Prey Rezension
"Prey": Seit dem 05. Mai 2017 erhältlich | © 2017 Bethesda Softworks LLC

Games

12.04.2017

Mass Effect Andromeda

Mass Effect: Andromeda

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01. Jun 2017

Christopher Lymer

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Prey

(K)ein Tag wie jeder andere

Aufstehen, anziehen und ab ins Labor: Für Dr. Morgan Yu – den wir als männliche oder weibliche Version spielen dürfen – scheint es ein ganz normaler Tag zu sein. In Vorbereitung auf unseren Orbital-Flug zur Raumstation Talos 1 steigen wir in eine gläserne Testkammer und absolvieren brav die vom weiß bekrittelten Fachpersonal gestellten Aufgaben, als plötzlich das Chaos ausbricht! Noch bevor wir erfahren, was eigentlich geschehen ist, greift auch schon die "Notfall-Sedierung" und haut uns aus den Socken.

Als wir wieder erwachen, sind wir alleine und unsere Erinnerungen mit Ausnahme des letzten Ereignisses gelöscht. Noch bevor sich ein klarer Gedanke fassen lässt, schaltet sich ein mysteriöser Unbekannter namens "January" per Komm-Link ein. Von ihm erfahren wir, dass wir uns als Proband eines außer Kontrolle geratenen Forschungsprojektes bereits auf der Talos 1 befinden, die nun von sogenannten Typhons, einer feindlichen Alien-Spezies, überrannt wurde.

Ohne eine echte Alternative zu haben, folgen wir den Anweisungen unseres anonymen Unterstützers, erkunden in Ego-Perspektive und mit gezückter Waffe die verwaiste Raumstation und kommen nach und nach einem düsteren Geheimnis auf die Spur.



Die Talos 1 – begrenzter Raum mit unbegrenzten Möglichkeiten

Mit der Wahl des Schauplatzes erteilt Prey dem allgegenwärtigen Open-World-Trend eine klare Absage – und das ist auch gut so! Die Talos 1 entpuppt sich nämlich gerade aufgrund ihrer räumlichen Geschlossenheit sowie ihrer klug durchdachten Architektur als eine der besten Kulissen, die wir seit langer Zeit erkunden durften.

Sei es das Besatzungsdeck mit seinen verwaisten Bars, Kinos und Kantinen, das von Bäumen und Pflanzen überwucherte Arboretum oder die düsteren, von Röhren durchzogenen Versorgungstunnel – mit ihren verschiedenen Sektionen bietet die Station jede Menge Abwechslung! Zudem erweist sie sich dank einer stylischen Design-Kombi aus High-Tech und Art déco als wahrer Hingucker und erinnert dabei nicht selten an eine Sci-Fi Variante von Bioshocks Rapture.

Entsprechend werden auch bei Prey die Atmosphäre sowie das Spannungsmoment enorm von der Inszenierung der Umgebung getragen: persönliche Crew-Logs und E-Mail-Korrespondenzen, flackernde LED-Monitore, funkensprühende Sicherungskästen sowie die süß-säuselnde Computerstimme, die fast zynisch aus den Lautsprechern dringt, tragen ihren Teil ebenso dazu bei, wie die feindseligen Typhons, die in den Eingeweiden der Station auf uns lauern.

Insbesondere die spinnenartigen Mimics, welche unterschiedlichste Objekte imitieren und somit jeden noch so unscheinbaren Raum in eine Todesfalle verwandeln können, treiben uns regelmäßig die Schweißperlen auf die Stirn.

Um die Ecke denken, um ans Ziel kommen

Während unserer Erkundung der Talos 1, deren Sektionen über ein zentrales Hub miteinander verbunden sind, gelangen wir immer wieder an versperrte Durchgänge und abgeriegelte Bereiche. In solchen Situationen fordert Prey ein kreatives und zum Teil sogar experimentelles Vorgehen – und genau in diesem Punkt spüren wir deutlich, dass hier die Macher von Dishonored am Werk waren.

Denn auch bei Prey können wir unsere Ziele über vielfältige Lösungswege erreichen: So lässt sich ein verriegelter Raum unter Umständen via Lüftungsschacht betreten, eine Barriere durch das Erklimmen einer Deckenleitung überwinden, ein Safe durch das Hacken des Sicherheitscodes öffnen, ein durchgeknallter Verteilerkasten durch Reparatur wieder in Gang bringen, oder ein Hindernis mittels Körperkraft aus dem Weg räumen.

Eine gewaltige Prise Rollenspiel

Wie wir diese "Umgebungsrätsel" lösen, hängt aber nicht allein von unserer Kreativität ab, sondern auch davon, ob wir über die nötigen Fähigkeiten verfügen. Letztere dürfen wir über umfangreiche Talentbäume allmählich ausbauen, indem wir sogenannte Neuromods verwenden. Zur Auswahl stehen sowohl Talente wie Hacken, Schleichen, Waffengeschick und Co. als auch die Erhöhung von Lebensenergie oder Schadensresistenzen.

Darüber hinaus dürfen wir mithilfe eines Psychoskops Typhon-Fähigkeiten wie die Objekt-Nachahmung, Gedankenkontrolle oder Psi-Schock analysieren und anschließend adaptieren, was unsere Handlungsoptionen bei der Bewältigung von Feinden oder den oben angesprochenen Situationen ungemein erweitert.

Das umfangreiche Skill-System ist aber nicht Preys alleiniges Rollenspiel-Element. Schließlich gesellen sich zum roten Faden der Erzählung viele Nebengeschichten, die sich in einem wachsenden Questlog manifestieren – und das ist großartig! Nicht nur formen diese Missionen eigene Handlungsstränge, bringen uns Charaktere und Hintergründe näher, häufig fördern sie auch Erkenntnisse zutage, welche unsere Perspektive auf die Hauptgeschichte relativieren.

Wer recyclet, gewinnt!

Egal ob wir strikt der Hauptgeschichte folgen oder jede Nebenquest absolvieren, es dauert nicht lange, bis unser Inventar überquillt: Nahrungsmittel, Waffen und Munition sind auf der Talos 1 ebenso zu finden wie alte Kabel, durchgebrannte Platinen und Meteorgestein. Nutzlos ist nichts davon!

Schließlich bietet die Raumstation modernste Recycling-Technologie, die uns via Automat alles, was wir nicht benötigen, auf seine Bestandteile reduzieren lässt. Die gewonnenen Ressourcen können wir anschließend an einem Fabrikator in die Erstellung anderer Gegenstände investieren – vorausgesetzt wir verfügen über die benötigten Blaupausen.

Preys Crafting-System motiviert nicht nur ungemein, weil es das Erforschen und Entdecken immer belohnt, sondern stellt auch einen elementaren Bestandteil der Spielmechanik dar. Denn wer sich ausschließlich aufs Plündern konzentriert, wird um die ein oder andere Durststrecke nicht herumkommen.

Fazit zu Prey

Mit der Raumstation Talos 1 eröffnet uns Prey einen grandios designten Spielplatz, der zu ausgiebigem Entdecken einlädt und zugleich die Kulisse für eine intelligente und spannende Story stellt. Die Vielzahl an Spielmechaniken und Handlungsoptionen – vom Gunplay über den Einsatz diverser Fähigkeit bis hin zum Crafting und den ausgefeilten "Umgebungsrätseln" – kann stundenlang fesseln, ohne dass nur ein leisester Hauch von Langeweile aufkommt.

Kurz gesagt: Prey ist bisher der Überraschungshit des Jahres. Wer den Sci-Fi Shooter noch nicht auf dem Schirm hat, sollte das schleunigst ändern!


Prey PS4UNICUM Gaming-Tipp

Prey

Bethesda Softworks/Arkane Studios

Erhältlich für: PC, PS4, XboxOne

Ab 16 Jahren

  • Online bestellen (Amazon): Prey

Artikel-Bewertung:

3.72 von 5 Sternen bei 60 Bewertungen.

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