Money Monster
George Clooney im Wirtschaftsblockbuster "Money Monster" | Foto: Sony Pictures Home Entertainment
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25. Okt 2017

Hannah Essing

Filme

Film und Finanzen: Vier Wirtschafts-Blockbuster im Realitäts-Check

Der große Crash – Margin Call (2011)

Der große Crash auf Blu-ray

Darsteller:

Kevin Spacey, Paul Bettany, Jeremy Irons, Zachary Quinto, u. a.

Die Szene:

Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise von 2007 findet ein Mitarbeiter einer Bank heraus, dass das Risikopotential von verbrieften Immobilienkrediten falsch eingeschätzt wurde und der Bank die Insolvenz droht, da diese schon zu viele dieser gebündelten Pakete besitzt. Nach einem Krisentreffen der höchsten Tiere der Bank beschließt der CEO, dass alle faulen Papiere bis zum nächsten Morgen verkauft werden müssen – selbst wenn das den Kunden und dem Ruf der Bank schadet. Denn nur so kann eine Krise abgewendet werden. Sein Motto: Wer in diesem Business überleben möchte, muss schlauer und schneller als alle anderen sein oder bereit sein, zu betrügen.

Der Experte:

Prof. Dr. Henning Vöpel ist Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

Das sagt der Experte:

Die Finanzkrise 2007 nahm ihren Ausgang auf dem US-Immobilienmarkt, speziell auf dem sogenannten Subprime-Markt. Dort hatte sich eine kreditfinanzierte Blase gebildet. Als dann die Blase auf dem Immobilienmarkt platzte, sank der Häuserpreis. Immer mehr Kredite fielen aus. Durch die Verbriefung der Hypothekenkredite und deren Streuung auf den weltweiten Finanzmärkten gerieten plötzlich systemrelevante Banken in Bedrängnis. Als diese versuchten, die toxischen Wertpapiere massenhaft zu verkaufen, war allen klar, dass hier eine große Krise bevorstand. An diesem Punkt war die Krise nicht mehr zu vermeiden. Als dann die Investmentbank "Lehman Brothers" insolvent ging, gab es weltweit kein Halten mehr.

Der Film zeigt somit ganz realistisch, wie in wenigen Momenten sich eine Krise zuspitzen kann, Panik sowie eine fatale Dynamik entsteht, die sich selbst beschleunigt. Jeder Einzelne versucht, nur noch seine Haut zu retten – auch wenn klar ist, dass man damit die Panik nur noch weiter befeuert. Dies ist die unheilvolle Logik von Finanzmarktkrisen. 


The Wolf of Wall Street (2013)

The Wolf of Wall Street auf Blu-ray

Darsteller:

Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, u. a.

Die Szene:

Der Blockbuster über Börsenmakler Jordan Belfort ist vor allem für seine exzessiven Partyszenen bekannt, bei denen das Büro mehr als einmal nicht nur als Ort für Drogenexzesse und Geldregen benutzt wird, sondern auch vielen illegale Machenschaften Platz bietet. Leonardo DiCaprio ist in der Rolle des skrupellosen, tablettensüchtigen Brokers mit eigener Yacht zu sehen.

Der Experte:

Christian Korte ist Zert. Eurex-Börsenhändler und Head of Marketing & PR der FXFlat Wertpapierhandelsbank GmbH.

Das sagt der Experte:

Mit den im Film beschriebenen unerlaubten Handlungen wie Cold Calling oder Front Running sind die in Deutschland zugelassenen und regulierten Broker in der heutigen Zeit nicht mehr zu vergleichen. Auch sind die Verbraucher bzw. Kunden heute viel aufgeklärter als in späten 80er-Jahren und würden ein solches Fehlverhalten viel früher den Aufsichtsbehörden zur Kenntnis bringen.

Zudem ist das Bewusstsein, aber auch die Anforderungen bzw. gesetzlichen Vorschriften im Hinblick auf Geldwäscheprävention oder strafbaren Handlungen intern wie extern heute viel ausgeprägter als damals. Ein mittlerweile bekanntes Stichwort hierzu: Whistleblower. Natürlich gibt es auch heute noch Fehlverhalten, in der Regel sind dies aber unregulierte oder nicht zugelassene Firmen. Im Zeitalter des Internets kann ein Verbraucher dies aber schnell über das Impressum oder die Datenbankseiten der BaFin prüfen.


The Big Short (2015)

The Big Short auf Blu-ray

Darsteller:

Ryan Gosling, Christian Bale, Brad Pitt, Steve Carell, u. a.

Die Szene:

Anhand eines Jenga-Spiels erklärt einer der Charaktere, wie der Handel mit Anleihen Geld einbringen kann.

Der Experte:

Prof. Dr. Oliver Entrop ist Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finance und Banking an der Universität Passau.

Das sagt der Experte:

Die Kreditkrise hat unser Finanz- und Wirtschaftssystem an den Abgrund geführt. Die Ursachen sind vielfältig. Dazu gehören eine zu große (aber in den USA politisch gewollte) Kreditvergabe an Immobilienkäufer schlechter und sehr schlechter Bonität, die Komplexität der Finanzinstrumente (im Film die Pyramide), mangelnde Transparenz, unzureichende Regulierung, Gier und falsche, kurzfristige Anreizstrukturen für die Akteure.

Mit dem Niedergang des US-Immobilienmarktes brach dann wie eine Kaskade das Gesamtsystem, in dem bis dahin alle profitiert hatten, zusammen. Einige Finanzmarktteilnehmer haben auf das Zusammenbrechen gesetzt und damit auch ordentlich Geld verdient. Insofern ist die Szene realistisch. Zu dem Realismus gehört leider auch der Zynismus bei einigen Akteuren der damaligen Zeit.


Money Monster (2016)

Money Monster auf Blu-ray

Darsteller:

George Clooney, Julia Roberts, Jack O'Connell, Dominic West, u. a.

Die Szene:

Börsenguru Lee Gates (George Clooney) ist der Star der Finanzsendung "Money Monster", in der er Anfängern Tipps für die Börse gibt. In einer Show erklärt er dem Publikum, dass ihr Geld längst nicht mehr in Tresoren in Banken verschlossen ist, sondern nur noch Photonen-Energie ist, die durch Glasfaserkabel rast, damit das gesamte Finanzsystem schneller läuft.

Die Expertin:

Dr. Isabelle Drexler ist zuständig für Public Affairs und Öffentlichkeitsarbeit im Verband der Sparda-Banken e.V.

Das sagt die Expertin:

Der Ausdruck "Photonen-Energie" ist metaphorisch gemeint. Dennoch ist diese Metapher in gewisser Hinsicht passend, denn die Zuschauer in "Money Monster" sind Anleger, die ihr Geld im Hochfrequenzhandel (HFT) investieren. Diese Art von Handelsstrategie verwandelt Geld insofern in "Photonen-Energie", als dass sie auf algorithmischen Verfahren für den Ver- und Ankauf von Wertpapieren basiert. Diese Algorithmen entscheiden binnen Sekunden weitgehend ohne menschliche Intervention. Das braucht eine extrem hohe Rechenleistung von Computern, weshalb der wachsende Erfolg des HFT eng an den technischen Fortschritt geknüpft ist.

Umstände wie in den USA, die im Film geschildert werden, sind hier höchst unwahrscheinlich, da besonders der HFT von der Finanzaufsicht in Deutschland engmaschig auf Marktstabilität und -integrität hin überprüft wird.

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