Disney Prinzessin Pocahontas
Mutig und frei wie Pocahontas: Die Rolle der Disney Prinzessin hat sich über die Jahrzehnte sehr verändert. | Foto: © Disney
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25. Jul 2019

Elena Weber

Abibuzz - Funstuff

Disney Prinzessin: Rollenbild im Wandel

Verkörpert die Disney-Prinzessin ein falsches Frauenbild?

1937 flimmerte der erste abendfüllende Disney-Film über die Kinoleinwand. Dieser legte nicht nur den Grundstein für viele weitere Zeichentrickfilme aus dem Hause des Entertainment-Giganten, sondern schuf auch eine Rolle im Disney-Universum, ohne die Disney nicht Disney wäre: Die Disney Prinzessin. Denn die Protagonistin in Disney's erstem Kinofilm ist Schneewittchen. Inzwischen singt die schwarzhaarige Schönheit sich längst nicht mehr allein durch Disney‘s bunte Märchenwelt, sondern hat in den vergangenen acht Jahrzehnten viele Freundinnen gefunden, die nicht nur kleine Mädchen zum Träumen bringen.

Doch gerade an der beliebten Prinzessinnen-Clique – inzwischen mindestens ein ebenso großes Aushängeschild des Konzerns wie Mickey Maus himself – scheiden sich die Geister. Während die einen sich vom Gesang der trällernden Grazien bereitwillig ins zuckrige Märchenreich entführen lassen und den eigenen rosa Mädchenträumen nachhängen, sind sie für andere als personifizierter Sexismus die eigentlichen Bösewichte, die es zu bekämpfen gilt. Geschlechterstereotype, überholte Beziehungsmodelle und Whitewashing sind häufige Kritikpunkte, denen sich die Hoheiten ausgesetzt sehen. Wir haben uns die Disney Prinzessinnen mal genauer angesehen und zeigen dir, wie sich das Frauenbild im Laufe der Zeit auch im glitzernden Disney-Universum verändert hat.

Die ersten Disney Prinzessinnen: Warten auf den Prinzen

Vor allem die Prinzessinnen der ersten Generation werden von Kritikern gern als Paradebeispiel für ein falsches Frauenbild herangezogen. Logisch, denn das Frauenbild der 30er bis 50er Jahre entspricht nun mal nicht mehr dem heutigen Zeitgeist. Folglich scheint auch die Darstellung der ersten Disney Prinzessinnen überholt. Tatsächlich aber sind sie ein Echo ihrer Zeit und müssen im Kontext der damaligen Norm- und Wertevorstellungen betrachtet werden.


Disney Prinzessin Schneewittchen mit Tieren im Wald


Schneewittchen: Putzen, putzen

Schneewittchen, die als erste Disneyfigur den Titel Disney Princess tragen durfte, verkörpert das weibliche Ideal der 30er Jahre, wo die Geschlechterrollen klar verteilt waren: Der Mann brachte das Geld nach Hause und die Frau kümmerte sich um den Haushalt. Und das tut Schneewittchen hingebungsvoll (obwohl sie doch eigentlich eine Prinzessin ist). Den ganzen Film über ist sie mit nicht viel mehr beschäftigt als zu putzen – und das natürlich mit Anmut und Leichtigkeit. Und hat sie erst alles sauber gemacht, wird sie am Ende von ihrem namenlosen Prinzen errettet, denn natürlich ist es der Mann, der sie erlöst. Unser Schneewittchen hat es immer gewusst: "Kommt erst mein Prinz zu mir, wird alles gut."

