Erörterung schreiben
Bei einer Erörterung geht es darum, Pro- und Kontraargumente abzuwägen. | Foto: DMEphotography/Getty Images
Autor

16. Aug 2019

Elena Weber

Abitur lernen

Eine Erörterung schreiben

So überzeugst du mit deinen Argumenten

Eine Erörterung schreiben: Darauf kommt es an

Das Schreiben einer Erörterung ist eigentlich eine typische Aufgabe aus dem Deutschunterricht der Mittelstufe. Doch auch in der Oberstufe begegnen dir Erörterungen immer wieder, oft als Teil einer noch umfangreicheren Analyseaufgabe. Für deine Deutsch-Abiprüfung kann es ebenfalls wichtig sein zu wissen, wie du eine gute Erörterung schreibst und worauf es ankommt. Wir haben Tipps für dich – vom Aufbau über deine Argumentationsstrategie bis zu einem überzeugenden Schlussstatement.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Erörterungsarten
  3. Vorbereitung
  4. Argumente finden
  5. Argumente auswähen
  6. Argumentationstypen
  7. Sprache
  8. Schluss

Was ist eine Erörterung?

Die Erörterung ist eine Textform, bei der du dich mit einem bestimmten Sachverhalt, einem Problem oder einer Meinung intensiv auseinandersetzt. Dazu beleuchtest du verschiedene Ansichten, wägst Argumente gegeneinander ab und fällst am Schluss dein eigenes Urteil, in dem du dich für einen eigenen Standpunkt entscheidest. So zeigst du, dass du in der Lage bist, ein Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und zu bewerten und es nachvollziehbar für andere aufzubereiten. Außerdem beweist du in einer Erörterung deine Fähigkeit zu argumentieren, dir also Für- und Gegenargumente zu erschließen und diese zueinander in Bezug zu setzen.

Die drei Arten der Erörterung

Insgesamt gibt es drei Arten der Erörterung: die lineare Erörterung, die textgebundene Erörterung und die dialektische Erörterung.

Die lineare Erörterung

Die lineare Erörterung gibt dir eine zentrale Fragestellung vor, zu der du Argumente sammeln musst. Dabei entscheidest du dich für eine bestimmte Position und lässt die Gegenseite außen vor. Eine lineare Erörterung ist also immer eine einseitige Argumentation, in der es darum geht, den Leser von deiner Meinung zu überzeugen.

Die textgebundene Erörterung

Im Gegensatz zur linearen Erörterung, die dir lediglich eine Fragestellung vorgibt, ist die Grundlage einer textgebundene Erörterung – der Name sagt es schon – ein Text. Häufig ist das ein Sachtext oder ein Zeitungsartikel, den du in deine Erörterung miteinbeziehen musst. Während du bei der linearen Erörterung damit beginnst, den zu diskutierenden Sachverhalt kurz darzulegen und seine Relevanz und/oder Aktualität zu erklären, beginnt eine textgebundene Erörterung so, wie etwa die Interpretation einer Kurzgeschichte oder eine Gedichtanalyse: Du schreibst eine klassische Einleitung, in der du Titel, Textsorte, Autor oder Autorin, Datum und das Thema nennst. Im Anschluss fasst du kurz in eigenen Worten zusammen, worum es in dem Text geht und erklärst den aktuellen Bezug und die Relevanz des Themas.

Auch der Hauptteil ist ähnlich zu dem, was du aus anderen Analysen kennst. Statt deiner eigenen Argumente, steht hier die Argumentationsstrategie des Autors oder der Autorin im Fokus. Um dir die Analyse zu erleichtern, hilft es, wenn du versuchst, folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche These vertritt der Autor oder die Autorin?
  • Welche Argumente nutzt der Autor oder die Autorin: Faktenargumente, Autoritätsargumente oder persönliche Erfahrungen?
  • Welche rhetorischen Mittel verwendet der Autor oder die Autorin, um seine oder ihre Meinung zu untermauern?
  • Welchen Schreibstil wählt der Autor oder die Autorin? Sachlich und objektiv, subjektiv, ironisch, manipulativ oder polemisch?
  • Gibt es Besonderheiten im Text?
  • Was ist die Intention des Autors oder der Autorin?

