Digitalkompetenz
Keine Leerstelle in der Bewerbung: Digitalkompetenz ist ein Muss | Foto: Unsplash/Damian Zaleski
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13. Apr 2017

Marc Wiegand

Zukunftsweiser

Kannst du digital? Oder: Die Sache mit der Digitalkompetenz

"Daddeln ist nicht gleich Digitalkompetenz!"

UNCUM: Frau Seling, überall ist von Digitalisierung die Rede. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff eigentlich?
Dr. Irene Seling: Im Kern bedeutet es, dass Informationen digital übertragen und gespeichert werden. Aber Digitalisierung meint auch alle Möglichkeiten, die damit verbunden sind: näher, schneller und individueller am Kunden zu produzieren und Systeme so miteinander zu vernetzen, dass Maschinen automatisch miteinander kommunizieren. Maschine A registriert etwa, dass der Vorrat an wichtigen Bauteilen zu Ende geht, und meldet es an Maschine B. Diese holt dann automatisch die benötigten Bauteile aus dem Lager.

Und was versteht man dann unter Digitalkompetenz?
Allgemein formuliert: zum einen Informationen sammeln, bewerten und organisieren – zum anderen Informationen erzeugen, umwandeln, austauschen und sicher nutzen. Wenn man einzelne Branchen und Berufsfelder betrachtet, kann man es weiter konkretisieren. Grundsätzlich ist auch Medienkompetenz ein Bestandteil der digitalen Kompetenz. Ein mündiger Informationsbürger weiß, wie man mit seinen Daten im Netz umgeht. Er weiß, welche Bilder er in sozialen Netzwerken posten darf, und er kennt Themen wie Cybermobbing und Datenklau.

Ein souveräner Umgang mit iPad und Smartphone allein reicht also nicht aus?
Nein, daddeln ist nicht gleich Digitalkompetenz. Wer sich aber schon einmal mit einer gängigen Programmiersprache beschäftigt und grundlegende Mechanismen verstanden hat, ist auf einem guten Weg. Außerdem empfehle ich jungen Leuten, offen und neugierig zu sein und sich über aktuelle technische Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.

"Ohne diese Kompetenzen wird es extrem schwierig auf dem Arbeitsmarkt"

Das Schulfach Informatik stellt demnach eine gute Basis dar.
Dr. Irene SelingJa, dort werden durchaus viele wichtige Dinge vermittelt. Aber Digitalisierung ist eigentlich ein Querschnittsthema. In fast allen Fächern können digitale Medien zum Lernen eingesetzt werden und dabei lernt man auch, was hinter dieser Technik steckt. Wenn etwa in der Physik ein Smartphone auf dem Tisch liegt, kann der Lehrer daran erklären, was ein Halbleiter ist.

Blicken wir einmal auf die Berufswelt: Wie wichtig ist Digitalkompetenz aus Ihrer Sicht dort?
Ohne diese Kompetenzen wird es für junge Leute extrem schwierig auf dem Arbeitsmarkt. Das muss man in aller Deutlichkeit sagen. Dabei verlieren überfachliche Kompetenzen jenseits der Informatik und des jeweiligen Fachgebiets keineswegs an Bedeutung. Ich denke da etwa an Kommunikationsfähigkeit, Projektverantwortung und Kundenorientierung. Und mit dem letzten Punkt schlagen wir auch wieder eine Brücke zurück zur Digitalisierung. Denn die neuen Plattform-Geschäftsmodelle zeichnen sich durch ihre konsequente Kundenorientierung aus: Wenn sich Kundenwünsche ändern, wird dies umgehend umgesetzt. Dazu muss ich mich in den Kunden hineinversetzen können und wissen, wie er Angebote auf den mobilen Endgeräten serviert haben möchte. Das ist eine wichtige Fähigkeit, die Absolventen wie ausgebildete Fachkräfte mitbringen müssen.

"Alles, was digitalisiert werden kann, wird es auch"

Digitalkompetenz ist also für Auszubildende genauso bedeutsam wie für Studierende?
Ganz klar ja! Denn die Menschen auf den unterschiedlichen Qualifikationsebenen werden künftig viel stärker zusammenarbeiten und sich austauschen. Da müssen die Ingenieurin mit dem Techniker und die Elektrotechnikerin mit dem Meister diskutieren. Insbesondere in der Metall- und Elektroindustrie wird von den Auszubildenden eine große digitale Kompetenz erwartet.

In welchen Branchen ist Digitalkompetenz noch besonders wichtig?
Mir fällt dazu direkt der Handel ein. Es wird dort ja auch bald den neuen Ausbildungsberuf "Fachkaufmann für E-Commerce" geben. Der Online-Handel wächst rasant und die digitalen Prozesse müssen etabliert und gesteuert werden. Grundsätzlich glaube ich, dass alles, was digitalisiert werden kann, auch digitalisiert werden wird. Und das betrifft eigentlich alle Branchen. Die Anforderungen und Wünsche der Kunden haben sich fast überall grundlegend geändert und wer nicht darauf eingeht, wird große Probleme bekommen.


So wichtig ist Personalern die Digitalkompetenz

Roman Dykta, Head of HR Marketing & Recruiting bei Capgemini:

Roman Dykta

"Die Anforderungen sind gar nicht so anders wie vor einigen Jahren. Natürlich haben sich die fachlichen Aspekte geändert und weiterentwickelt. Aber die Kernelemente sind bis heute die gleichen: Spaß an der Arbeit, kontinuierlich weiterlernen und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen neue Projekte meistern zu wollen.

Was innerhalb der IT-Branchen immer benötigt wird, sind ein gutes Verständnis für komplexe Zusammenhänge und Prozesse sowie technische Neugier, der man immer offen begegnen sollte."

Nils Becker, Projektleiter Employer Branding bei VW:

Nils Becker

"Volkswagen entwickelt sich vom Automobilhersteller hin zu einem modernen globalen Mobilitätsunternehmen. Durch die Digitalisierung wird Arbeit bei Volkswagen so spannend und vielfältig wie nie zuvor. Wir treiben Technologien voran und schaffen neue Formen der Zusammenarbeit im Unternehmen.

Wer aufgeschlossen ist für Zukunftsthemen, hat die allerbesten Karten für die Zukunft und bei Volkswagen sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten."

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