Cinderella und Aurora: Erlösungsbedürftige Heimchen

Ähnlich wie Schneewittchen ist auch Cinderella, die ihr 1950 auf die Leinwand folgte, zum entbehrungsreichen Leben einer Dienstmagd verdammt. Doch hier ist bereits eine erste Entwicklung zu erkennen: Anders als ihre dreizehn Jahre ältere Leidensgenossin ist Cinderella offensichtlich genervt von ihrer bösen Stiefmutter und deren gehässigen Töchtern. Denn auch wenn Frauen in den 50er Jahren nach gängiger Meinung an den Herd gehörten, war das für viele von ihnen lediglich eine oft ziemlich langweilige Verpflichtung und keineswegs die Erfüllung eines Lebenstraums. Erlösungsbedürftig ist das hart schuftende Aschenputtel dennoch – und natürlich findet sie ihren Prinzen. Während die 50er-Jahre-Cinderella damit dem Rollenbild ihrer Zeit gerecht wird, ist es ihr vermeintlich modernes Pendant aus der Realverfilmung von 2015, das ein absolut unzeitgemäßes Frauenbild verkörpert. Denn Ella kuscht wie ein scheues Mäuschen vor ihrer bösen Stiefmutter und fügt sich widerstandslos in ihr Schicksal. Dass das in einem Märchenfilm auch anders geht, hat uns Aschenbrödel schon 1973 bewiesen.


Disney Prinzessin Cinderella und Fee


Auch Aurora ("Dornröschen", 1959) ist durch den Neid einer bösen Hexe zu einem wenig prinzessinnenhaften Dasein verdammt und vertreibt sich ihre Zeit mit putzen, Beeren sammeln und singen, ehe auch sie von ihrem Prinzen, der ganz stilecht auf einem weißen Pferd daherkommt, erlöst wird. Die Prinzessinnen der ersten Generation eint damit vor allem ihre Erlösungsbedürftigkeit. Hausarbeit ist die einzige Aufgabe, die sie zu erfüllen haben. Als Belohnung dafür wartet der Traumprinz. Das Leben kann so einfach sein.

Die Disney Prinzessinnen der 90er: Rebellische Kämpferinnen

Bis zur nächsten Disney Prinzessin vergingen ganze drei Jahrzehnte. Diese ist, einhergehend mit der geforderten Gleichstellung von Frau und Mann im Zuge der Frauenbewegung Ende der 60er bis in die 90er Jahre hinein, deutlich selbstbestimmter. Und auch ihre Nachfolgerinnen zeichnen sich durch Mut und Eigensinn aus.

Arielle, Belle und Jasmin: Eigensinnige Rebellinnen

Arielle, die kleine Meerjungfrau (1989), schwänzt nicht nur ihre Gesangstunden, sondern gleich ein ganzes Konzert, um ihren eigenen Wünschen und Sehnsüchten zu folgen. Gleichzeitig fühlt sie sich fehl am Platz und ist auf der Suche nach ihrem eigenen Ich. Dabei lehnt sie sich nicht nur gegen ihren Vater auf, sondern opfert für die Erfüllung ihrer Träume sogar ihr wertvollstes Kapital: ihre Stimme. Auch wenn das aus der Liebe zu einem Mann heraus geschieht, geht es in dem Film vor allem um den Wunsch, herauszufinden, wer man ist und die eigenen Ziele zu verfolgen.


Disney Prinzessin Arielle


Auch Belle aus "Die Schöne und das Biest" (1991) fühlt sich ihrer Heimat nicht zugehörig. Wie die kleine Meerjungfrau weigert sie sich, sich ihrem Umfeld anzupassen und sich so zu verhalten, wie andere es von ihr erwarten. Ihren Mut beweist sie, als sie für ihren Vater ihre Freiheit aufgibt. Auch als Gefangene im verwunschenen Schloss setzt sie sich über Regeln hinweg und bietet dem Biest Paroli. Mehr noch: Sie erkennt das Gute in ihm und ist die erste Disney Prinzessin, die einen Mann von seinem Fluch befreit.

Nicht weniger rebellisch ist Prinzessin Jasmin ("Aladdin", 1992). "Was fällt euch dreien ein hier herumzustehen und über meine Zukunft zu entscheiden? Ich bin doch kein Preis, den man einfach gewinnen kann!", fährt sie die drei mächtigen Männer des Films an: ihren Vater den Sultan, den Großwesir Dschafar und den als Prinz verkleideten Aladdin. Wie Arielle und Belle sehnt Jasmin sich nach einem freien, selbstbestimmten Leben und weigert sich, das Gesetz zu erfüllen und zu heiraten.

Natürlich bekommt am Ende jede dieser Prinzessinnen ihren Prinzen. Doch sie fügen sich nicht in die ihnen zugedachten Rollen und rebellieren gegen Fremdbestimmung. Letztlich sind es zwar die Männer, die ihnen geben, was sie wollen – wie sie leben wollen, wählen sie jedoch selbst.

Pocahontas und Mulan: Unabhängige Kämpferinnen

Frauen genügte es jedoch nicht, die gleichen Rechte zu haben wie Männer. Ihnen ging es auch darum zu beweisen, dass sie nicht auf Männer angewiesen sind. Entsprechend frei (und mit Haaren zum neidisch werden) läuft Indianerprinzessin Pocahontas (1995) dahin, wohin Wind und Wasser sie führen. Sie lehnt den starken, sie beschützenden Mann, den ihr Vater als ihren Gatten ausgewählt hat, ab und rettet am Ende nicht nur ihre Liebe, sondern auch ihr Volk. Was dann folgt, ist kein "Und wenn sie nicht gestorben sind…" Denn – Achtung Spoiler! – Pocahontas und John Smith werden kein Paar. Die Liebe zu ihrer Heimat und ihrer Freiheit ist zu stark, um sie für einen Mann aufzugeben.


Disney Prinzessin Mulan mit Schwert


Nach der Indianerin Pocahontas und der Zigeunerin Esmeralda (zu ihr später mehr) nimmt Disney uns 1998 mit ins Alte China, wo die Geschichte von Mulan angesiedelt ist. Die steht vor einem altbekannten Prinzessinnenproblem: Sie soll heiraten. Doch nicht nur, dass sie nicht will: Der Besuch bei der Heiratsvermittlerin geht schief und lässt Mulan fragen, wer sie eigentlich ist und wo ihr Platz in der Welt ist. Diesen findet sie, als sie sich als Mann verkleidet, um ihrem Vater das Leben zu retten. Sie zeichnet sich durch den eisernen Willen aus, besser zu sein als ein Mann, ohne dabei Männerstereotype (z.B. in der Nase bohren oder sich prügeln) zu erfüllen.

Die Prinzessinnen der 90er Jahre sind wohl auch deshalb so beliebt, weil sie stark und eigensinnig sind, kämpfen können und ihre Prinzen (oder eben auch mal ein riesiges Reich wie China) retten. Überhaupt verlieren die Männerrollen in den Disney-Filmen der 90er zunehmend an Bedeutung und tragen immer weniger zum Verlauf der Handlung bei.

Die neue Generation: Vielschichtige Frauenpower

Der braven Hausfrau und der unabhängigen Kämpferin folgen die komplexen Powerfrauen der Nullerjahre. Sie sind ebenso vielschichtig wie die Möglichkeiten, die sich ihnen im 21. Jahrhundert bieten. Tiana ("Küss den Frosch", 2009) wartet nicht auf den Märchenprinzen, sondern arbeitet selbst an der Erfüllung ihres großen Traumes, liebt aber auch ihre Familie über alles und kann ausgezeichnet kochen.

Auch Rapunzel (2010) kann nicht auf ein eindimensionales Stereotyp reduziert werden. Sie ist kreativ, impulsiv, eigenständig und unerschütterlich darin durchzusetzen, was sie will. Rapunzel kann sich gegen Einbrecher wehren, harte Kerle um den Finger wickeln und sich selbst von ihren Fesseln, in diesem Fall ihrer Mutter, befreien. Und die ungestüme Merida (2012) ist entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen und widersetzt sich trotzig gegen uralte, heilige Regeln.

Elsa: Die erste lesbische Disney Prinzessin?

Den größten Hype unter den 2000er Disney-Filmen hat "Frozen" (2013) ausgelöst. Der Film über die Eiskönigin wartet gleich mit zwei Prinzessinnen auf: Anna, die jüngere der Schwestern, erfüllt das Klischee der verträumten, auf ihren Prinzen wartenden Prinzessin und muss lernen, dass das Leben eben doch nicht so einfach ist, wie sie sich das vorstellt. Elsa wiederum, die jahrelang ihre magischen Kräfte unterdrücken und sich verstecken muss, kommt ganz ohne Mann aus. Um die Liebe geht es in dem Film dennoch, allerdings nicht in altbekannter Form. In "Frozen" steht die Schwesternliebe im Fokus.



Wenn Ende dieses Jahres die Fortsetzung "Frozen 2" in die Kinos kommt, könnte Disney einen ganz neuen Weg einschlagen, zumindest, wenn es nach vielen Fans geht. Denn seit klar ist, dass es eine Fortsetzung des Erfolghits geben wird, machen sich unter dem Hashtag #giveelsaagirlfriend immer mehr Menschen dafür stark, dass die beliebte Prinzessin lesbisch sein soll. Anspielungen lassen sich schon im ersten Teil finden: Der Titelsong "Let it go" soll nicht allein auf Elsas magische Kräfte, sondern auch auf ihre unterdrückte Homosexualität hinweisen und kann als Coming-out gedeutet werden. Inzwischen verdichten sich die Gerüchte, dass Disney den Wünschen der Fans folgen und mit Elsa tatsächlich die erste lesbische Disney Prinzessin schaffen könnte. Bereits im ersten Teil gibt es eine kurze Szene, in der die Familie das Gastwirtes Oaken zu sehen ist. Sie besteht aus einem Mann und einigen Kindern. Während es in der deutschen Synchronfassung hier lediglich "Grüzi, hallo zusammen" heißt, sagt Oaken im Original "Hello family." Einen ersten, wenn auch sehr klischeehaften Versuch, Homosexualität in Disneyfilmen weniger subtil zu etablieren, hat es in der Realverfilmung von "Die Schöne und das Biest" (2017) gegeben. Man darf gespannt sein, ob Disney sich wirklich traut, Elsas Popularität für ein klares Statement zu nutzen und damit auch die Weiterentwicklung des Frauenbildes voranzutreiben.

Die vergessenen Disney Prinzessinnen

"Das sind aber noch nicht alle" wirst du als Disney-Kenner jetzt sagen. Was ist mit Megara ("Herkules", 1997), Giselle ("Verwünscht", 2007), Eilonwy ("Taran und der Zauberkessel", 1985), Kidagakash Nedakh ("Atlantis", 2001) oder Vaiana (2016), die sogar komplett ohne Liebesgeschichte auskommt? Alle Prinzessinnen, keine Frage. Aber den offiziellen Titel "Disney Prinzessin" darf nicht jede tragen. Denn hinter dieser Bezeichnung steht ein riesiges Marketing-Franchise, in das nur jene Prinzessinnen aufgenommen werden, die folgende Kriterien erfüllen:

  • Sie spielen die Hauptrolle in einem Disney-Film.
  • Sie sind menschlich (weswegen zum Beispiel Nala aus der "König der Löwen" von 1994 und Maid Marian aus "Robin Hood" von 1973 keine Rolle im Prinzessinnen-Universum spielen).
  • Sie sind royaler Herkunft oder heiraten royal.

Unabhängig davon müssen sie aber vor allem in die so genannte "Prinzessin-Mythologie" passen. Mulan ist ein Beispiel für dieses Konzept: Sie ist keine Adelige, vollbringt aber einen Akt des Heldentums. Tinkerbell ("Peter Pan, 1953") und Esmeralda ("Der Glöckner von Notre Dame", 1996) wurden einst aus dem gleichen Prinzip in den Prinzessinnen-Olymp aufgenommen, dann aber als nicht geeignet empfunden und aus der Princess Line verbannt. Tinkerbell hat inzwischen (genau wie Anna und Elsa) ihr eigenes Franchise, Esmeralda, sicherlich eine der stärksten Frauenrollen bei Disney, ist zusammen mit Megara und Co. in Vergessenheit geraten.

Disney Prinzessin: Neuzugang erwartet

In diesem Jahr gibt es übrigens einen Neuzugang im Team Disney-Prinzessin: Yesss, Chef-Algorithmus aus "Chaos im Netz", dem zweiten Teil von "Ralph reicht's" (2012). Sie ist nicht die einzige Prinzessin, die in der Fortsetzung zu sehen ist. Neben Prinzessin Vanallope von Schweetz treten erstmals sämtliche Prinzessinnen in einem Film auf – von Schneewittchen über Arielle und Mulan bis zu Elsa und Vaiana.



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Du weißt, wie Cinderellas böse Stiefschwestern heißen? Du kannst sofort sagen, in welchem Disney-Film die blaue Fee vorkommt? Und du weißt, welche Blume in Disney's "Die Schöne und das Biest" eine ganz besondere Bedeutung hat? Dann teste dein Prinzessinenwissen in unserem Experten-Quiz!

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