Ever Oasis
Seit dem 23. Juni für die Nintendo 3DS erhältlich: Ever Oasis | Grafik: Nintendo
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31. Jul 2017

Stefan Schröter

Games

Ever Oasis

Ein Sprössling und sein Wassergeist

Zelda meets Secret of Mana meets Animal Crossing

Hat man schon einmal einen Teil der "Secret of Mana"-Reihe gespielt (in Japan als "Seiken Densetsu" bekannt), erkennt man in "Ever Oasis" schnell die Handschrift von Koichi Ishii, dem wir die Mana-Serie zu verdanken haben. Vom Charakter-Design über die Motive der Geschichte bis hin zum Echtzeit-Kampfsystem mit Rollenspielanleihen merkt man dem Titel von Studio Grezzo eindeutig den Einschlag des bekannten Designers an.

Die Geschichte von "Ever Oasis" ist schnell erzählt: Du spielst einen Sprössling des großen Baumes, den du optisch in einem überschaubaren Charaktereditor gestalten und benennen kannst, und besuchst deinen Bruder in seiner Oase. Diese Oasen entstehen aus der Zusammenarbeit eines Sprösslings und eines Wassergeistes und bieten den Bewohnern die Möglichkeit, Zuflucht vor der Wüste zu suchen, die die ganze Welt umspannt.

Neben der tödlichen Wüste werden die Bewohner der Oasen vom Chaos bedroht, einer dunklen Macht, die Tiere in Monster verwandelt und natürlich die Oasen zerstören möchte. Es kommt, wie es kommen muss: Unser Bruder wird angegriffen, wir landen in der Nähe eines Wassergeistes, Esna, die noch keine Oase gegründet hat und erschaffen gemeinsam einen neuen Zufluchtsort. Das Ziel dabei ist klar: Das Chaos besiegen, die Welt begrünen und mit unserer Oase möglichst die Wüste zurückdrängen.

Bauen, Shoppen, Wünsche erfüllen…

So weit, so gut: Schnell siedeln sich die ersten Sprösslinge in unserer Oase an, gründen Läden und sorgen so für Moneten in Form von Taujuwelen. Diese können wir in die Erweiterung unserer Oase, Ausrüstung und Gärten stecken. Konsumenten sind dabei vor allem die sogenannten Pinguhus, eine süße Mischung aus Pinguin und Eule, die eine Sache besonders gut können: Shoppen.

Der Clou hinter "Ever Oasis" ist nämlich, dass unsere Oase umso größer wird, je mehr Bewohner wir anlocken. Diese können Sprösslinge sein, die sich zum Beispiel um den Garten kümmern oder Läden eröffnen, oder Biestlinge, die uns im Kampf unterstützen oder mit ihren Fähigkeiten neue Wege in der Hauptstory freischalten. Die verschiedenen Charaktere überzeugen wir, in dem wir für sie Aufträge erfüllen, die meistens simple Hol-und-Bring-Quests sind, Läden bauen, in denen wir bestimmte Produkte anbieten, oder Basare abhalten. Mehr Bewohner bedeuten dann auch mehr Pinguhus und mehr Taujuwelen.

Damit der Cashflow und die Zufriedenheit unserer Bewohner kontinuierlich steigen, müssen wir die einzelnen Geschäfte mit Materialien versorgen. Dafür gibt es auch einen ganz pragmatischen Grund, denn je höher die Zufriedenheit der Bewohner, desto größer der HP-Boost, den wir in den Dungeons bzw. im Kampf erhalten.

…trifft auf Kämpfen, Sammeln und Rätseln

Die Erkundung und Besorgung von Materialien sind der zweite Gameplay-Schwerpunkt von "Ever Oasis". Auf der Suche nach Artefakten, die uns helfen, gegen das Chaos zu bestehen, und zur Besorgung von Materialien für die Ladeninhaber reisen wir durch verschiedene Wüstenregionen – allesamt vollgestopft mit Gegnern, zerstörbaren Gegenständen und Schatztruhen. Neben unserem Hauptcharakter können wir dabei maximal zwei Gefährten mitnehmen, die verschiedene Fähigkeiten und Waffen haben und damit manchen Gegnern härter zusetzen oder beim Lösen von Rätseln helfen.

Das Kampfsystem bleibt dabei einfach, aber solide. Es gibt eine leichte Attacke, eine schwere Attacke, eine Ausweichrolle und eine spezielle Fähigkeit, die mit MP ausgelöst wird. Im Laufe der Zeit erlernt unser Charakter verschiedene Kombos, die für mehr Schaden sorgen. Wer lieber mit einem anderen Charakter kämpfen möchte, kann auf Knopfdruck fließend zwischen den Gefährten wechseln.

Der Rätselaspekt kommt besonders in den Dungeons zum Tragen, die rudimentär an Tempel in einem Zelda-Spiel erinnern. Wir bewegen uns von Raum zu Raum, sammeln Schlüssel und lösen Rätsel, bis wir am Ende mit einer Art Masterschlüssel den Bossraum öffnen können. Diese Rätsel sind gut gestaltet und nicht zu leicht bzw. zu schwer, aber sie offenbaren auch eine der größten Schwächen des Spiels: Party-Management.

Teilweise benötigt man fünf oder sechs verschiedene Fähigkeiten in einem Dungeon, um alle Rätsel lösen zu können. Das heißt allerdings auch, dass man fünf bis sechs verschiedene Charaktere braucht, also ständig die Party tauschen muss. Das ist dank des Aquaportal-Systems zwar nicht mit langen Wegen verbunden, aber trotzdem nervig. Mit dem Aquaportal transportiert man sich direkt in die Oase und von dort direkt wieder zum Ausgangspunkt. Stellenweise teleportiert man sich im Minutentakt zur Oase und wieder zurück.

Motivierender Fortschritt – trotz Hin und Her

Das ewige Rumteleportieren ist besonders schade, da das Pacing ansonsten sehr gut ist und das Spiel viele Komfortfunktionen hat, die das Leben als Oasen-Boss leichter machen. Sprösslinge übernehmen auf Wunsch die Betreuung des Gartens, Expeditionsteams sorgen für einen kontinuierlichen Material-Nachschub und Materialien können einfach zentral zugeteilt werden. So spart man sich die mühsamen Wege von Laden zu Laden, um die Sprösslinge händisch zu versorgen.

Auch das Bebauen der Oase ist komfortabel: Man kann von jedem beliebigen Ort ins Baumenü springen und dort Knospenläden und Verbesserungen bauen. Sobald ein Laden genügend Materialien erhalten hat, steigt er im Level auf und wir können eine Quest erfüllen, durch die der Laden wächst, ein neues Produkt anbietet und dadurch für mehr Umsatz sorgt.

Auch in der Oase bewegen wir uns dank einer praktischen Teleportfunktion leicht von A nach B. Komplettiert werden die Aktivitäten in der Oase durch eine Craftingfunktion, mit der wir neue Gegenstände erstellen und verbessern können. Dabei bleiben die Ausrüstungsmöglichkeiten wie die ganze Rollenspielmechanik überschaubar. Dank des relativ niedrigen Schwierigkeitsgrades reicht es in der Regel, einfach die stärkste Waffe zu erschaffen.

Fazit zu "Ever Oasis"

"Ever Oasis" gewinnt mit Sicherheit keine Innovationspreise: Die einzelnen Teile des Spiels hat man in ähnlicher Form schon besser gesehen. Allerdings ist das Gesamtpaket rund um den Sprössling und den Wassergeist Esna erstaunlich unterhaltsam und motivierend. Zwar ist der Schwierigkeitsgrad überschaubar, doch der kontinuierliche Fortschritt der Oase und der einzelnen Läden motiviert zum Weiterspielen à la "Nur noch einen Tag, dann höre ich wirklich auf". Die Quests laden zum Erkunden ein und dank der Gerüchte von neuen Bewohnern der Oase findet man sich schnell in der Wüste wieder um weitere Sprösslinge für das eigene Gefolge zu suchen.

Kurz und knapp: Mit "Ever Oasis" hat der Nintendo 3DS noch einmal ein gutes Rollenspiel mit starkem "Animal Crossing"-Einschlag bekommen, das zwar kein Meisterwerk ist, aber trotzdem richtig gut unterhält.


Ever Oasis Nintendo 3DSUNICUM Games-Tipp

Ever Oasis

Nintendo

Erhältlich für Nintendo 3DS (auch kompatibel mit Nintendo 2DS/New 3DS/2DSXL)

ab 6 Jahren

Online bestellen (Amazon): Ever Oasis

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