Gespräch Troye Sivan
Am 31. August erscheint Troye Sivans neues Album! | Foto: Universal Music
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15. Aug 2018

Steffen Rüth

Musik

Troye Sivan im Interview: "Ich bin selbstsicherer geworden"

Troye Sivan blüht im neuen Album auf

In Australien ist er dank seiner Teilnahme bei "Star Search" und einer Rolle in "X-Men Origins: Wolverine" schon seit seinen Kindheitstagen ein Star. Inzwischen begeistert Troye Sivan, der in Perth aufwuchs, mit seinem cleveren Synthie-Electro-Pop auch den Rest der Welt. In seinem neuen Album "Bloom" thematisiert der Sänger in fröhlichen aber auch melancholischen Songs sein ganz persönliches Aufblühen. Was er damit genau meint, darüber haben wir mit Troye Sivan in einem Interview gequatscht.

UNICUM: Troye, was steht heute bei dir auf dem Programm?
Troye Sivan: Tanzunterricht! Ich tanze echt gerne, aber immer nach Gefühl und ohne technisches Wissen oder wirkliche Kontrolle über meinen Körper. Daran will ich ein bisschen feilen, auch im Hinblick auf die Liveauftritte.

Im Video zu deinem Song "My My My!" tanzt du doch schon ziemlich gut.
Ja, gemessen daran, dass ich in dem Glauben aufwuchs, überhaupt nicht tanzen zu können, ist es nicht so übel. Früher habe ich nur getanzt, wenn ich betrunken war. Inzwischen bin ich selbstsicherer geworden, also geht das auch ohne alkoholische Unterstützung.

Selbstsicherer klingt auch dein neues Album. "Bloom" steckt voller temporeicher und überschwänglicher Popsongs. Wie siehst du selbst deine Entwicklung?
Ich bin extrovertierter und mutiger geworden. In meinen Liedern und auch sonst als Mensch. Bei meinem ersten Album war ich noch vorsichtiger, tastender. Ich wusste noch nicht wirklich, wie das alles funktioniert. Jetzt fühlte ich mich im Studio fokussierter und sicherer. Ich wusste genauer, was ich wollte, war kommunikativer und habe sehr viel ausprobiert und auch meine Meinung gesagt. Das Resultat ist leichtfüßiger, lustiger und insgesamt weniger melancholisch.

Hältst du dich selbst auch für leichtfüßiger und lustiger?
Ja, ohne Frage. Heute fühle ich mich ein gutes Stück wohler in meiner Haut. Es hat sich vieles verändert und fast alles zum Positiven. Ich bin weit aus glücklicher, als ich es als Jugendlicher war.

 Du warst in Australien schon ein Kinderstar, bist im Internet aufgewachsen und auf Youtube seit langem eine große Nummer. Wieviel Planung steckt in deiner Karriere?
Am Anfang gar keine. Ich wollte unbedingt Musik machen und singen, und hätte damit auch ohne jegliche Aufmerksamkeit weiter gemacht. Einfach, weil mir das so viel Spaß macht. Plötzlich war das ein Job, mit dem ich Geld verdiente, ich saß mit 14, 15 schon in Geschäftsmeetings. Ich sah noch aus wie ein Kind, aber ich habe total die Erwachsenensachen gemacht. Auf der anderen Seite fühle ich mich noch immer sehr jugendlich und offen und begeisterungsbereit gegenüber der Welt. Ich bin wild auf das viele Leben, das hoffentlich noch vor mir liegt.



Troye möchte Jugendlichen einen Zufluchtsort geben

Warum fühlst du dich heute besser als früher?
Persönlicher Kram. Ich verbrachte die meiste Zeit meiner Kindheit und meiner Jugend gestresst wegen meiner Sexualität und wegen meines Coming Outs. Und ich wollte Sänger werden und nach Amerika ziehen, die Welt erobern. Ich habe mich selbst krass unter Druck gesetzt. Inzwischen habe ich das Coming Out hinter mir, lebe in Los Angeles von der Musik. Ich kann das alles momentan unheimlich genießen.

Wie verlief dein Coming Out?
Für mich persönlich war es unproblematisch zu sagen, dass ich schwul bin. Für meine Eltern, meine Geschwister, meine Freunde auch. Trotzdem ist so ein Coming Out eine Sache, die dich stärker beschäftigt als du anfangs denkst. Sich selbst zu finden und zu wissen, wer du bist, das passiert nicht einfach über Nacht – das ist ein langer Prozess. Vor allem will ich Menschen helfen, die ein komplizierteres Coming Out hatten oder haben als ich. Ich will für die Jugendlichen ein Zufluchtsort sein. Es motiviert mich extrem, wenn die Kids mir sagen, dass meine Musik ihnen durch schwere Zeiten geholfen hat.

Im Titelsong "Bloom" geht es um eine sexuelle Entdeckungs- und Erweckungsreise. Du sagst, es ist das schwulste Lied des Albums. Inwiefern?
Meine Fresse, was hat das Spaß gemacht, "Bloom" zu schreiben (lacht). Es ist der mit Abstand expliziteste Song des Albums, aber der Sex wird verkleidet in diese blütenweißen, reinen Metaphern. Und dazu dieser fast Bubblegum-Pop-artige Sound. Dieser helle Popsong, der über den Liebesakt zwischen zwei Männern spricht, das ist eine Kombination, die mich wirklich hat kichern lassen.

Trotzdem bleibt der Text sauber und jugendfreundlich.
Richtig. Im Kern ist "Bloom" ein Liebeslied, das von süßem, zärtlichem und einvernehmlichem Sex handelt. Zudem ist "Bloom", also "blühen", der logische Titel für das Album, denn das große Thema dieser Songs ist das Gefühl, immer mehr zu dem Menschen zu werden, der ich sein will.