Du siehst: Bei einer textgebundenen Erörterung geht es darum, die Argumentationsstruktur des Autors oder der Autorin darzulegen und die Aussageabsicht des Textes zu verstehen. Da du dabei eine fremde Meinung wiedergibst, ist es wichtig, dass du deine Aussage mit Zeilenangaben belegst und richtig zitierst.

Die dialektische Erörterung

Bei der dialektischen Erörterung bist du frei von einer Textvorgabe. Anders als bei der linearen Erörterung reicht es hier jedoch nicht, nur einseitig zu argumentieren. Die Argumente, die du zu einer bestimmten Fragestellung darlegen sollst, müssen sowohl die Pro- als auch die Kontra-Seite miteinbeziehen. Manchmal wird dir auch nur das Thema vorgegeben und du musst daraus selbst eine relevante Fragestellung ableiten. Diese nennst du dann in deiner Einleitung. Im Hauptteil hast du dann zwei Möglichkeiten, deine Argumente zu präsentieren:

  • Das Sanduhrprinzip: Im ersten Teil legst du die Argumente der Gegenseite dar. Dazu beginnst du mit dem stärksten Gegenargument und endest mit dem schwächsten. Im anschließenden zweiten Teil gehst du genau umgekehrt vor: Beginne mit deinem schwächsten und schließe mit deinem stärksten Argument. Der Sinn dahinter ist, dass dem Leser die Argumente, die er zuletzt liest, am ehesten im Kopf bleiben. Und du willst den Leser ja von deinem Standpunkt überzeugen.
  • Abwechselnd argumentieren: Hier wechseln sich Pro- und Kontrargumente ab. Auf ein Argument folgt somit sofort ein Gegenargument. Diese Form der Argumentation gilt als schwieriger, weil du dir im Vorfeld Gedanken darüber machen musst, welche Argumente von welcher Seite zueinander passen und wie sie sinnvoll aufeinander aufbauen. Auch hier solltest du mit dem stärksten Argument deiner eigenen Position enden.

Vorarbeit für die Erörterung


Eine Erörterung schreiben: Die Vorarbeit ist wichtig

Unabhängig davon, was für eine Erörterung du schreiben sollst, ist eine gründliche Vorarbeit hilfreich. Bei einer dialektischen oder linearen Erörterung solltest du zunächst brainstormen und alle Argumente aufschreiben, die dir einfallen. Im nächsten Schritt kannst du diese dann aussortieren und nach Wichtigkeit ordnen. Auch Begründungen oder Ideen für Beispiele kannst du schon stichwortartig notieren.

Bei der textgebundenen Erörterung ist es wichtig, den zu analysierenden Text gründlich zu lesen, Auffälligkeiten zu markieren und dir Gedanken und Ideen am Rand zu notieren. Da du im Schlussteil deiner textgebundenen Erörterung Stellung zur Position des Autors nehmen sollst, kannst du dir auch dafür schon ein, zwei Argumente zurecht legen.

Starke Argumente finden

Um überzeugend zu argumentieren und eine gelungene Erörterung zu schreiben, kommt es vor allem bei den freien Erörterungen, also der linearen und der dialektischen, maßgeblich auf die Qualität deiner Argumente an. Ein richtiges Argument besteht aus drei Teilen: Behauptung, Begründung, Beleg.

