Zero Waste
Wir Deutschen produzieren viel unnötigen Müll | Foto: Thinkstock/lolostock
Autorenbild

21. Okt 2015

Tabea Weidinger

Zündstoff

Zero Waste: Leben ohne Müll

Konsum runter – Umweltbewusstsein rauf

Was ist Zero Waste?

Der Begriff "Zero Waste" stammt aus den USA, wo ihn die Bloggerin Bea Johnson geprägt hat. Die Vorreiterin der Müllrevolution produziert seit nunmehr sieben Jahren keinen Müll mehr und bloggt über ihren verpackungsfreien Alltag. Auf ihr Buch "Zero Waste Home" wurde auch Shia Su aufmerksam. "Das muss sich doch auch in Deutschland umsetzen lassen", dachte sie sich. Denn hierzulande produzieren wir viel Müll: Laut dem Bundesamt für Umwelt fielen 2012 ganze 16,6 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an. Anteilig bestand dieser aus 7,3 Millionen Tonnen aus Papier, Pappe oder Karton, 2,8 Millionen Tonnen Kunststoff, 2,8 Millionen Tonnen Glas und schlussendlich 2,7 Millionen Tonnen Holz. Ganz schön viel für ein Land mit 80 Millionen Einwohnern.

Konsumdiät als Anfang

Wo kann man also bei der Müllreduktion beginnen? Bloggerin Shia Su ist 32 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann in einer 65 Quadratmeter großen Wohnung. Sie sagt: "Mir persönlich geht es darum, den eigenen ökologischen Fußabdruck so gut es geht zu verkleinern und dabei auch noch an Lebensqualität zu gewinnen." Dazu hat sie zu Beginn einen rigorosen, einmonatigen Kaufstopp eingelegt: Keine neuen Lebensmittel, keine Klamotten, keine Deko- und auch keine Drogerieartikel. Shia war überrascht davon, wie viele Vorräte sich in den Schränken versteckt hielten und dass sie in diesem Zeitraum wunderbar und ohne Fasten von diesen leben konnte.

Einwegprodukte austauschen

Nach der Konsumdiät gab es einen Radikalschlag im Hause Su: Alle Einwegprodukte und Kosmetika wurden durch nachhaltige, mehrmals verwendbare Gegenstände ausgetauscht. "Es gibt viele Dinge, die man ganz einfach durch gute Alternativen ersetzen kann. Einwegsachen im Haushalt kann jeder eliminieren", bemerkt Shia.

Die Alternativen:

  • Küchenrolle → Mikrofasertücher
  • Plastikspülbürsten → kompostierbare Spülbürsten (Biomarkt)
  • Papiertaschentücher → Stofftaschentücher
  • Wattepads → waschbare Abschminkpads
  • Plastikzahnbürste → kompostierbare Bambuszahnbürste (Biomarkt)
  • Duschgel und Gesichtsreiniger → Olivenölseife
  • Cremes und Lotions → native Öle
  • Chemische Reinigungsmittel → Essigessenz

Shia von Wasteland Rebels

Konsumverhalten reduzieren

Auch ihr Verhalten beim Einkauf haben Shia und ihr Mann von Grund auf geändert: "Wir haben uns früher hauptsächlich von Fertiggerichten ernährt. Nun kaufen wir keine verarbeiteten Sachen mehr ein und ernähren uns als Nebeneffekt viel gesünder." Im Zuge dessen kaufen die beiden Veganer fast ausschließlich in Bio-Läden ein und versuchen dort, auf sämtliche Verpackungen zu verzichten.

Ein- bis zweimal in der Woche werden Obst und Gemüse lose oder in einem Wäschebeutel – die wiegen nichts und sind sichtdurchlässig – an der Supermarktkasse aufs Band gelegt. Anschließend kommen die Einkäufe in eigens mitgebrachte Jutebeutel.

Alle vier bis sechs Wochen geht es mit Vorratsgläsern bewaffnet zu einem "Unverpackt-Markt". Dort kann man trockene Lebensmittel wie Nudeln, Müsli oder Nüsse sowie nasse Speisen wie Oliven oder Antipasti in Gläser füllen und an der Kasse wiegen lassen. Aus Erfahrung weiß Shia, dass dies auch in vielen regulären Supermärkten möglich ist.

Mehl und Backpulver werden außerdem beim Bäcker um die Ecke besorgt. Dadurch erspart sich das Pärchen nicht nur das ständige Gerenne zum Supermarkt, sondern schont auch seinen Geldbeutel. "Und statt Klamotten, Deko und andere Sachen impulsiv zu kaufen, kann man sich auch einfach eine Woche Bedenkzeit geben", schlägt Shia vor.

Zero Waste: Die positiven Nebeneffekte

Dass der Zero Waste-Lebensstil auch unweigerlich eine gesündere Ernährung mit sich zieht, machte sich schnell an Shias Gesundheit bemerkbar. Ihre Allergien haben nachgelassen, wodurch sie nun seit 12 Jahren endlich wieder rohes Obst und einige Gemüsesorten, die sie nicht vertrug, genießen kann.

Durch die Reduzierung der Kosmetikprodukte hat sich ihre von Neurodermitis geplagte Haut beruhigt, beim Putzen und Spülen muss sie keine Handschuhe mehr tragen. Was sich jedoch auch beträchtlich verändert hat: Shias Selbstbewusstsein. "Ich fühle mich auch viel unabhängiger," schildert Shia. "Unabhängig von Marken und davon, immer mit der Mode mitmachen zu müssen. Seitdem habe ich auch endlich meinen ganz eigenen Stil gefunden und bin und nicht irgendein Trend."


Wasteland Rebel im Netz

Sicherlich erscheint das Zero Waste-Konzept anfangs als eine einzige Mammutaufgabe, mit den Tipps und Tricks auf Shias Blog "Wasteland Rebel" sollte es jedoch jedem leichter fallen, sein Konsumverhalten und Abfallproduktion herunterzuschrauben.

Wie wäre es also mit einer kleinen Konsumdiät-Challenge à la Shia? Vielleicht können die jährlich 16,6 Millionen Tonnen Müll auf diese Weise ein klein wenig reduziert werden. "Die Industrie kann ich nicht direkt ändern," bekennt Shia, "aber ich kann ganz konkret bei mir selbst anfangen."

Artikel-Bewertung:

3.4 von 5 Sternen bei 109 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 02. Nov 2015 um 21:33 Uhr von Anna Solovyeva
Tolle Tipps! Schön wie ihr klar macht, dass jeder dazu beitragen kann, diese Welt ein Stück besser zu machen! Nur auf die anderen mit dem Finger zu zeigen bringt niemanden weiter...
Veröffentlicht am 16. Feb 2016 um 16:02 Uhr von L
Binden/Tampons gegen eine Menstruationstasse einzutauschen ist auch ein weiterer toller Schritt zu 'Zero Waste'!