Gedichtformen Gedicht schreiben
Gedicht ist nicht gleich Gedicht. Es gibt viele verschiedene Gedichtformen. | Foto: Foto: 10255185_880 / Getty Images
Autor

28. Jul 2022

Elena Weber

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Gedichtformen erkennen und unterscheiden

Gedichtformen erkennen und unterscheiden

Wenn es im Deutschunterricht um das Thema Gedichte geht, sind dir wahrscheinlich schon einmal Begriffe wie Sonett, Ballade oder Epigramm begegnet. Spätestens bei Deutsch im Abitur solltest du diese auch benennen können. Damit dir das gelingt, haben wir dir hier die verschiedenen Gedichtformen zusammengestellt und zeigen dir, woran du sie erkennst.


Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Gedichtformen unterscheiden
  3. Gedichtformen und ihre Merkmale
  4. Warum du Gedichtformen kennen solltest
  5. Häufige Fragen
  6. Überblick

Definition: Gedichte und ihre Formen

Wie du weißt, lassen sich literarische Texte in verschiedene Kategorien einordnen, die sogenannten literarischen Gattungen. Davon gibt es drei Stück: Epik, Dramatik und Lyrik. Sprechen wir über das Thema Gedichte, ist die literarische Gattung der Lyrik für uns relevant, denn sie umfasst Gedichte aller Art. Typisch für Gedichte sind folgende Lyrik Merkmale:

Unabhängig von diesen Merkmalen kannst du Gedichte nochmals in verschiedene Unterkategorien einordnen und verschiedene Gedichtformen voneinander unterscheiden. Diese zeichnen sich dann beispielsweise durch eine bestimmte Anzahl an Strophen oder Versen oder ein charakteristisches Reimschema aus.

Gedichtformen unterscheiden

Gedichtformen voneinander zu unterscheiden, ist gar nicht so schwer. Wie in deiner Gedichtanalyse fokussierst du dich dazu auf die formalen Auffälligkeiten des Gedichts. Das bedeutet, dass du dir zum Beispiel die Anzahl der Strophen und Verse anschaust, Versmaß oder Reimschema bestimmst oder auf optische Besonderheiten achtest. An diesen Merkmalen kannst du dann recht schnell erkennen, um was für eine Gedichtform es sich handelt. Darüber hinaus können Gedichtformen auch Auskunft über bestimmte Inhalte und Themen geben.


Gedichtformen Teenagerin auf Bett


Diese Gedichtformen gibt es

Es gibt eine Vielzahl von Gedichtformen, die im Deutschunterricht mal mehr, mal weniger häufig vorkommen. Diese Gedichtformen sind:

  • Sonett
  • Elegie
  • Ode 
  • Epigramm
  • Akrostichon
  • Hymne 
  • Lehrgedicht 
  • Lied 
  • Elfchen
  • Haiku
  • Ballade

Das Sonett

Spätestens wenn ihr im Unterricht über die Epoche des Barock sprecht und Barock Gedichte analysiert, lernst du das Sonett kennen. Es ist die wichtigste barocke Gedichtform und ist ganz einfach zu erkennen: Es besteht aus 14 Verszeilen, die in vier Strophen eingeteilt sind: Auf zwei Quartette (= zwei Strophen mit jeweils vier Versen) folgen zwei Terzette (= zwei Strophen mit jeweils drei Versen).

Versmaß und Reimschema sind nicht ganz so streng festgelegt wie der unveränderliche Aufbau des Sonetts. Besonders häufig weisen Sonette aber einen fünfhebigen Jambus auf, also einen Jambus mit fünf betonten Silben. Für Barock Gedichte ist der sechshebige Jambus, der sogenannte Alexandriner, typisch. Ein bekanntes Beispiel für ein Sonett ist "Es ist alles eitel" von Andreas Gryphius aus dem Jahr 1637.

Elegie

Eine ebenfalls vor allem im Barock verbreitete Gedichtform ist die Elegie. Diese Gedichtform gab es schon in der Antike. Ursprünglich ein Trauergesang zeichnet sie sich durch ihren wehmütigen und klagenden Charakter aus. Da sie sich mit ernsten Themen wie Trauer, Trennungen oder Tod beschäftigt, bezeichnet man sie auch als Klagegedicht.

Viel mehr als über ihren Inhalt definieren sich Elegien jedoch über ihren formalen Aufbau. Dieser besteht aus sogenannten Distichen. Ein Distichon ist ein Zweizeiler, dessen erster Vers immer ein Hexameter ist. Beim zweiten Vers handelt es sich um ein Pentameter. Beides sind antike Verse, die aus einer bestimmten Anzahl an Daktylen (eine Hebung, zwei Senkungen) bestehen. Diesen Aufbau findest du vor allem in der deutschen Lyrik, aber nicht zwingend, wie du zum Beispiel Goethes "Römische Elegien" sehen kannst, der von den Distichen abweicht.

Doch bald ist es vorbei; dann wird ein einziger Tempel,
Amors Tempel nur sein, der den Geweihten empfängt.

Eine Welt zwar bist du, o Rom; doch ohne die Liebe
Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom

Wie für Elegien in der deutschen Lyrik üblich, wird hier vor allem der klagende Charakter deutlich. Damit ist die Elegie übrigens das Gegenteil zur Ode, in der es um feierliche, positive Inhalte geht.

Ode

Bei einer Ode handelt es sich um ein mehrstrophiges Lobgedicht, also um ein Gedicht, das verfasst wird, um jemanden oder etwas zu loben. Die Ode gibt es bereits seit der Antike. Neben ihrem feierlichen Inhalt und der pathetischen Sprache erkennst du Oden vor allem daran, dass sie einem bestimmten Metrum folgen. Das Reimschema hingegen ist nicht festgelegt.

Anhand des Metrums kannst du verschiedene Arten von Odenstrophen bestimmen:

  • alkäische Odenstrophe: besteht aus vier Versen, die alle eine unterschiedliche Anzahl von Silben und ein unterschiedliches Metrum haben.
  • sapphische Odenstrophe: Die ersten drei der vier Verse sind genau gleich aufgebaut, nur der letzte Vers ist anders.
  • asklepiadeische Odenstrophe: Alle vier Verse beginnen gleich, aber enden anders. Den Anfang bilden immer ein Trochäus (betont, unbetont), gefolgt von einem Daktylus (betont, unbetont, unbetont) und schließlich einer zusätzlichen betonten Silbe.

Falls du dich über die komplizierten Namen wunderst: Die Odenstrophen wurden nach dem antiken Dichter verwendet, der sie zuerst verwendet hat: Alkaios, Sappho und Asklepiades. In der deutschen Lyrik findest du diese klaren Muster ebenfalls, allerdings kann es auch Abweichungen geben. Die bekannteste Ode ist die "Ode an die Freude" von Friedrich Schiller aus dem Jahr 1785.


Literaturverzeichnis Vorlage DownloadWusstest du, dass…?

… Oden ursprünglich nicht als Gedicht, sondern wie ein Lied mit Musik vorgetragen wurde? Deshalb werden Oden manchmal auch als Lob- oder Preisgesang bezeichnet.


Gedichtformen Ode an die Freude Noten


Epigramm

Vom Lob zum Spott: Das Epigramm ist ein Spottgedicht, in dem sich der/die Dichter /-in über eine Person oder eine Sache lustig macht. Gleichzeitig soll der/die Leser /-in zum Nachdenken angeregt werden und sich eine eigene Meinung bilden, ausgehend von der überraschenden Pointe, die du oft am Ende findest.

Anders als Sonette oder Oden sind Epigramme an keinen festen Aufbau gebunden. Ihre einzige typische formale Eigenschaft ist, dass sie sehr kurz sind. Häufig begegnen sie dir in Form von Zweizeilern, also als Distichon. Dann weisen sie, wie bei der Elegie, auch ein bestimmtes Metrum auf. Sind Epigramme vierzeilig, bezeichnest du sie als Tetrastichon ("tetra" = altgriechisch für "vier")


Literaturverzeichnis Vorlage DownloadWusstest du, dass…?

… das Epigramm nicht immer eine eigene Gedichtform war? In der Antike war es eine kurze Inschrift, wie du sie heute noch auf Grabmälern, alten Gebäuden oder antiken Kunstwerken findest.


Akrostichon

Diese Gedichtform erkennst du schon an ihrem Aussehen: Die Anfangsbuchstaben, Silben oder ersten Wörter eines Verses ergeben im Zusammenhang ein Wort oder sogar einen Satz. 

Ein bekanntes Beispiel für ein Akrostichon ist dieses hier:

Iesòus (Jesus)
Christòs (Christus)
Theòu (Gottes)
Yiòs (Sohn)
Sotèr (Erlöser)

Die ersten Buchstaben jedes Verses bilden zusammen das Wort "ichthýs", der griechische Begriff für "Fisch". Der Fisch war und ist Erkennungszeichen und Symbol des Christentums, die Strophe also ein Bekenntnis zum Glauben.

Hymne

Eine Hymne erkennst du vor allem am Inhalt, da sie keinen festgelegten formalen Aufbau hat. In einer Hymne findet eine feierliche Lobpreisung statt, die oft Göttern, manchmal aber auch real existierenden Personen, Orten oder einer Emotion gewidmet ist. Eine besonders bekannte Hymne ist das Sturm-und-Drang-Gedicht "Prometheus" von Goethe (1774).

Lehrgedicht 

Der Name verrät dir schon, worum es in dieser Gedichtform geht: Es will eine moralische Lehre vermitteln. Dabei sind sie thematisch nicht festgelegt und können von Natur, Kultur oder Gesellschaft handeln. Es stammt zwar aus der griechisch-lateinischen Literatur, war aber vor allem vom 15. bis 18. Jahrhundert sehr verbreitet. Als Versmaß wird hier häufig auf den Hexameter oder das elegische Distichon zurückgegriffen.

Lied 

Das Lied ist wohl die Gedichtform, die dir am vertrautesten ist, auch weil sie dich im Alltag begleitet. Lieder sind nichts anderes als Gedichte, mit der Besonderheit, dass sie musikalisch untermalt und gesungen werden. Zudem haben sie einen Refrain, der die Strophen unterbricht und sich in der Regel nach jeder Strophe wiederholt.

Elfchen

Der Name ist Programm: Beim Elfchen verteilen sich elf Wörter auf fünf Verse. Meist werden dabei mehrere Wörter zu einem bestimmten Thema aneinandergereiht.

Haiku

Mit drei Versen mit fünf, sieben und fünf Silben ist das Haiku die kürzeste Gedichtform der Welt. Es ist ein traditionell japanisches Gedicht, bestehend aus ursprünglich insgesamt 17 Silben, die auch als Moren bezeichnet werden.

Ballade

Bei der Ballade handelt es sich um eine besondere Gedichtform, die nicht eindeutig der Gattung der Lyrik zuzuordnen ist. Sie wird auch als "Erzählgedicht" bezeichnet, weil Balladen auch Epik Merkmale und Dramatik Merkmale aufweisen. Sie ist somit eine Mischform aus allen drei literarischen Gattungen

Typische Balladen Merkmale sind: 

  • Balladen bestehen aus Versen und Strophen.
  • Es gibt Reimschema, Metrum und Kadenzen.
  • Sie hat einen Spannungsbogen.
  • Balladen sind oft im Präteritum verfasst.
  • In Balladen können Dialoge und die direkte Rede vorkommen.
  • Oft gibt es einen Helden, der mit einem Konflikt konfrontiert wird. 

Darüber hinaus erzählen Balladen von einem lebensverändernden, unabwendbaren Ereignis. Dieses Ereignis ist oft unerklärlich, geheimnisvoll oder gar magisch. Daher treten in Balladen häufig auch Geister, Natur- oder übernatürliche Wesen auf. Das kennst du beispielsweise aus den bekannten Balladen "Der Erlkönig" von Johann Wolfgang von Goethe (1782) oder "Die Brück am Tay" von Theodor Fontane (1879).


