Lena Klenke Interview
Lena Klenke wollte am liebsten alle Reit-Szenen selber drehen | Foto:Wild Bunch Germany/Bernd Spauke
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21. Sep 2017

Ann-Christin Kieter

Promis

Lena Klenke im Interview: "Einmal vom Pferd fallen gehört dazu"

Ein bisschen an der Longe reiten? Kein Problem! Oder doch?

UNICUM: Glückwunsch zu deiner ersten Kino-Hauptrolle in "Rock my heart"! Wie fühlt es sich an, jetzt mal so richtig im Mittelpunkt zu stehen?
Lena: Als der Trailer rauskam und ich den Film das erste Mal gesehen habe, da habe ich das erst alles so richtig realisiert. Wir haben letztes Jahr im Sommer gedreht, das ist ja auch schon wieder eine ganze Weile her. Aber jetzt bin ich schon ein bisschen stolz.

Glaubst du, dass du einige Leute ins Kino lockst, weil sie dich aus "Fack ju Göhte" kennen? 
Jaaa, weiß ich nicht. Ich bin da ja eher eine Randfigur oder zumindest nicht Part der Haupt-Gang. Von daher wird es schon ein paar Leute geben, denen mein Name etwas sagt, aber ich glaube nicht, dass man nur deswegen ins Kino geht.

Du konntest für die Rolle eigentlich nicht gut genug reiten. Wie hast du dich bei den Castings trotzdem durchgesetzt?
Ehrlich gesagt, ich konnte gar nicht reiten. Mit 10 oder 11 war ich in den Ferien mal auf einem Ponyhof – das war’s. Das erste Casting war direkt ein Reit-Casting, bei dem wir an der Longe vorreiten mussten. Ich dachte mir: "Das kriege ich ganz easy hin!" Dann war es aber doch sehr holterdipolter. (lacht) Da alles andere sonst wohl ganz gut gepasst hat, kam ich trotzdem eine Runde weiter und später noch eine. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich die Sache ernst nehme und mich da reinhänge – auch weil ich Interesse an Pferden habe. Als feststand, dass ich die Rolle habe, bekam ich anfangs einmal, später dreimal die Woche Reitunterricht. Und kurz bevor der Dreh losging, haben wir nochmal jeden Tag trainiert.



"Mit Tieren zu drehen ist leichter als mit Menschen"

Ist dabei immer alles gut gegangen?
Ja, ich hatte echt Glück. Es gab nur einmal eine Situation, in der mein Pferd in den falschen Galopp gesprungen ist und nicht so richtig wollte. Da bin ich kurz heruntergeplumpst. Aber das war das einzige Mal und ich finde, das gehört dazu.

Wie viele Szenen konntest du hinterher selber drehen und wie oft kam dein Reitdouble zum Einsatz? 
Mein Anspruch war immer, dass ich alle Szenen selber mache. Aber das durfte ich gar nicht wegen der Versicherung. Tatsächlich habe ich dann alles bis auf die Renn-Szenen gemacht, weil ich auf der Galopprennbahn nicht reiten durfte. Da waren Rennpferde dabei, die du gar nicht kontrollieren kannst. Außerdem gibt es noch zwei Galopp-Szenen im Wald, die auch mein Double gemacht hat, weil ich das Pferd überhaupt nicht eingrenzen konnte. In allen anderen Szenen sitze ich auf dem Pferd.

Im Film gibt es diesen magischen Moment, in dem Jana zu ersten Mal auf Rock trifft und völlig unerwartet direkt eine Verbindung zu dem Pferd aufbaut. War das bei dir und dem "Hauptdarsteller" Laurion ähnlich?
Na ja, es war jetzt nicht ganz so magisch wie im Film, aber ich habe mich von Anfang an super gut mit ihm verstanden. Von daher hatte ich nie das Gefühl, dass ich etwas spielen muss, was überhaupt nicht da ist. Mit den anderen Pferden, die Rock auch noch gespielt haben, war auch alles super.

Mit Tieren zu drehen ist ja doch etwas anderes als mit menschlichen Schauspielkollegen. Ist es dir immer leichtgefallen, die nötige Geduld aufzubringen?
Bei mir war es eher andersherum: Mit den Tieren habe ich immer sehr gerne zusammengearbeitet! (lacht) Beim Film muss man oft auf andere Leute warten, bis das Licht eingerichtet ist oder die Kamera steht zum Beispiel. Das Pferd und ich waren meistens schon bereit und hätten das prima machen können, aber der Rest des Filmteams eben noch nicht. Oder dann ist eine Haarsträhne im Gesicht oder das Kostüm sitzt nicht. Das ist nix für mich, ich bin schon ein sehr ungeduldiger Mensch.


Rock my heart Renn-Szene Dreh

Lena muss immer mehrere Sachen gleichzeitig machen

Bei ihrem ersten Pferderennen als Zuschauerin setzt Jana gleich Geld auf den krassen Außenseiter. Sind Wetten und Tippspiele unter Freunden was für dich oder denkst du: Ach, da gewinne ich doch eh nicht?
Hmm, solche Situationen habe ich im Freundeskreis eigentlich gar nicht. Aber wenn es dazu kommen würde, würde ich auf jeden Fall auch etwas setzen. Ich war mal in Las Vegas, aber leider noch nicht 21. Wenn ich alt genug gewesen wäre, hätte ich gerne ein bisschen gespielt.

Ein wichtiger Aspekt des Films ist auch Janas angeborener Herzfehler. Was glaubst du, wie du selber mit der Krankheit umgehen würdest? Wärst du auch so risikosüchtig wie sie oder würdest du dich eher brav schonen?
Das ist schwierig zu sagen. Genauso wie man nie wissen kann, wie man mit einem Todesfall oder einem ähnlichen Schicksalsschlag umgehen würde. Zum Glück! Das ist ja auch das besondere an unserem Beruf. Ich glaube nur, so wie ich mich einschätzen würde – ich bin auch ein sehr trotziger, sturer Mensch –, würde ich sehr stark dagegen ankämpfen und versuchen, mich nicht unterkriegen zu lassen.

Wie viel Adrenalin brauchst du in deinem Alltag?
Ja, doch, ich mag es schon gerne aufregend. Mir wird schnell langweilig, ich muss eigentlich immer drei, vier Sachen gleichzeitig machen. Also ich brauche jetzt nicht so extreme Sachen, aber irgendwas muss einfach immer los sein. In Afrika war ich mal tauchen. Das war aufregend, weil man nie weiß, ob alles gutgeht. Und Snowboarden mag ich gerne. Ich brauche die Herausforderung.


Zur Person Lena Klenke

Lena Klenke in Rock my heart
  • Lena Klenke (eigentlich Anna Lena) gab ihr Schauspiel-Debüt 2010 im ZDF-Film "Das letzte Schweigen" – darin spielte sie eine Leiche.
  • Viel Trouble gab es auch um ihren "Kinderporno-Tatort" aus München: "Das verkaufte Lächeln".
  • Im Wintersemester 2016 begann sie ein Soziologie-Studium an der FU Berlin. Momentan liegt das allerdings etwas auf Eis, da sie zu viel dreht.  
  • Ab Ende Oktober kann man sie zum Beispiel auch wieder als Laura Schnabelstedt in Teil drei von "Fack ju Göhte" sehen.

"Mein Studium ist auf keinen Fall so ein Alibi-Studium"

Wie läuft es denn momentan mit deinem Soziologie-Studium?
Das ist sehr schwierig. Als ich im Wintersemester 2016 angefangen habe, war ich oft in der Uni, weil ich da gerade nicht so viel gedreht habe. Jetzt muss ich aber zugeben, dass ich schon länger nicht mehr da war. Ich drehe dieses Jahr gerade bereits den vierten Film und schaffe es im Moment einfach nicht. Aber ich würde sehr gerne weiterstudieren, denn das macht mir auch großen Spaß. Es ist auf keinen Fall so ein Alibi-Studium.

Warum wolltest du nicht Schauspiel studieren?
Ich habe sehr früh angefangen mit dem Filmedrehen und wollte gar nicht unbedingt Schauspielerin werden. Es lief eher so nebenher. Als ich dann mit der Schule fertig war, habe ich gemerkt, dass ich neben dem Schauspiel einen Ausgleich brauche. Einfach damit ich nicht zu viele Filme drehe und das Ganze damit zu etwas Normalem wird und den Zauber verliert. Ich habe dann Praktika gemacht und bin viel gereist. Danach habe ich für mich entschieden, dass ich etwas studieren möchte, das in eine ganz andere Richtung geht.

Lernst du trotzdem Dinge, die dir bei der Vorbereitung auf Rollen helfen können?
Eigentlich wollte ich immer Psychologie studieren – auch im Hinblick auf die Schauspielerei. Nur leider bin ich da nicht reingekommen, denn der NC liegt bei 1,0. Da muss ich passen. In der Soziologie finden sich sicher einige Parallelen und man kann man auch einiges herausziehen – beispielsweise im Hinblick auf soziale Gruppen. Trotzdem denke ich nicht, dass ich viele Inhalte in der Rollenvorbereitung konkret anwenden kann.  

Bald soll Schluss sein mit den trotzigen Teenie-Mädchen-Rollen

Gibt es Rollen oder Genres, in denen du dich besonders wohlfühlst? Oder probierst du erstmal noch alles wild aus?
Grundsätzlich kann ich nicht sagen, was mir am meisten Spaß macht. Dass ich noch relativ jung aussehe, ist auf der einen Seite ein Vorteil, auf der anderen Seite möchte ich aber auch nicht immer das trotzige Teenie-Mädchen spielen. Mich reizt es zum Beispiel total, mal eine junge Mutter zu spielen.

Wie geht es denn in nächster Zeit für dich weiter? Darfst du schon ein bisschen was verraten?
Im Oktober kommt ja "Fack Ju Göhte 3" ins Kino. Und jetzt gerade drehe ich bis Oktober eine Serie für Sky: "Acht Tage" heißt die. Grob gesagt geht es darin um den Weltuntergang im Jahr 2018, es soll dann nämlich ein Asteroid einschlagen. Die Serie zeigt mehrere Familie und deren Umgang mit der Information, also was sie so in ihren letzten acht Tagen machen. Danach kommen noch einige kleinere Filme raus, die ich in letzter Zeit gedreht habe. Und was nächstes Jahr passiert, müssen wir dann mal gucken.


UNICUM Filmtipp

Rock my heart FilmplakatRock my Heart

Familienfilm, Deutschland 2017

Regie: Hanno Olderdissen

Darsteller u. a.: Lena Klenke, Dieter Hallervorden, Emilio Sakraya, Annette Frier

Verleih: Wild Bunch Germany

Laufzeit: 105 Minuten

Kinostart: 28. September 2017

Mehr unter: www.facebook.com/RockMyHeartFilm

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