Destiny 2 Gameskritik
Bereits für PC, PS4 und XBox One erhältlich | Foto: Activision Blizzard

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12.10.2016

Destiny Add-On

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25. Sep 2017

Christopher Lymer

Games

Destiny 2

Evolution statt Revolution

Der Letzte macht das Licht an

2014 legte Bungie mit Destiny den Grundstein für ein fantastisches Sci-Fi-Universum, das sich innerhalb von zwei Jahren mit insgesamt vier Erweiterungen zu einer liebgewonnenen Heimat für zahlreiche Fans etablierte. Erzählt wird, wie in ferner Zukunft eine gigantische, extraterrestrische Sphäre, welche "der Reisende" genannt wird, auf der Erde eintrifft und die Menschheit durch technologischen Fortschritt in ein goldenes Zeitalter der Raumfahrt führt.

Jenes währt leider nicht lange, da bald schon eine finstere, kosmische Macht sowie Heerscharen feindseliger Aliens ins Sonnensystem einfallen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Unter dem Schutz des Reisenden findet die Menschheit in der letzten großen Stadt der Erde eine Zuflucht. Erfüllt vom "Licht des Reisenden", welches übermenschliche Kräfte verleiht, bildet eine wehrhafte Elite – die sogenannten Hüter – fortan ein letztes Bollwerk, das sich der Bedrohung entgegenstellt.

Ungeachtet aller Errungenschaften scheitert dieses Vorhaben jedoch zu Beginn von Destiny 2, als ein verheerender Überraschungsangriff der Rotlegion die letzte Metropole in Schutt und Asche sowie den Reisenden in Ketten legt. Von der Quelle ihres Lichts abgeschnitten, müssen die Hüter nicht nur ihre Kräfte, sondern auch die Unsterblichkeit einbüßen. Obwohl unserem Helden unter diesen Umständen nichts anderes bleibt, als gemeinsam mit den Übrigen die Flucht zu ergreifen, will es eine schicksalhafte Fügung, dass wir als auserwählter Hüter unser Licht zurückerlangen. Als frischgebackene Speerspitze des Widerstands heißt es folglich für uns, die versprengten Kräfte erneut zu vereinen, die Stadt zurückzuerobern und den Hütern wieder zu ihrem Licht zu verhelfen.

So spannend wie nach Hause kommen?

Eines vorweg: Was die Kernkompetenzen angeht, hat Destiny 2 kein bisschen an Glanz eingebüßt. Das Gunplay ist schnell und präzise wie eh und je, das Trefferfeedback höchst befriedigend, unser Mündungsfeuer blitzt mit wohlig sattem Sound auf, während der epische Soundtrack für Gänsehaut sorgt. Auch unsere Klassenfähigkeiten, von denen Jäger, Titanen und Warlocks je eine komplett neue erhalten, fühlen sich dank spektakulären Effekten und enormer Einschlagskraft mächtig an.

Zudem kann die Kampagne von Destiny 2 im Vergleich zum Vorgänger mit deutlich besserem Storytelling überzeugen: Nicht nur erweisen sich die Hauptmissionen als durchweg abwechslungsreich, sie erhalten auch durch den ständigen Funkverkehr mit anderen Charakteren sowie den filmreif inszenierten Cinematics einen erzählerischen Rahmen, welcher die Geschichte vorantreibt. Darüber hinaus nutzt Destiny 2 seine Story-Missionen, um neue Protagonisten einzuführen und den bisher eher blass gebliebenen Befehlshabern der Hüter – Zavala, Cade 6 und Ikora Rey – mehr Raum zur Charakterentfaltung zu geben. Insbesondere für eingefleischte Destiny-Fans ist das überaus begrüßenswert. Für Neueinsteiger, die den Vorgänger samt all seiner Erweiterungen jedoch nicht bis zum Abwinken gespielt haben, dürfte die eh schon etwas kryptische Storyline durch ständige Bezüge zu vorangegangenen Figuren und Ereignissen bestenfalls nur schwer nachvollziehbar sein.

Die insgesamt vier neuen Welten, auf die es uns im Lauf unserer Reise verschlägt, können zwar mit gewohnt hervorragendem Art-Design sowie hübschen Licht-, Partikel- und Wettereffekten überzeugen, heben sich aber gefühlt nur punktuell von bekannten Schauplätzen des ersten Teils ab. Das gilt auch für unsere Gegner: Eine neue Alien-Rasse dürfen wir ebenso wenig erwarten wie ein Wiedersehen mit den zuletzt eingeführten SIVA-Mutanten aus dem finalen Destiny Add-On "Das Erwachen der Eisernen Lords"– schade!