Sicher ist dir diese sehr beliebte Fragestellung in der Mittelstufe schon mal begegnet: Sollten Handys an der Schule verboten werden? Angenommen du vertrittst die Meinung, dass Handys nicht verboten werden sollten. Nur zu sagen "So ein Verbot ist doof" reicht hier natürlich nicht aus. Zwar geht es um deine eigene Meinung, doch diese muss sachlich dargelegt und vor allem gut begründet werden. Das Ganze könnte beispielsweise so aussehen:

  1. Fragestellung: Sollte es ein Handyverbot an deutschen Schulen geben?
  2. Deine These: Es sollte kein Handyverbot geben.
  3. Dein Argument: Handys sollten als Lernmedium stärker in den Unterricht einbezogen werden.
  4. Begründung: Das Handy ist heutzutage ein selbstverständlicher Teil des Alltags. In einer immer digitaler werdenden Welt ist es wichtig, dass Lerninhalte auf neue Medien angepasst werden. Nur so können Schülerinnen und Schüler realistisch auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden.
  5. Dein Beispiel: In anderen Ländern, beispielsweise in Skandinavien, ist es längst selbstverständlich, dass Schülerinnen und Schüler ihre Handys mit in den Unterricht nehmen und damit arbeiten dürfen. Dort stehen ihnen zudem noch eine Vielzahl weiterer digitaler Lernmittel zur Verfügung.

Wichtig ist also, genau zu überdenken, ob du dein Argument nachvollziehbar begründen kannst, ohne dass Widersprüche entstehen. Das Beispiel kann, wie hier, ein Faktenargument sein, es kann aber auch aus deinem persönlichen Erfahrungsschatz stammen.

Tipp: Wählst du ein Beispiel aus deinen persönlichen Erfahrungen, muss es nicht der Wahrheit entsprechen. Du kannst es dir auch ausdenken.

Die Auswahl deiner Argumente

Es gibt Themen, bei denen wird es dir leicht fallen, Argumente zu finden. Die Masse der Argumente sagt aber nicht automatisch etwas über die Qualität deiner Erörterung aus. Viel sinnvoller ist es, sich auf weniger Argumente zu beschränken und diese vernünftig darzulegen. Mindestens fünf Argumente solltest du in deine Erörterung aber schon einbauen.

Es kann auch vorkommen, dass du für eine Position ganz viele, für die andere aber nur wenige Argumente findest. In einer dialektischen Erörterung sollte die Anzahl von Pro- und Kontraargumenten ausgewogen sein. Sortiere also auch hier die schwächeren, weniger wichtigen Argumente aus und konzertiere dich darauf, dass Pro- und Kontraargumente schlüssig zueinander passen.

Tipp: Ist deine Meinung sachlich gut begründet, darf dein Lehrer oder deine Lehrerin dir keine schlechte Note geben, nur weil er eine andere Meinung vertritt. Und auch hier gilt: Nur, weil du deine eigene Meinung darlegen sollst, heißt es nicht, dass das auch tatsächlich deine Meinung sein muss. Zu manchen Themen hast du vielleicht gar keine Meinung. Entscheide dich dann für die Seite, von der du denkst, dass du sie besser verkaufen kannst.


Diskutieren und argumentieren


Die verschiedenen Argumentationstypen

Es gibt verschiedene Argumentationstypen. Wenn du eine textgebundene Erörterung schreibst, also die Erörterung eines anderen analysierst, solltest du dir diese Arten genau anschauen und sie benennen, da das viel über die Argumentationsstrategie und die Aussageabsicht des Verfassers oder der Verfasserin aussagt – und genau diese Dinge sollst du bei so einer Analyse ja herausfinden.

Schreibst du selbst eine Erörterung, empfiehlt es sich, ebenfalls unterschiedliche Argumentationstypen zu verwenden. So machst du deinen Argumentationsstrang abwechslungsreicher und überzeugender. Zu den wichtigsten Argumentationstypen gehören:

  • Faktenargumente: Diese Argumente beruhen auf Fakten, etwa auf Statistiken oder wissenschaftlich klar nachweisbaren Sachverhalten. Das macht das Argument nachvollziehbar und nicht so leicht zu entkräften.
  • Autoritätsargument: Dieser Argumentationstyp beruft sich auf eine zum Großteil akzeptierte Autorität, etwa einen Wissenschaftler oder andere namhafte Personen, die sich zu dem zu erörternden Sachverhalt ähnlich oder identisch geäußert haben. Allerdings gibt es oft andere Autoritäten, die eine Gegenposition vertreten.
  • Normatives Argument: Hier wird die These mit allgemein gültigen Norm- und Wertvorstellungen verknüpft.
  • Analogisierendes Argument: Der Autor oder die Autorin schafft eine Analogie, das heißt, er verbindet das Thema der Argumentation mit einem anderen Lebensbereich.
  • Indirektes Argument: Die eigene These soll gestärkt werden, indem die Gegenseite entkräftet wird.
  • Plausibilitätsargument: Die These wird dadurch gestützt, dass sie für Leser und Leserin oder Zuhörer und Zuhörerin besonders nachvollziehbar erscheint.

Die sprachliche Gestaltung deiner Erörterung

Ob Essay oder Analyse – bei jedem Text, den du schreibst, geht es auch um deinen eigenen Schreibstil. Bei einer Erörterung, insbesondere bei der linearen und der dialektischen Erörterung, ist der noch einmal wichtiger, schließlich willst du ja deine Leser von deinem Standpunkt überzeugen. Hier greift das Politikerprinzip. Die tollsten Argumente wirken direkt viel weniger überzeugend, wenn es dir nicht gelingt, sie auch sprachlich ansprechend zu übermitteln. Andersherum kannst du mit einer überzeugenden Sprache selbst schwächere Argumente stark wirken lassen – denk an Politiker, die oft toll erzählen, inhaltlich aber nicht viel sagen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass du einfach nur schön schreiben musst und dann merkt dein Lehrer oder deine Lehrerin nicht, dass dir nicht ganz so tolle Argumente eingefallen sind. Die Qualität deiner Argumentation ist Bewertungskriterium Nummer eins. Mit einem guten sprachlichen Ausdruck kannst du aber noch mehr aus deiner Erörterung rausholen. Das ist nicht besonders schwer. Allein mit Überleitungen kannst du schon viel dazu beitragen, dass sich deine Erörterung flüssig lesen und dein Argumentationsgang nachvollziehen lässt. Das können zum Beispiel sein:

  • Einerseits /Andererseits oder auf der einen/ auf der anderen Seite
  • Außerdem ist zu bedenken, dass…
  • Ein weiterer Grund/ ein weiteres Argument für/gegen…
  • Darüber hinaus, des Weiteren, ferner, hinzu kommt…
  • Abgesehen davon…

Weitere Tipps für die sprachliche Gestaltung:

  • Wortwiederholungen vermeiden.
  • Einen abwechselnden Satzbau sein. Achtung: Überlagen Sätze machen deinen Text unleserlich, also vermeide Schachtelsätze.
  • Auf Füllwörter wie "wohl", "eben", "ja" oder "halt" verzichten.
  • Im Präsens schreiben.
  • Auf Rechtschreibung und Grammatik achten.

Der Schluss deiner Erörterung

Durch deine Argumentation sollte sich im Schlussteil ein Fazit ergeben, aus dem du dann eine Schlussfolgerung ziehst. Hierbei ist es wichtig, dass du nicht all deine Ausführungen nochmals wiederholst, sondern diese kurz und präzise auf den Punkt bringst. Ein guter Schluss sollte deine Arbeit immer abrunden und einen Bezug zur Einleitung darstellen, sodass Einleitung und Schluss den Rahmen für deine Erörterung bilden. Deshalb solltest du am Ende auch nochmal die Fragestellung aufgreifen. Außerdem empfiehlt es sich, einen Ausblick oder eine Prognose abzugeben, um dein Verständnis für das Thema zu demonstrieren.

Bei einer textgebundenen Erörterung solltest du die Aussageabsicht des Autors oder der Autorin darlegen und kannst selbst kurz dazu Stellung beziehen. Es kann auch sein, dass du im zweiten Aufgabenteil dazu aufgefordert wirst, auf Grundlage der Textanalyse eine eigene Erörterung zu verfassen.


Loading...

Loading...

Artikel-Bewertung:

3.36 von 5 Sternen bei 77 Bewertungen.

Deine Meinung: