Kein Morgen ohne Sorgen Gemma Correll
"Kein Morgen ohne Sorgen" von Gemma Correll | Cover: Antje Kunstmann Verlag
Autorenbild

01. Mär 2016

Barbara Kotzulla

Bücher

Cartoon-Tipp: Kein Morgen ohne Sorgen

Illustratorin Gemma Correll im Interview

Gemma Correll Cartoon

Mit Humor gegen Ängste und Selbstzweifel

UNICUM: Dein Buch "Kein Morgen ohne Sorgen" ist vor Kurzem in Deutschland erschienen. Woher nimmst du die Inspiration für deine Zeichnungen?
Gemma Correll: Alle Illustrationen basieren auf meinen eigenen Erlebnissen, meinem Alltag, meiner – oft nicht vorhandenen – Interaktion mit anderen Menschen und meinen inneren Zwiegesprächen.

Du zeigst dich dabei immer sehr selbstironisch. Wie wichtig ist es in deinem Job, über sich selbst lachen zu können?
Sehr wichtig! Vor allem, wenn man so persönliche Comics macht wie ich. Schließlich ist das Leben manchmal einfach zum Schieflachen. Ich benutze Humor auch, um mich an Themen wie psychische Erkrankungen zu wagen. Ich will mich damit aber nicht über Angstzustände oder Depressionen lustig machen. Es ist furchtbar, damit leben zu müssen – Humor ist eine sehr effektive Waffe, um gegen diese Dinge anzukämpfen. Es hilft zumindestens mir. Und wenn sich auch nur eine Person besser fühlt, wenn sie sieht, dass es jemand anderem ähnlich geht, dann macht mich das glücklich.

Was brauchen junge Grafikdesigner neben dem künstlerischen Talent, um erfolgreich zu sein?
Das Wichtigste ist die Bereitschaft, wirklich hart zu arbeiten. Es kann nämlich ein ziemlich anspruchsvoller Job sein. Es gibt da draußen eine Menge anderer Grafikdesigner, die auf die gleichen Jobs aus sind. Da muss man beweisen, dass man engagiert und fleißig ist. Es ist außerdem wichtig, seinen ganz eigenen Stil zu finden und andere nicht zu kopieren. Und: Man sollte auch außerhalb des Internets nach Inspiration suchen.

Nach deinem Uni-Abschluss in Grafikdesign hast du dich nicht direkt in die Selbstständigkeit getraut. Hattest du Angst vor diesem großen Schritt?
Ich hatte tatsächlich ein wenig Angst. Anfangs habe ich nur nebenbei als Illustratorin gearbeitet und war Vollzeit als wissenschaftliche Assistentin angestellt. Aber als mein Vertrag dort zu Ende ging, habe ich mich einfach für diesen Schritt entschieden. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich von meinen Zeichnungen noch nicht leben. Ich hatte nicht viele Aufträge, aber ich habe hart gearbeitet und alles getan, was ich konnte. Ich habe zum Beispiel nicht nur auf Illustrationsjobs gewartet, sondern auch meine eigenen Sachen auf Märkten, Messen und Online verkauft. Ich habe mir damals viele Sorgen um Geld und meine Absicherung gemacht, aber es hat sich alles zum Guten gewendet.

Was hat deine Familie dazu gesagt?
Einige Familienmitglieder hatten ihre Zweifel. Ihnen wäre es sicherlich lieber gewesen, ich hätte mir einen sicheren Job gesucht, etwa als Lehrerin. Sie waren wahrscheinlich besorgt, weil man als freischaffender Illustrator kein geregeltes Einkommen hat – und Bilder zu zeichnen, mehr wie ein Hobby als wie ein Beruf wirkt.

Gemma Correll Interview

Gemmas treue Begleiter: Mr. Pickles und Bella

Du bist von Großbritannien in die USA gezogen. Ist die Arbeit für Illustratoren dort erfolgsversprechender?
Es ist ein wenig einfacher, hier zu arbeiten. Hier gibt es mehr Kunden und viel mehr Möglichkeiten, seine Bilder auszustellen oder Conventions zu besuchen. Aber ehrlich gesagt: Wir sind vor allem wegen der Sonne nach Kalifornien ausgewandert!

Wir? Deine Hunde sind sicherlich mitgekommen, oder?
Ich habe zwei Möpse, Mr. Pickles und Bella, die immer um mich sind und mich trösten, wenn ich sie brauche. Sie sind eine wichtige Inspirationsquelle und einfach lustige Wesen, die mich zum Lachen bringen, wenn ich mich schlecht fühle. Eins meiner Lieblingszitate stammt von einem deutschen Komiker, von Loriot: "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!"

Ich glaube ja, dass die Welt irgendwann in einer großen Zombie-Apokalypse untergehen wird. Was wäre dann deine Überlebensstrategie?
Wahrscheinlich würde ich gar nicht überleben. Aber wenn ich es zu einem sicheren Ort schaffen würde, würde ich da einfach bleiben und alles mit meinen Zeichnungen dokumentieren.

Letzte Frage: Welchen Song hörst du am liebsten an einem grauen, verregneten Tag?
"Saturday Night" von den Misfits. Das ist zwar kein trauriger Song, aber durch ihn fühle ich mich besser!


Infos zum Buch

Kein Morgen ohne Sorgen – Handbuch für Verzweifelte
Gemma Correll
Verlag Antje Kunstmann, Februar 2016
Preis: 12,95 €

Gemma Correll Illustration

Artikel-Bewertung:

3.3 von 5 Sternen bei 165 Bewertungen.

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Veröffentlicht am 10. Mär 2016 um 15:33 Uhr von Volker Hintze
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