Abifeier im Ausland
Überall auf der Welt feiert man ausgelassen den Schulabschluss | Foto: Thinkstock/william87
Autorenbild

18. Mai 2015

Johanna Ochtrup

Abifeier

Abi im Ausland: Parties, Kitsch und inhaftierte Eltern

So wird in anderen Ländern das Schulende gefeiert

USA: Mit Kitsch zur High School Graduation

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden Schüler mit einer prachtvollen Zeremonie aus dem Schulleben verabschiedet, der sogenannten "Turning of the Tassel Ceremony". In langen Robenwerden die Schüler dann nach vorne gerufen, um ihr High School Diploma in Empfang zu nehmen. Begleitet vom ergriffenen Schluchzen und Blitzlichtgewitter der Eltern tritt der Sprössling vor das versammelte Publikum und legt die Quaste (engl. Tassel) seiner Kappe von der rechten Seite auf die linke. Dieser traditionelle Akt symbolisiert die Wandlung vom Schüler zum Absolventen.

Viele Schulen behalten es sich aber vor, bei der Zeremonie nur eine Kopie des Diplomas auszuhändigen und das Original erst später zu verteilen, damit die Schüler bei ihrem kurzen Moment im Rampenlicht nicht allzu leichtsinnig werden und sich unangebrachte Scherze erlauben – besonders beliebt war früher zum Beispiel das "Blankziehen" vor dem Publikum.

Die Krönung der High School Graduation folgt danach: der Prom. In Amerika ist der Abschlussball ein wichtiges Ereignis im Leben junger Amerikaner, das mit viel Tradition und Konvention begangen wird.

Am Ende zählt dabei nur eins: der perfekte Auftritt. Weder Kosten noch Mühen werden gescheut, damit der Ball ein voller Erfolg wird. Am wichtigsten ist natürlich die perfekte Begleitung. Alleine beim Prom zu erscheinen ist ein absolutes No-Go!

Als Highlight des Balls wird das bestaussehende Paar als Prom Queen und Prom King mit Krönchen und Zepter oder Schärpe geehrt – ganz so, wie man es aus Teenie-Filmen gewohnt ist.


Norwegen: Hörner abstoßen bei der Russfeier

Weniger formell, aber mit ähnlich großem Aufwand, wird der Schulabschluss in Norwegen zelebriert. Hier kleiden sich die Abschlussklassen mit meist roten Hosen und Mützen ein und treffen sich zu Tausenden, um ihren Schulabschluss zu feiern.

Die Feiernden werden als "Russen" bezeichnet; der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "sich die Hörner abstoßen". Der als Russefeiering bekannte norwegische Brauch geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück.

Mittlerweile hat sich das Russefeiering allerdings zu einem exzessiven Party-Gelage entwickelt. Einer der großen Versammlungsorte ist Tryvann, ein kleiner Ort in der Nähe von Oslo. Die "Russen" reisen aus ganz Norwegen in aufwändig geschmückten und mit Hightech-Anlagen ausgestatteten Mini-Bussen oder Vans an und feiern Tage und Nächte durch. Je ausgiebiger die Schulabgänger Jahr für Jahr feiern, desto lauter wird die Kritik an der Tradition.

Unfälle und Verbrechen wie Vergewaltigungen während der Feierlichkeiten seien weit verbreitet, wie der Spiegel berichtet. Trotzdem strömen Jugendliche jedes Jahr unaufhaltsam zusammen, um sich nach dem jahrelangen Schulstress eine Auszeit zu nehmen.

Aber Vorsicht: Wer sich bei der Russfeier bis zum Verlust des gesamten Schulwissens seine Gehirnzellen versäuft, sollte sich nicht wundern, wenn er die Quittung später mit seinem Abschlusszeugnis bekommt. Denn die Prüfungen sind in Norwegen meistens direkt nach der Russfeier!


China: Doping für bessere Noten

Viele chinesische Schüler entwickeln allein bei dem Gedanken an schlechte Noten Angstzustände: Sie legen mit dem "Gao Kao" am Ende ihrer Schullaufbahn eine allseits gefürchtete Aufnahmeprüfung für die Universität ab.

Erst das Ergebnis des "Gao Kao" gibt Antworten auf zentrale Fragen wie: Kann ich eine Uni besuchen und wenn ja, welche? Welche Fächer kann ich studieren? Welchen Beruf kann ich wählen? Kann ich damit meine Familie ernähren?

Kein Wunder, dass viele Schulen zu ungewöhnlichen Mitteln greifen, um die Nervosität in den Griff zu bekommen. In der zentralchinesischen Provinz Hubei soll den Schülern etwa intravenös Aminosäuren verabreicht werden, wie die chinesische Zeitung China Daily berichtete. Die Schüler sollen sich dadurch besser konzentrieren und länger lernen können.

Ähnlich fragwürdige Methoden lassen sich auch Eltern einfallen, um ihren Kindern zu guten Noten zu verhelfen. Die chinesische Regierung fährt daher schwere Geschütze auf, um Betrugsversuche zu erschweren und Schummler aufzuspüren: Die Examensaufgaben werden in einem Tresor verschlossen und von bewaffneten Wachleuten behütet. Wer trotzdem versucht, sich die Fragen zu beschaffen, macht sich der illegalen Beschaffung von Staatsgeheimnissen schuldig, hieß es im "Guardian" und "Spiegel" im Jahr 2009.

Artikel-Bewertung:

3.19 von 5 Sternen bei 238 Bewertungen.

Deine Meinung: