Glasperlenspiel
Seit 12 Jahren ein unschlagbares Team: Caro und Daniel von Glasperlenspiel | Foto: Universal Music

Musik

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Promis

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Die Schulzeit von Glasperlenspiel: Eine Hassliebe

UNICUM: Euer musikalisches Zusammentreffen liegt nun schon eine ganze Weile zurück, denn ihr habt bereits vor eurer Glasperlenspiel-Zeit in einer Band zusammen Musik gemacht. Wann war das und wie kam es dazu?
Carolin: Damals war ich vierzehn, das ist mittlerweile zwölf Jahre her. Ich habe mich damals mit meinem ersten eigenen Demo bei Daniels Band beworben. Das war ganz witzig: Ich hatte so ein schönes Foto mit Zahnspange vorne drauf. Meine ersten drei Songs hatte ich in einem mehr oder weniger professionellen Studio aufgenommen. Die Jungs in der Band waren alle zwei, drei Jahre älter. Ich habe mir gedacht: "Okay, ich probiere es einfach mal" – habe es in den Briefkasten geschmissen und bin wieder weggerannt. "Hoffentlich bekomme ich keine Antwort", habe ich mir noch gedacht. Daniel hat dann aber tatsächlich ein paar Tage später angerufen.

Daniel: Wir so als Checker haben damals gedacht, dass es gibt nichts Cooleres als uns selbst gibt. Aber man muss ehrlich sagen, Caro war damals die Rettung der Band. Ohne sie hätten wir nicht weitergemacht. Wir konnten alle schließlich nicht so gut singen. Von daher war es eine sehr glückliche Fügung.

UNICUM: Erinnert ihr euch heute, abgesehen von eurer damaligen Band, noch gerne an eure Schulzeit zurück oder seid ihr eher froh, das Kapitel in eurem Leben abgeschlossen zu haben?
Carolin: Ich bin nicht so gerne in die Schule gegangen. Es ist natürlich toll, immer wieder seine Freunde dort zu sehen, und ich hatte ein paar Fächer auch ganz gern – allerdings war ich dann ganz froh, als ich mein Abi in der Tasche hatte.

Daniel: Bei mir war es immer so eine Hassliebe, wie das jeder kennt. Aber ich hatte eigentlich eine gute Schulzeit. Es war für mich immer minimaler Aufwand, maximaler Erfolg. Das war so meine Schulformel, die sich bis zum Studium tatsächlich durchgezogen hat. Das Studium habe ich quasi im zweiten Semester an den Nagel gehängt und bin den Weg der Musik gegangen.

UNICUM: Viele Schüler sind heutzutage bis kurz vor ihrem Schulabschluss total unentschlossen, in welche Richtung sie später mal beruflich gehen möchten. War das bei euch auch der Fall oder hattet ihr bereits vor eurem Schulabschluss den Plan, Musik zu eurem Beruf zu machen?
Carolin: Mir war es zumindest immer klar, dass ich Musik machen möchte. Aber es ist natürlich so, dass du oftmals deinen Traum ausgeredet bekommst. Wenn du jetzt deinen Eltern erzählst: "Ich möchte Künstler werden" – da schreit meistens dann keiner "Juhuu!" So war es bei mir auch. Ich hatte allerdings das Glück, dass ich direkt nach dem Abitur den Plattenvertrag bekommen habe. Dann ging es auch direkt los mit den ersten großen TV-Shows, dem ersten Album… Es ist ganz wichtig, sich nicht immer alles ausreden zu lassen – gerade nach dem Abitur. In dieser Zeit hat man die Möglichkeit, sich einfach auszuprobieren.

Glasperlenspiel Band

Das Leben als Musiker: "Dieses Jahr drücken wir bewusst auf die Bremse"

Schaut man sich eure Karriere von Beginn an, scheint es auf jeden Fall die richtige berufliche Entscheidung gewesen zu sein, denn bislang seid ihr sehr erfolgreich. Vor allem seit der Veröffentlichung eures dritten Albums "Tag X "und eurer Single "Geiles Leben" passierte eine Menge.
Carolin: Es ist komplett verrückt, wenn du einfach überall deinen eigenen Song hörst, dich jeder drauf anspricht und dich Leute auf der Straße erkennen. Wir haben es sehr genossen, dass wir damit Erfolg hatten und dass viele Menschen sich mit diesem Lied identifizieren konnten. Seitdem hat sich natürlich viel verändert. Wir sind noch mehr unterwegs und sind auch ein bisschen freier in dem, was wir entscheiden können.

Um erfolgreich zu sein, bedarf es bekanntlich nicht nur Glück, sondern es gehört auch viel Arbeit dazu. Seit 2011 wart ihr jedes Jahr auf Tour und auch momentan spielt ihr eine große Festivaltour. Wie ist das für euch, so viel unterwegs zu sein?
Daniel: Ich habe es da tatsächlich wesentlich einfacher, weil ich meistens mit einem Koffer reise, Caro muss dann schon 15 Koffer mitnehmen (lacht). Nein, also: es macht eine Menge Spaß. Am Anfang muss man sich daran gewöhnen, nicht mehr oft Zuhause zu sein. Jetzt ist es allerdings mittlerweile so, dass es nach vier, fünf Tagen daheim auch wieder losgehen kann.  Dieses Jahr drücken wir aber bewusst auf die Bremse. 2016 haben wir insgesamt 170 Shows gespielt, 2017 sind es dann "nur" 35 Festivals. Wir haben jetzt einfach Bock auf neuen Stuff: Wir gehen zurzeit ins Studio und schreiben an neuen Songs. Jetzt wieder diesen kreativen Prozess zu erleben, ist schön.