Literaturverzeichnis Vorlage DownloadWusstest du, dass…?

…  das Chant Royal eine Sonderform der französischen Ballade ist? Dieser "Königsgesang" besteht aus fünf elfzeiligen Strophen, die sich meist aus je zehnsilbigen Versen zusammensetzen. Diese folgen dem Reimschema ababccddedE und werden durch eine Schlussstrophe (ddede) abgerundet. Alle Strophen enden dabei auf dem gleichen Vers (E).


Gedichtform Merkmale Reim Metrum Strophen
Sonett festgelegter Aufbau, 14 Verse meist umarmender Reim in den Quartetten fünfhebiger Jambus oder Alexandriner ier Strophen à zwei Quartette und zwei Terzette
Elegie wehmütig und klagend, thematisiert Trauer und Tod, besteht aus Distichen meist Paarreim elegisches Distichon mehrere zweizeilige Strophen
Ode feierliches Lobgedicht, pathetische Sprache nicht festgelegt regelmäßiges Versmaß mehrere Strophen
Epigramm Spottgedicht mit Pointe, sehr kruz bestanden meist Paarreim keine Strophen
Akrostichon Anfangsbuchstaben jedes Verses Bilden wort oder Satz nicht festgelegt nicht festgelegt nicht festgelegt
Hymne feierlich, lobend nicht fetgelegt kein Versmaß keine Strophen
Lehrgedicht belehrend und moralisch regelmäßig Hexameter oder elegisches Distichon mehrere Strophen
Lied einfache Sprache regelmäßig regelmäßig mehrere Strophen mit Refrain
Elfchen besteht aus elf Wörtern kein Reim kein Versmaß fünf Verse, keine Strophe
Haiku siebzehn Silben kein Reim kein Versmaß drei Verse, keine Strophen
Ballade Mischform aus allen drei literarischen Gattungen; beschreiben unerklärliche, magische Ereignisse meist regelmäßig meist regelmäßig viele Strophen

Warum du die Gedichtformen kennen solltest

Natürlich ist es richtig, wenn du deine Gedichtanalyse oder deinen Gedichtvergleich mit den Worten beginnst "In dem Gedicht ‘Der Erlkönig’ von Johann Wolfgang von Goethe geht es um…". Besser ist es aber, wenn du das Gedicht konkret benennst, in diesem Fall als Ballade. Damit zeigst du nicht nur, dass du in der Lage bist, die verschiedenen Gedichtformen zu erkennen. Es hilft dir auch beim Interpretation schreiben: Wenn du die Merkmale einer Ballade kennst, kannst du diese in deine Analyse einbeziehen. Und wenn du weißt, dass es sich bei einer Ode um einen Lobgesang handelt, erleichtert dir das das Verständnis für den Inhalt.

Wichtige Fragen

Was gibt es für Gedichtformen?

Gedichtformen unterscheiden kannst du in Sonett, Epigramm, Elegie, Hymne, Ode, Akrostichon, Lied, Elfchen, Haiku, Lehrgedicht oder als Mischform auch die Ballade.

Wie viele Gedichtformen gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Gedichtformen wie das Sonett, das Epigramm, die Elegie, die Hymne, die Ode, das Akrostichon, das Lied, das Elfchen, das Haiku, das Lehrgedicht oder als Mischform auch die Ballade.

Was ist die Gedichtform?

Es gibt nicht die eine Gedichtform, sondern viele verschiedenen Gedichtformen. Ihnen allen sind typische lyrische Merkmale wie Strophen, Verse, Metrum, Kadenzen und häufig auch ein Reimschema gemein.

Gedichtformen im Überblick

  • Gedichte gehören zur literarischen Gattung der Lyrik.
  • Es gibt viele unterschiedliche Formen von Gedichten.
  • Sie weisen bestimmte Merkmale auf, die für sie typisch sind.
  • Diese Merkmale zu kennen, ermöglicht es dir nicht nur, die Gedichtformen zu benennen, sondern hilft dir auch bei deiner Gedichtanalyse.

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