Nerve Film
Ein bisschen Liebe darf auch in "Nerve" nicht fehlen | Foto: Studiocanal/Niko Tavernise

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17. Jan 2017

Ann-Christin Kieter

Filme

Nerve

Social-Media-Thriller, ab 19. Januar fürs Heimkino

Nerve: Bist du Watcher oder Player?

New York 2020: Beim illegalen Online-Game "Nerve" hast du zwei Optionen – entweder du bist "Watcher" und guckst gegen Bezahlung einfach nur zu, oder du bist "Player" und stürzt dich selbst in die waghalsigen Challenges der sensationsgeilen Community. Die eigentlich sehr vernünftige Highschool-Schülerin Vee (Emma Roberts, Ausreißerin Casey aus "Wir sind die Millers") entscheidet sich aus einer Laune heraus für den aktiven Part. Erstmal geht es recht easy los: Die 18-Jährige soll in einem Luxusgeschäft in Manhattan ein sündhaft teures Kleid anprobieren und das per Smartphone filmen.

Überraschenderweise trifft sie dabei Ian (Dave Franco, Student Pete aus "Bad Neighbors") wieder, den sie kurz zuvor bei ihrer ersten Aufgabe küssen musste. Als beide zu ihren Umkleidekabinen zurückkommen, sind ihre Klamotten plötzlich verschwunden. Dass beide in Unterwäsche aus dem Laden stürmen müssen, ist ebenfalls Teil des Spiels, das die beiden immer tiefer in seine Schattenwelt hineinzieht und sie unter anderem noch zu einem spontanen Tattoo und einer Motorrad-Fahrt mit verbundenen Augen verleitet.



Online-Game mit Sekten-Charakter

Je extremer und gefährlicher die Aufgaben werden, desto mehr drängt sich die Frage auf: Warum macht sie das bloß mit? Eigentlich liegt die Antwort auf der Hand: Wie bei Sekten kann man auch aus der "Nerve"-Community nicht einfach nach Lust und Laune aussteigen. Der Titel der Romanvorlage von Jeanne Ryan aus dem Jahr 2012 sagt es: "Nerve – Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen". Doch bevor Vee merkt, dass es keinen Ausweg gibt, findet sie erstmal Gefallen an der Sache.

Es ist auch zu verführerisch: Sie tritt aus dem tristen Alltag in Staten Island aus, hilft mit dem Gewinn ihrer Ma aus der finanziellen Patsche und – für sie wohl am wichtigsten – steht endlich nicht mehr im Schatten ihrer besten Freundin Sydney (Emily Meade). Da diese sie überhaupt erst zu dem Game gebracht hat, und bislang der Star in der Online-Welt war, ist ein Zicken-Krieg vorprogrammiert. 


Nerve Emma Roberts


Teenie-Film meets Thriller

Hackordnung in Cliquen, Cheerleader-Training, Abhängen im Diner: Viele Szenen erinnern an typisch amerikanische Teenie-Filme aus dem Highschool-Umfeld, wie zum Beispiel die quietschige "Cinderella Story" mit Hillary Duff. Wer damit so gar nichts anfangen kann, wird von Nerve stellenweise genervt sein. Genauso wie von dem Neonlicht, in das der Film fast permanent getaucht ist – wohl um anzudeuten, dass wir uns im Jahr 2020 befinden.

Den futuristischen Aspekt könnte man als Zuschauer sonst auch schnell vergessen, denn spätestens seit dem Hype um "Pokémon Go" wissen wir, welchen Suchtfaktor ein interaktives Game mit sich bringen kann. User geraten in einen Rausch, geben naiv Teile ihre Privatsphäre auf, werden manipulierbar. Man hat also das Gefühl, dass alles gerade genauso passieren könnte, während man Vee und Ian auf ihrem atemlosen Trip durch die nächtliche Metropole begleitet.

Und das ist es letzten Endes auch, was den Thriller bis zum fulminanten Ende in einer Art modernen Gladiatoren-Arena so packend macht. Damit der ziemlich extreme Schluss-Appell an die Verantwortung Nerve-User auch ja bei uns Zuschauern ankommt, lassen uns die Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman ("Paranormal Activity 3+4") quasi selbst zu Watchern werden, indem man dank Perspektivwechseln immer mal wieder auf einen Bildschirm schaut, um die Mutproben der Spieler zu verfolgen.

Fazit zu "Nerve"

"Nerve" war der 2016 Überraschungshit an der Kinokasse. Und zwar zu Recht! Es ist ein lohnenswerter Thriller zu einem brandaktuellen Thema, der – ein paar witzige Szenen im Highschool-Movie-Stil rausgerechnet – 93 Minuten lang Nervenkitzel pur bietet. Und außerdem mit den äußerst sympathischen Shootingsstars Emma Roberts und Dave Franco in den Hauptrollen punktet.


UNICUM Film-Tipp

Nerve

Thriller, USA 2016

Romanvorlage: "NERVE – Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen" von Jeanne Ryan

Regie: Henry Joost, Ariel Schulman

Darsteller u.a.: Emma Roberts, Dave Franco, Emily Meade

Verleih: STUDIOCANAL

Heimkinostart: 19. Januar 2017

Online bestellen (Amazon): Nerve

Mehr Infos unter facebook.com/Nerve.DerFilm

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