Vor- und Nachteile eines dualen Studums Studierende
Die Vor- und Nachteile eines duales Studiums sind vielfältig. Wäge sie gut ab, bevor du dich entschiedest. | Drazen Zigic / Getty Images
Autor

03. Aug 2022

Anke Capellmann

Studium

Das sind die Vor- und Nachteile eines dualen Studiums

Vor- und Nachteile eines dualen Studiums: Studium und Ausbildung in einem

Wenn du dich fragst "Was soll ich studieren?", du gleichzeitig aber auch über eine Ausbildung nach dem Abitur nachdenkst, könnte ein duales Studium eine interessante Möglichkeit für deine Pläne nach dem Abi sein. Denn bei einem dualen Studium lernst du nicht nur theoretische Inhalte, du kannst das Gelernte auch direkt bei der praktischen Arbeit in einem Unternehmen umsetzen. Am Ende des Studiums hast du also nicht nur deinen Bachelorabschluss in der Tasche, du hast auch noch eine Menge Arbeitserfahrung. Wir erklären dir, welche Vor- und Nachteile eines dualen Studiums es gibt.


Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Voraussetzungen
  3. Vorteile
  4. Nachteile
  5. Beliebte duale Studiengänge
  6. FAQ
  7. Überblick

Definition: Das ist ein duales Studium

Unter einem dualen Studium versteht man die Kombination aus Studium und das gleichzeitige Arbeiten in einem Unternehmen. Es verbindet also die theoretischen Inhalte aus der Universität mit dem praktischen Arbeiten bei deinem /-r Arbeitgeber /-in.

Insgesamt nimmt die Anzahl der Studienfächer, die du dual studieren kannst, immer weiter zu. Das liegt auch daran, dass es Arbeitgeber /-innen schätzen, wenn du schon Arbeitserfahrung sammelst.

Voraussetzungen

Ein duales Studium kannst du nicht einfach so beginnen. Wie bei einem Studium an einer Uni oder auch einem Ausbildungsplatz gibt es verschiedene Voraussetzungen, die du erfüllen solltest.

Formale Voraussetzungen

Wenn du dich für ein duales Studium entscheidest, musst du immer die Voraussetzung von Hochschule und Unternehmen kennen. Denn neben den Zulassungsvoraussetzungen an Uni und Fachhochschule können auch Unternehmen bestimmte Bildungsstufen oder Noten verlangen.

Oft findest du in den Stellenanzeigen für duale Studienplätze die Voraussetzungen von Unternehmen. Einige verlangen zum Beispiel ausdrücklich ein Abitur, andere vielleicht nur das Fachabitur. Zudem gibt es ein Vorstellungsgespräch im Unternehmen, in dem du neben deinen formalen Voraussetzungen auch mit deinen persönlichen Fähigkeiten überzeugen musst.

Persönliche Voraussetzungen

Wie bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz oder später bei der Jobsuche gibt es nicht nur fachliche Voraussetzungen, die darüber entscheiden, ob du seitens des Unternehmens eine Zusage für dein duales Studium erhältst. Auch deine Soft Skills sind im Auswahlverfahren ein wichtiger Faktor. Und auch für dich selbst und den Erfolg deines dualen Studiums ist es von Vorteil, wenn du bestimmte Charaktereigenschaften mitbringst. Dazu gehören vor allem

  • Motivation,
  • Ausdauer,
  • Durchhaltevermögen und
  • Fleiß,

denn ein duales Studium ist sehr anspruchsvoll. Immerhin musst du die Doppelbelastung aus Studium und Arbeit leisten. Faulheit oder Prokrastination sind da eher kontraproduktiv.


Vor- und Nachteile eines dualen Studiums Arbeitsgruppe


Vorteile eines dualen Studiums

Ein duales Studium bringt einige Vorteile mit sich. Zum Beispiel hast du während des Studiums ein geregeltes Einkommen. Am Ende deiner Ausbildung hast du gleich mehrere Abschlüsse in der Tasche. Außerdem kannst du nach abgeschlossenem dualen Studium mit viel Praxiserfahrung in deinen neuen Beruf starten. Und die Übernahmechancen sind nach einem dualen Studium oft sehr gut.

Mehrere Abschlüsse

Wenn du dual studierst, hast du am Ende gleich zwei Abschlüsse in kurzer Zeit erlangt: zum einen deinen Bachelorabschluss, zum anderen den staatlich anerkannten Abschluss deiner Ausbildung. In der Regel dauert ein Bachelorstudium drei Jahre. Auch eine Ausbildung kann zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren dauern. Unter Umständen kann es sein, dass dein duales Studium dann trotzdem vier oder fünf Jahre dauert. Das kommt auf die Fachrichtung an. Das ist dann aber immer noch weniger, als wenn du beide Abschlüsse nacheinander erwerben würdest.

