Louis Hofmann Interview
Als David fühlt sich Louis Hofmann in Prélude großem Druck ausgesetzt. | Foto: X-Verleih AG
Autor

30. Aug 2019

Marvin Kesper

Promis

Louis Hofmann im Interview

"Ich hatte Angst, dass ich den Erwartungen nicht gerecht werde."

Louis Hofmann über Prélude, Klavierstunden und Double

UNICUM: In Prélude spielst du einen jungen, aufstrebenden Pianisten. Wie konntest du dich mit der Rolle identifizieren? Bist du selbst musikalisch und spielst Klavier?
Louis Hofmann: Ich habe sehr lange Schlagzeug gespielt und Anfang des Jahres wieder damit angefangen. Mit Klavierspielen hatte ich aber nicht so viel am Hut, sondern konnte nur ein paar Akkorde legen. Für den Dreh habe ich mir aber über Monate hinweg alles mit akribischer Arbeit und einem Klavierlehrer angeeignet. Vor vier Jahren war das Casting für den Film und als die Zusage kam, habe ich über zwei Jahre hinweg immer mal an Workshops mit meinem Klavierlehrer teilgenommen. Da haben wir vor allem darauf geguckt, wie die richtige Haltung eines Pianisten aussieht und wie er sich am Klavier ausdrückt. Drei Monate vor Drehbeginn habe ich dann zwei Stunden Unterricht pro Tag genommen und zusätzlich zwei bis vier Stunden geübt. Das Schöne daran war, dass genau das mich der Rolle so nah gebracht hat. Ich hatte das so gar nicht erwartet. Eigentlich dachte ich, dass der Unterricht eine rein technische Sache wäre. Man lernt halt, Klavier zu spielen. Über diese Arbeit hab ich mich mit der Figur aber immer mehr identifiziert, was total cool war. 

Mal ehrlich: Wie oft hast du dich während einer Szene verspielt? Mussten Szenen bei Prélude besonders oft gedreht werden, im Gegensatz zu anderen Produktionen?
Es gibt eine Szene, in der ich die "Wandererfantasie" [Anm. d. Red. ein Klavierstück von Franz Schubert] spiele. In der habe ich mich öfter mal verspielt. Das war zum Glück nicht so schlimm, weil man den Ton nicht hört. Schlimm war es nur, wenn man bei der Kamerafahrt ums Klavier genau gesehen hat, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Aber eigentlich ging es ganz gut, ich war anscheinend gut vorbereitet. 

In Prélude habt ihr bewusst darauf verzichtet, ein Double für dich einzusetzen. Aber gibt es denn Szenen, in denen du ein Double bräuchtest?
Ich bin schon relativ abenteuerlustig, was das angeht. Ich würde auf jeden Fall immer versuchen, das zu spielen, was auch die Figur macht. Es bringt einen einfach näher an die Figur heran. In Prélude habe ich zum Beispiel gar nicht daran gedacht, dass ich so viel auf mein Gesicht und auf meinen Ausdruck achten muss, wenn ich Klavier spiele. Das hätte ich alles gar nicht mitbekommen, wenn ich es nicht selbst gespielt hätte. Deswegen würde ich es auf jeden Fall zumindest immer versuchen. 


Louis Hofmann Interview Klavier


Louis Hofmann steht auf Indie-Musik

Welcher Musik-Typ bist du? Was hörst du gerne für Musik? 
Hauptsächlich Indie-Rock, Indie-Pop und Alternative. Manchmal höre ich aber auch ein bisschen Soul oder gelegentlich auch mal Hip Hop. Das aber eher selten. 

Welcher ist dein absoluter Lieblingssong?
Ich finde es immer schwierig, sich auf einen Song festzulegen. Aber momentan finde ich "Lovers Left to Die" von Dope Lemon ziemlich stark. 


Hier kannst du in den aktuellen Lieblingssong von Louis Hofmann reinhören: 


Im Film ist deine Lehrerin, Professorin Matussek, teilweise sehr streng, aber auch fördernd. Wer war dein persönlicher Förderer während deiner Karriere?
Dadurch, dass ich schon so früh mit der Schauspielerei angefangen und große Teile meiner Jugend und Kindheit beim Film verbracht habe, gibt es richtig viele davon. Es ist schwierig, da jemanden konkret hervorzuheben, weil mich so viele Leute auf meinem Weg begleitet und mir immer wieder geholfen haben. 

Hast du als Künstler bestimmte Vorbilder, an denen du dich orientierst?
Es gibt auf jeden Fall Schauspieler, die ich total toll finde. Zum einen mag ich Tom Schilling sehr gerne oder auch August Diehl. International sind das Eddie Redmayne und Leonardo DiCaprio. Es wechselt aber immer von Zeit zu Zeit. Wenn ich gerade einen besonders guten Film gesehen habe, finde ich den Schauspieler auch über einen bestimmten Zeitraum richtig gut. 

"Die Erwartungshaltung auf das, was ich mache, ist heute eine andere, als früher."

