Berufsabitur
Das Berufsabitur eröffnet dir den Weg in den Betrieb oder an die Uni. | Foto: Anchiy/Thinkstock

Studium

05.05.2017

Fachhochschulreife

Fachhochschulreife, fachgebundene Hochschulreife und Fachabi

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31. Jan 2018

Nina Weidlich

Ausbildung

Berufsabitur: Ausbildung und Abitur in Einem

Keine Angst vor der beruflichen Zukunft

Wenn sich auf Familienfeiern Fragen wie "Was willst du denn später mal machen?" häufen, merkst du, dass langsam eine wichtige Entscheidung ansteht: Wie soll deine berufliche Zukunft aussehen? Willst du etwas Handfestes lernen, praktisch arbeiten und sofort Geld verdienen? Oder lieber an der Uni weiterbüffeln – in der Hoffnung, irgendwann ein hohes Gehalt zu bekommen?

Schwer zu sagen, wenn man den Großteil seines Lebens in miefigen Klassenzimmern verbracht hat. Viele schieben diese Entscheidung vor allem vor sich her, weil sie fürchten, ihre gesamte Zukunft hänge davon ab. Das Berufsabitur soll Schülern diese Angst jetzt nehmen.

Ausbildung und Abitur innerhalb von vier Jahren

Gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz (KMK) hat der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) ein Konzept entwickelt, das Abitur und Ausbildung unter einen Hut bringt: das Berufsabitur. Innerhalb von vier Jahren absolvierst du dabei nicht nur eine vollwertige Ausbildung in einem Handwerksberuf inklusive Gesellenbrief, sondern erhältst auch noch die allgemeine Hochschulreife, die dich auch für ein Studium qualifiziert.   

Der Unterschied zu bisherigen Angeboten: Du sparst insgesamt etwa ein bis zwei Jahre ein. Außerdem ist bei vielen der Vorgängermodelle nicht der Erwerb der allgemeinen Hochschulreife, sondern nur der Fachhochschulreife möglich. Damit kannst du in der Regel nicht an allen Universitäten, sondern lediglich an Fachhochschulen studieren.

Gesucht: Leistungsstarke Schüler mit hoher Motivation

Das Berufsabitur richtet sich an besonders leistungsstarke Schüler mit einem mittleren Schulabschluss, die noch nicht wissen, ob eine Ausbildung oder ein Studium für sie das Richtige ist. In erster Linie soll das Angebot Realschülern offenstehen, aber auch für Hauptschulabsolventen ist der doppelte Abschluss möglich.

Eine wichtige Voraussetzung für Bewerber ist eine hohe Motivation und Leistungsbereitschaft, denn das Berufsabitur stellt gleich eine dreifache Belastung dar: Neben der Ausbildung im Betrieb kommen sowohl Schulunterricht als auch Berufsschulunterricht auf die Bewerber zu – nur so ist der doppelte Abschluss in der der kurzen Zeit zu schaffen. Ein Vorteil ist, dass du bereits während deiner Schulzeit Geld verdienst. Die Vergütung fällt allerdings geringer aus als bei einer regulären Ausbildung, da du nur Teilzeit im Betrieb arbeitest.

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Pilotprojekt in sechs Bundesländern

Wie die Ausbildung zeitlich gestaltet wird, kann je nach Bundesland variieren. Seit dem Schuljahr 2017/2018 nehmen sechs Bundesländer an dem Pilotprojekt teil: Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen.

Aufgrund des organisatorischen Aufwands kommt es aber an einigen Orten zu Verzögerungen, in NRW zum Beispiel wurde der Start des Projektes auf Herbst 2018 verschoben. Insgesamt gibt es drei unterschiedliche Modelle, die jetzt an den verschiedenen Standorten drei Jahre lang getestet werden sollen:

Duale Fachoberschule

Bei diesem Modell gibt es über die gesamte Ausbildungszeit eine feste Schulklasse. Da alle Schüler gemeinsam die Ausbildung absolvieren und auch zusammen Unterricht haben, ist das Angebot an bestimmte Ausbildungsberufe gebunden.

Das 13. Schuljahr erstreckt sich über das dritte und vierte Ausbildungsjahr, die Fachhochschulreife wird bereits nach dem zweiten Jahr erreicht. Die Arbeits- und Schulzeit findet in Blöcken statt, wobei die Zeit im Betrieb auf 28 Stunden pro Woche reduziert wird. Dieses Modell soll zum Beispiel in NRW getestet werden.

Einmündung in die Berufsoberschule

Diese Ausrichtung ist etwas flexibler, da Ausbildung und Unterricht in Module eingeteilt und nicht an einen festen Ausbildungsberuf gebunden sind. In den ersten drei Jahren absolvieren die Schüler also eine Ausbildung in einem Handwerksberuf ihrer Wahl, parallel stehen Berufsschule und weitere Schuleinheiten auf dem Programm.

Nach dreieinhalb Jahren können die Absolventen entscheiden, ob sie lieber das Abitur oder ihren Meister machen wollen. Für diese Variante haben sich unter anderem Baden-Württemberg und Bayern entschieden.

Integratives Modell am beruflichen Gymnasium

Ein ähnliches Modell gibt es in Sachsen unter dem Namen DuBAS (Duale Berufsausbildung mit Abitur in Sachsen) schon länger. Da die Belastung durch Ausbildung plus Abitur für viele aber zu hoch war, soll diese Variante nun überarbeitet werden.

Trotzdem bleiben die Anforderungen hoch: Neben einer bestimmten Wochenanzahl im Beruf stehen in den Schulferien zusätzlich Betriebsphasen auf dem Programm. Berufliche Gymnasien gibt es in Deutschland allerdings nur in Baden-Württemberg und in Bayern.

Ziele des Berufsabiturs

Mit dem Angebot, Ausbildung und Abitur in einem verkürzten Zeitraum zu kombinieren, reagiert der ZDH auf den zunehmenden Fachkräftemangel. Vor allem in handwerklichen Berufen fällt es Betrieben schwer, Nachwuchs zu finden. Viele Schüler gehen nach dem Abitur direkt an die Uni.

Das Berufsabitur lässt es dir offen, ob du nach der Ausbildung weiter arbeitest oder ein Studium beginnst. Trotzdem erhoffen sich die Verantwortlichen des Pilotprojekts, möglichst viele Absolventen in den Betrieben halten zu können. Denn Experten schätzen, dass in den nächsten zehn Jahren allein ein Drittel der Ausbildungsbetriebe einen Nachfolger suchen wird. Mit dem kombinierten Angebot von Ausbildung und Abitur will der ZDH das Image von Handwerksberufen auch in der Gesellschaft aufpolieren.

Vorbilder sind Österreich und die Schweiz: hier ist das Konzept als Berufsmaturität bekannt und führt nicht zum Abitur, sondern zur Fachhochschulreife. Etwa 50 Prozent der Absolventen bleiben in diesen Ländern nach ihrem Abschluss im Betrieb.


Weitere Informationen zum Berufsabitur findest du auch auf der Webseite des Zentralverbands des deutschen Handwerks.

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