Rubinrot
Maria Ehrich und Jannis Niewöhner in "Rubinrot" | Foto: Meike Birck/Concorde Filmverleih
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30. Sep 2013

Ann-Christin Kieter

Filme

Rubinrot: Die Hauptdarsteller im Interview

Maria Ehrich und Jannis Niewöhner spielen im Fantasy-Weltbestseller

"Es ist schwierig, es allen recht zu machen"

UNICUM: Na, was meint ihr? Sitze ich dem deutschen Robert Pattinson und der neuen Kristen Stewart gegenüber? Immerhin wird "Rubinrot" oft in einem Atemzug mit „Twilight“ genannt.
Maria: Klar, ich habe dunkle Haare, sie hat dunkle Haare. Er hat eine Wuschelfrisur (streicht Jannis über den Kopf), der andere hat eine ...! Es ist logisch, dass wir verglichen werden, der Film spricht ja auch dieselbe Zielgruppe an. Aber unsere Figuren sind komplett anders als Edward und Bella. Und wir haben natürlich unsere ganz eigene Geschichte, unsere eigene Traumwelt – ganz ohne Vampire.

Und allein auf den möglichen Erfolg des Films bezogen? Viele sprechen schon von eurem Durchbruch…
Jannis: Wir haben beide definitiv Respekt vor dem, was kommt. Das wird etwas Neues, das wir lernen müssen.
Maria: Das wird eine schöne Zeit. Ich mache die Schauspielerei schon ewig – seit ich zehn bin – und habe so viele Filme gedreht, dass ich mich darauf freue  dass die Arbeit jetzt mal Früchte trägt.

Stimmt es, dass du früher in der Schule gelogen hast, als du wegen Dreharbeiten gefehlt hast?
Maria: Ich habe gleich mit einem Kinofilm angefangen und war mir sicher, dass mir das keiner glaubt. Dann habe ich meine damalige Neurodermitis-Erkrankung vorgeschoben und gesagt, ich sei auf Kur.
Jannis: Und die Lehrer haben das geglaubt?
Maria: Die wussten das. Nur die Schüler nicht. Als ich wiederkam, hingen überall Plakate von "Mein Bruder ist ein Hund" rum. Eingeschüchtert von der ganzen Situation und aus Angst vor Neidern hatte ich mich einfach nicht getraut, etwas zu sagen.

Durch den Erfolg der Roman-Vorlage von Kerstin Gier hat die "Edelsteintrilogie" eine riesige Fan-Gemeinde. Seht ihr das als eine besondere Herausforderung?
Jannis: Auf jeden Fall. Man weiß, dass es extrem viele Leute gibt, die die Bücher gelesen haben und sich auch schon ihre ganz eigenen Bilder gemacht haben. Bei solchen Verfilmungen ist es definitiv schwierig, es allen recht zu machen.
Maria: Das geht natürlich auch gar nicht. Wir sehen vielleicht für einen Bruchteil der Zuschauer so aus wie ihre Gwen oder ihr Gideon. Das ist ja auch in Ordnung. Buch und Film sind zwei verschiedene Medien und irgendwo muss man einen Strich ziehen. Das ist etwas, das die Fans verinnerlichen müssen, damit sie uns nicht die Köpfe einschlagen.

"Wir müssen uns noch einen Schutzwall basteln"

Das klingt, als hättet ihr schon im Vorfeld negative Erfahrungen gemacht?
Maria: Ja, schon. Vor allem, da wir für die Vorstellung der Besetzung nicht in unseren Rollen fotografiert worden sind, sondern als Maria und Jannis. Wir haben einige Kommentare in Foren gelesen – also ich zumindest – Jannis interessiert sich da nicht so für (lacht). Einträge wie: "Die finde ich absolut nichtpassend" tun ein bisschen weh. Da müssen wir uns noch einen Schutzwall basteln, damit man sich das nicht so zu Herzen nimmt.

