Tiefkühlpizza Entstehung
Hinter eine Tiefkühlpizza steckt mehr, als du denkst! | Foto: Thinkstock/KatarzynaBialasiewic

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09.05.2017

Veggie Pizza am Stiel

UNICUM Studi-Küche: Veggie Pizza am Stiel

Klassische Pizza kennt ja jeder: flach, rund und ein bisschen langweilig. Deshalb hat sich unsere UNICUM Koch-Expertin Lena Vanessa Niewald diese Woche etwas ganz besonde ... mehr »

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03. Nov 2017

Sebastian Wolking

Aktuelles

Von der Idee in den Handel: Der Weg einer Tiefkühlpizza

Schritt 1: Idee

Ohne den Einsatz von Hirnschmalz entsteht keine Pizzasorte. Wichtige Fragen, die man sich dabei stellen muss: Welche Zutaten könnten harmonieren? Welche Komposition wäre originell? Mit welcher Sorte spricht man eine große Zahl an Verbrauchern an? Hier kommt es auch auf den Markt an: Briten stehen auf Mozzarella, Polen auf Pilzsauce und Schinken, Deutsche auf Salami. Und manchmal überschneiden sich die Geschmäcker. So wurde beispielsweise die Idee einer extravagant-süße Schokopizza von der Marke "Dr. Oetker" einfach aus England übernommen.

Schritt 2: Entwicklung

30 Millionen Euro war etwa dem Oetker-Konzern der Neubau seines Forschungs- und Entwicklungszentrums am Bielefelder Stammsitz wert. Anfang 2017 wurde es eröffnet, seitdem finden hier bis zu 150 Mitarbeiter Platz: Chemielaboranten, Lebensmitteltechnologen, Ökotrophologen, Milchtechnologen, Lebensmittelchemiker, Informatikkaufleute. Rund 400 Rohstoffe stehen den Entwicklern zur Verfügung, mit denen sie in der Versuchsküche neue Sorten aus dem Pizzaboden stampfen sollen. Auch Marktforschung und Marketing sind an der Produktentwicklung beteiligt.

Schritt 3: Verkostung

Allein auf die feinen Zungen ihrer Mitarbeiter wollen sich die Tiefkühlbäcker dann doch nicht verlassen. Den Daumen heben oder senken müssen letztlich die Verbraucher selbst. Das Unternehmen hat daher rund 4.000 Testesser in der Datenbank. Sie werden eigens in die Testküche gebeten, um die neue Pizza zu beschnuppern, beherzt hineinzubeißen und zu bewerten. Wie appetitlich sieht die Kreation aus? Wie könnte die Rezeptur verbessert werden?

Faustregel: Eine Pizza, die in diesen Sensorik-Tests nicht überzeugt, wird wahrscheinlich verworfen. "Sobald ein Produktionskonzept ausgereift ist, wird es von unserem Außendienst im Handel vorgestellt", so Oetker-Sprecher Matthias Hanigk. Haben die Märkte kein Interesse, ist die Idee ebenfalls tot.

Schritt 4: Einkauf

Ohne Zutaten keine Pizza. Für den Einkauf der Waren ist in großen Unternehmen der strategische Einkauf zuständig. Die Buyer halten Ausschau nach Lieferanten, verhandeln Verträge aus, kaufen Waren ein. Noch schwieriger wird es, wenn die Lieferanten Nachhaltigkeitskritereien erfüllen sollen.

Schritt 5: Lieferung

Bei Brokkoli und Spinat läuft es im Optimalfall so: Das Gemüse wird unmittelbar nach der Ernte schockgefrostet, vom Feld weg in die LKWs eingeladen und zum Unternehmen gefahren. Es soll erst wieder auftauen, wenn die Pizza abends auf dem Teller liegt. Wie weitverzweigt die Lieferketten sind, zeigt das Beispiel Fleisch: Von den Agrarbetrieben kommen Schweine und Rinder zunächst in die Schlachterei, werden dort zerlegt und zu Salami und Schinken weiterverarbeitet. Der Wurstlieferant bringt die Scheiben schließlich ins Werk. Bis sie die Pizza-Fabrik erreichen, haben sie schon etliche Stationen hinter sich.

Schritt 6: Herstellung

Klar ist: Bei der Tiefkühlpizza handelt es sich um industrielle Massenware. Die romantische Vorstellung vom neapolitanischen Pizzabäcker und seinem Steinofen – nirgendwo ist sie weiter weg. In der Pizza-Factory rühren Maschinen den Teig an, pressen und stechen die Pizzen aus, backen sie vor und kühlen sie wieder herunter –  alles vollautomatisch. Menschen werden kaum noch gebraucht, höchstens für die Qualitätskontrolle sind noch welche da. Fehlt etwa auf einer Pizza eine Salamischeibe, legt der Mitarbeiter sie schnell nach. Vom Anrühren des Teigs bis in die Verpackung – dieser Prozess dauert im Werk nicht länger als 100 Minuten.

Schritt 7: Verteilung

Vom Werk gehen die Pizzen direkt raus an die Handelspartner, werden also in die Logistikzentren von REWE und Co. gefahren. Beispiel Edeka: Die Lebensmittel-Liebhaber haben deutschlandweit 38 Lagerstandorte. Von hier aus beliefern sie die einzelnen Märkte. Die Mitarbeiter packen die Schachteln dann ins Kühlregal. Tiefkühlpizzen müssen – logischerweise – auch gekühlt transportiert werden. Das erfordert zusätzlichen Aufwand und verursacht Kosten. Tiefkühlkost gilt daher unter Logistikern gewissermaßen als Königsdiziplin.

Schritt 8: Verkauf

Letzter Schritt: Tiefkühltheke aufschieben, leicht bücken, Lieblingspizza rausfischen. Über 327.000 Tonnen Tiefkühlpizza nehmen die Deutschen nach Angaben des Deutschen Tiefkühlinstituts jedes Jahr mit nach Hause. Das macht pro Einwohner 13 Tiefkühlpizzen – im Studentenwohnheim dürfte der Schnitt vermutlich noch größer ausfallen. Und die Marketingabteilungen und Werbeagenturen regen den Appetit immer weiter an. Und neuerdings auch die Influencer im Netz, die in Youtube-Videos in die Chips-Pizza beißen oder Schokomünder auf Instagram posten – nicht selten gegen Bezahlung. Guten Appetit!

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