Preise im Handel
Weißt du, was wirklich in deinen Einkaufstüten steckt? | Foto: Thinkstock/Kikovic

Freizeittipps

16.12.2016

Nachhaltiger Kleidungskauf

In neun Schritten zum nachhaltigeren Kleidungskauf

Du hast keine Lust darauf, dass die Umwelt unter deinen Klamotten leidet? Du willst keine Mode in deinen Kleiderschrank hängen, die von Kindern oder in Ausbeutungsbetrieb ... mehr »

Autorenbild

27. Okt 2017

Sandra Will

Zündstoff

Wofür bezahlst du im Handel eigentlich wirklich?

Drei Beispiele im Zahlencheck

Handelsbeispiel 1: Sneaker für 100 Euro

Sneaker Preis

Vor allem die Preise für Textilien sind schwer einzuschätzen. Bei Sportschuhen oder Sneakern – egal ob Nike, Adidas oder New Balance – ist man sehr schnell um die 100 Euro los. Die Näherin des Schuhs, die oftmals in Bangladesch oder Indien arbeitet, verdient dabei nur 40 Cent – das sind 0,4 Prozent des Gesamtpreises, den die Käufer, also wir, zahlen. Doch wer bekommt den Rest der 100 Euro?

Um einen Schuh herstellen zu wollen, benötigt man Materialien. Sie kosten die Fabrik 8 Prozent, das wären also etwa 8 Euro. Die Produktion beschränkt sich nicht allein auf die Arbeit der Näherin, das Material muss oft gegerbt und gefärbt werden, ebenso muss auch die Fabrik Einnahmen erzielen. Die Produktionskosten ohne den Lohn der Näherin belaufen sich auf 4 bis 6 Prozent, das sind circa 5 Euro. Einen ähnlich großen Anteil nehmen der Transport und die Zölle in Anspruch, auch die Zwischenhändler, sogenannte Distributoren, haben daran ihren Anteil. Insgesamt können das bis zu 7 Prozent sein.

Die zwei größten Kuchenstücke bekommen aber die Marke und das Sportgeschäft, in dem wir kaufen. Die Marken, die den Schuh in Auftrag geben, bekommen ein Drittel der 100 Euro. Die Kosten der Marke lassen sich noch einmal in fast gleich große Drittel aufteilen: Entwicklung, Marketing und Profit. 50 Euro, die wir für den Sneaker zahlen, gehen dabei an das Schuhgeschäft, das heißt: Das Geschäft kauft die Schuhe für 50 Euro und legt dasselbe noch einmal drauf.

Handelsbeispiel 2: ein Smartphone von Apple

iPhone Kosten

Viele von uns besitzen mittlerweile ein teures iPhone, dessen Preis mit jeder neuen Generation steigt. Während das iPhone 8 für unter 1.000 Euro zu haben ist, knackt das iPhone X auch diese Marke. Doch wie entsteht der immense Preis? 2011 deckten US-amerikanische Marktforscher die Produktionskosten bei Apple auf. Der Neupreis eines iPhones 4s lag damals bei 629 Euro für 16 Gigabyte Speicherplatz – die heutigen Modelle liegen über diesem Preis, das könnte an steigenden Produktionskosten, Inflation und der verbesserten Technik liegen.

Die Prozentangaben darf man also nicht eins zu eins auf die neuesten iPhone-Modelle übertragen, sicherlich sind sie aber ähnlich groß, da schließlich auch Apple weiterhin seinen Gewinn erzielen will.

Hinter jedem Handy steckt Technik, für die wir bezahlen: die Entwicklung des Betriebssystems, die Materialkosten, der Speicherplatz. Doch diese Dinge nehmen längst nicht den Großteil des Preises ein. Das Marktforschungsunternehmen iSuppli fand heraus, dass sich die Produktionskosten
eines iPhones 4s auf 188 Dollar, also umgerechnet etwa 134 Euro, kalkulieren lassen
. Für das Zusammenschrauben des Modells berechneten die Forscher nur 8 Euro, die Löhne von Menschen in den Entwicklungsländern machen sich in dem Preis, den wir bezahlen, also kaum bemerkbar. Weniger als ein Viertel geben wir also für die Produktionskosten eines iPhones aus. Für Apple, wie wahrscheinlich auch für die meisten Handy-Hersteller, heißt das, dass mehr als 60 Prozent des Umsatzes das Unternehmen selbst bekommt.

Diese Summe lässt sich jedoch nicht als Gewinn bezeichnen, schließlich hat das Unternehmen Entwicklungs-, Lizenz- und Vertriebskosten zu tragen. Weitere Unternehmensforscher gehen jedoch von mindestens 49 Prozent Reingewinn beim Verkauf eines iPhones aus, das direkt an Apple geht – ein sattes Plus also.

Handelsbeispiel 3: Milch

Milch Preis

Milch bekommt man im Discounter ab derzeit 60 Cent. Biomilch oder ein höherer Fettgehalt können zu einer Preissteigerung von bis zu 40 Cent führen. Geht man von exakt 66 Cent für einen Liter Milch mit einem Fettgehalt von 3,5 Prozent aus, bekommt der Bauer fast die Hälfte davon, nämlich 31 Cent. Dieser Rohmilchpreis unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland sowie von Molkerei zu Molkerei.

Der zweitgrößte Teil geht an die Molkerei, knapp 15 Prozent – das ist ein wenig mehr als 9 Cent. An dritter und vierter Stelle stehen mit jeweils 12 Prozent der Einzelhandel und die Verpackungskosten: Fast 8 Cent. Weitere 7 Prozent macht die Mehrwertsteuer aus, das sind etwa 4 Cent. Die Lagerung und der Transport kosten etwas mehr als 2 Cent. Jeweils 2 Prozent nimmt der "Grüne Punkt" und die Erfassungskosten ein, das sind weniger als 2 Cent.

Artikel-Bewertung:

3.08 von 5 Sternen bei 13 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: