Was ist eine Novelle? Frau liest
Was ist eine Novelle? Das kannst du anhand verschiedener Merkmale erkennen. | Foto: Halfpoint / Getty Images
Autor

18. Mär 2022

Elena Weber

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Was ist eine Novelle? Alle Infos im Überblick

Was ist eine Novelle?

Im Deutschunterricht lernst du viele verschiedene Textformen kennen: Kurzgeschichten, Gedichte, Sach- und Dramentexte – und Novellen. Jede Textsorte hat bestimmte Merkmale, anhand derer du sie voneinander unterscheiden kannst. Diese Novellen-Merkmale solltest du nicht erst für Deutsch im Abitur lernen, denn sie zu kennen, kann dir die Interpretation sehr erleichtern. Falls du dich fragst: "Was ist eine Novelle?" – wir erklären es dir.


Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Merkmale
  3. Beispiel
  4. Häufige Fragen
  5. Überblick

Definition: Das ist eine Novelle

Die Novelle gehört zu der literarischen Gattung der Epik und damit zu den erzählenden Texten. Das sind Texte, die einen Erzähler haben, der durch die Geschichte führt. Du kannst dir die Novelle als Zwischending aus Kurzgeschichte und Roman merken: Sie ist länger als eine Kurzgeschichte, aber wesentlich kürzer als ein Roman.

Ihr Name verrät dir zudem schon einiges darüber, was eine Novelle eigentlich ist. Denn der Begriff "Novelle" leitet sich vom italienischen Wort "novella" ab, was "kleine Neuigkeit" bedeutet. Das spiegelt sich im Inhalt von Novellen wider: Sie behandeln etwas Neues, nämlich ein einzelnes, außergewöhnliches Ereignis. Dieses Ereignis ist realistisch, das bedeutet es besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass es auch im wirklichen Leben passieren könnte. Deswegen gilt die Novelle auch als Wegbereiter für eine moderne und realistische Literatur.


Literaturverzeichnis Hinweis Die italienische Bezeichnung begründet sich im Entstehungsort der Novelle: Italien. Dort entwickelte sie sich zur Zeit der Renaissance im 14. bis 16. Jahrhundert. 


Merkmale einer Novelle

Eine Novelle ist eine Novelle, weil sie bestimmte Merkmale hat, die sie als solche auszeichnen. Dadurch kannst du sie ganz klar von anderen epischen Textformen wie Kurzgeschichten, Märchen oder Fabeln abgrenzen.

Die Merkmale einer Novelle zu kennen, ist wichtig für deine Interpretation. Merke dir also folgende Novellen-Merkmale:

  • Rahmen- und Binnenhandlung
  • Kürze und Einfachheit
  • Schilderung eines besonderen Ereignisses
  • geradliniger Handlungsverlauf mit klarem Höhe- und Wendepunkt
  • wenige Charaktere
  • klarer Konflik
  • Leitmotiv und Dingsymbol

Wichtig: Nicht jede Novelle weist alle diese Eigenschaften auf. Gerade in der postmodernen Literatur sind die Grenzen zwischen Novelle und Kurzgeschichte nicht mehr ganz eindeutig. Die Novellen, die dir im Unterricht begegnen, sind aber immer klar als solche zu erkennen, auch wenn sie nicht alle Merkmale einer Novelle haben.


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Rahmen- und Binnenhandlung

Typisch für eine Novelle ist die Rahmenhandlung, in die die Geschichte eingebettet ist. Dadurch bekommt die erzählte Geschichte, Binnenhandlung genannt, den Charakter einer Neuigkeit, die man weitererzählt – und das passt ja genau zu der Bezeichnung "Novelle".

Kürze und Einfachheit

Die Novelle ist durch Kürze und Einfachheit gekennzeichnet. Das bedeutet, ihr fehlt die erzählerische Breite eines Romans und dessen Elemente. Nebenhandlungen oder Nebenfiguren gibt es in ihr nicht. Die Darstellung der Ereignisse ist gerafft und auf eine ausführliche Beschreibung der Charaktere wird verzichtet.

Schilderung eines besonderen Ereignisses

Im Fokus der Novelle steht immer mindestens ein besonderes Ereignis. Das hat zur Folge, dass Novellen eben nicht, anders als zum Beispiel Kurzgeschichten, von Alltagssituationen erzählen, sondern nur von Dingen, die außergewöhnlich sind. Im Gegensatz etwa zum Märchen sind die Ereignisse aber dennoch so realistisch, dass du dir vorstellen kannst, dass sie auch im echten Leben passieren könnten.

Ziel dieser Schilderung besonderer Ereignisse ist es, Themen anzusprechen, die von allgemeiner Wichtigkeit sind, beispielsweise Liebe oder Armut. Außerdem sollen sie zum Nachdenken anregen.

Geradliniger Handlungsverlauf mit klarem Höhe- und Wendepunkt

Dadurch, dass Novellen meist ein besonderes Ereignis in den Mittelpunkt stellen, findest du oft nur einen Handlungsstrang und eher keine Nebenhandlungen. Klar zu erkennen ist zudem ein Höhe- und Wendepunkt, auf dem sich die Handlung zuspitzt. Der Konflikt weitet sich an diesem Punkt zur Krise aus. Auf sie folgen eine Wende in der Handlung und ein klarer Schluss, der alle offenen Fragen klärt. 

