Mathestudium
Diese Rechnung ist so falsch wie manche Mythen über das Mathestudium | Foto: Thinkstock/zsirosistvan

Studium

03.03.2017

Naturwissenschaften Studium Durchfallen

Keine Angst vor Naturwissenschaften!

Durchfallen im Studium? Nein, danke!

Jeder dritte Bachelor-Student bricht sein Studium ab. Die Übeltäter in diesem Statistik-Schlamassel heißen vor allem Mathe, Physik, Chemie und Bio. Doch wenn du schon in ... mehr »

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08. Jun 2017

Gastbeitrag

Studium

Diese 3 großen Irrtümer sollten dich nicht vom Mathestudium abhalten!

Mathestudium-Mythos 1: "Wer die Übungszettel nicht lösen kann, wird in der Klausur scheitern"

Als jemand, der zwar alle notwendigen Veranstaltungen im Mathe-Bachelor erfolgreich abgeschlossen hat, dabei aber selbst immer froh und zufrieden war, einfach irgendwie durchzukommen, kann ich dir gar nicht aufzählen, wie oft ich über obige Aussage den Kopf geschüttelt habe. Noch stärker als mit diesem Satz kann man einen Studienanfänger gar nicht zum Abbruch des Studiums treiben.

Fakt ist: Jeder Übungszettel enthält Aufgaben, deren Verständnis zum Bestehen der Klausur absolut nicht notwendig ist. Und sie werden in der Form auch nur mit extremst kleiner Wahrscheinlichkeit abgefragt werden, weil sie einfach viel zu aufwendig und zeitintensiv sind. Es geht mehr darum, die Genies ins Knobeln zu bringen.

Der Klassiker sieht demnach so aus, dass 4,0er-Studienanfänger zwanghaft versuchen, auch solche Aufgaben zu lösen, um dann verzweifelt festzustellen, dass es keinen Sinn ergibt. Da gerade viele Erstsemester nicht den Mut haben, einfach eine Pause einzulegen oder sich gar einzugestehen, dass einen diese Aufgaben nicht voranbringen, sitzt man stundenlang vor einem weißen Blatt Papier seine Zeit ab – mit der erfolglosen Zielsetzung, sein Gewissen zu beruhigen.

TippAnsgars Tipp

Du musst nicht jede Aufgabe lösen können! Das ist in meinen Augen eine ganz zentrale Erkenntnis. Es ist in der Tat sehr wichtig, zur Klausur in der Lage zu sein, möglichst viele der Übungszettel-Aufgaben lösen zu können. Es reicht aber aus, diese im Zuge der unmittelbaren Klausurvorbereitung innerhalb einer Lerngruppe zusammen durchzuarbeiten und sich von jemandem erklären zu lassen, der die Lösungen erstens verstanden hat und diese zweitens auch vermitteln kann.

Von daher: Solltest du eine Übungszettelaufgabe auf Anhieb eigenständig lösen können, dann freut mich das. Es ist aber wirklich kein Problem, falls du das nicht schaffst. Ich würde schätzen, dass ich persönlich bis zu Beginn der unmittelbaren Klausurvorbereitung (etwa vier bis sechs Wochen vor der Klausur) knapp 90 Prozent der Aufgaben nicht lösen konnte! Ich muss sogar zugeben, dass ich während des Semesters bestimmt bei einem Drittel der Aufgaben nicht einmal versuchte, jene zu verstehen, da ich dies für mein Klausurziel – einfach nur zu bestehen – als unwichtig erachtet habe.


Mathestudium-Mythos 2: "Wer nicht regelmäßig Übungsgruppen besucht, ist chancenlos"

Ich bin annähernd nie zur Übungsgruppe gegangen und habe es trotzdem geschafft, obwohl ich nun wirklich nicht das größte Genie schlechthin bin. Mein Klausur-Notendurchschnitt im Mathe-Bachelor liegt nebenbei bemerkt übrigens bei 3,4.

Ich möchte nicht zu stark über die Qualität der Übungsgruppen urteilen. Es gibt sicher hervorragende Übungsgruppen und noch hervorragendere Übungsgruppenleiter. Allerdings ist meine Erfahrung, dass diese Gruppen im Allgemeinen auf einem viel zu hohen Niveau stattfinden und mindestens 70 Prozent von uns Studenten keine Ahnung haben, was die Person da vorne gerade erzählt. Wichtig ist immer, dass du ehrlich zu dir selbst bist und reflektierst, ob dir diese Gruppen wirklich weiterhelfen oder du auch hier nur deines Gewissen wegen sitzt.


Mathestudium-Mythos 3: "Es ist fundamental wichtig, jede Vorlesung nachzuarbeiten"

Ehrlich gesagt bin ich sogar nur wenige Monate lang überhaupt zu Vorlesungen gegangen. Während dieser Zeit habe ich mich nach jeder hingesetzt und versucht, die Inhalte nachzuarbeiten. Da ich allerdings keinen blassen Schimmer hatte, was der Professor mir da zu vermitteln versuchte, sah diese Nacharbeitung dann so aus, dass ich meine Vorlesungsmitschrift einfach nur abschrieb – um dann immer noch nicht einmal im Ansatz zu verstehen, was das ganze Zeug bedeuten solle.

TippAnsgars Tipp

Meines Erachtens lernt man in Mathe immer am besten anhand von Aufgaben. Wenn du also im Zuge der unmittelbaren Klausurvorbereitung die Übungszettelaufgaben innerhalb deiner Lerngruppe besprichst, wiederholst du indirekt sowieso die Vorlesungsinhalte und das noch dazu auf eine viel anwendungsbezogenere und weniger theoretische Art und Weise. Du blätterst also, während du dich mit den Aufgaben beschäftigst, nebenbei ein bisschen im Vorlesungsskript und pickst die Sätze und Definitionen heraus, welche für die Lösung der Aufgabenstellung von Belang sind.


Buch Mythos MathestudiumUNICUM Buchtipp

Unser Gastautor Ansgar Scholten (23) studiert seit dem Wintersemester 2013/2014 die Fächer Sportwissenschaft und Mathematik an der Ruhr-Universität in Bochum.

Nach dreieinhalb Jahren Studienzeit hat er das Buch "Mythos Mathestudium" (Verlag tredition) herausgebracht, mit dem er Mitstudenten helfen möchte, das Studium zu packen und dieses deshalb aus Sicht eines "normalsterblichen" 4,0er-Kandidaten beschreibt.

 

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