Praxiserfahrung

Ein dicker Pluspunkt des dualen Studiums ist die Praxiserfahrung, die du währendessen sammelst. Das ist etwas, was viele Studenten /-innen in ihrem Vollzeitstudium vermissen. Sie wissen kaum, was nach dem Studium auf sie zukommt oder wie ihre tägliche Arbeit später aussehen wird – es sei denn, sie absolvieren ein Praktikum während des Studiums. Aber auch dann wirst du bei einem dualen Studium immer noch mehr praktische Erfahrungen sammeln können.

Außerdem kannst du dich unter Umständen auch besser auf Prüfungen vorbereiten. Immerhin kennst du schon viele praktische Abläufe und hast täglich in deinem Unternehmen mit Fachbegriffen zu tun, die du sonst vielleicht nur für eine einzige Klausur auswendig lernen würdest.

Gehalt

Bei einem dualen Studium hast du bereits ein geregeltes Einkommen. Während Vollzeitstudierende oft kellnern oder sich mit anderen Nebenjobs für Studenten /-innen über Wasser halten müssen, bekommst du Geld von deinem Arbeitgeber oder deiner Arbeitgeberin. Wie viel du als duale /-r Student /-in verdienst, hängt ganz von deiner Fachrichtung ab. Zwar ist das meist auch nur ein eher kleineres Azubi-Gehalt, aber viele Unternehmen übernehmen auch die Studiengebühren oder versorgen dich mit Laptops oder anderen Vergünstigungen.

Übernahmechancen

Wie bereits erwähnt, kannst du in einem  dualen Studium sehr viel Praxiserfahrung sammeln. Damit bist du  bei potentiellen Arbeitgebern /-innen sehr begehrt. Aber auch die Chance, dass du in deinem bisherigen Unternehmen übernommen wirst, ist groß. Schließlich hat das Unternehmen einiges an Geld in deine Ausbildung investiert. Deswegen will es natürlich am Ende auch davon profitieren.


 

Nachteile eines dualen Studiums

Ein duales Studium ist nichts für Faule – und bringt auch einige Nachteile mit sich. Zum einen musst du mit einer hohen Arbeitsbelastung rechnen. Außerdem wirst du in der Uni weniger wissenschaftlich arbeiten als es "normale" Studenten /-innen tun. Auch der Blick über den Tellerrand hinaus ist schwer, da du eher weniger Praktika absolvieren wirst und dauerhaft in deinem Unternehmen "feststeckst". 

Hohe Arbeitsbelastung

Wenn du dich dafür entscheidest, mit einem dualen Studium gleich zwei Abschlüsse in kürzerer Zeit zu erwerben, musst du auch mehr Arbeit in kürzerer Zeit investieren. Es gibt verschiedene Zeitmodelle, wie ein duales Studium aufgebaut sein kann. Beim Zeitmodell zum Beispiel verbringst du immer längere Blöcke im Unternehmen und dann wiederum in der Universität. Es gibt aber auch Wochenmodelle, in denen du eine Woche im Unternehmen und eine Woche an der Uni bist. In der Regel kommt es darauf an, welche Vereinbarung dein Unternehmen mit deiner Hochschule geschlossen hat. Was du außerdem bedenken solltest: Während andere Vollzeitstudenten /-innen während der Semesterferien oft viel Freizeit haben, hast du trotzdem nur so viele Urlaubstage, wie es für Azubis oder Arbeitnehmer /-innen üblich ist.

Weniger wissenschaftliches Arbeiten

Weil du bei einem dualen Studium sehr viele Inhalte in kürzerer Zeit lernen musst, ist ein duales Studium oft sehr eng getaktet. Deshalb kann es vorkommen, dass viele Inhalte nur oberflächlich behandelt werden. Während du bei einem Vollzeitstudium oft auch unterschiedliche Schwerpunkte setzen kannst oder dich mit einzelnen Themen viel intensiver beschäftigen kannst, ist das bei einem dualen Studium oft sehr schwierig. So fällt es eventuell auch schwerer sich zu spezialisieren.

Kein Blick über den Tellerrand hinaus

Ein weiterer Nachteil bei einem dualen Studium ist, dass du kaum Möglichkeiten hast, über den Tellerrand hinauszublicken. Während bei einem Vollzeitstudium verschiedene Praktika möglich sind, in denen du Einblicke in untershiedliche Unternehmen oder Institutionen bekommst, bleibst du bei einem dualen Studium in der Regel nur bei deinem eigenen Unternehmen. Außerdem ist ein duales Studium meist sehr auf einen einzelnen Fachbereich fokussiert. In einem Vollzeitstudum ist es hingegen möglich, auch Kurse in anderen Studienängen zu besuchen und interdisziplinär zu lernen.

