Plastikpiraten
Die Plastikpiraten erforschen den Müll im Rhein bei Düsseldorf | Foto: UNICUM

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18. Nov 2016

Nathan Niedermeier

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Plastikpiraten: Wie viel Müll schwimmt in Deutschlands Flüssen?

Plastikpiraten: Wissenschaftliche Expeditionen an deutschen Gewässern

Es ist ein grauer Dienstag im November, es nieselt, der Wind weht und es ist kalt. Wir befinden uns am Ufer des wohl größten Flusses Deutschlands, dem Rhein bei Düsseldorf. Etwa 40 Schüler stehen fröstelnd am Wasser, einige von ihnen sind dick eingepackt und tragen Gummistiefel. Damit sind sie gut gerüstet für das Forschungsprojekt: Die "Plastikpiraten" des Kopernikus-Gymnasiums in Ratingen untersuchen die Kunststoffvorkommen im Wasser und am Ufer.

Unter dem Motto "Das Meer beginnt hier" gehen die Schüler der Frage nach, wie der Müll in die Ozeane gelangt – denn für Deutschland fehlt eine Karte, auf der dies abgebildet ist. Auch wie groß die Müllmenge ist, die im Meer landet, ist bislang nicht ausreichend erforscht. Fest steht nur: Der Plastikmüll hat verheerende Folgen für die marinen Ökosysteme – und damit auch für uns Menschen selbst. Vögel sterben, weil sie zu viel Plastik im Magen haben, und sogenanntes Mikroplastik gelangt über Meerestiere auf unsere Teller.

Die wissenschaftlichen Expeditionen der Schüler aus ganz Deutschland wollen die fehlenden Daten in deutschen Fließgewässern erheben. Zu diesem Zweck haben die Achtklässler aus Ratingen sechs Forscherteams mit unterscheidlichen Aufgaben gebildet.

Sechs Forscherteams erforschen den Rhein

Das erste Team untersucht den Rhein und das Ufer: Die Schüler stellen die Fließgeschwindigkeit fest, zeichnen die Vegetation und beschreiben drei typische Tiere und Pflanzen, die hier zu finden sind. Die zweite Gruppe sammelt auf einer Linie vom Fluss bis zur Uferböschung an drei Stellen, auf kreisförmigen Flächen, Müll und fotografiert die Fundstücke. In dieser Gruppe ist auch Davina: "Wir haben vor allem viel, was mit Essen zu tun hat, gefunden: Bonbonspapier, eine Wurstpackung, aber auch ein Staßenpöller waren dabei" erzählt die 13-Jährige.

Die Klassifizierung des Mülls sieht dann in etwa so aus:

Plastikpiraten Düsseldorf

Die dritte Forschergruppe untersucht eine größere Fläche: Sie schießt dabei ebenfalls Fotos und ordnet ein, ob es sich um eine geringe, mittlere oder hohe Verschmutzung handelt. Ein Mikroplastiksieb für eine Stunde ins Wasser zu hängen, um damit Mikroplastik, also ganz kleine Plastikteile, aus dem Wasser zu filtern, das ist Aufgabe des vierten Teams. Es beobachtet auch, ob Müll auf dem Fluss schwimmt.

Max und Tim sind in der fünften Gruppe, die sogenannte Reportergruppe, die alle Arbeiten dokumentiert. Die beiden Schüler haben gleich eine wichtige Beobachtung gemacht, die die Müllsituation am Rhein verbessern könnte: "Man sieht hier gar keine Mülltonne", beobachtet etwa der 13-jährige Max. "Wenn man hier eine aufstellen würde, wäre das vielleicht ein Anreiz, einfach mal fünf Meter dahinzugehen". Der 13-jährige Tim ergänzt: "Ich stecke meinen Müll immer in meine Hosentasche, denn oft gibt es ja keine Mülleimer wo man den reinstecken kann."

Währenddessen trägt eine der Schülergruppen im sandigen Uferbereich, auf kleinen Probeflächen, die Sandschicht etwa 2 cm tief ab und packt den Sand in Tüten, um ihn später auf Mikroplastik zu untersuchen.

Plastikpiraten Aktion

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Begleitet wurde die Aktion der Schüler der 8. Jahrgangsstufe unter anderem von Biologie- und Chemie-Lehrerin Heike Peter, der die Aktion sehr am Herzen liegt: "Es ist unglaublich, das Vögel verenden, weil sie so viel Plastikmüll im Magen haben". Das Thema wird sie nun auch im Unterricht aufbereiten. Im September gab es am Kopernikus-Gymnasium zudem eine Veranstaltung zum Thema "Reduce", wie Peter berichtet. "Reduce" – das bedeutet soviel wie: Ressourcenvermeidung und nachhaltige Nutzung von Ressourcen. Die Lehrerin hält es für gut und wichtig, sich praktisch mit solchen Themen auseinanderzusetzen, denn das sei "besser als immer nur Arbeitsblätter zu lesen“.

Ihr Besuch am Rhein ist eines der bundesweit aktuell über hundert Plastikpiraten-Projekte. Bis zum 4. Dezember haben Schulen Zeit, ihre Ergebnisse online hochzuladen. Die ersten Forschungsergebnisse sind bereits auf einer interaktiven Deutschlandkarte eingetragen und unter www.wissenschaftsjahr.de einzusehen. Die von den Schülern erhobenen Daten werden von der Kieler Forschungswerkstatt ausgewertet, im Anschluss wird eine wissenschaftliche Publikation dazu veröffentlicht.

  • Umfangreiche Infos zum Wissenschaftsjahr und den Plastikpiraten gibt es hier: www.wissenschfatsjahr.de
  • Hilfreiche Tipps zur Plastikmüllvermeidung findet ihr hier: www.nabu.de

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 25. Nov 2016 um 13:18 Uhr von KurokoBasket
Wer ist Sabina?
Veröffentlicht am 25. Nov 2016 um 13:20 Uhr von Karma
Tim ist 12?
Veröffentlicht am 02. Dez 2016 um 12:15 Uhr von Gut dass das geändert wurde!
YAY......Endlich!