Schule früher
Schule hat sich im Laufe der Zeit ganz schön verändert | Foto: Thinkstock/CherriesJD
Autorenbild

11. Feb 2016

Ulrike Miriam Bausch

Auf einen Blick

Schule früher und heute: Eine kleine Reise durch die Zeit

Vom Prügelstock zur Kuschelpädagogik

Schulpflicht

Die staatlich vorgeschriebene Schulpflicht ist gar nicht mal so alt. Erstmals verordnete der preußische König Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1717 den Schulzwang durch ein Edikt. Seinem Beispiel folgten nach und nach weitere Herrscher.

Richtig umgesetzt und eingehalten wurde die Schulpflicht aber erst im Laufe des 19. Jahrhunderts. Viele Eltern sahen die Notwendigkeit eines regelmäßigen Unterrichts nicht, schließlich gingen ihnen damit Arbeitskräfte verloren. Auch bedeutete der regelmäßige Besuch der Schule eine erhebliche finanzielle Belastung für ärmere Bevölkerungsschichten. Doch seit dem Beginn der Schulpflicht hat sich vieles verändert.

Lehrer früher und heute

Damals:

Die finanzielle Situation und das gesellschaftliche Ansehen der Lehrer waren lange Zeit bescheiden. Viele mussten neben ihrem Schuldienst anderweitig arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Lage des Berufstandes verbesserte sich erst im 20. Jahrhundert. Übrigens ist bewusst die Rede von "Lehrern". Lehrerinnen gab es zwar vereinzelt, aber erst ab den 1860er-Jahren gewährte ihnen der Staat den Zugang zum Lehrerberuf. Sie durften jedoch nicht alle Schulfächer unterrichten und mussten ihren Beruf aufgeben, sobald sie heirateten. Dieses "Lehrerinnenzölibat" wurde 1919 aus der Verfassung gestrichen.

Jetzt:

Heute ist das Tätigkeitsfeld der Lehrer weitaus größer als früher. Neben dem pädagogischen Lehrauftrag ist Beratungskompetenz bei der Berufs- und Studienwahl der Schüler gefragt. Ein Lehrer ist nicht mehr bloß Respektsperson, sondern soll seine Schüler in schwierigen Situationen auch als Vertrauensperson unterstützen.

Die psychische Belastung für Lehrer ist laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2012 heute höher als noch vor knapp 15 Jahren. Auch müssen sie Erziehungsaufgaben der Eltern übernehmen, wobei der Umgang mit diesen als deutlich schwieriger erlebt wird. Trotzdem gaben 63 Prozent der befragten Lehrer an, dass die Freude an ihrem Beruf überwiege.

Wandel des Bildungsideals

Damals:

Disziplin, Gehorsam, Fleiß und Ordnung waren die entscheidenden Erziehungsziele in der deutschen Kaiserzeit (1871-1918). Die Schüler bewegten sich im Takt nach Kommando des Lehrers. Reden und Tuscheln wurde sofort hart bestraft. Die Anweisung "Gerade sitzen, Ohren spitzen. Hände falten, Schnabel halten." dürfte die Atmosphäre zu dieser Zeit sehr gut beschreiben.

Jetzt:

Heute sollen dagegen selbstständiges Denken, Kreativität, eigene Ideen und Kritikfähigkeit entwickelt werden. Gruppenarbeit, Lernspiele und digitale Programme sorgen für einen abwechslungsreichen Unterricht. Kritiker sehen eine Abkehr von dem Leistungsgedanken und der Disziplin und etikettieren dies als "Kuschelpädagogik".

"Tatzen bekommen"

Körperliche Züchtigungen bei mangelnder Disziplin und schlechten Leistungen standen bis weit ins 20. Jahrhundert auf der Tagesordnung. Der Ausdruck "Tatzen bekommen" – damit sind Schläge mit einem Rohrstock oder Lineal auf die Handfläche gemeint – dürfte deinen Großeltern noch bekannt sein. Schüler mussten teilweise selbst die Weidestücke zurechtschneiden, mit denen sie geschlagen wurden. Warum sich niemand beschwerte? Prügelstrafen waren auch im Elternhaus gang und gäbe.

Ab den 1960er-Jahren verboten zunehmend alle Bundesländer die körperliche Züchtigung an Schulen, das Schlusslicht war Bayern im Jahr 1983.

Prügelstrafe Schule

Dauerbrenner: Rauchverbot

Wer hätte gedacht, dass das Rauchen bei Kindern und Jugendlichen bereits 1856 staatlich reguliert wurde? Rauchen galt damals als Unsitte. Auch Lehrer durften ab 1839 keinen Tabak mehr während des Unterrichts zu sich nehmen, um als Vorbild zu dienen. Heute gilt das Verbot vor allem aus gesundheitlichen weniger aus gesellschaftlichen Gründen. Was sich nicht geändert hat: Das Rauchen lässt sich durch Verbote einfach nicht verbannen. Untersagen Schulen die Glimmstängel auf dem Schulgelände, suchen sich die Raucher eben einen anderen Treffpunkt.

Zwischen Spucknapf und Kaiserportrait

Neben dem Rednerpult, der Tafel und den mehrsitzigen Schulbänken mit Tischen gehörte ein großer Lehrmittelschrank zur Grundausstattung eines kaiserzeitlichen Klassenzimmers. Hier wurden Schiefertafeln, Griffel und Tinte gelagert. Zeige- und Schlagstock, ein Wasserkrug für den Tafelschwamm, ein Kartenständer, ein Portrait des Kaisers sowie ein fressnapfähnliches Gefäß auf dem Boden vervollkommnten die Einrichtung. In diesen sogenannten "Spucknapf" sollten hustende Schüler spucken, um die Ansteckungsgefahr von Krankheiten wie Tuberkulose möglichst gering zu halten.  

In einem Klassenzimmer unterrichtete ein Lehrer mehrere Jahrgänge mit bis zu 100 Schülern. Die Schüler saßen nach Jahrgängen gestaffelt auf den Bänken. Der Begriff "sitzen bleiben" hat hier seinen Ursprung: Ein Schüler mit schlechten Leistungen durfte im neuen Schuljahr nicht die Bank wechseln.

Schulfächer im Wandel der Zeit

Damals:

Im 18. Jahrhundert bildeten Religion, Lesen, Schreiben, Singen, zunehmend auch Rechnen den Fächerkanon. Der Stundenplan sah je nach Geschlecht unterschiedlich aus. Jungen hatten "Rechnen und Raumlehre", Mädchen "Weibliche Handarbeit". Sportunterricht gab es nur für männliche Schüler: Das Schulfach "Leibesertüchtigung" sollte sie auf den Kriegsdienst vorbereiten.

Jetzt:

Heute gibt es ein vielfältiges Fächerangebot mit Wahlpflichtfächern und AGs. Neu sind zunehmend computerbasierte Fächer, die auf ein Leben im digitalen Zeitalter vorbereiten. An öffentlichen Schulen wird weder nach Geschlecht, Ethnie oder sonstigen Kriterien unterschieden. Mithilfe der inklusiven Pädagogik sollen auch körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder und Jugendliche in den Schulalltag integriert werden.

Schulunterricht früher

Zeugnisse   

Mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht wurden auch Schulzeugnisse ausgestellt. Sie dienten anfangs nur als Nachweis für die Erfüllung der Schulpflicht, erst später als Qualifikationsnachweis. Mit der Zeit knüpften sich viele Fragen an die Ausstellung: Welche Bewertungskategorien soll es geben? Wie oft werden Noten vergeben? Für wen werden die Zeugnisse eigentlich ausgestellt?

Lehrerverbände, Politiker und Pädagogen diskutieren in unserer heutigen Zeit kontrovers darüber, ob Schulnoten und Zeugnisse in ihrer jetzigen Form nicht abgeschafft und von einem individuelleren Bewertungssystem abgelöst werden sollten. Fest steht: Zeugnisse sind viel mehr als früher der Schlüssel zum Erfolg. Sie entscheiden wesentlich über unsere individuellen und gesellschaftlichen Chancen.

Artikel-Bewertung:

3.34 von 5 Sternen bei 287 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 13. Sep 2016 um 22:04 Uhr von sina gerhard
hat mir bei meiner Recherche für den Deutschunterricht sehr geholfen : )