David droht unter dem ständigen Druck der Selbstverwirklichung und den Erwartungen zu zerbrechen. Bei ihm verändert sich dadurch sehr viel. Durch die Netflix Serie "Dark" hast du jetzt vermehrt auch an internationaler Bekanntheit gewonnen. Wie hat sich dein Leben dadurch verändert?
Mein Leben hat sich durch "Dark" eigentlich nicht wirklich verändert. Ich habe aber im Jahr, nachdem "Dark" veröffentlicht wurde, auf jeden Fall einen Erwartungsdruck verspürt. Die Erwartungshaltung auf das, was ich mache, ist heute eine andere, als früher. Das hat extrem hohen Druck auf mich ausgeübt, beziehungsweise ich habe ihn mir teilweise auch selbst gemacht. Ich hatte einfach Angst, dass ich den Erwartungen und Vorstellungen der Leute nicht gerecht werde.

Hast du dir durch Hobbys einen Ausgleich geschaffen, wenn mal wieder ein langer Drehtag vorbei war oder der Druck zu hoch war?
Eigentlich nicht so wirklich. Erst Anfang des Jahres habe ich wieder damit angefangen, meine Hobbys aufzugreifen, wie Schlagzeug spielen, Bouldern oder ab und zu Skaten zu gehen. Ich habe einfach gemerkt, dass es ganz schön wichtig ist, Dinge zu tun, die keinen Output haben müssen, wo man also nicht unbedingt etwas erreichen muss. Das tut man einfach nur für sich und kann den Kopf frei bekommen. 

David weiß genau was er will und versucht dies mit allen Mitteln zu erreichen. Wie wichtig ist es, sich eigene Ziele für die Karriere zu setzen? Oder sollte man alles einfach auf sich zukommen lassen? 
Ein bisschen von beidem. Man sollte schon Ziele im Leben haben, aber man sollte sich nicht mit ihnen stressen. Das musste ich auch erst lernen. Definitiv sollte man Träume haben, aber sich dazu zu zwingen, dass sie jetzt sofort in Erfüllung gehen müssen, wäre falsch. Man sollte sich damit einfach Zeit lassen. 

In deiner Rolle als David studierst du Musik. Du selbst hast aber nie studiert und bist quasi mit der Schauspielerei aufgewachsen. Wieso kam für dich ein Studium nie in Frage? 
Es kam sehr oft in Frage, ich habe mich letztendlich nur dagegen entschieden. Es stand oft im Raum, weil immer die Frage aufkam, ob ich nicht doch das Handwerk genau lernen sollte, um mehr Sicherheit beim Schauspielern zu haben. Als "Dark" dann kam und ich wusste, dass ich die nächsten drei Jahre eine Serie machen werde, hat das die ganze Überlegung eher überflüssig gemacht. Ich hatte dann einfach keine Zeit mehr für ein Studium. 


10 schnelle Fragen an Louis Hofmann


Louis Hofmann über seine Schulzeit

Schon als kleiner Junge hast du in verschiedenen Fernsehproduktionen mitgespielt. Wie hast du neben der Schauspielerei deine Schule auf die Reihe bekommen? Welche Art von Schüler warst du?
Ich war nicht unbedingt der fleißigste Schüler. Ich habe das aber so alles auf die Reihe bekommen, weil ich hauptsächlich in den Ferien gedreht habe. Ich habe also meine freie Zeit dafür geopfert. Wenn ich aber mal während der Schulzeit drehen musste, hatte ich einen Onlinelehrer, mit dem ich immer geskyped habe. In der Zeit wurde ich aber in den Fächern, in denen ich sonst nicht so gut war, ziemlich gut. In dem Einzelunterricht wird nämlich nur auf deine Fragen eingegangen, der Unterricht ist voll auf dich zugeschnitten und du musst deine Hausaufgaben machen, weil nur du kontrolliert werden kannst. Das hat mir alles mehr gebracht, als es mir geschadet hat. 

Blieb da überhaupt noch Zeit für Hobbys?
Ja, doch, das ging schon. Natürlich, je mehr ich gedreht habe, umso weniger war ich zum Beispiel im Fußballverein. Ich bin dann irgendwann auch aus der leistungsorientierten Mannschaft ausgetreten, weil ich gemerkt habe, dass sich meine Gewichtung im Leben verschoben hat. Man muss sich aber definitiv seine Zeit für Hobbys suchen und auch nehmen.

Welchen Beruf würdest du gerne ausüben, wenn du nicht Schauspieler geworden wärst?
Ich glaube, ich würde trotzdem beim Film arbeiten. Vielleicht wäre ich Produzent geworden. Kurz nach der Schule habe ich mal darüber nachgedacht Kunst oder Psychologie zu studieren. Aber, ehrlich gesagt, glaube ich im Nachhinein nicht, dass ich gerne Psychologe wäre. Es wäre schon irgendein kreativer Beruf geworden. 

Was fasziniert dich denn so am Film? 
Ich liebe es einfach Geschichten zu entwickeln. Außerdem wüsste ich glaube ich nicht, wo ich sonst reinpassen würde. Seit elf Jahren bin ich jetzt schon in der Filmbranche und das ist einfach mein Gebiet. Wenn ich jetzt keine Schauspielerei mehr machen könnte oder dürfte, wäre ich ganz schön aufgeschmissen. 



UNICUM Filmtipp

Louis Hofmann Interview Prelude

"Prélude"

Kinostart: 29.08.2019 

Mit: Louis Hofmann, Liv Lisa Fries, Ursina Lardi, Johannes Nussbaum, u.a.

Verleih: X-Verleih

Artikel-Bewertung:

3.59 von 5 Sternen bei 130 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: