Szenenbildnerin werden
Claudia Walter am Set von "Sturm der Liebe" | Foto: Bavaria Fernsehproduktion/Christof Arnold

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24. Mai 2017

Sabine Neumann

Studium

Wie wird man Szenenbildnerin?

Interview mit Szenenbildnerin Claudia Walter

Arbeiten als Szenenbildner: "Kein Tag ist wie der andere"

Szenenbildnerin Claudia Walter ist zusammen mit ihrem Team seit genau zehn Jahren für die Planung, Entwurf, Bau und die Einrichtung der einzelnen Räume aber auch für die Suche nach geeigneten Außenschauplätzen verantwortlich. Sie ist damit Chefin des Art Departements (Ausstattungsabteilung). Fragen wie "Welches Essen kommt heute während des Drehs am Set auf den Tisch?" oder "Welchen Blumenstrauß stellen wir heute auf den Gartentisch des Hotels Fürstenhof?" müssen von ihr und ihrem Team "verarbeitet" werden.

Claudia Walter hält alle Infos in ihrem PC fest, dazu gehören Kalkulationen, Kostenübersichten, Bestellungen aber auch eine To-Do-Liste mit den täglich anfallenden Aufgaben. Fünf Episoden werden immer in einem Block von fünf Tagen produziert. An jedem Block arbeiten zwei Regisseure, der eine ist für den Studiodreh verantwortlich, der andere für die parallel entstehenden Außenaufnahmen. 

UNICUM: Wie bist Du zu "Sturm der Liebe" gekommen?
Claudia Walter: Ich bin freie Szenenbildnerin gewesen und habe durch Zufall gehört, dass bei der Bavaria Fernsehproduktion jemand gesucht wurde. Dadurch habe ich diese feste Stelle bekommen, die aber projektbezogen ausgerichtet ist. Das heißt, sollte "Sturm der Liebe" einmal zu Ende gehen, muss ich mir etwas Neues suchen.

Was machst Du genau dort?
Ich leite das Art Departement, das ist die Ausstattungsabteilung mit 20 Leuten. Wir sind ein sehr junges Team.

Wie sehen Deine täglichen Aufgaben aus?
Ich schaue mir die Outline an, das ist ein Drehbuch ohne Dialog, in dem die einzelnen Lokalitäten und Handlungsabläufe aufgeführt sind. So weiß ich genau, was wir besorgen müssen, zum Beispiel eine Blumenvase für einen Esstisch, Schirmständer für die Diele oder Tische fürs Wohnzimmer bis hin zu einer zusätzlichen Location – was eben alles zu einer bestimmten Szene gehört. Kein Tag ist wie der andere.

Was machst Du mit den Ausstattungsgegenständen, die für einen Dreh nicht mehr benötigt werden?
Vieles, wie etwa Gardinen, Tischdecken, Besteck und Geschirr, ist geliehen. Das gebe ich dann an die Bavaria Film- und Theaterausstattung zurück. Aber: An den Fantagen gibt es Requisitenverkäufe. Hier werden dann die bereits benutzen und nicht ausgeliehenen Gegenstände zu einem fairen Preis verkauft.


Claudia Walter


Claudia Walter: "Ich denke in Bildern"

Wo nimmst Du Deine Ideen her?
Man muss viel Fantasie haben. Das ist eine wichtige Voraussetzung für diesen Beruf. Ich denke in Bildern. Man muss auch ein Gespür für Räumlichkeiten und für die einzelnen Figuren entwickeln. Da kommt ganz viel zusammen. Natürlich kann ich mich auch mit meiner Producerin, also meiner kreativen Chefin, austauschen.

Hast Du Arbeitskollegen und was machen die?
(lacht) Oh, ich habe 20 Mitarbeiter – alles nette Kollegen: eine Assistentin, die mich unterstützt, eine Setdresserin, die für die Studioraumgestaltung zuständig ist, zwei Außenrequisiteure, vier Innenrequisiteure mit jeweiligen Assistenzen, zwei Fahrer (für Einkäufe wie zum Beispiel Möbel oder Nahrungsmittel), einen Hausmeister für eine spezielle Villa hier auf dem Bavaria Filmgelände, eine Reinigungskraft, einen Gärtner, eine Baubühne für das Studio und eine Baubühne für Außendrehs.

Was ist spannend, also eine Herausforderung, für Dich in Deinem Arbeitsalltag?
(freut sich) Glückliche und zufriedene Mitarbeiter, schöne Sets zu haben und nie die Kosten aus den Augen zu verlieren.

Ging schon mal etwas schief?
Ja klar! Wir wollten beispielsweise einmal ein spezielles Bett für eine bestimmte Szene haben. Sechs Wochen Lieferzeit. Das Bett kam aber leider nicht – mit der Begründung, die Bavaria gibt es in München nicht. Wir standen auf dem Schlauch, mussten die Bettszene umschreiben lassen und haben noch einmal ein Bett geordert, das dann auch endlich kam.

An welches Erlebnis erinnerst Du dich besonders gerne zurück?
Das sind immer die Hochzeiten. Das ist stets etwas Besonderes. Die Location, die Ausstattung, alles ist speziell aufwendig und sehr kreativ. Gedreht wurde dieses Jahr in einem Schloß.


Der Karriereweg von Claudia Walter

Claudia Walter studierte Innenarchitektur an der Fachhochschule Detmold mit Abschluss: Dipl.-Ing. der Innenarchitektur. Sie besuchte die Schule für Szenografie in Rosenheim, und drehte ihre ersten Filme mit der Hochschule für Film und Fernsehen in München, um sich dort weiterzubilden. Claudia Walter arbeitete als freie Szenenbildnerin für verschiedene Produktionsfirmen, bis sie vor zehn Jahren bei der Bavaria Fernsehproduktion anfing.


InfoKurz & Kompakt: Karriereweg Szenenbildner/in

  • Für die Berufsbezeichnung Szenenbildner/in gibt es in Deutschland auch folgende Begriffe: Filmarchitekt, Ausstatter, Szenograph und Art Director. Die Bavaria Film verwendet den Begriff Szenenbildner/in. 
  • Um in diesem Beruf zu arbeiten gibt es seit 1991 in Deutschland verschiedene akademische Studiengänge an Hochschulen, aber auch der Deutsche Fachverband hat einige Ausbildungsstätten. Eine spezielle Weiterbildung über einen Lehrgang Szenenbild/Kostümbild deckt auch die Bereiche Show, Event- und Musicalausstattung ab.
  • Nach einer abgeschlossenen Ausbildung müssen Nachweise über Erfahrungen als Bühnenbilder/-assistent im Theaterbereich oder ein Architektur- bzw. Innenarchitekturstudium erbracht werden, um als Szenenbildner/in zu arbeiten.

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