Abbruch kaum möglich

Im besten Fall ziehst du ein angefangenes Studium natürlich durch. Wenn du ein /-e "normale /-r" Vollzeit-Student /-in bist und plötzlich merkst, dass dir dein Studium so gar nicht zusagt, kannst du oft problemlos einen Fachwechsel oder sogar dein Studium abbrechen. Außerdem hast du bei einem Vollzeitstudium viel mehr Spielraum und kannst selbst entscheiden, welche Kurse und Prüfungen du wann ablegen willst. Das ist bei einem dualen Studium sehr schwierig oder kaum möglich. Solltest du abbrechen, kann dein /-e Arbeitgeber /-in von dir verlangen, dass du die bis dato übernommenen Studiengebühren zurück zahlst. Außerdem ist bei einem dualen Studium alles eng getaktet, so dass es schwierig sein kann, einfach ein Semester hinten dranzuhängen.


 

Beliebte Fachbereiche

Theoretisch kannst du mittlerweile sehr viele Studiengänge dual absolvieren. Es gibt aber einige Fachbereiche, die besonders viele Studiengänge anbieten und bei angehenden Studenten /-innen beliebt sind:

  • BWL, Finanzen & Management
  • Ingenieurwesen & Technik
  • Informatik & IT
  • Gesundheit & Fitness
  • Medien & Kommunikation
  • Verwaltung & Öffentlicher Dienst

FAQs: Häufig gestellte Fragen

Ist ein duales Studium gut angesehen?

Ein duales Studium ist vor allem bei Arbeitgebern /-innen sehr gut angesehen. Dadurch, dass du bei dieser Art von Studium gleichzeitig sehr viel praktische Erfahrung im Unternehmen sammelst, werden duale Studenten /-innen am Ende oft übernommen. Außerdem haben sie seltener Schwierigkeiten, im Anschluss an ihre Abschlüsse einen Job zu finden. Kritik gibt es hingegen daran, dass du bei einem dualen Studium relativ wenig über den Tellerrand hinaus schaust, sondern zu sehr auf dein eigenes Unternehmen fixiert bist.

Ist ein duales Studium wirklich so anstrengend?

Ein duales Studium bedeutet auch eine Doppelbelastung. Während Vollzeitstudenten /-innen sich voll auf ihr Studium konzentrieren können und nebenbei vielleicht noch einen kleinen Nebenjob haben, arbeitest du wie ein /-e Auszubildender /-de in deinem Unternehmen. Oft bedeutet das, dass du noch nach der Arbeit für Prüfungen lernen oder Hausarbeiten schreiben musst. Du solltest also motiviert und keinesfalls faul sein, wenn du dich für ein duales Studium entscheidest.

Warum will man dual studieren?

Vor allem die Kombination aus Theorie und Praxis ist für viele ein Vorteil des dualen Studiums. Außerdem erlangst du in kürzerer Zeit gleich zwei Abschlüsse. So hast du nicht nur das Lernen und die Ausbildung schneller hinter dir, du verdienst auch schneller gutes Geld und bist zudem sehr gefragt auf dem Arbeitsmarkt.

Wie schwierig ist ein duales Studium?

Wie einfach oder schwierig ein duales Studium ist, ist von Student /-in zu Student /-in unterschiedlich. Schließlich lernt jede /-r anders schnell oder langsam. Was du auf jeden Fall bedenken solltest: Ein duales Studium ist eine Doppelbelastung. Du hast also weder Semesterferien, in denen du dich wochenlang entspannen kannst, noch kannst du dir deine Studienzeit oder deinen Stundenplan frei einteilen.

Duales Studium im Überblick

  • Ein duales Studium ist eine Kombination aus Studium und Ausbildung. Du sammelst also auch sehr viel praktische Erfahrung.
  • Bei einem dualen Studium erlangst du in kürzerer Zeit gleich zwei Abschlüsse – sowohl einen Bachelorabschluss als auch den staatlich anerkannten Abschluss deiner Ausbildung.
  • Bei einem dualen Studium hast du ein geregeltes Einkommen und musst dich nicht mit unbeliebten Studentenjobs über Wasser halten.
  • Die Übernahmechancen in deinem Unternehmen sind oft hoch.
  • Du hast eine hohe Arbeitsbelastung und Doppelbelastung bei einem dualen Studium. Du solltest also nicht faul sein.
  • Bei einem dualen Studium wird oft kritisiert, dass du kaum einen Blick über den Tellerrand hinaus werfen kannst, da Praktika in verschiedenen Unternehmen eigentlich nicht üblich sind.

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