Ausbildungscheck 2019 Studie
Weiterhin besonders beliebt: Eine Ausbildung in kaufmännischen Berufen | Foto: Thinkstock/shironosov
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27. Feb 2019

UNICUM Onlineredaktion

Ausbildung

Ausbildungscheck 2019

Die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten im Überblick

Gefragte Abiturienten

Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Im Jahr 2017 wurden 523.200 neue Ausbildungsverträge geschlossen – das sind etwa genau so viele wie im Vorjahr. Außerdem setzt sich ein Trend aus den letzten Jahren fort: Immer mehr Abiturienten zeigen Interesse an einer Ausbildung. Leider kann nicht jeder von ihnen einen Ausbildungsplatz ergattern. Mit 38,1 Prozent stellen sie 2017 die größte Gruppe unter den erfolglosen Ausbildungsplatznachfrager. 

Gegenüber anderen Bewerbern haben Abiturienten meist aber den vermeintlichen Vorteil, das sie zwischen mehreren Ausbildungsstellen wählen können. Auch viele Geflüchtete haben sich auf eine Ausbildungsstelle beworben, was die Zahl der Nachfrager ebenfalls in die Höhe trieb. Trotz großem Interesse an einer Ausbildung hat sich die Situation für die Jugendlichen verbessert. Das Ausbildungsangebot ist noch stärker gestiegen als die Nachfrage – nämlich auf insgesamt 572.200 angebotene Stellen.

Top oder Flop? - Ausbildungsberufe im Ranking

Obwohl es über 300 verschiedene Ausbildungsberufe gibt, finden sich unter den Top 5 jedes Jahr die "üblichen Verdächtigen". Gemäß den Zahlen des statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2017 diese Berufe bei Azubis besonders beliebt:

  1. Kaufmann/-frau für Büromanagement (71.226 Auszubildende)
  2. Kraftfahrzeugmechatroniker/in (65.163 Auszubildende)
  3. Einzelhandelskaufmann/-frau ( 57.366 Auszubildende)
  4. Industriekaufmann/-frau (49.089 Auszubildende)
  5. Industriemechaniker/in (43.977 Auszubildende) 

Welche Berufe Machen besonders glücklich? Um das herauszufinden, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) über 12.000 Azubis aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt. Insgesamt gaben 70,2 Prozent an, mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Hier die Gewinner und die Verlierer der Studie:

  1. Mechatroniker/-in
  2. Verwaltungsfachangestellte/-r
  3. Industriekaufmann/-frau
  4. Fachinformatiker/-in
  5. Elektroniker/-in für Betriebstechnik

Der gefragte Ausbildungsberuf des/der Einzelhandelskaufmanns/-frau landet bei den befragten Azubis in punkto Zufriedenheit nur im Mittelfeld, genauso wie die Berufe Bürokaufmann/-frau, der Bankkaufmann/-frau und Kfz-Mechatroniker/-in. Am unzufriedensten sind im Übrigen die folgenden Azubis:

  1. Verkäufer/-in
  2. Friseur/-in
  3. Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk
  4. Hotelfachmann/-frau
  5. Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r

Ausbildung Mechatroniker


Money, money, money!

Die Ausbildungsvergütungen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen – im Jahr 2017 um etwa 2,6 Prozent. Allerdings gibt es immer noch ein großes Gehaltsgefälle zwischen West und Ost: Im Durchschnitt bekommt ein Azubi im Westen laut BIBB 881 Euro pro Monat und im Osten nur 827 Euro.

In den beliebtesten Branchen sieht die Verteilung wie folgt aus (West/Ost, jeweils in Euro)

  1. Industriekaufmann/-frau (1.008/942)
  2. Einzelhandelskaufmann/-frau (869/788)
  3. Verkäufer/-in (813/735)
  4. Kfz-Mechatroniker/-in (785/669)
  5. Bürokaufmann/-frau (767/720)

Zum Vergleich: das höchste Ausbildungsgehalt liegt bei 1.110/915 Euro pro Monat. Mit diesem Gehalt können vor allem Azubis in handwerklichen Berufen rechnen, unter anderem Maurer/-innen, Straßenbauer/-innen und Zimmerer/-innen. Bei den Binnenschiffer/-innen fällt das Gehalt mit 1.072 Euro pro Monat in Ost und West ähnlich hoch aus. Am wenigsten Kohle gibt´s für Schornsteinfeger/-innen (518/518), auch Florist/-innen (622/587) und Bäcker/-innen (637/637) bekommen ein vergleichsweise niedriges Gehalt.

Großkonzern vs. Familienbetrieb

Es kann einen großen Unterschied machen, ob du deine Ausbildung in einem großen Unternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter) oder einem Kleinbetrieb (bis zu 20 Mitarbeitern) machst, denn laut DGB-Ausbildungsreport lässt sich generell sagen: Je größer der Betrieb, desto glücklicher die Azubis. Dafür sprechen vor allem die folgenden Argumente:

  • In kleineren Betrieben musst du häufiger Aufgaben erledigen, die nicht zu deiner Ausbildung gehören. Konkret bedeutet das: 19,4 Prozent der Azubis in kleinen Betrieben müssen ausbildungsfremden Tätigkeiten nachgehen, in großen Unternehmen sind es nur 8,3 Prozent.
  • Die Qualität der Ausbildung wird von 27,1 Prozent der Azubis in Kleinbetrieben als "sehr gut" bewertet, in Großbetrieben sind es sogar 40,8 Prozent.
  • Auch in Sachen Überstunden sieht es in großen Betrieben etwas rosiger aus: 93,5 Prozent der Azubis geben an, maximal fünf Überstunden pro Woche machen zu müssen, in kleineren Betrieben sind es nur 75 Prozent. Dort sind es bei 5,3 Porzent sogar mehr als 10 Überstunden in der Woche.

Ausbildung: Traumberuf oder "besser als nix"?

Gute Bezahlung, hohes Ansehen und wenig Überstunden: All das nützt nichts, wenn der Auszubildende keinen Spaß an seinem Beruf hat. Von den über 12.000 Azubis, die der DGB befragt hat, geben immerhin 31,2 Prozent an, in ihrem Wunschberuf zu arbeiten; 40 Prozent finden ihren Beruf zumindest interessant. Auf der anderen Seite hat gut ein Fünftel gar nicht geplant, in dem von ihm gewählten Beruf zu arbeiten, sieben Prozent sehen ihre Ausbildung sogar nur als Notlösung an.

Das erklärt wohl auch die hohen Abbrecherzahlen: Der Berufsbildungsbericht der Bundesregierung 2018 zeigt, dass die Zahl der Ausbildungsabbrecher 2016 um mehr als 4.000 gestiegen ist. Damit waren es insgesamt 146.376 Ausbildungsabbrecher/-innen. Für die vorzeitige Auflösung eines Ausbildungsverhätlnisses gibt es viele Gründe. 80,8 Prozent der Befragten Abbrecher gaben an, dass sie danach einer anderen Ausbildungs nachgegangen sind. Bei 19,2 Prozent war der Ausbildungsabbruch nur mit einem Betriebswechsel und nicht mit einem Berufswechsel verbunden.


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