Live Escape Game
UNICUM beim Live Escape Game – die richtigen Lösungen werden hier nicht verraten | Foto: UNICUM
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13. Aug 2015

Barbara Kotzulla

Freizeittipps

Live Escape Games

Was steckt hinter dem neuen Freizeit-Trend?

Ein rätselhaftes Spiel mit dem Ungewissen

Die Tür schließt sich, wir stehen in der dunklen "The Blue Note”-Bar. Sofort startet der Countdown. 60 Minuten bleiben uns, um dem verschlossenen Raum zu entfliehen. Denn dann kommen die Bagger und reißen die Party-Location ab. Sofort verteilen wir uns: Wo kann nur der Schlüssel sein? Doch erst einmal muss das Licht angehen. Vor dem Schalter hängt allerdings ein Schloss, daran – eine Mathematik-Aufgabe …

Live Escape Games sind Trend: Derzeit eröffnen deutschlandweit immer mehr Betreiber die rätselhaften Räume. So auch Stephan Langhoff, Yasin Karapinar und Viktor Huhn von "Locked". Die drei Maschinenbau-Absolventen sind im November 2014 bei einem Wochenende in London auf das Konzept aufmerksam geworden. Innerhalb von wenigen Wochen haben sie dann ihren eigenen Spielort in Bochum auf die Beine gestellt. Ihnen ist es wichtig, jeden Raum mit einer Geschichte zu verknüpfen, wie auch im Fall unseres Abenteuers "Die letzte Nacht". Denn natürlich gibt es keine echten Bagger und keine wirkliche Gefahr.

Als Teilnehmer bei einem Live Escape Game weiß man nie, was einen erwartet. Und so sind auch wir vor Spielbeginn sichtlich nervös. Ob wir alle Rätsel lösen können? Nicht, dass wir uns am Ende blamieren! Die Bedenken sind schnell verflogen: Nach den ersten Minuten der Orientierung sind alle vertieft in die Aufgaben. Obwohl alles gestellt ist, nimmt man das Spiel ernst und will unbedingt vor der Zeit zum Ende kommen.

Einzelkämpfer haben keine Chance

Welche Bedeutung haben die Gegenstände auf dem Tisch? Was gibt es in den Schränken zu entdecken? Zuerst erkundet jeder für sich den Raum, bald rufen wir uns jedoch die gefundenen Hinweise zu und gehen in kleinen Grüppchen den Lösungen nach. "Wir wollen, dass die Teams, die uns besuchen, lernen miteinander zu reden. Beim Live Escape Game merkt man schnell, wie wichtig die Kommunikation untereinander ist", so Mitbetreiber Yasin. Und Viktor ergänzt: "Organisierte Teams haben gute Karten. Wer sich als Einzelkämpfer durchboxen will, verschluckt vieles oder verrennt sich einfach."

Nach und nach wird uns bewusst, wie ein Rätsel logisch an das nächste knüpft. Kommen wir an besonders kniffligen Stellen nicht weiter, helfen die Organisatoren aus. Ein Spielleiter beobachtet durch eine Kamera das Geschehen und kann Tipps geben. Dann ertönt ein gut hörbarer Ton und ein Hinweis erscheint auf dem Bildschirm, auf dem sonst die Uhr tickt. Das passiert nicht zu oft – aber oft genug, damit kein Frust aufkommt.

Man braucht kein Fachwissen

Unser größtes Problem: Oft vermuten wir hinter einem Rätsel eine viel zu schwere Lösung. Während wir bei einer Aufgabe noch über historische Persönlichkeiten debattieren, erscheint der Tipp, dass es um etwas viel einfacheres geht. "Für ein Live Escape Game braucht niemand ein spezielles Fachwissen. Was man mitbringen sollte, sind in einem normalen Maße logisches Denkvermögen, Vorstellungskraft und die Fähigkeit, Dinge miteinander verknüpfen zu können. In einer Gruppe mit bis zu sechs Spielern kann immer jemand etwas besonders gut – das muss man nur miteinander verbinden", erklären die Macher. So sind Live Escape Games ihrer Meinung nach für Teilnehmer ab 14 Jahren geeignet.


Locked Bochum


Für uns wird’s langsam knapp im "The Blue Note": Die Zeit scheint wie verflogen, die Uhr zeigt noch knapp 4 Minuten an und Hektik macht sich breit. Werden wir es überhaupt schaffen? Nun gilt es, kühlen Kopf zu bewahren. Mit vereinten Kräften knacken wir das letzte Rätsel und gelangen endlich an den wichtigen Schlüssel. Später erzählen uns Viktor, Stephan und Yasin, dass sie bewusst ein Gemeinschafts-Rätsel ans Ende gestellt haben, um noch einmal den Team-Gedanken zu festigen.

Als wir endlich aus dem Raum in den Keller treten und über eine Treppe in die helle Eingangshalle gehen, sind wir geschlaucht, aber glücklich. Die Location mitten in der Bochumer Innenstadt lässt von außen nicht erahnen, welche Rätsel sie beherbergt. Als wir uns setzen, gehen wir noch minutenlang alle Punkte durch, verfolgen in Gedanken unsere Lösungsschritte zurück. Die große Frage: Hätten wir schneller sein können? Immerhin blieben uns nur noch 2 Minuten und 36 Sekunden, um den imaginären Abriss-Baggern zu entkommen.

Jedes Live Escape Game ist einzigartig

Diesen Raum werden wir leider nicht mehr machen können – das macht mit den Lösungen im Kopf keinen Sinn. Doch bei "Locked" gibt es noch einen zweiten "Escape Room", ein dritter ist in Planung. Und es gibt ja noch weitere Veranstalter in anderen Städten, die das Bochumer Team nicht als Konkurrenz sieht: "Derzeit helfen wir uns alle gegenseitig, das Konzept bekannt zu machen."

Was die Live Escape Games ausmacht, ist vor allem ihre Einzigartigkeit. Das fasziniert auch Macher Stephan Langhoff: "Beim Laser-Tag oder Paintball ändern sich vielleicht die Orte und Verstecke, doch das Prinzip bleibt überall gleich. Aber hier gibt es immer wieder neue Räume, neue Rätsel, nichts wiederholt sich – die Abwechslung ist ein wichtiger Punkt."

Das UNICUM Fazit nach dem aufregenden Besuch lautet zumindest: Live Escape Games machen süchtig. Unbedingt einmal ausprobieren!


Live Escape Games in deiner Nähe

Eine Übersicht über alle "Escape Rooms" in Deutschland gibt's unter:

Weitere Infos zu "Locked" in Bochum gibt's unter:

Bei "Locked" könnt ihr ab 19 Euro p.P. an einem 60-minütigen Rätsel teilnehmen, die Preise unterscheiden sich aber von Anbieter zu Anbieter. Live Escape Games sind für Gruppen aller Art geeignet: Ob mit Freunden oder der Familie oder als Idee für die nächste Klassenfahrt, den Betriebsausflug oder den Junggesellenabschied.

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