Frauen Informatik
Weibliche Informatikstudierende können in eine rosige Zukunft blicken | Foto: Thinkstock/GrapeImages
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08. Mär 2017

Anna Lenja Hartfiel

Studium

Girls, just do IT!

Frauen und Informatik: Der Klischee-Check

Nur jeder vierte Studienanfänger im Fach Informatik ist weiblich

Informatiker sind Nerds, sitzen den ganzen Tag vorm Computer und haben keinen Kontakt zu anderen Menschen. Soweit das Klischee. Dass das natürlich totaler Quatsch ist, beweist unter anderem Katharina. Die 29-jährige macht gerade nämlich nicht nur ihren Informatik-Master an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden, sondern beitreibt auch noch den Modeblog "Kathastrophal": "Wenn ich Leuten erzähle, was ich studiere, reagieren die meistens sehr überrascht."

Dass sich eine Frau für Mode und Informatik interessiert, scheint für viele nur schwer vorstellbar zu sein. In Katharinas Studiengang ist sie auch nur eine von wenigen Frauen. Kein Wunder, denn bundesweit ist nur jeder vierte Studienanfänger im Fach Informatik weiblich. Der Frauenanteil in IT-Unternehmen liegt bei gerade mal 14 Prozent.

Karrierechancen: extrem gut!

Dabei sind IT-Profis – egal ob männlich oder weiblich – extrem gefragt: Kaum ein Wirtschaftsbereich kommt noch ohne Informatik-Experten aus. Ende 2016 gab es mehr als 50.000 offene Stellen in dem Bereich und wahrscheinlich wird die Nachfrage in den nächsten Jahren sogar noch steigen. Vor allem Software-Entwickler werden gesucht. Besonders wer sich in Sachen Cloud Computing, Big Data und App-Programmierung auskennt, muss sich laut dem Branchenverband Bitkom keine Sorgen um seinen Job machen.

Katharina HesseAuch Katharina könnte sich vorstellen, mal eine eigene App zu entwickeln. Aktuell verknüpft sie aber vor allem ihre Leidenschaft fürs Bloggen mit ihren IT-Kenntnissen, indem sie beispielsweise andere Blogger technisch unterstützt und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an ihrer Hochschule. Die Jobchancen in der IT-Branche stehen gut.

Warum schlagen also nur so wenige junge Frauen den Weg in die Informatik ein? "Die Gründe für diese Entwicklung sind sehr vielfältig", erklärt Veronika Oechtering, die das Kompetenzzentrum Frauen in Naturwissenschaft und Technik an der Uni Bremen leitet. "Einer der Gründe ist die gesellschaftlich tief verankerte Vorstellung, dass Technik männlich ist."

Katharina sieht das ähnlich: "Informatik hat viel mit Mathe zu tun. Viele Frauen reden sich ein, oder bekommen vielleicht von anderen eingeredet, dass Mathe nicht so ihre Stärke ist." Außerdem fehlt es ihrer Meinung nach an weiblichen Rollenvorbildern. "Wir haben in meinem Studiengang nur männliche Professoren", erklärt Katharina. Dabei waren in den 1940er- und 50er-Jahren noch viele Frauen in der Informatik tätig.

Als Vorbilder eignen die sich heute aber nicht mehr, wie Veronika Oechtering erklärt: "Deren Tätigkeit wurde zwar Programmieren genannt, das war aber etwas ganz anderes, als heute am Computer zu Programmieren." Viel wichtiger als Vorbilder findet sie aber sowieso, dass Schulen mehr Unterstützung dafür leisten, dass Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Interessen folgen können. Auch Katharina hätte sich in der Schulzeit gewünscht, dass ihr Interesse an Informatik mehr gefördert wird: "Wir hatten zwar ITG-Unterricht, aber die Lehrer, die das Fach unterrichtet haben, hatten viel weniger Ahnung, als viele der Schüler."


Grace Hopper

Von wegen nur Männer: Grace Hopper, Pionierin der IT

Was kaum einer weiß: Den Computer-Bug hat eine Frau entdeckt! Grace Hopper (1906 - 1992) arbeitete für die US-Marine mit dem ersten vollelektronischen Rechner der Welt und gilt als eine der wichtigsten Pionierinnen der Informatik.

Die amerikanische Mathematikerin und Informatikerin erfand außerdem den Compiler – eine Software, die Anweisungen einer Programmiersprache in einen maschinenlesbaren Code übersetzt – und die erste kommerzielle Programmiersprache Flow-Matic.


"Zieht eigenständig los!"

Über ihren Studiengang hat sich Katharina schließlich selbst über die Webseite ihrer Hochschule informiert. Studieninteressierten Schülerinnen empfiehlt sie aber, Informationstage an Hochschulen zu nutzen: "Wenn ich jetzt noch mal Schülerin wäre, würde ich solche Angebote gerne nutzen, um auch mal mit Studierenden ins Gespräch zu kommen."

Auch Veronika Oechtering empfiehlt, Schnupperangebote von Hochschulen zu nutzen und sich dabei auch mit anderen Studieninteressierten, die in der gleichen Situation sind, auszutauschen. "Das hilft sehr, um zu einer guten Entscheidung zu kommen", sagt sie und rät zu Eigeninitiative: "Zieht eigenständig los, sucht euch die Angebote und wartet nicht darauf, dass eure Schulen euch dabei unterstützen – das wäre wünschenswert, passiert aber leider nur selten."


InfoInformations- und Netzwerkangebote für junge Nachwuchs-Informatikerinnen

  • 20. Informatica Feminale
    Die internationale Sommeruniversität richtet sich an Schülerinnen kurz vor dem Studienbeginn, Studentinnen der Informatik und aller Fächer und Fachfrauen aus der Informatik und findet vom 7. - 25. August 2017 in Bremen statt.
  • Komm, mach MINT.
    Unter www.komm-mach-mint.de gibt’s alle Infos zum Thema MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und eine bundesweite Übersicht von Schnuppertagen über Mentoringangebote bis hin zu Wettbewerben.
  • MINTalente
    In dem Projekt des Verein Deutscher Ingenieure (VDI) geben über 450 Ingenieurinnen, Informatikerinnen, Naturwissenschaftlerinnen und Technikerinnen der MINT-Fachrichtungen ihre Erfahrungen an Schülerinnen und Studentinnen weiter.
  • tasteMINT
    In dem dreitägigen Potenzial-Assessment-Verfahren kannst du deine Stärken für den MINT-Bereich ausprobieren.

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