Jannike Stöhr
Jannike Stöhr bei vier von insgesamt 30 Jobs in einem Jahr | Fotos: Privat
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02. Mai 2016

Ann-Christin Kieter

Zündstoff

30 Jobs in 365 Tagen

Das etwas andere Selbstverwirklichungs-Experiment

Holpriger Start für die Selbstverwirklichung

 "Sei doch froh, dass du einen Job hast, andere würden sonst was dafür geben!", dies ist einer von den freundlicheren Kommentaren, die Jannike Stöhr auf "Spiegel Online" einstecken musste, wo sie über ihr außergewöhnliches Selbstverwirklichungsprojekt schrieb. Und tatsächlich klingt es so, als hätte die 29-Jährige ein echtes Luxusproblem. Die gelernte Bürokauffrau und Wiwi-Absolventin hatte einen verantwortungsvollen Job im Personalbereich, konnte sich viele Reisen, ein schickes Auto und eine Wohnung mit Garten leisten. Und trotzdem hatte sie das Gefühl, dass ihr etwas im Leben fehlt.

"Ich habe Ehrenämter übernommen, Sprachen gelernt, mich vegan ernährt, bin den Jakobsweg gepilgert, habe ein Dankbarkeitstagebuch geführt und konsum- und medienfreie Zeiten eingelegt", rattert Jannike alles runter, was sie im Freizeit-Bereich ausprobiert hat. Doch an ihrer grundsätzlichen Unzufriedenheit änderte es nichts. Sie musste noch einmal komplett von vorne anfangen.

Die Stellensuche war kein Problem

Also kündigte Jannike ihre Arbeit, zog wieder bei ihren Eltern ein und lebte ein ganzes Jahr lang nur von Ersparnissen. Aber nicht, um zu faulenzen. Die 29-Jährige testete für jeweils eine Woche 30 verschiedene Berufe – von Erzieherin über Freizeitparkbetreiberin bis hin zu Pastorin.

Probleme, an die Stellen zu kommen, hatte sie kaum: "Mein Kriterium, nach dem ich die Chefs ausgesucht habe, war, dass sie leidenschaftlich dabei sind. Und diese Leute sagen nicht, dass die Betreuung zu aufwändig wäre. Außerdem habe ich ja kein Geld verlangt." Nur zwei Jobs haben nicht geklappt: Polizistin und Mitarbeiterin bei der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Bei allen Jobs habe sie immer nahe am Kern mitgeholfen, mal mehr, mal weniger aktiv. "Eine große Hilfe war ich allerdings nicht", gibt die Job-Testerin zu.

30 Jobs: Die Highlights

  • Der schönste Job: Hebamme. Da war ich bei einer Geburt dabei. Was soll es Schöneres geben? Die ganzen Emotionen ... Wobei er für mich nicht infrage kommt.
  • Der körperlich anstrengendste Job: Bäuerin. Tischlerin war auch nicht ohne. Aber wie viel man als Bauer arbeitet, ist Wahnsinn. Vor allem bei dem geringen Verdienst. Ich war bei einem Bio-Gemüsebauern, der schläft seit 20 Jahren jede Nacht nur drei bis vier Stunden.
  • Der geistig anstrengendste Job: beim Start-up. Die waren noch in einer relativ frühen Phase und eine Unternehmensgründung ist so komplex. Mir wurden die Aufgaben dann in kleine Häppchen verpackt.
  • Abbrechen wollte ich: Verkäuferin im Klamottenladen. Da tat mir am ersten Tag vom vielen Stehen alles weh. Aber als ich dann zum ersten Mal Leute beraten und mein erstes Outfit verkauft habe, habe ich so langsam verstanden, was den Reiz ausmacht.
  • Die meisten Vorkenntnisse hatte ich als: Headhunter. Das ist sehr nah an meiner Branche.
  • Die wenigsten Vorkenntnisse hatte ich als: Pathologin.
  • Die größte Überwindung hat mich gekostet: Tier-Präparatorin. Da habe ich eine Amsel gehäutet.

Wie ging es mit Jannike weiter?

Nach dem Experiment machte Jannike ein Praktikum im EU-Parlament, bei dem Abgeordneten, bei dem sie schon in Job 29 war. Obwohl die Routine jeden Morgen eine Umgewöhnung gewesen sei, sagt sie: "Die Stabilität tut gut. Es ist schön, ein eigenes Zimmer zu haben und mal länger an einem Ort zu sein."

Langfristig kann sie sich vorstellen, "eine Art Journalistin zu werden": "Ich möchte gerne weiterhin Dinge kennenlernen und darüber schreiben." Deswegen hat sich Jannike nun an einer Journalistenschule beworben und baut sich etwas als Freelancer auf.


Buchcover Das Traumjob-Experiment | Foto: Eichborn VerlagUNICUM Buchtipp

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Veröffentlicht am 12. Mai 2016 um 15:53 Uhr von Brigitte Niedernhuber
tolle Bücher