Street Style Japan
Der Gothic Lolita-Shop "Angelic Pretty" in Harajuku, Tokio | Foto: Christian Kadluba/Wikimedia
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29. Okt 2015

Tabea Weidinger

Abibuzz - Funstuff

Street Style in Japan: Die Mode-Trends

Langweilig geht anders!

Modemetropole Tokio

Jedes Wochenende werden in Tokio die Straßen noch ein wenig bunter: Anhänger aller Mode-Stile flanieren durch die Einkaufsstraßen auf der Suche nach den neuesten Trends. Besonders die Stadtteile Shibuya, Harajuku, Shinjuku und Ikebukuro glänzen durch ihre ausgefallene Vielfalt an Shops und Boutiquen. Gerade deswegen wird man dort so manch verrücktem Style begegnen.

Das wohl bekannteste Kaufhaus in Shibuya ist das "109". Auf 10 Etagen mit über 100 Läden für Damenbekleidung findet wohl jeder etwas Passendes für sich. Harajuku wiederum ist das Mode-Mekka sowohl für verrückte Jugendmode als auch für High Fashion. Auf der Takeshita Dori, einer circa drei Kilometer langen Straße, gibt es Schmuck, Kleider und Schuhe für die Liebhaber japanischer Street Fashion. Die Straße Omotesando führt ein eher hochpreisiges Angebot mit Marken wie Chanel, Louis Vuitton oder Anna Sui.


Takashita-dori in Japan


Gyaru

Einer der international wohl bekanntesten Stile ist Gyaru. Die japanische Schreibweise ギャル steht für den englischen Begriff "Girl". Gyarus tragen meist kurze Röcke oder Kleider mit hohen Schuhen und versuchen mit Kontaktlinsen und künstlichen Wimpern ihre Augen möglichst groß aussehen zu lassen. Dabei dekorieren sie ihre Kleidung mit Schleifen, Blumen oder mädchenhaftem Schmuck.

Eine Variation der Moderichtung ist Hime Gyaru (姫ギャル). Die Garderobe ist an Pastellfarben sowie den vielen Spitzenapplikationen erkennbar und erinnert an Kleidungsstücke aus dem Rokoko. Kein Wunder, denn der japanische Begriff "Hime" bedeutet "Prinzessin". Mittlerweile tendieren die Anhängerinnen des Gyaru-Stils zu etwas unauffälligeren Outfits und orientieren sich an europäischer und amerikanischer Mode.

Lolita

In Shops mit Namen wie "Angelic Pretty", "Baby, the stars shine bright" oder "Innocent World" und in den unzähligen Cafés Harajukus sind junge Frauen zu sehen, die sich in voluminösen, schwingenden Röcken und mit Schleifen oder Blumen im Haar mit Freundinnen treffen oder einkaufen gehen: die Lolitas. Oft erinnern sie an Porzellanpuppen aus der viktorianischen Zeit oder an zuckersüße Fabelwesen, die aus einem Märchen gefallen zu sein scheinen.

Auf ihren Kleidern befinden sich meist Motive aus Märchen wie "Rotkäppchen" oder bunte Muster mit Blumen, Kuchen oder Tieren. Aufgeteilt werden kann die Lolita-Mode in Subkategorien wie Gothic, Sweet oder Classic Lolita; was jedoch immer gleich bleibt, sind die voluminösen Kleider mit Petticoat und der aufwendige Haarschmuck.

Visual Kei

Die Bezeichnung Visual Kei (ヴィジュアル系) leitet sich ab vom englischen "visual" (optisch, visuell) und japanischen "kei" (Art). Wie der Name andeutet, dreht sich hier alles um die optische Auffälligkeit. Gothic- und Punk-Elemente werden mit Ansätzen des Cosplays und stilisierten Schuluniformen, mit grellem Make-up und bunt kolorierten Haaren gepaart. Die Anhänger dieses Stils lassen sich oft von ihren Idolen aus Rockbands inspirieren und eifern diesen nach.


Street Style Japan Visual Kei


Dolly & Mori Kei

Eine relativ neue Stilrichtung ist Dolly Kei. Diese Mode ist inspiriert von Vintage-Kleidungsstücken, antiken Puppen, Grimms Märchen und der viktorianischen Ära. Während die getragenen Farben mit Braun-, Grün- und Rottönen zumeist ins Dunkle tendieren, sind hier die Accessoires das Auffällige: Religiöse Artefakte wie große Kreuze, altmodische Spielzeuge und Puppenkörperteile dürfen nicht fehlen. Spezielle Regeln gibt es nicht, generell werden aber gerne der Layer-Look und voluminöse Kleidungsstücke getragen, bei denen Blumen- und Gobelinmuster wild mit Stickereien und Spitze gemixt werden.

Mori Kei zeichnet sich eher durch ruhigere, erdige Töne und einen Kleidermix aus, der im Gesamteinklang steht. Hier werden zwar auch mehrere Teile übereinander getragen, generell liegt der Fokus jedoch auf Natürlichkeit und ein legeres Aussehen. Die Namensgebung leitet sich von dem japanischen Begriff "mori" (森) ab, zu deutsch: "Wald".

Cult Party & Fairy Kei

So wie Dolly und Mori Kei basiert auch der Cult Party-Style auf Layering, wobei hier mit Vorliebe helle pastellige und weiße Teile kombiniert sowie Vintage-Teile mit popkulturellen Elementen gepaart werden. Prinzipiell geht der ganze Look mehr ins Süße und Niedliche als die beiden anderen Stilrichtungen, die eher antik anmuten. Merkmal des Cult Party Kei ist ein schlafrockähnliches, langes Oberteil, das über das Gesamtoutfit gezogen wird. Außerdem bleichen viele Mädchen ihre Haare und färben sie in ausgefallenen Farben wie Rosa oder Lila. Besonders ist hier auch das Make-up: Das Rouge wird nicht auf den Wangen, sondern direkt unter die Augen aufgetragen.

Die Fairy Kei-Mode setzt dem Ganzen die Krone auf und ist die Überspitzung der Niedlichkeit: Accessoires in Form von Sternen, Herzchen, Teddys oder Schleifen sind der Hingucker eines jeden Outfits. Zudem treten die Pastelltöne mehr in den Vordergrund und Motive aus Cartoons wie "My Little Pony" oder den "Glücksbärchis" zieren die Kleider.


Street Style Japan Fairy kei


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