Wie viel von den Figuren steckt denn charakterlich in euch?
Maria: 35,5 Prozent (lacht). Gwen ist total tollpatschig. Das bin ich auch. Ich  laufe gerne mal irgendwo gegen. Allerdings bin ich nicht so schlagfertig wie sie. Sie sagt, was sie denkt, und haut einfach alles raus. Egal, ob da jemand dann beleidigt ist oder so. Da bin ich zurückhaltender.
Jannis: Das hat sich aber ganz gut von selbst entwickelt. Irgendwann hat sie mich ganz automatisch angezickt, als ich als Gideon ein totaler Idiot zu ihr war.

Ihr habt bei den Dreharbeiten relativ viele Stunts selber gemacht. Was war für euch die größte Herausforderung?
Jannis: Diese ganzen Kämpfe auf der fahrenden Kutsche. Aber ich hatte da total Lust drauf. Ich war eine Woche in Budapest und habe dort mit einem erfahrenen Stunt-Team jeden Tag auf der Kutsche geboxt.
Maria: Geboxt? (lacht). Ich hatte gar nicht so viele Stunts, musste nur immer irgendwo gegenlaufen, runterfallen oder stolpern. Das kann ich ja gut. Dabei habe ich mich wie Charlie Chaplin gefühlt. Ansonsten kam zweimal ein Double zum Einsatz. Aber für die dargestellten Zeitsprünge wurde ich an Seile gehängt und an 20 Meter hohen Autokränen hochgezogen.

"Bei Liebesszenen geht es nicht um die Romantik"

Zeitreisen ist ein schönes Stichwort, denn genau darum geht es im Film. In welche Zeit würdet ihr gerne mal zurückreisen?
Jannis: 1968. Ich würde gerne mal mitkriegen, wie die Studentenrevolte damals war.
Maria: Bei mir wären das auf jeden Fall die Zwanziger-Jahre. Ich würde gerne mal Charleston tanzen und das Lebensgefühl des Goldenen Zeitalters erfahren. Ich glaube, das wäre ganz cool.

Der ZDF-Film "Adlon", in dem du im Januar zu  sehen warst, spielt genau in der Zeit. Da musstest du eine Frau küssen. War das schwerer als die Szenen mit Jannis?
Maria: Einerseits war es irgendwie leichter, weil Christiane Paul eine Frau ist. Da hat man nicht so die Scheu voreinander. Andererseits war es komisch.Jannis: Ich hatte eine Kussszene mit einer 50-Jährigen in dem Amok-Film "Ein Jahr nach morgen". Das war ziemlich befremdlich, aber genau deswegen funktionierte es auch schon wieder.

Sind Liebesszenen für euch noch immer etwas Besonderes oder seid ihr jetzt schon so "alte Hasen", dass euch das gar nichts mehr ausmacht?
Maria: Besonders ist es eh nicht, weil man da immer von allen Seiten  beobachtet wird. Es geht dabei ja auch nicht um die Romantik. Bei mir ist es schon so, dass ich mich daran gewöhnt habe und mich mehr darauf konzentrieren kann, dass auch alles gut aussieht.
Jannis: Generell sollte man keine Berührungsängste haben. Aber es kommt schon darauf an, dass man sich mit dem Kusspartner versteht. Das war bei uns einfach der Fall.


UNICUM ABI Filmtipp: Rubinrot

Als sich die 16-jährige Gwen (Maria Ehrich) plötzlich im London des 19. Jahrhunderts wiederfindet, wird ihr klar, dass sie das mysteriöse Zeitreise-Gen ihrer Familie geerbt hat. Dabei hätte sie locker darauf verzichten können. Schließlich liegt es nun an ihr, die uralten Geheimnisse zu lösen. Noch weiß sie nicht genau, was schlimmer ist: die Gefahren, die bei dem Abenteuer auf sie lauern, oder der arrogante Schnösel Gideon (Jannis Niewöhner), der sie bei den Reisen in die Vergangenheit begleitet. Die Geschichte basiert auf der sogenannten "Edelsteintrilogie" von Kerstin Gier.

"Rubinrot" ist auf DVD und Blu-ray erhältlich. Die Teile "Saphirblau" und "Smaragdgrün" sollen folgen. Mehr Infos: www.rubinrot-derfilm.de

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