Schlecky Silberstein-Blogger Christian Brandes
Schlecky Silberstein-Blogger Christian Brandes | Foto: Privat
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02. Okt 2015

Merel Neuheuser

Apps & Internet

Von Beruf Blogger: Schlecky Silberstein im Interview

Christian Brandes ist einer der erfolgreichsten Blogger Deutschlands

Bloggen zwischen Wahnsinn und Kunst

UNICUM: Ist dein Antrieb die Leidenschaft fürs Internet oder das Entsetzen darüber?
Christian Brandes: Es ist eine Leidenschaft für Blödsinn und Bullshit, der teilweise keinen informativen Mehrwert hat.  

Wäre Schlecky Silberstein ein Kuchendiagramm, aus welchen Stücken würde es bestehen?
50 Prozent ist wahllos gewählter Wahnsinn, etwa 20 Prozent Grotesken, die sich durch die Politik ziehen, und 30 Prozent nenne ich Kunst. Ganz subjektive Kunst. Für mich kann aber auch ein wunderschönes und mit Musik unterlegtes Faultiervideo einen künstlerischen Wert haben.

Ist ein Money Boy dann auch Kunst?
Für mein persönliches Kunstverständnis macht auch ein Money Boy Kunst. Ich würde aber auch jedem zugestehen, zu sagen, dass das einfach nur Quatsch ist.

"Seitdem wir eine Playstation haben, arbeiten wir nicht mehr so viel"

In deiner Anschrift steht "Schillerstudios". Ist das eine Bürogemeinschaft kreativer Selbstständiger?
Genau. Da sind ein paar Blogger und Filmfritzen. Wir haben uns hier das Studio zusammen angemietet und überlegen, wie wir das, was wir individuell können, zusammenfließen lassen können. Momentan ist es aber eher ein freies Spinnerkollektiv. 

Wird man unter solchen Umständen wahnsinnig kreativ und fleißig oder lenken sich alle gegenseitig ab?
Beides. Seitdem wir eine Playstation haben, arbeiten wir nicht mehr so viel. Wir haben unser Büro früher "Zentrum des angewandten Wahnsinns" genannt, mittlerweile nur noch "Das Männerwohnheim". Aber wenn die Atmosphäre stimmt und viele Leute zusammensitzen, die sich den ganzen Tag mit verrückten Sachen auseinandersetzen, dann arbeitet man trotzdem besser und schneller.

Wie sehr nervt das Thema Urheberrecht?
Das ist Rock´n´Roll! Theoretisch könnte ich für jedes einzelne Bild abgemahnt werden. Jeder, der ein Bild macht, müsste mir für die Verwendung eigentlich die Rechte einräumen. Deshalb empfehle ich jedem, der bloggt, eine Mediahaftpflichtversicherung!

Denkst du, "Blogger" ist eine Berufsbezeichnung?
Zumindest ist es mein Beruf. Ich bestreite meinen Lebensunterhalt nicht exklusiv davon, aber ich stecke Arbeit rein und bekomme Geld raus. Eigentlich kann man an alle Kriterien einen Haken machen. Also: Es ist ein Beruf. 


So sieht ein typischer Blog-Post auf "Schlecky Silberstein" aus

Schlecky Silberstein Blog


Kann man vom Bloggen leben?

Und wie kommt man in einen Beruf, den es vorher noch nicht wirklich gab?
Damals in der Schule wurde mir angst und bange, dass aus mir nichts wird. Es hieß immer: Mit irgendwas von dem, was wir hier besprechen, werdet ihr mal beruflich konfrontiert werden. Davon hat mir aber nichts Spaß gemacht. Das hat die Digitalisierung gebracht: Dass Leute, die Quatsch unterm Hut haben, das anderen auch beruflich zugänglich machen können. Trotzdem habe ich erst einmal ein BWL-Studium begonnen, was die schlimmste Zeit meines Lebens war. Das habe ich abgebrochen und bin Werbetexter geworden. Die Kreativbranche ist schön, aber ich wollte etwas Eigenes haben und hatte immer schon Bock auf einen Blog.

Wird man reich mit einem Blog?
Nee, überhaupt nicht. Zu Beginn habe ich es als Hobby gesehen und gehofft, dass es sich nach Jahren auszahlt. Und dann kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem sich der Blog durch die Werbung lohnte. Ich werde häufig gefragt, ob ich empfehlen würde, vom Bloggen zu leben. Das kann ich nur mit der Einschränkung machen, dass man sich mindestens vier Jahre Zeit nehmen muss, wenn man aus dem Nichts startet, bis langsam etwas Sonne ins Portmonee kommt.

Sonne im Portmonee hängt auch damit zusammen, ob der Blog viel besucht wird. Setzen dich Blogcharts und Klicks unter Druck?
Den Fehler habe ich eine Zeitlang gemacht. Ich habe mir also abtrainiert, nach Zahlen zu schauen, und bin damit sehr zufrieden. Das Leben ist zu kurz, um in der U-Bahn zu checken, wie viele Leute meine Seite anschauen.  


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