Alicia Vikander in Tomb Raider
Lauf, Lara, lauf! Alicia Vikander im "Tomb Raider"-Reboot | Foto: (c) 2017 Warner Bros Ent.
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07. Mär 2018

Rüdiger Sturm

Promis

Alicia Vikander: Interview mit der neuen Lara Croft

Als Kind hat Alicia Vikander "Tomb Raider" geliebt

UNICUM: Du spielst jetzt die Hauptfigur eines Videospiels. Hast du überhaupt was für Games übrig?
Alicia Vikander: Doch, jedenfalls als ich zehn war. Ich habe selbst "Tom Raider" gespielt, und fand es damals schon bemerkenswert, dass eine Frau die große Heldin sein konnte. Ich liebte die Figur, und ich fand es toll, dass Angelina Jolie sie in den ersten Filmen zur Ikone machte. Deshalb hatte ich auch eine große Verantwortung, Lara Croft richtig hinzubekommen. Der Spagat dabei ist, den Vorstellungen der Fans gerecht zu werden und diese Figur gleichzeitig aufregend neu wirken zu lassen.

Wer war für dich das wichtigste Vorbild in der Jugend? Lara Croft?
Das war schon eher meine Mutter. Sie war selbst Schauspielerin und hat mich in die Welt des Theaters und des Films eingeführt. Außerdem gab es da noch eine großartige Tanzlehrerin, die mich seit meiner Kindheit geprägt hat. Nicht zu vergessen eine Freundin, die sieben oder acht Jahre älter war als ich. Mit ihr habe ich viel Zeit verbracht, bis ich dann mit 17 ausgezogen bin.

Und was war mit deinem Vater?
Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich zwei Monate alt war. Aber ich habe guten Kontakt zu ihm. Und es war deshalb auch nicht schwer für mich. So hatte ich zwei Familien und ich verbrachte viel Zeit mit meiner Mutter im Theater. Wenn sie mal keinen Babysitter fand, habe ich hinter den Kulissen geschlafen.



Mit 15 war die Schulzeit vorbei

So gesehen wurde dir der Beruf in die Wiege gelegt ...
Nicht zwangsläufig. Aber ich begann mit sieben in Musicals aufzutreten. Da fing ich dann Feuer. Als nächstes besuchte ich die Ballettschule und mit 15 spielte ich in einer TV-Serie. Erst dann war mir klar, dass das meine wahre Leidenschaft war, und ich verließ die Schule.

Keine einfache Entscheidung, oder?
Absolut nicht. Ich befürchtete, dass ich zwei Monate später aufwachen und alles bereuen würde.

Und? Hast du?
Nein, aber ich muss zugeben, dass es am Anfang nicht einfach war – so die ersten ein, zwei Jahre. Denn beim Film kannst du dich ganz schön einsam fühlen. Du bist ständig unterwegs – meistens alleine. Die Flüge und Reisen, die ich absolviert habe, kann ich nicht mehr zählen. Zum Glück kenne ich mittlerweile viele Crewmitglieder. Da fühle ich mich beim Dreh gleich heimisch. Aber damals befürchtete ich, dass ich den Kontakt zu Freunden und Familie verlieren würde. Das ist zum Glück nicht passiert.

Alicia Vikander Porträt


Alicia Vikander: kurz & knapp

  • Die 29-jährige Schwedin studierte an der Royal Swedish Ballet School in Stockholm.
  • Mit ihrer Produktionsfirma Vikarious unterstützt sie Frauen in der Filmbranche.
  • Seit Oktober 2017 ist sie mit dem Schauspieler Michael Fassbender verheiratet.

Englisch bereitete ihr anfangs große Sorgen

Inzwischen bist du ein oscarprämierter Star, den die halbe Welt kennt. Aber wie war es früher: Fiel es dir leicht, Leute kennenzulernen?
Ich musste mich schon anstrengen. Manchmal war ich nach der Arbeit so müde, dass ich einfach nicht die Energie hatte, um noch großartig jemand zu treffen. Aber wenn ich längere Zeit an einem Ort verbrachte, habe ich einfach Leute zum Chili eingeladen. Das war eine gute Methode.

Wie schwer war es eigentlich, als du nach Hollywood gingst?
Die Reiserei wurde natürlich noch komplizierter. Aber das Hauptproblem war, auf Englisch zu spielen. Ich kann mich fließend unterhalten, aber die Leute glauben, dass ich dann auch ganz einfach Dialoge sprechen kann. Und dem ist nicht so. Als ich meinen ersten Film auf Englisch drehte, war ich in den Szenen häufig zu langsam, denn ich habe immer erst überlegt, wie ich meine Sätze formuliere. Ich hatte einen Riesenbammel!


Alicia Vikander


"Echte Power kommt von Innen"

Zum Glück sind diese Zeiten längst vorbei – was ja auch dein Oscar für "The Danish Girl" beweist. Kannst du dich noch an die Preisverleihung vor zwei Jahren erinnern?
Das ist alles verwischt. War es schon nach wenigen Monaten. Ich weiß nur: Das war eine der surrealsten Erfahrungen meines Lebens. Ich war mit Michael (Fassbender – ihrem jetzigen Mann, Anm. der Red.) und meinen Eltern da und war umgeben von Leuten, die ich alle aus dem Fernsehen kannte. Unglaubliche Regisseure und Schauspieler, die ich immer bewundert hatte. Was bei der Überreichung des Preises passierte, habe ich völlig verdrängt. Da ist eine weiße Stelle in meinem Gedächtnis. Ich weiß nur noch, dass wir Preisträger in ein grünes Zimmer geführt wurden. Und da habe ich dann stundenlang getanzt. Das hat am meisten Spaß gemacht.

Woher nimmst du deine Power? Zum Beispiel für die Actionszenen als Lara Croft?
Ich habe diese Szenen schon genossen, aber die körperliche Herausforderung ist nur der Anfang. Ich mache am Morgen Yoga und kümmere mich um meinen Körper, aber wirkliche Power kommt aus dem Innersten. Ich will einfach neue Dinge entdecken. Es reicht schon, ein gutes Buch zu lesen. Oder momentan bin ich in Sao Paulo, wo ich noch nie zuvor gewesen bin. Andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, ist für mich eines der liebsten Dinge überhaupt. Dafür verzichte ich auch gerne auf Ruhepausen. Und wenn ich etwas Künstlerisches schaffen kann, dann gibt mir das eine enorme Befriedigung. Ich brauche keine Abenteuer, wie Lara Croft sie erlebt. Denn meine Regel ist immer noch: Bring dich nicht in Lebensgefahr!


Tom Raider 2018 PlakatUNICUM Filmtipp

Tomb Raider

Fantasy/Action, USA 2017

Regie: Roar Uthaug

Darsteller u. a.: Alicia Vikander, Dominic West, Walton Goggins

Darum geht es in dem Reboot: Anstatt sich um das Wirtschaftsimperium ihres verschwundenen Vaters (Dominic West) zu kümmern, lebt die 21-jährige Lara Croft (Alicia Vikander) als Studentin und Fahrradkurierin in London. Als sie doch beschließt, den vermeintlichen Tod Richard Crofts aufzuklären, beginnt für sie ein lebensgefährliches Abenteuer auf einer kleinen Insel vor der Küste Japans.

Kinostart: 15. März 2018

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