Politische Bildung
Politische Bildung gibt's in Berlin bald auch als Schulfach. | Foto: RossHelen/Thinkstock
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21. Mär 2018

Sarah Kröger

Zündstoff

Mehr politische Bildung für Berliner Schüler

Politische Bildung als Schulfach

Ende Januar erklärte die Bildungssenatorin Sandra Scheeres im Beisein von Vertretern des Landeschülerausschusses Berlin, dass Politische Bildung zukünftig ein benotetes Zeugnisfach werden soll. Im Zuge dessen soll der Lernbereich "Gesellschaftswissenschaften" erweitert werden, zu dem dann Geschichte, Politische Bildung, Geografie und Ethik gehören. Statt einer bestimmten Anzahl pro Fach soll es eine Kontingentlösung geben: Je nach Schule stehen insgesamt 8-10 Wochenstunden für den Lernbereich zur Verfügung, die von den Schulen individuell auf die Fächer verteilt werden.

Das Ziel: Politikverdrossenheit senken

"Politik ist ein großer Farbenmix. Je nachdem, wo du herkommst, bringst du deine eigenen Farben mit. Politische Bildung zeigt dir, wie du eigene und fremde Filter durchschaust. Dann kannst du dir deine Farben nach der Schule selbst zusammenmischen", beschreibt Franz Kloth, Pressesprecher des Landesschülerausschusses Berlin, was er sich von der Einführung des Faches erhofft. Grundmotivation der 2010 gegründeten Schülerinitiative "Politik als Schulfach" ist, die Politikverdrossenheit und Populismusbereitschaft unter Jugendlichen zu senken. Das Fach soll über das aktuelle politische Geschehen informieren, Analyse- und Urteilskompetenzen stärken, demokratische Dialogformen vermitteln und zu politischem Engagement in der Gesellschaft motivieren. Die Einführung eines eigenständigen Benotungsfaches soll verhindern, dass Politische Bildung im Unterricht weiterhin an den Rand gedrängt wird. Politiklehrer wären dann hauptverantwortlich für die Demokratieerziehung an der Schule zuständig. "Denn wenn es keinen Hauptverantwortlichen gibt, dann macht es keiner", erklärt Kloth. Die Kontingentlösung soll dabei helfen, dass nicht ein einzelnes Fach zugunsten von Politischer Bildung gekürzt werden muss und die Schulen flexibel wählen können, wie sie die Stunden verteilen.


Politische Bildung als Schulfach


Zersplitterung der schulischen Bildungslandschaft

Doch nicht alle sind überzeugt von der Kontingentlösung. Dr. Peter Stolz vom Verband der Geschichtslehrer Deutschlands befürchtet in seinem Positionspapier, dass der Schulwechsel so erschwert werden könne. Wenn jede Schule frei über die Anzahl der Stunden pro Fach entscheidet, dann würden manche Schüler vielleicht nur halb so viel  Geschichts- oder Geografieunterricht bekommen wie andere. Bei einem Schulwechsel hätten sie nicht mehr die gleiche Lernausgangslage und damit keine Startchancen-Gleichheit. Ein Wechsel an ein anderes Gymnasium wäre kaum mehr möglich. "Die schulische Bildungslandschaft würde radikal zersplittert", so Stolz. Er möchte verhindern, dass die Wahl des Gymnasiums zur Einbahnstraße wird. In einem offenen Brief verschiedener Lehrerfachverbände wurde zudem die Kürzung eines der anderen gesellschaftswissenschaftlichen Fächer zugunsten Politischer Bildung abgelehnt es sollen stattdessen insgesamt mehr Stunden für gesellschaftswissenschaftliche Fächer zur Verfügung stehen.  

Langer Weg zum Kompromiss

"Am liebsten würden wir alle Fächer unendlich lange unterrichten", erklärt Franz Kloth, "aber irgendwer muss für die Einführung von Politische Bildung etwas abgeben. Die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer verlieren nicht, sie werden durch mehr Politische Bildung  inhaltlich und praktisch erst komplett".  Seit 2011 setzen sich Berliner Schülerinnen und Schüler nun schon für die Stärkung des Faches Politische Bildung ein. Seit 2014 steht das Thema auf der Agenda des Landesschülerausschusses Berlin und wird von der Bildungssenatorin unterstützt. Die nun vorgestellte Kontingentlösung ist das Ergebnis eines halbjährigen Diskussionsprozesses mit verschiedenen Lehrkräfteverbänden und dem Landesschülerausschuss Berlin – sie hat also schon einen langen Weg hinter sich. Es ist schwierig, in einem solchen Prozess alle zufrieden zu stellen. Kloth meint dazu: "Sicherlich gibt es nie die perfekte Lösung für die Einführung. Wir lassen uns weitere Verzögerungen aber nicht mehr bieten, da währenddessen eine Schülergeneration nach der anderen ohne Politische Bildung die Schulen verlässt."

Bereits im Schuljahr 2018/19 soll Politische Bildung eine eigene Zeugnisnote bekommen, die Kontingentlösung soll zum Schuljahr 2019/20 eingeführt werden. Wir bleiben gespannt, wie sich die Einführung des Faches Politische Bildung an den Berliner Schulen auswirkt.

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