Polarstern Arktis
Auf der "Polarstern" forscht Dr. Barbara Niehoff in der Arktis | Foto: Stefanie Arndt
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17. Okt 2017

Sabine Neumann

Studium

Wie wird man eigentlich... Meeresbiologe?

Dr. Barbara Niehoff im Interview

Für mehrere Wochen geht es mit dem Forschungsschiff ins Eismeer

UNICUM: Dr. Barbara Niehoff, wie kamen Sie dazu, Meeresbiologie zu studieren?
Dr. Barbara Niehoff: Eigentlich habe ich gar nicht Meeresbiologie studiert, sondern Biologie an der Uni Göttingen mit Hauptfach Zoologie. Erstmals kam ich mit der Meeresbiologie während eines Studienpraktikums in der biologischen Anstalt auf Sylt in Berührung. Das hat mir dort damals sehr gut gefallen

Wie ging es für Sie nach dem Studium beruflich weiter?
Ich habe noch vor meiner Diplomarbeit ein Lehramtsstudium angefangen, erhielt dann aber plötzlich den Tipp, am Alfred-Wegener-Institut wäre eine Doktorandenstelle ausgeschrieben. Das interessierte mich doch sehr, zumal es dann auch erstmals für mich in die Arktis ging.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Als Seniorwissenschaftlerin habe ich mittlerweile viele Aufgaben im Büro, z.B. die Analyse von Daten, das Schreiben von Drittmittelanträgen und Publikationen, die Betreuung von Projekten und Studierenden, oder die Beantwortung von Forschungsanfragen sowie E-mails von Kollegen aus dem Ausland. Aber ich gehe auch immer wieder gerne auf Forschungsreise: Dort gibt es dann keinen geregelten Arbeitsalltag für mich. Da müssen oft nachts um 3 Uhr die Netze ausgeworfen werden!

Wie oft  im Jahr sind Sie dann unterwegs und wo geht es hin?
In der Regel geht es für mich einmal jährlich für mehrere Wochen mit dem Forschungsschiff "Polarstern" ins Eismeer. Dort untersuche ich die Verbreitung und das Verhalten der Ruderfußkrebse.

Das handwerkliche Arbeiten macht der Meeresbiologin besonders viel Spaß

Meeresbiologin Dr. Barbara Niehoff Wie läuft so eine Forschungsreise ab?
Zunächst mal müssen wir alles vorbereiten – das ist sehr aufwendig und dauert genau so lange wie die Reise selber. Wir nehmen ca.100 Kisten mit, die zuvor von uns in Bremerhaven beschriftet und katalogisiert werden. Auf dem Schiff selbst konzentriere ich mich z.B. auf die Probenahme mit verschiedenen Planktonnetzen.

Worauf müssen Sie in Ihrem Job besonders achten?
Gerade, wenn ich auf Forschungsreise gehe, darf nichts fehlen. Man kann ja nicht einfach in den nächsten Baumarkt gehen! Falls was fehlt, muss man halt flexibel und erfinderisch sein.

Ist der Beruf gefährlich?
In der Regel nicht. Naja, auf dem Schiff muss man natürlich schon aufpassen, insbesondere bei starkem Seegang.

Was ist das Spannende an dem Arbeitsalltag in der Meeresbiologie?
Das handwerkliche Arbeiten macht mir besonders viel Spaß. Spannend finde ich auch, neue internationale Forschungskampagnen zu planen und durchzuführen. Außerdem macht mir die Betreuung der Studis viel Spaß. Insgesamt finde ich meine Arbeit interessant und abwechslungsreich.

Ging schon mal etwas daneben?
Leider! Bei einem Nahrungsexperiment mit den Ruderfußkreben in der Arktis waren alle Algenkulturen, die ich für die Ruderfußkrebse als Nahrung für Experimente auf dem Schiff mitgenommen hatte, "zum Teufel". Das war mir vorher noch nie passiert. Den Versuch konnten wir dann leider nicht wie geplant durchführen.

Welches Erlebnis ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?
Ein ganz besonderes Ereignis gibt es da eigentlich nicht. Die Forschungsreisen sind natürlich ein echtes Highlight! Nicht nur, dass wir spektakuläre Landschaften und Tiere sehen – toll sind auch die Leute, mit denen ich auf den Forschungsschiffen zusammenarbeite. Auf der FS Polarstern sind wir sogar an die 100 Personen aus den unterschiedlichsten Ländern, die gemeinsam etwas erreichen wollen.

Forschungsreise Arktis


Zur Person Dr. Barbara Niehoff

Dr. Barbara Niehoff hat an der Uni in Göttingen Biologie mit Hauptfach Zoologie studiert. Durch Zufall kam sie durch ihre Promotionsarbeit an das Alfred-Wegener-Institut Helmholtzzentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, wo sie heute noch tätig ist.   


InfoKurz & kompakt: Karriereweg in der Meeresbiologie

Die Meeresbiologie ist ein extrem spannendes Feld mit vielseitigen Arbeitsmöglichkeiten. Unbefristete Stellen sind jedoch rar und um in der Wissenschaft Fuß zu fassen, muss man promovieren und eventuell sogar habilitieren oder sich für eine Juniorprofessur qualifizieren. Wer Meeresbiologe werden möchte, der sollte wissenschaftlich analytisch denken und gut Netzwerken können, ein Händchen für praktische Dinge haben, Stress vertragen und Teamfähig sein.

  • Die Meeresbiologie ist ein Teilgebiet der Biologie bzw. der Meereskunde. Dabei geht es um die Lebensvorgänge in den Ozeanen und Meeren.
  • Ein entsprechendes Studium dauert in der Regel fünf Jahre: Im Normalfall gibt es nach 3 Jahre den Bachelor in Biologie und nach weitere 2 Jahre den spezialisierenden Master. Während des Bachelors lernen díe Studierenden die Grundlagen der Mathematik, Chemie, Ökologie, Genetik und Zoologie kennen.
  • An einigen Unis gibt es aber auch die Möglichkeit, schon im Bachelor Kurse mit meeresbiologische Themen und Fragestellungen zu besuchen. Die Teilnahme an Exkursionen und Praktika helfen dann den Studierenden, gut vorbereitet in den Master zu starten.
  • Im Master des Meeresbiologie Studiums stehen verschiedene Themen zur Auswahl: Mikrobiologie, Meereszoologie, Meeresbotanik, Fischereibiologie.

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