Landschaften in Destiny 2

Optimierung statt Neuerfindung

Wie zu erwarten mündet die Story-Kampagne von Destiny 2 in eine Vielzahl an Beschäftigungsmöglichkeiten, welche einen steten Nachschub an immer besserer Beute garantieren, so dass wir unser Powerlevel (ehemals Lichtlevel) bis zum Maximum von 300 steigern können. Zwar stoßen wir auch hier auf viele altbekannte Aktivitäten wie sechs teambasierte Strikes, wechselnde Dämmerungs-Strikes, einen Raid, Patrouillen-Missionen und diverse PVP-Modi, zugleich begegnen uns aber auch zahlreiche Inhalte, die eine Aktualisierung erfahren haben.

So kehren die täglichen Bountys nun als planetengebundene Herausforderungen wieder, von denen wir je drei innerhalb von 24 Stunden absolvieren können. Öffentliche Events erscheinen auch nach wie vor, werden jetzt aber mit Orts-Marker und Countdown auf unserer Map angezeigt, so dass es nicht mehr dem Zufall überlassen bleibt, ob wir an einem solchen teilnehmen können. Das macht die ganze Sache zwar deutlich einfacher, nimmt aber auch ein wenig den Reiz sowie das Hochgefühl zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein.

Des Weiteren befreit uns Destiny 2 von der eher starren Bindung an eine Fraktion und überträgt deren Funktion auf diverse NPCs, die uns pro Planet als Einsatzleiter zur Seite stehen oder im Social Hub auf uns warten. Bei ihnen tauschen wir gesammelte Rohstoffe, erfüllte Aufträge sowie durch Missionen und Events erspielte Marken ein, um im Ansehen aufzusteigen und im Gegenzug wertvolle Items zu erhalten. Auf diese Weise erhalten wir schon innerhalb der ersten Spielstunden einen kontinuierlichen Zufluss an mächtigen Gegenständen – dies hat früher schmerzlich lange gedauert, allerdings war das Erfolgsmoment entsprechend größer.

Eine echte Neuerung sind die zahlreichen in Destiny 2 eingeführten "Abenteuer": Bei ihnen handelt es sich um voll durchinszenierte Nebenmissionen, die mit verheißungsvollen Entlohnungen locken und deren narrative Qualität – ganz nebenbei – jene vieler Hauptmissionen des Vorgängers übersteigt. Damit aber nicht genug: Auch nach Abschluss der finalen Kampagnen-Mission wartet jeder Planet mit einer vollwertigen Quest-Reihe auf, an deren Ende mächtige Items auf uns warten. Umspannt werden alle Aktivitäten von sogenannten Meilensteinen, die uns großschrittig an alle Betätigungsoptionen heranführen und bei erfolgreicher Absolvierung fürstlich entlohnen.

Es tut sich was im Inventar

Auch in unserem Rucksack hat sich einiges getan: Unser Arsenal unterteilt sich nun in herkömmliche Kinetikwaffen, Energiewaffen mit Elementarschaden sowie mächtige Powerwaffen, zu denen ab sofort auch schlagkräftige Schießeisen wie Schrotflinten, Scharfschützen- und Fusionsgewehre gezählt werden. Außerdem sind jegliche Perks aller Waffen und Rüstungsteile sofort verfügbar und müssen nicht erst freigespielt werden. Dafür halten Mods Einzug ins Spiel, durch deren Installation wir die Werte, Schadensarten sowie Vorteile unserer Ausrüstungsgegenstände verändern können. In diesem Zuge wurden auch die Shader, mit denen wir ursprünglich unser Outfit einheitlich färben konnten, überarbeitet: Ab sofort sind sie auf jedes Rüstungsteil und jede Waffe anwendbar, können dafür aber im Sinne eines Verbrauchsgegenstands nur einmal verwendet werden. Eine fragwürdige Designentscheidung – neue Shader landen nämlich nur recht selten in unserem Inventar, wenn wir sie nicht – wie auch diverse andere kosmetische Items – für Echtgeld per Ingame-Shop erstehen.

Fazit zu Destiny 2

Destiny 2 erfindet sich definitiv nicht neu, dafür baut es die Stärken seines Vorgängers konsequent aus und verabschiedet sich größtenteils von dessen Schwächen. Das Ergebnis ist ein eindrucksvoll inszeniertes Content-Mammut mit Suchtpotenzial, das auch die aktivsten Spieler für die nächsten Monate mit der abwechslungsreichen Jagd nach immer besseren Items beschäftigt halten wird – bis schließlich die nächste Erweiterung neue Inhalte einspeist.

All jenen, die bereits mit dem ersten Teil nicht viel anfangen konnten, bietet der MMO-Shooter allerdings nicht genug Neues, um im zweiten Anlauf überzeugen zu können. Dafür kommen Destiny-Fans voll auf ihre Kosten und dürfen sich über ein üppiges und optimiertes Mehr freuen.


Destiny 2 für die Playstation 4UNICUM Gaming-Tipp

Destiny 2

Activision Blizzard Deutschland

Erhältlich für: PC, PS4, XboxOne

Ab 16 Jahren

Artikel-Bewertung:

3.21 von 5 Sternen bei 14 Bewertungen.

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