Wenige Charaktere

Die Anzahl der Charaktere in einer Novelle ist übersichtlich. Es gibt nur wenige Charaktere, die alle mit dem geschilderten Ereignis verbunden sind. Aufgrund der Kürze der Novelle erfährst du jedoch nicht viel über sie.

Klarer Konflikt

Die Novelle erzählt von einem klaren Konflikt. Mit Blick auf das Wichtigste wird dieser ohne Nebenhandlungen und Abschweifungen geschildert, die Handlung thematisiert also ausschließlich diesen Konflikt, der sich im Laufe der Handlung zu einem Höhepunkt zuspitzt und danach abklingt.

Leitmotiv und Dingsymbol

Ein wichtiges Element einer Novelle ist das Leitmotiv. Dabei handelt es sich um ein Motiv, das immer wieder auftaucht und dadurch eine bestimmte Stimmung oder Aussage ausdrückt. Zudem verknüpft das wiederholte Auftauchen des Leitmotivs einzelne Textteile miteinander und setzt sie zueinander in Beziehung. Bei deiner Interpretation solltest du also unbedingt auf ein solches Leitmotiv und die sich daraus ergebenden Zusammenhänge achten.

Häufig tauchen Leitmotive in Novellen in Form von Dingsymbolen auf. Ein Dingsymbol kann zum Beispiel ein Gegenstand, eine Person oder ein Tier sein, das in der Novelle immer wieder vorkommt. Es hat eine bestimmte Bedeutung und erscheint meist an wichtigen Stellen der Erzählung. Beispiele für Dingymbole sind beispielsweise die Buche in "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff oder der Falke in "Falkennovelle" von Giovanni Boccaccio.


Literaturverzeichnis Vorlage DownloadWusstest du, dass…?

… es bezogen auf die Dingsymbole die sogenannte Falkentheorie gibt?  Darin fordert der Novellist Paul von Heyse (1830–1914), dass jede gute Novelle einen "Falken" braucht, also ein Dingsymbol wie eben den Falken in "Falkennovelle". Damit verknüpft sei für jede /-n Autor /-in die Frage, wo das Besondere in seiner Novelle liege, das sie von anderen unterscheide.


Was ist eine Novelle? Ein Beispiel

Um die Merkmale einer Novelle noch einmal nachvollziehen zu können, schauen wir uns ein Beispiel an: Die Novelle "Kleider machen Leute" von Gottfried Keller aus dem Jahr 1874.

  • Das besonder Ereignis: Der arme Schneider Wenzel Strapinski wird durch eine Verwechslung für einen Grafen gehalten.
  • wenige Charaktere: Es gibt neben Wenzel mit Nettchen und Melchior Böhni sowie drei weiteren kleinen Rollen nur sehr wenige Figuren.
  • Aufbau: Die Handlung ist geradlinig und straff erzählt, es gibt keine Nebenhandlungen. Ausgangspunkt ist die Verwechslung, auf die die weiteren Ereignisse aufbauen.
  • klarer Konflikt: Wenzel gibt sich als jemand aus, der er nicht ist. Außerdem verliebt er sich in Nettchen, die sein Konkurrent Böhni gerne heiraten möchte.
  • Höhe- und Wendepunkt: Die Handlung steuert auf den Höhepunkt, Wenzels Entlarvung, zu. Sie ist zugleich der Wendepunkt.
  • Bezug zum Alltag: Thema der Novelle ist, wie leicht sich Menschen vom Äußeren täuschen lassen, auch wenn das nichts darüber aussagt, ob man ein guter Mensch ist.
  • Dingsymbol: Das Dingsymbol sind hier Wenzels Kleider, insbesondere sein Mantel. Sie helfen ihm nicht nur dabei, den Schein aufrechtzuerhalten, sondern unterstreichen auch die Aussage der Novelle: Oft reicht das Äußere, um die Menschen zu täuschen. 

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Wichtige Fragen

Was versteht man unter einer Novelle?

Unter einer Novelle versteht man einen kurzen Prosatext, meist länger als eine Kurzgeschichte aber deutlich kürzer als ein Roman.

Was ist eine Novelle Beispiele?

Beispiele für Novellen sind etwa "Kleider machen Leute" von Gottfried Keller oder "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm. 

Wie ist eine Novelle aufgebaut?

Eine Novelle behandelt einen Konflikt, der sich auf einen klaren Höhepunkt hin zuspitzt. Dabei wird die Handlung linear und straff erzählt und auf Nebenhandlungen verzichtet.

Wie lang ist eine Novelle?

Eine Novelle ist ein kurzer bis mittellanger Text. In Zahlen ausgedrückt, bedeutet das: Sie besteht aus ungefähr 10.000 bis 40.000 Wörtern. Zum Vergleich: Eine Kurzgeschichte ist in der Regel 5.000-10.000 Wörter lang, ein Roman beginnt ab 40.000 Wörter. Bei einem Text über 110.000 Wörter spricht man von einem Epos.

Was ist eine Novelle? Der Überblick

  • Eine Novelle ist ein kurzer Prosatext.
  • Sie erzählt von einem besonderen Ereignis, das aber dennoch realistisch ist.
  • Typisch für Novellen ist ihre Rahmen- und Binnenhandlung, ein geradliniger, straffer Handlungsverlauf mit Höhe- und Wendepunkt sowie ein klarer Konflikt.
  • Meist findest du in Novellen ein Leitmotiv, häufig in Form eines Dingsymbols.

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