Wir können uns also darauf einstellen, dass nächstes Jahr die neue Platte erscheint?
Carolin: Denke schon – nächstes Jahr könnte es gut klappen!

Erfolgreiche Musiker haben ja immer viel um die Ohren. Da kann es sicherlich auch mal sehr stressig werden. Was macht ihr, um zwischendurch mal abzuschalten?
Carolin: Wir pendeln zwischen Berlin und unserer Heimat, dem Bodensee. In Berlin mache ich viel Yoga und treffe mich mit Freundinnen zum Sport. Das ist ein wichtiger Teil in meinem Leben geworden. Zuhause ist natürlich die Familie da. Ich bin ganz glücklich, wenn ich meine Oma und meine Mama sehen kann. Da lässt man sich auch gerne mal bekochen (lacht). Das sind Sachen, die ich sehr zu schätzen weiß.

"50 Prozent finden deine Musik scheiße, 50 Prozent finden sie geil."

Mit dem Erfolg steigt natürlich auch die Bekanntheit. Gibt es Situationen in eurem Privatleben, in denen ihr das eher als Last statt Segen empfindet oder habt ihr bislang keine negativen Erfahrungen gemacht?
Daniel: Ach, das ist "Part of the Deal". Wenn du mit deiner Musik an die Öffentlichkeit gehst, dann gibt es zwei Dinge, denen du dir schnell bewusst werden musst. Erstens: 50 Prozent finden es scheiße und 50 Prozent finden es total geil, was du machst. Zweitens: Dein Leben kann nicht mehr komplett privat ablaufen. Allerdings haben wir noch keine negativen Erfahrungen gemacht.

Wenn ihr an eure Erlebnisse der letzten Jahre zurückdenkt, gibt es spezielle Momente oder Ereignisse, die euch besonders im Kopf geblieben sind?
Carolin: Da gibt es viele, aber auf jeden Fall gehört unsere erste TV-Show, der Bundesvision Song Contest 2011, dazu. Das war definitiv ein Moment, in dem wir super aufgeregt und nervös waren.

Daniel: Letztes Jahr gab es ein weiteres Highlight: Wir haben als Headliner auf dem Donauinselfest in Wien gespielt. Da waren 120.000 Menschen auf dem Platz und haben "Geiles Leben" mitgesungen. Das war so unreal, dass man das gar nicht glauben konnte, was da gerade passiert ist. Wir hatten fast schon ein wenig Ehrfurcht vor dieser Masse, auf der Bühne war das wie ein Rausch!

Gibt es auch Dinge, die ihr mit eurer heutigen Erfahrung anders machen würdet oder sogar bereut?
Carolin: Auch unser Geschmack ändert sich. Es ist völlig normal, dass du Dinge, die du 2011 gemacht hast, jetzt vielleicht so nicht mehr wiederholen würdest.

Daniel: Wie man mit 16 aussah…

Carolin: Ja, genau (lacht)… Aber im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden!

Daniel: Das ist ja ein ganz normaler Prozess. Je mehr Erfahrung man sammelt, umso besser kann man mit verschiedensten Situationen umgehen. Wenn wir zurückblicken, haben wir das, was wir in dem Moment getan haben, immer gefeiert. Erst im Nachhinein kann man entscheiden, ob das der richtige Weg war. Man muss dann einfach aus seinen Fehlern lernen.

Das Erfolgsgeheimnis von Glasperlenspiel

In nur wenigen Jahren habt ihr es geschafft, euch mit eurer Musik in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu etablieren. In dem Song "Wölfe" singst du, Carolin: "Denn nichts auf der Welt, das sich zu haben lohnt, fällt einem einfach so in den Schoß". Verratet ihr mir euer Erfolgsgeheimnis?
(Beide lachen)

Carolin: Es ist immer wichtig, das zu tun, was du liebst. Das klingt immer so ein bisschen platt, aber es ist einfach so. Wenn du das tust, wofür du brennst, dann bist du darin auch gut. Und ja, es gehört immer ein Fünkchen Glück dazu – das ist die Variable, die du nicht bestimmen kannst. Wir standen und stehen immer zu 100 Prozent hinter unserer Musik. Das ist vielleicht so eine Art Erfolgsformel für uns ist.

Daniel: Man könnte sagen, dass es tatsächlich diese drei Faktoren sind, die ineinander spielen müssen: Glück, Talent und Durchhaltevermögen.

Was würdet ihr anderen raten, die große Träume haben, welche die Allgemeinheit aber eher als unrealistisch einstuft?
Daniel: Sich nicht entmutigen lassen. Wenn man ein klares Ziel vor Augen hat, dann muss man dafür kämpfen, weil das am Ende des Tages immer belohnt wird. Was ist das Richtige für mich? Was ist nicht das Richtige für mich? Ich glaube, diese Fragen kann man sich relativ schnell selbst beantworten. Man hat immer das Gefühl, etwas zu verpassen, aber gerade wenn man jung ist, stehen einem alle Möglichkeiten offen. Man kann alles noch machen, man kann alles drehen, man kann alles wenden. Man sollte sich von der Gesellschaft nicht immer so einen Druck machen lassen.

Carolin: Man sollte auch nicht versuchen, die Erwartungen anderer zu erfüllen: Einfach selber zu entscheiden und nicht darauf zu hören, was die anderen wollen. Das Wichtigste ist das, was man selbst machen möchte.

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