Drehbuch Whitecollar Upgrade
Im Herbst soll die erste Klappe am Set von Whitecollar Upgrade fallen | Foto: Thinkstock/vadimguzhva
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22. Jul 2016

Sandra Ruppel

Filme

Whitecollar Upgrade: Wie ein studentisches Drehbuch zum Filmprojekt wurde

Der Student und Autor Rashid Ben Dhiab im Interview

Am Anfang war: Die Drehbuchwerkstatt

Rashid Ben Dhiab macht gerade seinen Master an der Universität Göttingen, hier hat er auch den Workshop besucht, durch den der Stein für ihn ins Rollen gekommen ist. Im Rahmen der "Drehbuchwerkstatt", einem Kurs, der an der Uni angeboten wird, arbeitet Rashid seine Ideen zu einem Skript mit dem Titel "Whitecollar Upgrade" aus.

Whitecollar Upgrade: Göttingen im Jahr 2025

Die Story von "Whitecollar Upgrade" lässt der Germanistik-Student im Göttingen des Jahres 2025 spielen. Die Menschen bewegen sich in ihren dunklen Anzügen durch die Straßen. Der Wandel der Zeit hat auch vor der beschaulichen Stadt im Süden Niedersachsens nicht Halt gemacht, im Gegenteil. Werbehologramme projizieren ihre Botschaft an jeder Ecke und Intelligenz ist käuflich geworden: Wer das passende Kleingeld hat, lässt sich Neuroimplantate ins eigene Gehirn einpflanzen und erhebt sich so zur gesellschaftlichen Elite, die weit über jenen steht, die sich den Intelligenz-Chip nicht leisten können. Doch was geschieht, wenn ein junger Programmierer, der bisher zu den Verlierern des Systems gehörte, plötzlich die völlige Kontrolle über alle Implantate erlangen und so einen großen Teil der Bevölkerung fremdsteuern könnte?

Diese Frage und die Idee hinter "Whitecollar Upgrade" hat die Inhaber der Produktionsfirma HaderFilm so sehr begeistert, dass sie sich des Drehbuches angenommen haben und nun einen Kurzfilm daraus machen. Wir haben bei dem Autor Rashid Ben Dhiab und dem Produzenten Daniel Bernhard von HarderFilm nachgefragt, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist und wie es jetzt für das Team mit dem Science-Fiction-Clip weitergeht.

"Man darf sich nicht entmutigen lassen"

Rashid Ben DhiabUNICUM: Rashid, hast du am Anfang gedacht, dass aus der Teilnahme an der Drehbuchwerkstatt so viel mehr entstehen könnte? Immerhin wird dein Skript zu einem Kurzfilm umgesetzt. Ihr habt außerdem 50.000 Euro an Fördergeldern von der nordmedia Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen für euer Projekt erhalten.
Rashid: Ich wusste zwar, dass die Drehbücher, die im Kurs entstehen, möglicherweise ausgewählt und tatsächlich zu einem Kurzfilm umgesetzt werden und ich hatte auch Vertrauen in meine sprachlichen Fähigkeiten und Ideen. Aber ich hätte trotzdem nicht gedacht, dass mein Drehbuch dann so eine Resonanz erfährt. Das Ausmaß des Ganzen hat mich ziemlich überrascht.

Wie bist du denn überhaupt in Kontakt mit den Produzenten von HarderFilm gekommen?
Die Drehbuchwerkstatt der Uni stand von Anfang an in Kooperation mit dem Göttinger Filmnetzwerk. Auf einer Versammlung des Filmnetzwerkes konnten zwei weitere Seminarteilnehmer und ich unsere Drehbücher dann vorstellen. Die Mitglieder des Netzwerks haben unsere Skripte gelesen und konnten uns anschließend eine Patenschaft für die Texte anbieten. Mir haben Oliver Clark und Daniel Bernhard von HarderFilm die Patenschaft angeboten, was ich natürlich gerne angenommen habe.

Welche Eigenschaften braucht man, um als Student und Anfänger plötzlich in ein solches Projekt involviert zu sein?
Auf jeden Fall sehr viel Durchhaltevermögen und ein dickes Fell. Man muss Kritik einstecken können, denn die erste Fassung des Drehbuches war längst nicht die endgültige, die jetzt vorliegt. Während der Zusammenarbeit mit Daniel Bernhard und Oliver Clark habe ich noch so einige Veränderungen am Skript vornehmen müssen. Mit konstruktiver Kritik kann ich aber umgehen. Sie hat dazu geführt, dass das Drehbuch nun deutlich stringenter ist. Man muss sich durchbeißen und darf sich nicht so schnell entmutigen lassen. Trotzdem haben aber wohl fast alle, die kreativ arbeiten, immer Sorge, irgendwelchen Ansprüchen nicht zu genügen - allen voran den eigenen nicht.

Der Weg zur Filmförderung

Daniel Bernhard HarderfilmHerr Bernhard, Sie haben die Patenschaft zu "Whitecollar Upgrade" angeboten, was hat Sie an der Idee dahinter überzeugt?
Bernhard: Wir haben einfach Potenzial in Rashids Drehbuch gesehen. Ich selbst bin schon immer Science-Fiction Fan gewesen und fand die Geschichte von Anfang an total interessant.

Wie kam es dann dazu, dass Sie Filmförderung in Höhe von 50.000 Euro erhalten haben? Kann jeder einen Antrag auf Förderung stellen, der ein Konzept für einen Film hat?
Anträge auf Filmförderung stellen dürfen Autoren – wenn es um eine Drehbuchförderung geht – oder Filmproduzenten. Es gibt vier Anträge, die man stellen kann. Der erste bezieht sich auf die Stoffentwicklung: Wenn man als Autor ein Drehbuch für einen Langspielfilm schreiben möchte, kann man dafür Fördermittel beantragen. Es werden etwa 6-12 Monate für den Schreibprozess angesetzt. Die Förderung stellt sicher, dass der Autor während dieser Zeit vom Schreiben leben kann.

Abgesehen davon kann man entweder einen Antrag auf Projektentwicklung, auf Produktionsförderung oder auf Verleih- und Vertriebsförderung stellen. Da wir einen Kurzfilm produzieren, kam von diesen vier Anträgen für uns allerdings nur einer in Frage: Wir haben bei der nordmedia Produktionsförderung beantragt und hatten Erfolg.

Wie sieht die Zukunft aus?

Herr Bernhard, Wie geht es jetzt mit "Whitecollar Upgrade" weiter?
Wir sind noch auf der Suche nach weiteren Partnern, die unser Projekt zusätzlich finanziell unterstützen. Wir suchen außerdem gerade futuristische Plätze, Büroräume und Lobbys in Göttingen, die sich gut in unserem Film machen würden. Unser Team für Kostüm, Ausstattung, Maske und Assistenz ist zum großen Teil komplett und auch einige Schauspieler konnten wir bereits gewinnen. Im Herbst beginnen wir dann mit dem Dreh.

Rashid, wie siehst du deinen Weg nach der Uni? Planst du jetzt eine Karriere als Drehbuchautor?
Das wäre natürlich schön aber ich lege mich da nicht fest. Ich möchte nach meinem Abschluss gerne promovieren, ich sehe meine Zukunft also einerseits in der Wissenschaft. Wenn sich aber eine Möglichkeit ergibt, weiter im Filmbereich zu arbeiten, würde ich auch das gerne machen. Das eine schließt das andere ja nicht aus.

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