Daniel Schuhmacher im Interview
Daniel Schuhmacher ist sichtbar erwachsen geworden – auch als Musiker | Foto: PR
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28. Aug 2013

Barbara Kotzulla

Musik

UNICUM Abi trifft: Daniel Schuhmacher

Der "DSDS"-Gewinner offen über sein Leben

Daniel hat sich nach DSDS freigeschwommen

UNICUM: Daniel, ist deine Zeit bei "Deutschland sucht den Superstar" eigentlich etwas, worauf du noch gerne angesprochen wirst?
Daniel Schuhmacher: Ich muss jetzt nicht unbedingt die ganze Zeit darüber reden, aber wenn ich darauf angesprochen werde, ist das für mich kein Problem. "DSDS" steht einfach für den Beginn meiner Karriere, ohne die Show würde ich jetzt wahrscheinlich keine Musik machen. Ich komme ja ursprünglich aus einem kleinen Dorf, durch meinen Sieg 2009 habe ich damals einfach die Chance bekommen, entdeckt zu werden und mit richtig guten Musikern zusammenzuarbeiten.

Denkst du persönlich noch gerne an die RTL-Castingshow zurück?
Ich denke nicht sehr oft daran zurück, aber wenn, erinnere ich mich natürlich vor allem an die schönen Momente. An die meisten Sachen, die während der Zeit passiert sind, habe ich gute Erinnerungen – nicht nur an das Finale, da gab es viele Kleinigkeiten.

In deiner Biografie steht, dass du dich in den Jahren 2011/2012 vom Casting-Umfeld "freigeschwommen" hast – was bedeutet das konkret?
Damals lief mein Vertrag mit dem Management aus der DSDS-Zeit aus, woraufhin ich mir ein neues Team zusammengestellt habe. Ich hatte in den Jahren zuvor viele Leute kennengelernt, da wusste ich genau, mit wem ich arbeiten wollte und konnte, wer mir meinen Freiraum lassen würde. Ich habe zudem ewig lange kämpfen müssen, um meine eigenen Songs schreiben zu dürfen – das war ein Thema, mit dem wir ständig angeeckt sind.

Wie schwer war dieses "freischwimmen"?
Natürlich war es erst einmal schwierig, Leute zu finden, die an mich glauben. Als Casting-Act bist du für Plattenfirmen und Managements ein heikles Thema. Die haben sich die Frage gestellt: Sehen wir da Potential? Die Überzeugungsarbeit war hart, da musste ich schon mehrmals anklopfen und immer wieder nerven. Schlussendlich konnte ich alle dann mit meinen Songs für mich gewinnen.

Fühlst du dich jetzt als Musiker und Künstler ernst genommen?
Ja – vor allem nach dem Feedback auf meine erste Single "Rolling Stone". Ich bin wirklich sehr überrascht, wie positiv viele Leute und auch die Medien darauf reagieren.

Er will endlich seine eigene Geschicht erzählen

Warum ist 2013 die Zeit reif für dein drittes Album "Diversity"?
Ich schreibe schon seit vier Jahren mit meinem Kollegen Songs. Irgendwann haben wir angefangen, akribisch an einem Album zu arbeiten, die Lieder weiterzuentwickeln und uns auf einen Sound zu einigen. Ich habe immer gesagt, dass ich erst ein Album rausbringe, wenn ich hundertprozentig damit zufrieden bin und alles so ist, wie ich es mir gewünscht habe. Bei meinen ersten zwei Alben hatte ich nur, ich nenne es mal: begrenztes Mitspracherecht. Für "Diversity" habe ich alle Songs selbst geschrieben – da muss nun alles perfekt sein. 

Wie wichtig war das eigene Songwriting für deine Entwicklung als Musiker?
Ich habe zwar schon immer Texte geschrieben und Melodien aufgenommen. Für "Diversity" konnte ich nun aber auch mit Leuten zusammenarbeiten, die ein ganz anderes Knowhow haben – das war super. Ich kann jetzt endlich meine Geschichten erzählen. Ich stehe nicht mehr auf der Bühne und singe irgendwelche beliebigen Lieder über Herzschmerz, sondern etwas, das mich selbst berührt und geprägt hat. Das Album ist sehr persönlich, es geht darin um meine Entwicklung. Es ist tatsächlich mein Leben, das ich damit weitergebe. Daher habe ich natürlich ein anderes Verhältnis zu den Songs: das sind meine Babys, die verteidige ich! (lacht) Da ist auch viel mehr Stolz dabei.

Was erwartet uns auf deinem neuen Album?
Das Album geht in die Pop/Rock-Richtung mit Einflüssen aus den 80er-Jahren – sprich einem Retro-Synthie-Sound. Thematisch geht es viel um Selbstreflektion, Veränderung – aber auch Liebe. Ein paar Liebeslieder muss es ja immer geben! (lacht) "Diversity" hat aber viel mehr Ecken und Kanten, ist viel provokativer als meine Alben zuvor. Einfach, weil jetzt viel mehr von meiner Persönlichkeit darin steckt.

Die 80er scheinen es dir angetan zu haben...
Meine Eltern haben einfach immer viel Musik aus den 80ern gehört, ich bin damit aufgewachsen und fand das als Kind super. Die Eurythmics sind zum Beispiel eine unglaubliche Band, die ich auch selbst viel gehört habe. Daher war schnell klar, dass es in diese Richtung gehen soll, weil ich einfach den Sound persönlich super gerne mag.

15 Kilo leichter und mit neuem Selbstbewusstsein

Du hast dich ja nicht nur musikalisch, sondern auch optisch verändert. Alles in allem, was würdest du sagen: Was unterscheidet den Daniel von 2009 vom Daniel heute?
Erst einmal: 15 Kilo weniger (lacht). Ich denke, dass ich mittlerweile einfach eher weiß, wer ich bin und was ich will. Damals war ich von allem ziemlich überwältigt und oft eingeschüchtert. Heute kann ich selbstbewusster auftreten. Das Wichtigste, was ich gelernt habe: Ich kann es einfach nicht jedem Recht machen. Deswegen mache ich mir darum nicht mehr so viele Gedanken. Zu Beginn wollte ich noch allen gefallen, aber das habe ich aufgegeben. Ich schaue erst einmal auf mich als Mensch und Musiker und versuche dann damit die Leute anzusprechen. Wenn sich jemand davon nicht ansprechen lassen will, ist das auch okay für mich.

Was wünscht du dir für den Daniel der Zukunft?
Ich will einfach weiter Musik machen und davon leben. Mir geht es gar nicht darum, reich zu werden, ich will einfach meine Leidenschaft ausleben und noch viel schreiben. Und ich hoffe, dass mein Album möglichst viele Leute erreicht, die es so lieben lernen, wie ich es liebe. Den Rest lasse ich auf mich zukommen.

Kannst du dir vorstellen, in deinen alten Beruf als Industriekaufmann zurückzukehren?
Wenn man sich erst einmal für einen kreativen Beruf entschieden hat, ist es schwer, wieder zurückzukehren. Ich könnte mir eher vorstellen, studieren zu gehen – dann natürlich auch etwas Kreatives, da bin ich für viele Richtungen offen. Ich stresse mich da nicht: Wenn es irgendwann einmal mit der Musik nicht mehr klappen sollte, werde ich mir dazu Gedanken machen und es dann angehen.  

Der DSDS-Gewinner Alexander Klaws ist ja Musical-Darsteller geworden …
Ich habe eine Anfrage für die Hauptrolle im Musical "Kein Pardon" bekommen und da auch vorgesprochen – aber ich war dafür einfach noch nicht bereit. So eine Produktion ist ein Full-Time-Job und Knochenarbeit. Man muss jeden Tag auf der Bühne präsent sein, darf sich keine Schwächen leisten. Ich bin aber ein Mensch, der Abwechslung braucht. Momentan wäre so etwas also weniger etwas für mich.

Was kannst du allen mit auf den Weg geben, die auch in der Musik durchstarten wollen?
Zuerst einmal sollte man das nach der Schule in Angriff nehmen (lacht) Man braucht eine Grundbasis fürs Leben und sollte nicht Hals über Kopf für die Musik die Schule abbrechen. Dann sollte man, auch wenn’s schwierig ist, immer versuchen, sich selbst treu zu bleiben. Im Musikbusiness ist es heutzutage so, dass versucht wird, jeden in eine Schublade zu stecken – da kann man sich ganz schnell selbst verlieren. Und man sollte immer an sich arbeiten und ruhig Sachen versuchen, in denen man sich verbessern kann. 

Und was kannst du allen Fans sagen, die für dich schwärmen?
Zu meinem Beziehungsstatus sage ich eigentlich nie etwas, das schweige ich (lacht). Aber ich mache keinen Unterschied zwischen Fan und Nicht-Fan. Für mich zählt der Mensch. Natürlich ist es schwer, jemanden kennenzulernen und sich nicht zu fragen: "Okay, mag die Person mich jetzt wie ich bin oder nur als Musiker?" Aber ich bin da eigentlich schon offen.


UNICUM Musik-Tipp

Diversity

Daniel Schuhmacher

QQ5

VÖ: 25.10.2013

www.daniel-schuhmacher.tv

www.facebook.com/DanielSchuhmacher

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