Interview Marc Benjamin Jella Haase
Startklar für den Roadrip: Jella & Marc (mit Emma Dragunova links) | Bernd Spauke/Warner Bros. Ent.

Filme

25.10.2017

Jella Haase

Chantal is back! Jella Haase im Interview über Schule, Literatur und "Fack ju Göhte 3"

Als prollige Chantal in den "Fack Ju Göhte"-Filmen wurde Jella Haase zum Star. Doch die 25-Jährige hat schon in anderen Rollen ihre Vielseitigkeit bewiesen. Um ihre Karri ... mehr »

Autorenbild

06. Mär 2018

Ann-Christin Kieter

Promis

Vielmachglas: Jella Haase und Marc Benjamin im Interview

Jella Haase: Auszeit mit Punkrockern

UNICUM: Jella, im Interview zu "Fack ju Göhte 3" hast du gesagt, dass du nicht zu ehrgeizig werden und dir lieber eine Reise mehr gönnen willst. Und jetzt interviewen wir dich schon wieder zu einem neuen Film …
Jella Haase: Stimmt, ich bin tatsächlich schlecht darin, mir Pausen zu gönnen. Aber ich war auch weg: zwei Wochen Kolumbien. Ich habe eine Punkrock-Band begleitet, deren Sängerin quasi meine zweite Mama, meine zweite Seele ist. Die sind dort Superstars – ohne es zu wissen. Das ist völlig krass! Die Leute sind ausgeflippt, haben geweint. In den 1980ern haben die Kolumbianer aus solcher Musik die Kraft gezogen, Widerstand gegen Pablo Escobar zu leisten.

Und in deinem persönlichen Vielmachglas steckt jetzt ein Zettel: "Mit einem Haufen Punkrocker durch Kolumbien getourt".
Ja, das war wirklich ein sehr großes Abenteuer. Ich habe mich so frei gefühlt wie noch nie.


Was ist ein Vielmachglas?

Jella Haases etwas motivationslose Figur, die Anfang-20-jährige Marleen, bekommt von ihrem abenteuerlustigen Bruder Erik (Matthias Schweighöfer – mit Dreadlocks, siehe Plakat unten!) ein Einmachglas geschenkt, in das sie immer dann einen Zettel hineintun soll, wenn sie in einer Situation mutig war und Ja gesagt hat. Auf einem Selbstfindungstrip in die Antarktis – mit gerade einmal acht Euro in der Reisekasse – füllt sich dieses Glas ganz automatisch. Auch mithilfe des smarten Hobbyfotografen Ben (Marc Benjamin), der crazy YouTuberin Zoë (Emma Dragunova) und einer störrischen Ziege.


"Dank Instagram vergisst man schnell mal, selbst was zu machen! – Marc Benjamin

Marc, was würden wir in deinem Glas finden?
Marc Benjamin: Das wäre ein ganz großes Glas. Nicht nur mit Highlights drin wie "Ich hab eine Ziege gerettet", sondern mit vielen kleinen Dingen, die sich addieren. Ich bin ein wahnsinnig ängstlicher Mensch. Aber ein noch viel mutigerer. Das heißt, ich bin nonstop gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Ein langweiliger, plumper Beispiel-Zettel: "Ich bin vor zwei Monaten einfach nach Berlin gezogen." Oder: "Ich hab mit Jella nochmal einen Film gedreht." Das war auch ein Risiko (lacht). 

Inwiefern ein Risiko?
Jella: Das würde mich jetzt aber auch interessieren …

Marc: Nein, nein, das war wirklich die einzige Entscheidung, bei der es keinerlei Nachteile gab.

Gut aus der Affäre gezogen. Wie bekannt kommt euch das Thema Orientierungslosigkeit der Generation Y vor, um das es in "Vielmachglas" ebenfalls geht?
Jella: Persönlich nicht so, weil ich relativ früh diesen Spieltrieb in mir hatte, dem ich nachgegangen bin. Aber ich habe viele Leute in meinem Freundeskreis, die anhand der Masse an Möglichkeiten überfordert sind. Jeder will individuelle Spuren hinterlassen und Künstler sein. Deswegen herrscht so ein Druck der Selbstverwirklichung. Manche machen gar nichts, weil sie sich nicht trauen. Und nicht sehen, dass sich, wenn sich eine Tür schließt, irgendwo anders eine Tür öffnet.

Marc: Ich wusste auch immer schon, was ich beruflich machen will, und zum Glück füllt das auch einen Großteil meines Lebens aus. Aber dank Instagram und Co. sehe ich immer nur, was die anderen machen, und dabei vergisst man schnell mal, selber was zu machen. Die Gefahr ist mir nicht ganz fremd.



"Man braucht Menschen, die ein Spiegel für einen selbst sind" – Jella Haase

Hat euch mal jemand davon abgeraten, Schauspieler zu werden?
Jella: Nee, bei mir nicht.

Marc: Bei dir nicht? Na ja, aber ich hab auch nicht eine künstlerische Ader in der Familie.

Jella: Ich auch nicht. Meine Mama ist Zahnärztin, und … na ja, mein Papa ist Künstler. Aber trotzdem bin ich da so reingesprungen. Vielleicht habe ich gar nicht bemerkt, wenn die Leute mich belächelt haben, weil ich von Anfang an so überzeugt war.

Marc: Ich habe es schon bemerkt. Aber dadurch umso mehr genossen, als es peu à peu immer mehr wurde.

Wie viel sollte man auf andere hören, wenn es um Entscheidungen fürs eigene Leben geht?
Marc: Zuhören immer!

Jella: Das ist das Schöne an Marcs Figur Ben: Er ermöglicht der Marleen einen Blick auf sich selber. Es ist wichtig, dass man Menschen hat, die ein Spiegel sein können und einem einen Blick auf sich selber zeigen, der sonst verschlossen bleibt. Letztendlich darf man sich aber nicht beirren lassen. 

Marc: Genau, Ben gibt Marleen keine Richtung vor. Wenn du auf Leute hörst, die sagen: "Nee, mach das nicht, mach lieber das" – das kann kein guter Ratschlag sein. Man kann die richtigen Fragen stellen. Antworten muss sich die Person selber geben.


Woher du die beiden kennst

Jella HaaseMarc Benjamin
 
 

Die Berlinerin Jella Haase natürlich vor allem als Chantal aus den drei "Fack ju Göhte"-Teilen. Aber auch aus verschiedenen TV-Krimis und dem Drama "4 Könige".

Den Schweizer Marc Benjamin (sein Nachname ist eigentlich Stähelin) hauptsächlich aus dem Cro-Film "Unsere Zeit ist jetzt" oder aus der Komödie "High Society".

 

Jella ist die Meisterin des Powernaps

Im Presseheft zum Film habe ich interessante Sachen über euch gelesen. Jella, über dich hat der Drehbuchautor gesagt: "Was sie mit ihrem Gesicht machen kann, ist unfassbar!"
Jella: Soll ich euch mal sagen, was ich total krass finde? Manchmal, wenn ich Interviews direkt vor der Kamera gebe, weiß ich nicht, was ich mit meinem Gesicht machen soll. Zum Beispiel, wenn mir jemand was Trauriges erzählt. Dann denke ich in dem Moment richtig darüber nach. Aber danke, Finn, für dieses Kompliment!

Und dann steht da noch, dass du die Meisterin des Powernaps bist.
Jella: Ich musste jeden Tag um 5 Uhr aufstehen, dann kann man auch mal in der Pause spontan schlafen – so what? Momentan klappt das nicht so gut, weil mir immer kurz vorm Einschlafen noch irgendein Gedanke kommt. Das frühe Aufstehen hat schon zu Schulzeiten nicht in meinen Rhythmus gepasst. Es gibt nun mal die Lerchen und die Eulen. Ich bin definitiv keine "Lerchin".

Marc: (gibt ihr ein High five): Yeah, von Eule zu "Eulin".


Jella Haase Vielmachglas


Die Ziege ist ein ganz schönes Anarchie-Tier

Jetzt willst du bestimmt wissen, was bei dir steht, oder Marc? Eigentlich nur, dass du zu hübsch für deine Rolle warst …
Marc: Was? Ach, das ist nervig!

Jella: Och man, das reduziert einen schon wieder so. Mir wurde eine Rolle, die ich echt gerne haben wollte, mal mit der Begründung nicht gegeben: Du bist zu sexy! So eine Kritik kann ich überhaupt nicht ernst nehmen. Dass Marc gut aussieht, ist doch toll. Viel wichtiger ist doch, dass er spielen kann. Und das kann er.

Marc: Danke schön.

So eine Harmonie hier! War das beim Dreh auch immer so? Oder ist mal was schiefgegangen?
Marc: Wenn was schiefgegangen ist, dann ist es harmonisch schiefgegangen. Es gab nie unnötige Diskussionen oder Streits.

Jella: Bei mir höchstens mit der Ziege. Die sieht im Film lieb und süß aus, aber hat nie das gemacht, was sie sollte. So ein Anarchie-Tier!


Vielmachglas PlakatUNICUM Filmtipp

Vielmachglas

Drama, Komödie, Deutschland 2017

Regie: Florian Ross

Darsteller u.a.: Jella Haase, Marc Benjamin, Emma Dragunova, Matthias Schweighöfer

Verleih: Warner Bros. Ent.

Kinostart: 8. März 2018

 

 

Artikel-Bewertung:

3.32 von 5 Sternen bei 25 Bewertungen.

Deine Meinung: