l.e.t. (les enfants terribles)
Yann Mathé alias l.e.t. (les enfants terribles) | Foto: Michael Godehardt
Autorenbild

21. Mai 2012

Merel Neuheuser

Entertainment

UNICUM trifft: l.e.t. (les enfants terribles)

-ARCHIV-

Einer der ersten deutschen Street-Art-Künstler

Stencils sind genauso illegal wie Graffiti

UNICUM: Du arbeitest draußen hauptsächlich mit Cutouts, also Papier, das du mit Leim anklebst. Wieso sprühst du das Motiv nicht gleich? Dann könnte man es auch weniger leicht klauen.
L.E.T.: Das wiederum finde ich nicht schlimm. Die Stencils sind draußen sowieso kurzweilig. Ich mag beides, Papier oder Leinwand, manchmal auch Holz. Aber jedes Motiv probiere ich erst draußen aus.

Wie funktioniert das genau?
Ich bastle Zuhause mehrere Schablonen für ein Motiv oder arbeite mit einem Projektor an der Wand. Dann sprühe ich das Motiv mit Graffiti auf superdünnes Papier. Vor allem, weil mir die Zeit fehlt. Für die meisten Bilder brauche ich fünf oder mehr Schablonen. Das würde nachts zu lange dauern und da fehlt einem die Ruhe. Man darf sich ja auch nicht erwischen lassen. Die fertigen Stencils kann ich einfach aufkleben.

Klingt ziemlich illegal...
Naja, Stencils sind ja schon permanent und somit eigentlich illegal wie Graffiti. Ich klebe nicht auf privaten Grundstücken, davon sollte man wirklich die Finger lassen. Zum Üben besser erst mal Zuhause beginnen.

Nicht an "Walls of fame"?
Besser nicht. Graffiti-Künstler sind nicht die größten Freunde von Street Art. Deren Graffitis zu überkleben, könnte gefährlich werden.

"Nie gedacht, dass das ein großes Ding wird"

Woran erkennt man deine Motive?
Meine Grundideen sind Humor und Sozialkritik. Früher habe ich meine Motive selber gezeichnet, heute suche ich mir sorgfältig Bilder aus, die ich dann variiere oder in ihrer Aussage verändere. Viele meiner Motive sind Kinder, das ist in der Street Art sowieso weit verbreitet. Die Naivität beim Motiv, dass nachts, verboten in der Kälte angebracht wird, reizt dabei wohl besonders.

Du bringst mit deinen Street Art-Arbeiten schon seit über 20 Jahren Farbe in deutsche Städte. Gehörst du zur ersten Riege?
Nein, den Ursprung hat die Arbeit mit Schablonen, also das, was auch Banksy macht, in Frankreich mit Künstlern wie Blek le Rat. Das war schon in den 80ern. Aber auch in Deutschland waren Stencils, also Graffitis, die mit Hilfe von Schablonen gesprüht werden, schon vor 20 Jahren eine gängige Protestform in der linken Szene. Ein beliebtes Motiv war das "Che Guevara"-Gesicht. Ich hätte damals aber nie gedacht, dass das als Kunstform mal so ein großes Ding wird.

Street Art ist Mainstream geworden

Hat Banksys Film "Exit Through the Gift Shop" die Szene verändert?
Der Film hat natürlich sehr viele Leute abgeholt, die die Szene schon kannten. Aber man merkte deutlich, dass sich, besonders nach der TV-Ausstrahlung, auch Personen allen Alters für Street Art interessierten. Bei Kritikern merkte man auch einen Effekt. Vorher wurde Street Art von deutschen Kunstkritikern totgeschwiegen, obwohl Banksy da schon Bilder für hunderttausende Euro verkaufte. Durch den Film wurde die Kunstform auf einmal ernster genommen.

Dafür ist Street Art von einem Untergrund- zum Mainstream-Produkt geworden. Stört dich das?
Überhaupt nicht. Mainstream heißt ja, dass viele Leute etwas mögen und das kommt mir natürlich auch zugute. Früher wurden meine Arbeiten hauptsächlich von Engländern oder Amerikanern gekauft. Seit dem Boom in Deutschland geht auch hier Street Art gut in der Galerie.

Auch bei ebay, dawanda und Co. findet man jetzt viele Stencil-Bilder...
Der Bilderklau ist die andere Seite des Booms. Repliken werden schon für wenige Euro im Internet angeboten. Ich werde auch regelmäßig über Repliken von meinen Bildern informiert. Dann sollen die Leute ein Foto vom Bild auf der Straße machen und sich das aufhängen.


Was sind Schablonengraffitis (Stencils)?

Im Gegensatz zu freihändigen Graffiti entsteht das fertige Bild mit Schablonen, durch die die Graffitifarbe gesprüht wird. Für ein Motiv werden mehrere Schablonen benötigt, zum Beispiel für verschiedene Farben, Umrisse oder Details.

Die Schablonen werden über Photoshop gestaltet, dabei werden die wichtigen Informationen aus dem Bild "umgedreht", so bleibt alles bestehen, was nicht gesprüht werden soll.

Auf YouTube findet ihr Tutorials, wie ihr Schablonen gestalten und ausschneiden könnt.


Stencil von l.e.t. (Les Enfants Terribles):

Stencil von l.e.t. (Les Enfants Terribles)


Mehr über Les enfants terribles

Les enfants terribles ist Deutschfranzose und hat Kunst und Design in Hannover und Berlin studiert. Danach gründete er ein Designbüro und gestaltete Kleidung, Schuhe und Skateboards. 2005 machte er sich als Künstler selbstständig und ist einer der wenigen Streetartists die den Einstieg in die Galerieszene geschafft haben.

l.e.t. arbeitet mit der Pretty Portal Galerie (Düsseldorf) und der 30works Galerie (Köln) zusammen. Mehr Infos über l.e.t. findet ihr auf www.flickr.com/les-enfants-terribles

Artikel-Bewertung:

3.39 von 5 Sternen bei 121 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: