Cro Album
Neue Maske, neues Image? "Cro 2.0" im Interview | Foto: ©Saeed Kakavand Chimperator Productions

Promis

23.03.2017

Cro Film

Rapper Cro: "In 100 Jahren zeig ich mein Gesicht!"

Cro erobert die deutschen Kinoleinwände: In "Unsere Zeit ist jetzt" (Heimkinostart am 23. März) geht es um die Anfänge seiner Karriere, sein aktuelles Leben und sein ... mehr »

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08. Sep 2017

Steffen Rüth

Musik

Cro: "Ich bin derselbe wie immer. Nur weiterentwickelt."

Cro ohne Maske? Ne. Aber jetzt kommt Cro 2.0

UNICUM: Cro, im Stück "Baum" rappst Du, du hättest genug von "random bitches und den Nächten in Berlin". Du machst jetzt nicht den Anschein, als wärst Du früh im Bett gewesen.
Cro: Okay, ist sehr spät geworden. Beim Weggehen kommt es immer auf die Häufigkeit an. Ich war auch nicht mit irgendwelchen Zufallsbekanntschaften unterwegs, sondern mit Freunden. War wirklich nett. Und ist dann vielleicht ein wenig ausgeartet. Egal, ich war lange nicht mehr unterwegs gewesen, und wir sind nur einmal jung.

Wissenschaftliche Studien über den Panda besagen, dass er zu faul ist, um Sex zu haben und lieber den ganzen Tag isst. Trifft das auch auf dich zu?
Nein, mit dieser Beschreibung kann ich mich überhaupt nicht identifizieren. Ich esse nicht den ganzen Tag (grinst).

Dennoch trittst Du im Video zu deinem Song "Baum" ohne Maske auf und überfährst den Panda-Cro am Ende des Clips. Zeigst Du als nächstes dein Gesicht?
Nein, nein. Der Song soll aussagen, dass man bei sich selbst bleiben und nicht unkritisch auf andere hören sollte. Nur du selbst kannst dich stoppen. Und wenn du das alte Ich überfährst, läufst du als neues Ich weiter. Das heißt aber nicht, dass ich ein anderer Mensch bin. Ich bin immer noch derselbe wie immer, nur weiterentwickelt. Cro 2.0 quasi. Ein paar Fehler konnten ausgemerzt werden.

Die Maske bleibt also weiter?
Ja, sie wird sogar ein noch größerer Teil der Story als bisher. Wie? Das wirst Du dann sehen.

Das Album heißt "tru.", einer der Songs "fake you". Themen wie Wahrheit, Lüge, Realität scheinen dich sehr zu beschäftigten. Behandeln dich die Menschen ohne Maske anders als mit?
Ja, total. Ohne Maske werde ich meistens gar nicht erkannt. In das Album spielt alles mit rein, "fake, "tru", Maske auf, Maske ab, wie sind die Leute zu mir mit, wie sind sie zu mir ohne Maske, wie lerne ich Mädchen kennen mit Maske und wie ohne.

Mädchen mit Maske kennenlernen stelle ich mir komisch vor.
Das geht aber auch! Letzten Sommer war ich mit Maske unterwegs, ein Mädchen lief über die Wiese, ich bin angehalten, aus dem Auto gesprungen und so "Eyyyy, warte mal". Sie natürlich "Hä?". Aber dann kam ein gutes Gespräch dabei heraus.

Hatte das Mädchen keine Angst, als so ein Verrückter mit Maske hinter ihr herlief?
Nööö. Man kennt mich ja (lacht).



Cro verliebt sich jeden Tag 100 Mal

Wie bist Du auf den Titel "tru." gekommen? Stand das Konzept von Anfang an?
Am Anfang stand gar nichts. Ich hatte keine Ahnung, wo es hingehen soll mit dem Album. Ich bin wieder richtig von vorne angefangen. "tru." war das erste Lied, das ich mir für das Album überlegt hatte. Ich hatte mir so eine Phantasiewelt im Stil von "Mad Max" ausgedacht, mit vielen Armen und ein paar Superreichen, da sollte das alles spielen. Doch dann habe ich das komplett verworfen. Ich wollte lieber die Wahrheit erzählen, mein Leben. Die Hochs, die Tiefs, wo ich hingehe, wo ich herkomme, viel Geld haben, wenig Geld haben, das ist viel spannender als irgendeine Story.

Geht es bei all dem auch um den Selbstdarstellungstrieb deiner Generation?
Ja. Alle wollen heutzutage immer schön aussehen und sich selbst so inszenieren, wie sie es von ihren Vorbildern vorgemacht bekommen. "tru." bedeutet: Bleib‘ bei dir. 

Willst Du deine Fans erziehen?
Bloß nicht. Ich will den Leuten allerdings ohne Zeigefinger wieder ein bisschen mehr Echtheit nahebringen. Früher war nicht alles besser, aber einiges von damals kann man ruhig beibehalten. Und ein bisschen Fake macht alles schöner, nur zuviel Fake ist Mist.

"Computiful" handelt davon, sich online zu verlieben. Kennst Du das Gefühl?
Logisch. Wie oft verliebt man sich wohl am Tag, wenn man das Internet durchguckt? Hundert Mal? Im Internet sind alle Mädchen schön. Dann trifft man die und ist enttäuscht. Ich mag keine Mogelpackungen.

Wie aktiv bist Du selbst online?
Man muss da schon mitmachen, sonst ist man heutzutage schnell raus. Ich gucke, dass ich die Balance halte, die Vorteile nutze und mich nicht zu sehr ablenken lasse. Auf Instagram folge ich zum Beispiel niemandem, sonst hängt man nur noch rum und rollt das runter. Man muss auch nicht ständig wissen, was die Freunde machen. Sonst hat man ja nichts zu quatschen, wenn man sich sieht.

"Ich denke, dass jeder seinen persönlichen Gott hat"

Du sagst, Du hast einige Fehler ausgemerzt. Welche Fehler machst Du immer wieder?
Da gibt es viele. Der Mensch ist doof. In manchen Lebenslagen mache ich weiter, bis es knallt. Beziehungen, Arbeit, feiern, rauchen, zu schnell fahren – man macht Fehler, bis was passiert.

In "Baum", "Unendlichkeit" und "2kx" befasst Du dich damit, was von dir bleibt, wenn Du nicht mehr bist. Ist das mit 27 nicht reichlich früh?
Über Tod und Sterben will ich gar nicht nachdenken, aber sich zu überlegen, was man wohl mal hinterlassen wird, das finde ich krass.

Du sagst in "Unendlichkeit": "Bitte Gott steh mir bei, dass am Ende dieses Lebens mehr als eine Trophäe bleibt". Glaubst Du überhaupt an Gott?
Ja, an meinen. Irgendwas wird da sein. Ob der gasförmig, blau oder klein ist, das weiß ich nicht. Der Gott ist das Über-Ich, das mit mir redet. Ich denke, dass jeder seinen persönlichen Gott hat, der sich um einen kümmert.

Und die Auszeichnungen, der Erfolg, das bedeutet nichts?
Die Trophäen sind der Lohn für die harte Arbeit, klar. Aber sie bestehen nur aus Staub. Das richtige Denkmal sind meine Lieder. Hoffe ich. 

Fünf Jahre ackern – dann brauchte Cro eine krasse Auszeit

Stimmt es, dass Du zum ersten Mal in deiner Karriere eine Pause gemacht und bewusst reflektiert hast, was passiert ist?
Ich habe fünf Jahre lang nur geackert, eine Platte nach der anderen, Tourneen, es war wirklich megaviel. Im Herbst 2016 sind wir dann zu fünft nach Bali gefahren, haben Motorräder gemietet und los. Einen Monat habe ich nichts gebraucht, außer einer kleinen Tasche. Das war eine echt krasse Auszeit.

War das wichtig?
Extrem. Ich konnte völlig die Welt vergessen, da gab es kein Fernsehen, gar nichts. Man war einfach weg und hatte nur sein Ich vor der Nase. Okay, einen Auftritt haben wir dann doch gemacht, in einer Kneipe auf Bali. Da kamen 50 Leute aus aller Welt.

War das bevor oder nachdem der von Til Schweiger produzierter Kinofilm "Unsere Zeit ist jetzt", mit dir in der Hauptrolle, ins Kino kam?
Währenddessen. Ich lag in der Surfvilla und bekam am Rande mit, dass alle von Flop redeten. Ich dachte nur so "Macht doch, was ihr wollt".

40.000 Kinobesucher sind wirklich nicht viel. Dein erster Misserfolg?
Anhand von Zuschauer- oder Verkaufszahlen kannst du nicht messen, ob etwas gut oder schlecht ist. Es war aber für mich persönlich eine wichtige und gute Erfahrung.

War das keine Enttäuschung für den erfolgsverwöhnten Cro?
Nein, kein Stück. Ich finde es irgendwie cool, dass der Film nicht durch die Decke gegangen ist. So ist er vielleicht ein Insidertipp für einen kleinen Kreis, das macht ihn elitärer.

Cro Album tru

Pop, Rap, und dazwischen: Cro – das beste aus beiden Welten

Du bist und bleibst ein Individuum in der deutschen Rap-Szene. Ist dir das klar?
Ja, durchaus. Es gibt den deutschen Rap, es gibt die Popindustrie, und es gibt mich. Ich sitze genau dazwischen. Das Beste aus beiden Welten. Die Brücke.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen an dein neues Album. Hattest Du Bammel, dass es nicht so gut werden könnte wie die anderen?
Ich mache mir diesen Stress erst gar nicht. Ich habe lange getüftelt, bis es passt, die Arbeit war ungeheuer aufwändig. Das schon. Fast ein Jahr habe ich kaum das Studio verlassen. Ich wollte besser werden, habe mir viele Synthesizer und andere Instrumente gekauft und mit denen geübt. Dann habe ich Skizzen gebaut und die Tracks schließlich mit meinen Kumpels eingespielt. Produziert habe ich das Album selbst. Weil das keiner so liebevoll macht wie ich. Ich finde das Album ausgecheckter als die anderen. Ich hoffe, Du hast die Liebe herausgehört.

Es ist offener, vielschichtiger, versierter. Wie kam Wyclef Jean dazu?
Er hatte krass Bock auf die Zusammenarbeit. Wir mussten ihm das nicht lange erklären, das Lied "Todas" hat für sich gesprochen. Ich habe ihn in Cannes getroffen, wir verstanden uns sofort richtig gut. Ich dachte "Der ist alt geworden, aber nicht optisch." Er ist 47, aber er verhält sich so wie ich, quatscht dasselbe blöde Zeug, und hat Bock auf das Leben, er ist lustig. Ein Seelenverwandter.

Stuttgart: Ein bisschen Rio de Janeiro, ein bisschen L.A.

Kannst Du dir Carlo in einem ganz normalen Beruf vorstellen?
Wäre ich kein Künstler, dann wäre ich bestimmt erwachsener, so insgesamt. Ich bin ja nicht blöd, sondern smart, und in der Welt, in der ich kein Star wäre, würde ich auch kein Dummkopf sein wollen. Ich wäre keiner, der sein Leben nicht im Griff hat. Der Carlo in der Parallelwelt, vielleicht wäre er so ähnlich wie Clark Kent, das bürgerliche Alter Ego von Superman. So mit Brille und Seitenscheitel (lacht).

Du hast eine Villa in Stuttgart gekauft. Dort hast Du auch dein Studio eingerichtet, dein älterer Bruder Benno lebt ebenfalls da. Wie kann man sich das alles vorstellen?
Wie bei James Bond! Mit einer riesigen Glasfront mit Blick auf die ganze Stadt. Da stehe ich oft, blicke hinab und denke "Das ist alles meins". Nein, Quatsch. Aber der Blick ist echt krass. Das Studio auch. Jeder Ton, den ich dort aufnehme, fühlt sich sehr hochwertig an.

Ist Stuttgart die beste Stadt der Welt?
Für mich schon. Stuttgart ist meine Basis. Es sieht aus wie Los Angeles, weil es diese Berge hat, und es gibt diese italienischen Bäume und die Wärme. Da, wo ich wohne, geht es in Serpentinen den Berg hoch, das erinnert mich ein bisschen an Rio de Janeiro. Also, L.A., Rio und trotzdem ruhig. Keiner stört, man ist geschützt, hat den Wald im Rücken, einfach geil.



"Ich werde noch die eine oder andere Liebe zusammensammeln"

Auf "tru." bist Du manchmal glücklich, manchmal auch traurig. Liebeskummer kommt ebenfalls vor.
Ja, es geht nicht immer alles nur gut. Manchmal sind auch Tage doof. Liebeskummer kann man auch nutzen und in ein Lied umwandeln. Später freue ich mich darüber, wenn ich zurückgucke und denke "Da ging es mir schlecht, aber der Song ist schön". In dem Moment selbst kratzt man sich natürlich trotzdem die Haare aus.

Glaubst Du an die eine, große Liebe?
Ich glaube eher, ich werde noch die eine oder andere Liebe zusammensammeln in meinem Leben. Mein Herz wird bestimmt noch öfters in tausend Teile gesprengt. Wenn ich 80 bin, wird es hoffentlich eine Reihe von Frauen geben, an die ich gern zurückdenke. Ich liebe ein bisschen die, ein bisschen die, das ist doch natürlicher und ehrlicher als zu sagen "Ich werde immer nur dich lieben".

Was lässt Du dir einfallen, wenn Du mit einem Mädchen verabredet bist?
Was schön Niveauvolles, mit Wein und gutem Essen. Ich koche gerne und ziemlich gut sogar. Zum Beispiel Rinderfilet mit Kartoffelwürfeln, die innen weich sind und außen kross. Dazu eine übergeile Rotweinsauce mit Vanille.

Wie stellst Du dir den alten Carlo vor?
Ich glaube, das Wunsch-Ich, das lebt mit Frau, Kindern und Golden Retriever am See. Aber wer weiß. Vielleicht kommt auch alles ganz anders.


UNICUM Musik-Tipp

Cro tru Covertru.

Cro

Chimperator/Groove Attack

VÖ: 08. September 2017

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3.35 von 5 Sternen bei 49 Bewertungen.

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