Lena Meyer-Landrut Coach The Voice Kids
In der siebten Staffel von "The Voice Kids" nimmt Lena erneut auf dem roten Coach-Stuhl Platz. | Foto: Sat.1/André Kowalski
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18. Feb 2019

Carolin Streckmann

Promis

Lena Meyer-Landrut über Instagram und "The Voice Kids"

“Du bist genau richtig, so wie du bist.”

Lena Meyer-Landrut über Instagram & Co: "Es lohnt sich, in sich selber hinein zu fühlen"

UNICUM ABI: Du bist auf Instagram sehr erfolgreich, musst da aber leider immer wieder mit Hasskommentaren und Beleidigungen zurecht kommen. Im November letzten Jahres hast du dazu einen Insta-Post veröffentlicht, in dem du dieses Problem offen zeigst. Was war für dich der Auslöser, diesen Post zu veröffentlichen?
Lena Meyer-Landrut: Der Auslöser war unter anderem, auf das Thema aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass niemand damit alleine ist. Egal ob es jetzt Hate im Internet ist oder Mobbing in der Schule oder auf der Arbeit – ich wollte zeigen, dass das ein Thema ist, das unsere Gesellschaft und vor allen Dingen auch unsere Altersgruppe total beschäftigt. Auch in den verschiedenen Bereichen. Da ist nichts irgendwie schlimmer oder nicht so schlimm wie das andere. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Und ich glaube, dass es einfach schön ist, wenn man so eine Plattform hat, da einfach manchmal seinen Mund aufzumachen und von sich selber zu berichten. Ich kenne das von mir selbst, wenn jemand von seinen Struggles berichtet und ich dann das Gefühle habe, mich damit identifizieren zu können. Es ist irgendwie schön, wenn man merkt, dass man nicht alleine ist und auch andere Leute mit diesen oder ähnlichen Themen zu kämpfen haben.

Apropos darauf aufmerksam machen: Du hast die Thematik auch in deiner aktuellen Single "Thank you" verarbeitet. In dem Song sagst du, dass du dankbar bist für diese negativen Kommentare, weil sie dich stärker machen. Wie bist du denn zu dem Punkt gekommen, dass du diesen schwierigen Erfahrungen etwas Positives abgewinnen kannst?
Ich glaube, das kommt so mit der Zeit, wenn man für sich selber versteht, was diese Tiefpunkte mit einem machen und dass sie nicht nur Tiefpunkte sind, sondern eher Wendepunkte im Leben darstellen. Dir widerfährt etwas und du kannst daraus Kraft ziehen und daraus lernen, weil du im Nachhinein merkst, was es eigentlich mit dir gemacht hat. Also, wenn dir etwas Schlimmes passiert und du dann nach einer Weile merkst, dass du gelassener oder anders auf Situationen reagierst, die dir danach passieren. Man versteht dann auch, dass man eigentlich eher dankbar für diese schwierigen Situationen sein kann, als so viel Energie darauf zu verschwenden, traurig oder sauer zu sein.

Diese Einstellung hast du dir also selbst erarbeitet. Würdest du sie auch anderen, gerade jungen Leuten empfehlen, die die Social-Media-Welt für sich entdecken und dort auch mit den "Gefahren" der sozialen Netzwerke in Berührung kommen können?
Es ist schwierig, pauschal Tipps zu geben, wie man damit umgehen sollte. Ich bin kein Life-Coach (lacht). Ich kann nur sagen, wie ich mit den Sachen umgehe, was es mit mir macht und wie ich es schaffe, aus diesen Situationen etwas Positives für mich zu ziehen. Klar, können andere sich daran orientieren. Aber ich glaube, es ist immer gut, in sich selber hinein zu fühlen und zu schauen "Was hilft mir? Wie gehe ich mit dieser Situation um?" Jeder ist individuell und hat seine eigenen Bedürfnisse und seine eigene Geschichte. Da ist es super wichtig, zur Ruhe zu kommen und sich auf diesen unkomfortablen Weg zu sich selber zu begeben. Und sich nicht darauf auszuruhen, dass man sagt: "Ich hab dieses Problem und es jetzt ist es so" oder "Ich hab dieses Problem und jemand anderes ist so mit dem Problem umgegangen. Das funktioniert für mich nicht und deswegen gibt es für mich keine Lösung". Jeder ist da tatsächlich leider verantwortlich für sich selber und muss den eigenen Weg für sich gehen. Es lohnt sich aber, das zu tun.

"Authentizität ist das, was einen happy macht"

Was würdest du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die eine Musikkarriere anstreben?
Ach, ich glaube, der einzige Tipp, den man wirklich geben kann, ist: Seid authentisch. Versucht euch nicht zu verbiegen oder nach dem zu gehen, was eure Eltern oder die Gesellschaft wollen. Es gibt so viele "Vorschriften", was man zu tun und was man zu lassen hat, wer man zu sein hat, was man machen muss. Das einzige, was ich immer wieder sage, ist: Du bist genau richtig, so wie du bist. Authentizität ist das A und O, denn das ist das, was einen happy macht. Und wenn man in seinem authentischen Ich lebt, dann kann man auch am meisten geben und am meisten mit anderen teilen. Ich glaube, das ist der erste Schritt zum Erfolg – aber nicht im Sinne von Berühmtheit, sondern im Sinne von Glück und Freude für einen selber.



Lena ist zurück bei "The Voice Kids"!

Wie kommt es, dass du nach zwei Jahren Pause wieder auf dem roten Stuhl bei "The Voice Kids" sitzt?
Der Sender hat mich gefragt, ob ich nochmal Lust darauf hätte, hier mitzumachen. Da musste ich gar nicht lange überlegen und habe sofort gesagt, dass ich das super gerne machen würde.

Und was hat dich dazu gebracht, sofort zuzusagen?
Ich hatte mir eine kleine Auszeit davon genommen, damit ich mich voll und ganz auf die Musik konzentrieren kann. Jetzt bin ich mit dem Kreativ-Prozess des Albums durch – das Album kommt am 5. April raus. Und dann hab ich einfach gespürt, wie viel Bock ich habe und wie viel Spaß mir das macht und habe mir gedacht, dass ich das auf jeden Fall machen will.

Bei den Blind Auditions hörst du nur die Stimme der Kandidaten. Wonach entscheidest du da, ob du den Buzzer drückst?
Das ist natürlich bei jedem Coach unterschiedlich. Bei mir ist es auf jeden Fall so, dass ich darauf achte, ob es in mir eine Emotion hervor ruft. Es kann sein, dass ich die Stimmfarbe besonders schön finde oder die Art und Weise, wie gesungen wird. Es sind ganz viele unterschiedliche Dinge, die einen dazu bringen, den Buzzer zu drücken. Oder auch nicht zu drücken. Manchmal muss es gar nicht der perfekte Ton sein, sondern eher die perfekte Emotion, wie man es gesungen hat. Das ist total situativ. Man drückt, wenn man einfach das Gefühl hat, dass es einen berührt.


Lena Meyer-Landrut Interview Instagram The Voice Kids


Für Lena war es wichtig, Abitur zu machen

Du bist selbst 2010 durch die Castingshow "Unser Star für Oslo" entdeckt worden. Kannst du in deiner Arbeit als Coach bei "The Voice Kids" von deiner eigenen Castingshow-Erfahrung profitieren?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe natürlich einen Einblick darin, wie es sich anfühlt, Teil einer Castingshow zu sein. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sagen, dass das hier alles Kids sind. Da sollte man einen anderen Fokus auf die Betreuung der Talente legen als bei einer "normalen" Castingshow. Vor allen Dingen weil hier nicht das primäre Endziel ist, berühmt zu werden oder zum ESC zu fahren oder so. Es geht um den Moment hier in der Sendung. Es fühlt sich eher an wie eine große Klassenfahrt und es ist eine wirklich schöne Erfahrung in so einem kleinen Leben.

Hast du einen Tipp, wie man Musik und Schule miteinander vereinen kann? Immerhin hast du selbst 2010 zwischen deinem Casting-Sieg und dem ESC dein Abitur gemacht und warst mit dem Problem konfrontiert, dabei die Prioritäten zu verteilen.
Ich denke, generell ist es wichtig zu wissen, was man will. Für mich war es immer total klar und auch wichtig, dass ich Abitur mache und nicht sitzenbleibe. Um ehrlich zu sein habe ich dann immer genau so viel dafür getan, dass ich diese Ziele erreiche. Zum Beispiel habe ich für Klausuren in dem Maß gelernt, dass ich das Gefühl hatte, mit der Note durchzukommen. Es ist vielleicht nicht so gut, das zu sagen (lacht). Aber die andere Zeit, Energie und Freude, die ich dann hatte, konnte ich in die Musik stecken oder in andere Sachen, die mir Spaß gemacht haben. Für mich hat das immer gut funktioniert. Ich finde Schule mega wichtig und man sollte sie nicht unterschätzen. Aber ich glaube auch, dass man seine Leidenschaften und die Dinge, die man liebt, verfolgen und da genug Zeit und Energie reinstecken sollte. Das sind Sachen, die einem Kraft geben.
Jeder ist ja auch unterschiedlich. Wenn man eher ein Typ für Kreativität ist, dann kann ich das schon nachvollziehen, dass es einem manchmal schwer fällt, mit dem Schulsystem klar zu kommen. Ich kann nur von mir sprechen: Ich hab mich immer gefragt, was ich davon halte, dass ich Sachen lernen muss, die ich gar nicht wissen will (lacht). Auf der anderen Seite habe ich manche Fächer total genossen, wie zum Beispiel Biologie. Da war ich dann auch wahnsinnig gut drin, weil ich Spaß dran hatte, das zu lernen. Aber das ist im Grunde eine Grundsatzdiskussion über das Schulsystem. Generell glaube ich, dass es super wichtig ist, Ziele zu haben und die zu verfolgen und gleichzeitig den Ausgleich zu finden, Dinge zu tun, die man liebt.

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