Buch rezension Wolf Road
Nach einer schockierenden Entdeckung muss Elka ums Überleben kämpfen | Foto: Arctis Verlag
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07. Aug 2017

Hannah Essing

Bücher

Wolf Road – Die Angst ist immer einen Schritt voraus

Weit weg von Zuhause

Elka ist noch ein Kind, als ihre Eltern sie verlassen, um nach Gold zu schürfen. Von da an wächst sie bei ihrer Oma auf, bis sie diese nach einem Sturm nicht wiederkehrt. Die siebenjährige Elka macht sich auf die Suche, aber vergeblich. Bis sie im Wald einen Trapper trifft, der sie bei sich aufnimmt und ihr verspricht, ihre Oma zu finden. Doch vergeblich, "Trapper" – wie Elka ihn von nun an nennt – bringt ihr die schlechte Nachricht, dass ihre Oma den Sturm nicht überlebt hat.

Wenn sie ihm in der Hütte hilft, so lautet die Abmachung, darf sie jedoch bei ihm bleiben. So entwickelt sich zwischen den beiden eine Vater-Tochter-Beziehung und Elka lernt von Trapper, wie man Tiere jagt und in der Wildnis überlebt. Zehn Jahre leben sie isoliert im Wald, bis Elka eines Tages in die nahe gelegene Stadt reist und ein schreckliches Geheimnis lüftet. Ein Fahndungsplakat sucht nach einem Serienkiller – und er sieht genauso aus wie Trapper.

Aus Angst, sein nächstes Opfer zu werden, und weil Gesetzeshüterin Magistrat Lyon sie für eine Mittäterin hält, beschließt Elka, dass sie keine andere Wahl hat, als zum ersten Mal auf eigenen Beinen zu stehen. Alleine macht sie sich auf den Weg, um ihre Eltern zu suchen, Trapper und Lyon dicht auf ihren Fersen.

Road Trip durch den Wilden Westen

"Wolf Road" spielt in den Wäldern der nördlichen USA. Besonders ist jedoch, dass es in der nahen Zukunft spielt, wenn die gesamte Zivilisation durch eine riesige, nicht weiter benannte Katastrophe – von Elkas Oma nur “Riesendummheit“ genannt – ausgelöscht ist. Kein Internet, keine Infrastruktur, keine Elektrizität, jeder auf sich allein gestellt. Damit bietet "Wolf Road" eine spannende Dystopie, die jedoch nicht im Vordergrund steht.

Anders als bei Jugendbüchern wie "Hunger Games" oder "Divergent" geht es nicht darum, ein diktatorisches Regine zu stürzen, sondern um Einzelschicksale und wie diese Charaktere in einem dystopischen Ödland zurechtkommen.

Die Erzählung setzt am Ende der Handlung ein, somit ist dem Leser bis zu einem gewissen Grad schon klar, was passieren wird – nur nicht, wie Elka in diese Situation gekommen ist. Bei dem Sprung zurück ist es noch schwer vorstellbar, wie alles so eskalieren kann. Elka und Trapper sind ein gutes Team und die Feindseligkeit, die später zwischen ihnen herrscht, ist anfangs nicht zu spüren.

Bereits auf den ersten Seiten zu verraten, was passieren wird, ist ein riskanter Schachzug, aber Beth Lewis schafft es, den Leser trotzdem mit angehaltenem Atem darauf warten zu lassen, wie die Handlung sich entfaltet.

Das Buch vermittelt das Gefühl eines langen Road-Trips – inklusive Survival-Training –, wenn Elka sich auf die Suche nach ihren Eltern durch einsame Wälder, Schneemassen und abgelegene Orte schlägt. In der postapokalyptischen Welt ist jeder auf sich allein gestellt ist, muss das junge Mädchen um ihr Überleben kämpfen. Als Leser wird man mitgenommen auf ihr Abenteuer und fühlt sich, als wäre man gleich daneben, wenn Elka durch den Schnee stapft oder ihr gejagtes Wild für eine Mahlzeit vorbereitet.

Fazit zu "Wolf Road"

Ein Road Trip mit Wild-West-Feeling und einer Portion Bear Grylls, vor einem postapokalyptischen Hintergrund – "Wolf Road" ist so eine interessante Mischung, dass es schwer ist, das Buch auf ein Genre festzulegen. Klar ist, dass Elka nicht nur eine spannende Protagonistin ist und Beth Lewis auch schwierige Themen wie Traumata und Soziopathen nicht auslässt. Auch wenn es ein paar Kapitel braucht, um sich mit Elka als Charakter anzufreunden – ist das erstmal geschehen, möchte man gar nicht mehr, dass das Buch endet.

Und nicht nur das, "Wolf Road" hat gleich drei starke weibliche Charaktere, die einen in die erbarmungslose Welt nach der Apokalypse mitnehmen. Nicht nur Elka ist daher interessant, sondern auch ihre Freundschaft zu einem anderen Mädchen und wie sie ihre Angst davor, anderen zu vertrauen, überwinden können.

Anfangs ist die Erzählperspektive gewöhnungsbedürftig. Elka ist nie zur Schule gegangen und versteht sich zwar aufs Überleben, weniger aber auf eloquente Ausdrucksweisen. Zudem ist sie zwischendurch so naiv, dass man sie als Leser am liebsten anschreien würde. Hat man sich aber an das Tempo und die Ausdrucksweisen gewöhnt, ist "Wolf Road" auf jeden Fall lesenswert. Und lässt darauf hoffen, dass Beth Lewis nach ihrem Debütroman fleißig weiterschreibt.


UNICUM Buch-Tipp

Wolf Road – Die Angst ist immer einen Schritt voraus

Beth Lewis

Arctis Verlag

Erschienen am 04. August 2017

Preis: 22 Euro (gebundenes Buch)

Online bestellen (Amazon): Wolf Road

Artikel-Bewertung:

4 von 5 Sternen bei 1 Bewertungen.

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