Sehr akustisch und melancholisch klingt dagegen "The Good Side".
Ja, das ist ein Trennungssong über meinen Ex-Freund und mich. Er war mein erster Freund damals, seitdem ist einige Zeit vergangen, aber die Situation hängt mir immer noch nach. Zu hundert Prozent kommt man über so etwas nicht hinweg.

Du lebst mittlerweile in einer glücklichen Beziehung mit dem Model Jacob Bixenman, ihr wohnt auch zusammen, oder?
Yeah, das läuft wirklich toll im Moment. Wir erleben eine Menge echt toller Sachen zusammen. Wir genießen die Liebe.



Troye Sivan im Interview: "Ich bin gerade sehr zufrieden mit meinem Leben"

Wie kam es zu "Dance To This", deinem Duett mit der Kollegin Ariana Grande?
Ariana und ich sind gute Freunde. Sie ist das coolste und netteste Mädchen überhaupt. Und sie hat die tollste Stimme von allen Mädchen, die ich kenne, von Arianas Stimme bin ich richtig besessen. Ich wusste, sie ist ideal für den Song. Und sie hat sofort zugesagt.

Ariana ist eine der erfolgreichsten Popsängerinnen der Welt. Willst du auch so berühmt werden wie sie?
Ich bin mir nicht sicher,. Ariana spielt in einer anderen Liga. Ich bin gerade sehr zufrieden mit meinem Leben. Ich tue alles, von dem ich immer geträumt habe, bin aber gleichzeitig noch ein ziemlich normaler Junge, der im Alltag machen kann, was er möchte. Ich müsste mich ganz schön anpassen, wenn ich so ein Superstar wie Ariana würde.

Du bist selbst früh übers Internet bekannt geworden. Hast du Tipps für Teenager, wie sie sich in den sozialen Medien präsentieren sollen?
Das ist eine schwierige Balance. Du darfst nicht zu sorglos sein, aber du musst dich schon auch persönlich präsentieren, wenn du online eine öffentliche Karriere aufbauen willst. Ich liebe es, im Internet mich mit allen vernetzen und sicher sein zu können, dass meine Stimme dort wirklich gehört wird. Doch die Welt ist verrückt. Ich kann nur sagen: Was einmal im Netz ist, bleibt dort für immer. Also passt auf mit irgendwelchem Quatsch und postet nur Sachen, die euch in einigen Jahren nicht schrecklich peinlich sind.

Gibt es Peinliches von dir im Netz zu entdecken?
Lass‘ mich kurz nachschauen (lacht). Ja! Aber es ist nichts, mit dem ich irgendjemand anderem weh tue, also ist es mir egal.

Der Song "Seventeen" handelt von einer sexuellen Begegnung mit einem älteren Mann, während du selbst noch minderjährig warst. Fiel es dir nicht schwer, dieses Stück zu veröffentlichen?
Ja. Aber diese Erfahrungen gehören zu mir. Ich war 16 oder 17, ich war neugierig, ich wollte Dinge erleben, mich selbst besser kennenlernen. Dabei habe ich mich etwas verloren, nicht alle Erlebnisse waren angenehm. Den Ausschlag, diesen Song zu schreiben, gaben mir die Erzählungen diverser Freunde, denen es ganz ähnlich ergangen ist. Vielleicht macht sowas fast jeder mal mit. Ich will das alles weder verurteilen noch gutheißen, aber es ist halt die Realität.

 Erfahren deine Eltern durch deine Songs Details über dein Leben, die sie noch nicht kannten?
Ganz bestimmt. Meine Eltern sind zum Glück keine sehr textorientierten Hörer, sie kommen mehr über den Rhythmus und die Musik. Und ich bin den beiden dankbar, dass sie es bisher vermieden haben, mich auf meine Texte anzusprechen.


Interview 2018 Troye Sivan Ariana Grande


Troye Sivan bald auch auf der Leinwand zu sehen

Du wirst bald auch im Kino zu sehen sein. Im Drama "Boy Erased", welches im November ins Kino kommt, spielst du unter anderem neben Lucas Hedges, Nicole Kidman und Russell Crowe. Wovon handelt der Film?
Von einem schwulen Jungen im erzkonservativen amerikanische "Bible-Belt" in Arkansas, der in einem Jugendcamp eine Therapie machen soll, die ihn von seiner Homosexualität befreit. Ich spiele einen der Jungs in diesem Camp. Ich denke, dieser Film ist wichtig und großartig. Ich bin stolz, dabei zu sein.



Was hältst du von so einem Camp?
Der Gedanke ist krank und extrem gefährlich. Und ganz bestimmt ist es nicht die richtige Art, damit umzugehen, wenn dein Kind zu dir kommt und sagt, dass es schwul oder lesbisch ist. Solche Lager gibt es tatsächlich immer nochin mehreren Ländern auf der Welt. Ich selbst wachse in einer Generation auf, in der es den Leuten immer egaler wird, auf wen die anderen so stehen. Die Menschen sollen frei und glücklich leben können und in ihrer eigenen Geschwindigkeit herausfinden, wie sie empfinden. Mein großer Wunsch ist es, dass so etwas wie ein Coming Out in einigen Jahren gar nicht mehr notwendig sein wird.


Hier kannst du dir Troye Sivans Album "Bloom" anhören:

UNICUM Musik-Tipp

Interview 2018 Troye Sivan Cover

Troye Sivan

"Bloom"

VÖ: 31.08.2018 

Online bestellen (Amazon): Bloom

Mehr Infos auf troyesivan.com

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