Antilopen Gang Interview
Panik Panzer, Koljah und Danger Dan sind mit neuem Album am Start. | Foto: Robert Eikelpoth

Musik

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20. Jan 2017

Steffen Rüth

Musik

Antilopen Gang im Interview: "Wir sollten flächendeckend Pizza verteilen"

"Wir sind nicht so harmlos, wie alle denken."

UNICUM: Jungs, eure erste Single "Trojanisches Pferd" spielt auf eine Sage aus der griechischen Mythologie an. Das "Trojanische Pferd" in eurem Video kommt in Gestalt eines Geißbocks daher. Outen sich die Herrschaften hier etwa als Fans des 1. FC Köln?

Koljah: Dass der Geißbock das Wappentier des FC ist, war uns ehrlich gesagt gar nicht so bewusst. Wir sind alle drei nicht so fußballaffin. Für uns handelt es sich bei dem Tier einfach nur um eine Ziege.

Panik Panzer: Die außerdem beim Videodreh schwanger war. Weißchen heißt sie.

In dem Song rappt ihr darüber, dass man euch als vermeintlich nette und witzig-politisch-kritische Band gerne mal in Fernsehstudios einlädt. Seid ihr doch nicht so nett und pflegeleicht, wie die meisten denken?

Koljah: Wir lassen in dem Stück Revue passieren, was mit uns in den vergangenen zwei Jahren passiert ist. Für die Medien sollen wir die Rolle der frechen und lustigen Rebellen erfüllen. In Wirklichkeit sind wir nicht so harmlos, wie alle denken. Sondern gefährlicher.



Im Text zu "Baggersee" sagt ihr, dass ihr eine "Atombombe auf Deutschland" werfen wollt.

Koljah: Ja, aber wir wollen wirklich nur für alle das Beste. Das Entscheidende ist nicht die Atombombe, sondern dass wir durch den Atomkrater einen riesengroßen Baggersee bekommen, also einen Ort für Spaß, Freude und Erholung.

"Baggersee" ist ausnahmsweise nicht Hip Hop, sondern Punk. Weshalb?

Panik Panzer: Weil wir Freude an Punkmusik haben. Der Song ist innerhalb von zwei Stunden entstanden. Wir haben es uns mit dem neuen Album nicht leicht gemacht, aber manchmal sprudelt es aus uns heraus.

Als Gratiszugabe zu "Anarchie und Alltag" gibt es auch das Punkalbum "Atombombe auf Deutschland", auf dem ihr gemeinsam mit alten und jungen Punks – Campino, Fehlfarben und Feine Sahne Fischfilet zum Beispiel – zwölf Nummern der Antilopen Gang in Punkrock-Versionen spielt. Seid ihr vielleicht eher Punks als Rapper?

Panik Panzer: Ich hatte mit Freunden in der Schule tatsächlich mal eine Punkband ins Leben gerufen. Bierschiss haben wir geheißen. Wir sollten auf einem Festival auftreten, doch dann kam der Bassist nicht. Ein Konzert haben wir also nie gespielt.

Koljah: Ich war in jungen Jahren großer Toten-Hosen-Fan, ich habe in unserer Schülerband total einen auf Campino gemacht, ich wollte so sein wie er. Ich habe auch immer Bilder von den Toten Hosen gemalt.

Inzwischen seid ihr bei JKP, dem Label der Toten Hosen, unter Vertrag. Da wird also wohl ein Kindheitstraum wahr.

Koljah: Das ist schon toll, ganz ernsthaft. JKP hat ein Potential in uns gesehen, dass sie allmählich aufbauen wollen. Wir hatten, als wir 2014 dort unterschrieben, ja schon einige Jahre auf dem Buckel, kannten jeden Jugendclub und jedes Autonome Zentrum. Die Idee von und mit JKP war es, die Antilopen Gang etwas professioneller aufzuziehen, vernünftige Strukturen aufzubauen, damit wir vom Musikmachen vernünftig leben können. So weit, so gut.

"Da ist noch Luft nach oben!"

"Aversion" kam in den deutschen Charts bis auf Rang 41.

Panik Panzer: Da ist noch Luft nach oben (lacht).

Im Text zu "Beate Zschäpe hört U2" habt ihr schon vor gut zwei Jahren einige Entwicklungen, unter anderem die starke Zunahme der Angriffe auf Flüchtlingsheime, vorhergesehen. Wenn ihr quasi visionär und eurer Zeit voraus seid, wie geht es weiter?

Koljah: Naja, ich will noch einmal auf die Baggersee-Idee zurückkommen. Der zweite programmatische Song auf dem Album heißt "Pizza". Vielleicht liegt das tatsächliche Szenario irgendwo dazwischen.

"Pizza" handelt davon, dass die Menschen unabhängig von ihrer Weltanschauung bei einem Stück Pizza zueinander finden können. "Ich glaube fest daran, dass uns Pizza retten kann", rappt ihr. Also entweder fatalistisch, wie auf "Baggersee", oder naiv?

Koljah: Ich weiß nicht, ob ich mit einem Nazi eine Pizza essen wollte, das eher nicht. Aber würden mehr Leute erkennen, welch revolutionäres Potenzial ein gutes Stück Pizza hat, dann würde es vielleicht gar keine Nazis mehr geben. Uns wird ja oft vorgeworfen, wir würden immer nur meckern und seien zu wenig konstruktiv. Das kann uns jetzt keiner mehr vorwerfen.

Warum wird dank Pizza niemand zum Nazi?

Panik Panzer: Weil die Wirkung von Pizza so angenehm und erfüllend ist, dass jegliche menschenverachtende Ideologie danach nicht mehr fruchten kann. Wir sollten flächendeckend Pizza verteilen.

In Deutschland gibt es grob gerechnet 20 Prozent Rechtspopulisten, in Österreich waren es jüngst knapp 50 Prozent, auch in Frankreich sind es deutlich mehr. Haben wir es noch relativ gut in dieser Hinsicht?

Panik Panzer: Eine interessante Sichtweise, der wir uns nicht anschließen. Wenn man die CSU auch unter die Rechtspopulisten zählt, dann ist die Prozentzahl deutlich größer. Selbst der SPD, den Linken und sogar den Grünen sind rechtspopulistische Phrasen nicht mehr fremd.

Du hattest von der Partei "Die Partei" das Angebot, als Düsseldorfer Bürgermeister zu kandidieren. Warum hast Du abgelehnt?

Koljah: Zu stressig und zu viel Verantwortung. Aber wenn ich einmal Bürgermeister sein sollte, dann werde ich als erstes das Rauchverbot in Gaststätten wieder abschaffen.

Aus wie vielen Widersprüchen und doppelten Böden besteht ihr Jungs eigentlich?

Koljah: Aus unendlich vielen. Uns geht das selbst auch so, dass wir uns gegenseitig verwirren. Ich denke oft, jetzt habe ich die Brüder verstanden, und dann beweisen sie mir lässig, dass dem doch nicht so ist.


Antilopen Gang Album Cover "Anarchie und Alltag"UNICUM Musik-Tipp

Anarchie und Alltag

Antilopen Gang

JKP (Warner Music)

VÖ: 20.01.2017

 

 

An diesen Terminen kannst du die Antilopen Gang 2017 live erleben:

  • 24.02.2017 Zürich (CH), Dynamo
  • 25.02.2017 Wiesbaden (D), Schlachthof
  • 26.02.2017 Stuttgart (D), Im Wizemann
  • 28.02.2017 Salzburg (A), Rockhouse
  • 01.03.2017 Wien (A), Flex
  • 02.03.2017 Dresden (D), Alter Schlachthof
  • 03.03.2017 Berlin (D), Huxley's Neue Welt
  • 04.03.2017 Jena (D), Kassablanca
  • 06.03.2017 Marburg (D), KFZ
  • 07.03.2017 Erlangen (D), E-Werk
  • 08.03.2017 Köln (D), Live Music Hall
  • 10.03.2017 Hamburg (D), Große Freiheit
  • 11.03.2017 München (D), Strom
  • 12.08.2017 Püttlingen (D), Festivalgelände Herchenbach [Rocco del Schlacko]
  • 18.08.2017 Übersee/Chiemsee (D), Festivalgelände am Chiemsee [Chiemsee Summer Festival]
  • 19.08.2017 Großpösna (D), Magdeborner Halbinsel am Störmthaler See [Highfield Festival 2017]

 

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