Hitlers "Mein Kampf" als Schullektüre
So sieht der Einband der kritischen Ausgabe aus | Foto: Institut für Zeitgeschichte
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14. Mär 2016

Marie-Charlotte Maas

Zündstoff

Hitlers "Mein Kampf" im Unterricht?!

Pro und Kontra der Experten

Hitlers "Mein Kampf" in der Diskussion

Leonard Kühlewind:

Leonard Kühlewind | Foto: LandesSchülerRat Sachsen""Mein Kampf" sollte nur mit umfangreichem Hintergrundwissen, also bestenfalls in der Oberstufe, gelesen werden. Und auch da macht es nur Sinn sich auf die wenigen, halbwegs verständlichen Passagen zu beschränken und es als normale Quelle anzusehen. In jedem Fall muss man mit diesem Werk noch einmal die menschenverachtende Ideologie des NS-Regimes unterstreichen. Pädagogisch begleitet ist das sicherlich sinnvoller, als wenn einzelne Schüler sich selbstständig mit "Mein Kampf" auseinandersetzen."

- Vorstandsmitglied des LandesSchülerRat Sachsen


 Gideon Botsch:

Gideon Botsch | Foto: Universität Potsdam"Hitlers Buch "Mein Kampf" ist eine historische Quelle und kann in Auszügen im Unterricht verwendet werden, wenn dies aus Sicht der Lehrkraft sinnvoll ist und – vor allem – wenn die Lektüre didaktisch angemessen in den Unterrichtsrahmen eingebettet wird. Dabei müssen die Pädagoginnen und Pädagogen beachten, dass sie die stereotypen, rassistischen und oft außerordentlich herabwürdigen Motive, die in diesem Buch ständig zu finden sind, nicht unhinterfragt reproduzieren. Und sie müssen gewährleisten, dass Schülerinnen und Schüler, die den von Hitler geschmähten Minderheiten angehören, sich nicht verletzt oder beleidigt fühlen."

- Politikwissenschaftler, Universität Potsdam


Charlotte Knobloch:

Charlotte Knobloch | Foto: Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern"Ich stehe der Verwendung von "Mein Kampf" im Schul-Unterreicht skeptisch gegenüber. Insgesamt bleibt immer weniger Zeit, um sich fundiert mit dem Nationalsozialismus, dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg im Unterricht zu befassen. Da scheint es kaum sinnvoll, diese wenigen Stunden mit der Lektüre einer der widerlichsten antisemitischen Hetz- und Hassschriften zu verbringen. Dieses Buch war und bleibt gefährlich. Seine Inhalte sind ultra-nationalistisch und rassistisch und damit heute so aktuell und verführerisch wie eh und je. Ich mag mir nicht ausmalen, was geschieht, wenn der Pausengong ertönt, ehe die Zerlegung und Aufklärung über die menschenverachtenden Inhalte abgeschlossen ist."

- Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ehemals Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland


Johanna Wanka:

Johanna Wanka | Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung/ Steffen Kugler"Es wurde immer behauptet, ich hätte gesagt, das soll Schullektüre werden. Das stimmt nicht. Das würde dieses Machtwerk nur aufwerten. Deswegen soll keiner diese Edition als Schulstoff lesen oder sich damit befassen müssen. Aber ich finde es wichtig, dass Lehrer im Unterricht darauf eingehen und Fragen der Schüler dazu beantworten können. Natürlich ist die Befassung mit der Zeit des Nationalsozialismus Pflicht und da sollte man es nicht gänzlich ausklammern. Man kann zum Beispiel die Thesen, die immer behauptet werden, mit diesem Buch wunderbar entlarven."

- Bundesministerin für Bildung und Forschung


Infos zu "Mein Kampf"

  • Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übertrug die US-Militärregierung die Urheberrechte an der Schrift an den Freistaat Bayern, der die Zustimmung zu einem Neudruck stets verweigerte.
  • Im Januar 2016 veröffentlichte das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) eine fast 2.000 Seiten lange, zweibändige kommentierte Ausgabe für 59 Euro. Jedes einzelne Kapitel ist mit einer einordnenden Einleitung versehen, mehr als 3.500 Fußnoten begleiten den Text. Sechs Historiker sowie externe Berater arbeiteten an der Ausgabe. Bereits vor Erscheinen des Buches gab es 15.000 Vorbestellungen.
  • Nach seinem gescheiterten Putschversuch im November 1923 in München wurde Adolf Hitler in der Festung Landsberg inhaftiert. Dort begann er mit der Arbeit an "Mein Kampf", in dem er seine politischen Ansichten und Pläne niederschrieb. Sein fanatischer Antisemitismus zeigt sich in diesem Buch bereits sehr deutlich. Er beendete die Schrift nach seiner Freilassung.
  • Bis in den Herbst 1944 wurden rund zwölf Millionen Exemplare gedruckt. Während des Naziregimes bekamen Ehepaare zeitweise eine Ausgabe vom Staat zur Hochzeit geschenkt.

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