

  • zeitsparend
  • Du läufst nicht Gefahr, dich zu wiederholen.

Nachteile:

  • Es kann passieren, dass das zweite Gedicht zu kurz kommt und du wichtige Aspekte vergisst.

Synchrone Methode

Darüber hinaus hast du die Möglichkeit, deinen Gedichtvergleich synchron aufzubauen. Dabei untersuchst du beide Gedichte gleichzeitig, konzentrierst dich aber hauptsächlich auf die vorgegebenen Vergleichsaspekte. Dazu arbeitest du die Merkmale und Aspekte nacheinander ab und vergleichst sie miteinander. Dadurch zeigst du abwechselnd, wie etwas in Gedicht A und B dargestellt wird. 


Loading...

Loading...


Da du bei dieser Methode einzig auf die in der Aufgabenstellung vorgegebenen Aspekte fokussiert bist, hat diese Methode den geringsten Schreibaufwand. Dafür musst du viele Verknüpfungen im Kopf ziehen und darfst nicht den Überblick verlieren, um einen gelungenen synchronen Vergleich hinzubekommen. Es ist somit entscheidend, komplett parallel zu arbeiten und immer beide Gedichte im Blick zu haben.

Vorteile:

  • größte Zeitersparnis
  • Du kannst alles in einem Abwasch erledigen.

Nachteile:

  • besonders anspruchsvoll, da du immer beide Gedichte im Blick haben musst.

Literaturverzeichnis Hinweis Egal, für welche Methode du dich entscheidest: Vergiss nicht, alle deine Ausführungen mit den entsprechenden Textstellen zu belegen, also mit Vers- oder Zeilenangaben zu versehen. Nur so kannst du nachvollziehbar arbeiten.


Der Inhalt eines Gedichtvergleichs

Der Inhalt deines Gedichtvergleichs setzt sich aus den sogenannten Vergleichsaspekten zusammen. Das sind die Merkmale oder Motive, die dir in der Aufgabenstellung für deine Analyse vorgegeben werden. Meistens handelt es sich dabei um Aspekte, die du in beiden Gedichten finden kannst, etwa bestimmte Motive oder verwandte Themen, die dann ähnlich oder auch ganz unterschiedlich behandelt werden. Aber auch formale Aspekte, wie die verwendeten Stilmittel oder die Form des Gedichtes, können Mittelpunkt eines Gedichtvergleichs sein.

Wir haben dir hier einige mögliche Vergleichsaspekte zusammengestellt:

Inhalt Form Sprache

Motive und (epochentyoische) Themen wie Liebe, Krieg, Großstadt, Natur usw.

Aufbau und Struktur: Strophenform, Gedichtform, Länge, Gliederung

Rhetorik und Stil: rhetorische Mittel, Reimschema, Metrum, Kadenzen


Literaturverzeichnis Hinweis Was du für einen Gedichtvergleich auf jeden Fall benötigst, ist Hintergrundwissen zu den jeweiligen Literaturepochen. Gerade sie liefern dir zahlreiche Anhaltspunkte für den Vergleich von Gedichten. 


Aufgabenstellungen

Ein Gedichtvergleich ist eine aufwendige und anspruchsvolle Aufgabe. Ein hilfreicher Gedanke kann es sein, wenn du dir die Aufgabenstellung nicht als Feind, sondern als Freund vorstellst. Denn tatsächlich gibt sie dir einige hilfreiche Hinweise darauf, wie du den Gedichtvergleich angehen kannst. So verrät sie dir meistens explizit, welche Form des Gedichtvergleichs du wählen sollst. Lies dir die Aufgabenstellung also immer ganz genau durch

Aufgabenstellungen, die dir in deiner Klausur zum Thema Gedichtvergleich begegnen können, könnten zum Beispiel so formuliert sein:

Aufgabenstellung zu Methode 1

  1. Interpretieren Sie das Gedicht "Die Stadt" von Georg Heym.
  2. Interpretieren Sie das Gedicht "Großstadtliebe" von Mascha Kaléko und vergleichen Sie es mit dem von Heym. Berücksichtigen Sie dabei vor allem die Darstellung der Großstadt vor dem Hintergrund der jeweiligen Literaturepoche.

Hier wird deutlich: Du schreibst erst die eine, dann die andere Analyse und schließt daran dann deinen Vergleich an.

Aufgabenstellung zur diachronen Methode

  1. Analysieren Sie das Gedicht "Die Stadt" von Georg Heym.
  2. Vergleichen Sie anschließend die Darstellung der Großstadt in Heimy Werk mit der Darstellung der Großstadt in Mascha Kalékos "Großstadtliebe".

Hier verrät dir die Aufgabenstellung, dass du zunächst eine komplette Analyse des Gedichtes "Die Stadt" von Georg Heym schreiben sollst. Im Anschluss untersuchst du das zweite Gedicht vergleichend in Hinblick auf die Darstellung der Großstadt.

Aufgabenstellung  zur synchronen Methode

  1. Vergleichen Sie die Darstellung der Großstadt in den Gedichten "Die Stadt" von Georg Heym und "Großstadtliebe" von Mascha Kaléko. Erläutern Sie dabei auch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontextes.

Hier steht von Anfang an der Vergleich im Vordergrund. Zwei Gedichtanalysen sind nicht notwendig. Fokussiere dich auf das geforderte Thema – die Darstellung der Großstadt – und zeige anhand verschiedener formaler wie inhaltlicher Aspekte, wie die beiden Autoren /-innen diesen beschreiben. Wichtig ist hier zudem, dass du dabei auf den historischen Kontext, den Expressionismus (Heym) und die Neue Sachlichkeit (Kaléko), eingehst. Dazu solltest du unbedingt mit den Merkmalen dieser Epochen vertraut sein.


Literaturverzeichnis Vorlage DownloadDer Gedichtvergleich: ein Beispiel

Um dir eine genauere Vorstellung von einem Gedichtvergleich zu geben, haben wir dir hier noch einmal Anregungen für mögliche Interpretationen zusammengestellt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen kompletten Gedichtvergleich, sondern lediglich um ein kurzgefasstes Beispiel unabhängig von einem bestimmten Aufgabentypus. Du kannst es die hier als PDF herunterladen.


Tipps für deinen Gedichtvergleich

Damit dir dein Gedichtvergleich etwas leichter fällt, können dir folgende Tipps helfen:

  1. Lies die Aufgabenstellung aufmerksam und genau.
  2. Markiere dir beim Lesen der Gedichte Auffälligkeiten.
  3. Mache dich im Vorfeld mit den Literaturepochen und ihren Themen und Merkmalen vertraut.
  4. Beherrsche den Aufbau einer Gedichtanalyse.
  5. Lerne die rhetorischen Mittel und gedichtsspezifischen Merkmale wie Reimschema, Versmaß und Kadenz.
  6. Belege alle Aussagen mit Textbelegen.
  7. Konzentriere dich auf die in der Aufgabe geforderten Aspekte. 
  8. Vertraue bei der Interpretation von sprachlichen Stilmitteln auf deine Assoziationen. Rhetorische Mittel sollen Bilder erzeugen, es gibt nicht die eine richtige Lösung.
  9. Betrachte Form und Inhalt immer als eine Einheit.
  10. Arbeite dich von den Auffälligkeiten zu den Details vor.

Wichtige Fragen

Wie schreibt man einen Gedichtvergleich?

Sollst du einen Gedichtvergleich schreiben, hast du dazu drei verschiedene Möglichkeiten: Erstens schreibst du zwei komplette Analysen und baust darauf dann deinen Vergleich auf. Zweitens schreibst du diachron. Das bedeutet, du vergleichst ein Gedicht und baust die Vergleichsaspekte des anderen Gedichtes mit ein. Oder du verfasst drittens einen synchronen Gedichtvergleich, bei dem du die Gedichte parallel miteinander vergleichst. Meistens gibt dir die Aufgabenstellung vor, welche Methode du wählen sollst.

Wie lang ist ein Gedichtvergleich?

Wie lang ein Gedichtvergleich ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt zum einen von den Gedichten und der Aufgabenstellung ab, zum anderen aber auch davon, wie du selbst dich ausdrückst. Grundsätzlich handelt es sich bei einem Gedichtvergleich aber um eine anspruchsvolle, aufwendige und detaillierte Textarbeit.

Was kommt alles in einen Gedichtvergleich?

Auf jeden Fall solltest du in dem Gedichtvergleich die Aspekte berücksichtigen, die die Aufgabenstellung dir vorgibt. Aus ihr kannst du meist auch entnehmen, welche Methode du für deinen Gedichtvergleich verwenden sollst. Abhängig davon ist dann, wie ausführlich die jeweiligen Gedichtinterpretationen sind. 

Wie erkenne ich das Metrum in einem Gedicht?

Das Metrum eines Gedichtes erkennst du, indem du es in Silben unterteilst. Sprichst du diese übermäßig betont aus (laut oder im Kopf), stellst du fest, dass es betonte und unbetonte Silben gibt. Abhängig von ihrer Reihenfolge kannst du dann die Metren Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst bestimmen.

Der Gedichtvergleich im Überblick

  • Bei einem Gedichtvergleich vergleichst du zwei oder mehrere lyrische Texte miteinander.
  • Basis dafür ist, dass du weißt, worauf es bei einer Gedichtanalyse ankommt.
  • Es gibt drei verschiedene Methoden, die du für deinen Gedichtvergleich verwenden kannst.
  • Welche Methode du benutzen sollst, lässt sich der Aufgabenstellung entnehmen.
  • Ein Gedichtvergleich kann niemals die kompletten Gedichte abdecken. Stattdessen arbeitest du aspektorientiert.
  • Wichtig ist, dass du die formalen Besonderheiten eines Gedichtes kennst, rhetorische Mittel, Metrum, Kadenzen und Reimschema bestimmen kannst und mit den Literaturepochen vertraut bist.

Artikel-Bewertung:

Anzahl Bewertungen: 41.

Deine Meinung:

×

Kostenloses Infomaterial