Minderjährige Studenten Generalvollmacht
Minderjährige Studierende stehen an der Uni vor vielen Hürden | Foto: Thinkstock/ViktorCap
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27. Jul 2012

Janina Finkemeyer

News

Minderjährige Studenten sind eine Herausforderung für Hochschulen

-ARCHIV-

Generalvollmacht der Eltern soll das Leben leichter machen

Probleme für minderjährige Studienanfänger

Schon bei der Immatrikulation fängt das Problem mit der nicht vorhandenen Volljährigkeit an: Ohne die Zustimmung der Eltern ist eine Einschreibung nicht möglich. Weiter geht es bei der Beantragung einer Mensakarte, eines Bibliotheksausweises oder der Prüfungsanmeldung. Auch hier gilt: Nichts geht ohne die Eltern.

Ein selbstorganisiertes und unabhängiges Studium ist für unter 18-Jährige nicht möglich. Ein normales Studentenleben erst recht nicht. Während sich andere Kommilitonen abends nach der Vorlesung noch auf ein paar Drinks in der Kneipe treffen oder eine Uniparty besuchen, heißt es für die minderjährigen Studenten "ab ins Bett". Denn alle 16-18-Jährigen müssen bis 24 Uhr zuhause sein und dürfen außerdem keinen Alkohol trinken.

Probleme für die Hochschulen

Minderjährige sind laut Gesetz nur eingeschränkt geschäftsfähig und dürfen keine Verträge abschließen. Für alle Formalitäten muss die Hochschule die Unterschrift der gesetzlichen Vertreter verlangen. Auch das Jugendschutzgesetz darf nicht außer Acht gelassen werden. Der Umgang mit gefährlichen Stoffen in Laboren ist den Jugendlichen zum Beispiel nicht erlaubt, in einem Chemiestudium aber erforderlich.

 Die Benutzung der Hochschulcomputer stellt ein weiteres Problem dar. Die Hochschule muss gewährleisten, dass Minderjährige nicht auf pornografische Seiten zugreifen können. Bei Hochschulpartys dürfen die unter 18-Jährigen außerdem keinen Alkohol bekommen. 

Lösung: Generalvollmacht der Eltern

Um den Studenten das Leben an der Hochschule zu erleichtern und sich selbst von der Aufsichtspflicht zu befreien, führen viele Hochschulen eine Generalvollmacht der Eltern ein. Mithilfe der Vollmacht stehen die minderjährigen Studenten mit den Volljährigen auf einer Stufe und die Hochschule muss sich nicht speziell um sie kümmern. Die Fachhochschule Düsseldorf lässt sich zum Beispiel, vor Beginn des Studiums, von einem gesetzlichen Vertreter bestätigen, dass der minderjährige Studienanfänger "zwecks Bewerbung um einen Studienplatz und zwecks Aufnahme des Studiums an der Fachhochschule Düsseldorf zum Winter-/Sommersemester 20.. alle damit verbundenen Rechtsgeschäfte sowie rechtsgeschäftsähnlichen Handlungen, die im Zusammenhang mit einem ordnungsgemäßen Verlauf des Studiums und der Mitgliedschaft in der Fachhochschule stehen (z. B. Einschreibung, Zahlung der erforderlichen Gebühren und Beiträge, Umschreibung, Studiengangwechsel, Ausübung des Wahlrechts, Nutzung der Bibliothek und der jeweiligen Dienstleistungen, Nutzung des Internets, Teilnahme am Hochschulsport, Anmeldung zu Klausuren etc.), vornimmt und genehmige ggf. alle diesbezüglichen bereits vorgenommenen Rechtsgeschäfte oder rechtsgeschäftsähnlichen Handlungen."

(Quelle: Fachhochschule Düsseldorf

In Baden-Württemberg sind Generalvollmachten der Eltern nicht mehr notwendig. Durch eine Änderung des Landeshochschulgesetzes sind unter 18-jährige Studienanfänger in allen Belangen des Studiums voll rechtsfähig und dürfen selbstständig ein Hochschulstudium aufnehmen.

Außerhalb der Hochschule geht es nicht ohne die Eltern

Probleme, die sich für die Minderjährigen außerhalb der Universität ergeben, kann die Generalvollmacht nicht lösen. Bei dem Abschluss eines Mietvertrags für die erste eigene Wohnung oder ein Zimmer im Wohnheim ist die Unterschrift der Eltern unumgänglich. Auch bei der Studienfinanzierung sind Mami und Papi gefragt. Für unter 18-Jährige ist es viel schwieriger einen Nebenjob zu finden, der sich gut mit dem Studium vereinbaren lässt und trotzdem nicht mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz in Konflikt gerät. 

Bei der Vergabe von vergünstigten Studiendarlehen, welche die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) jährlich vergibt, gehen Minderjährige komplett leer aus. Einen BAföG-Antrag können aber über und unter 18-Jährige stellen. Der Aufwand ist für alle gleich, denn auch volljährige Antragsteller müssen eine Erklärung ihrer Eltern abgeben.

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